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Fortschritt im US-Tv

Der Disney Channel zeigt erstmals ein lesbisches Paar mit Kind

Die kleine Charlie kriegt Besuch von Freundin Taylor – und die hat gleich zwei Mamis im Schlepptau: Für manchen Konservativen in den USA geht das schon zu weit.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein grosser für den Disney Channel: Erstmals in der Geschichte des Senders hat das Heile-Welt-Programm in einer Serie ein gleichgeschlechtliches Paar mit Kind gezeigt.

Der Ort dieses TV-historischen Ereignisses: Das Haus der Familie Duncan aus der Serie «Meine Schwester Charlie». Der Plot ist denkbar harmlos: Die Duncans, Hauptfiguren der Serie, laden Taylor zum Spielen ein, eine Freundin der Tochter Charlie. Taylor bringt aber nicht Mami und Papi, sondern Mami und Mami mit. Viel mehr ist es nicht.

Vater Duncan sieht sich zur Bemerkung veranlasst: «Also hat Taylor zwei Mamis.» Worauf Mama Duncan erwidert: «Wow, dir entgeht aber auch nichts, Bob.»

Die Bildschirm-Muttis Susan und Cheryl sind zwei sehr fröhliche, sehr blonde Frauen, die aussehen, als könnten sie auch Werbung für kalorienreduzierte Frühstückscerealien machen.

Das Echo in den sozialen Netzwerken war überwiegend positiv:

«Auch wenn der Disney Channel Blödsinn ist, bin ich doch so stolz, dass sie das erste offen lesbische Paar eingeführt haben», schreibt dieser User beispielsweise.

«Konservative Familien sollten Disney auffordern, kontroverse Themen zu vermeiden»

Vertreter der rechtskonservativen One Million Moms

Doch es gab auch kritische Stimmen: Vertreter der rechtskonservativen One Million Moms verurteilten die Episode. Die umtriebigen Mütter der christlich-fundamentalistischen American Family Association hatten einst einen Boykott gegen den US-Kaufhaus-Riesen J.C. Penney angeregt, nachdem dieser die offen lesbisch lebende Star-Moderatorin Ellen DeGeneres als Sprecherin verpflichtet hatte.



 «Konservative Familien sollten Disney auffordern, kontroverse Themen zu vermeiden, die Kinder aufgrund ihres Alters nicht verstehen können», heisst es in diesem öffentlichen Schreiben. «Dinge dieser Art werden zu früh und zu schnell vermittelt, und das ist vollkommen unnötig.»

Der Sender jedoch stand zu seiner Entscheidung, indem er darauf verwies, dass die Figuren der Sitcom die Welt von heute reflektierten, in der es eben junge Zuschauer mit gleichgeschlechtlichen Eltern gäbe. Ganz getreu dem Motto des Disney Channel: «Normale Jugendliche in unnormalen Situationen».

«Die Folge wurde in Zusammenarbeit mit Experten für kindliche Entwicklung und weiteren Beratern erarbeitet», sagte eine Sprecherin von Disney, als im Juni 2013 die Darstellerliste öffentlich wurde. «Wie alle Disney-Channel-Sendungen ist auch diese für Kinder und Erwachsene weltweit gemacht und soll Themen wie Vielfalt und Inklusion aufgreifen.»  

Doch dieses sozialpädagogische Engagement hat nun ein Ende. Weil die skandalöse Folge von «Good Luck Charlie» die vorletzte der auslaufenden Serie war, werden Taylors Mamis vermutlich in der Versenkung verschwinden.

(ulz/ala)

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