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11 unübersetzbare schweizerdeutsche Wörter, die total verheben, imfall

22.04.16, 11:03 22.04.16, 13:24


In jeder Sprache der Welt gibt es Wörter und Begriffe, zu denen keine deckungsgleiche Übersetzungen existieren. Das Wort Schadenfreude etwa: Das Konzept existiert überall auf der Welt, doch es war den Deutschen vorbehalten, das Lexem dafür zu kreieren. Oder das Verb to tartle aus dem schottischen Dialekt. Sinngemäss bedeutet es, zu zögern, weil man sich nicht gleich an den Namen des Gegenübers erinnern kann. Oder der französische frotteur (ein Herr, der Freude daran findet, in Menschenmassen seinen Beckenbereich an Damenpos zu reiben): Weltweit kennen Frauen solche Typen. Die Franzosen haben aber ein eigenes Substantivum dafür. 

Um eine Gesellschaft zu entschlüsseln, so der Erzähler im Roman Shame von Salman Rushdie, muss man deren unübersetzbare Wörter betrachten. Und deshalb beginnen wir gleich mit … 

... verhebe

Das beste Schweizer Wort überhaupt! Das Schweizer Wesen in a nutshell! Nichts ist schweizerischer als dieser Ausdruck. Und nein, standhalten oder to hold up sind keine deckungsgleichen Übersetzungen davon. 

A watchmaker makes a watch, pictured at Swiss luxury watches manufacturer Hublot in Nyon, canton of Vaud, Switzerland, on March 6, 2014. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Ein Uhrmacher baut eine Uhr zusammen, aufgenommen beim Schweizer Luxusuhrenhersteller Hublot in Nyon am 6. Maerz 2014. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Bild: KEYSTONE

Andere Nationen mögen vielleicht als innovativer oder kreativer gelten, doch wenn die Schweizer etwas umsetzen, dann verhebts. Schweizer Präzisionsmechanik, die ausgewogene Anlagestrategie, die Bratwurst am Grümpelturnier (auch so ein schönes Schweizer Wort), die Wanderschuhe vom Vater, die neue Frisur deiner Arbeitskollegin, das Alibi von Samstagnacht: Das alles verhebt.

zwe Manne, zwo Froue, zwöi Ching 

2. zwe Manne, zwo Froue, zwöi Ching 
10 unübersetzbare schweizerdeutsche Wörter, die total verheben, imfall

Bild: shutterstock

Ha! Das Konzept des Duals gibt's (fast) nur noch in schweizerdeutschen Dialekten.

cheib / chaib

Ursprünglich bedeutete das mal Aas. Heute ist es eines der schönsten Universal-Adjektive überhaupt. Aber Achtung: E cheibe schöni Gritte ist nicht dasselbe wie e schöni cheibe Gritte (mit dem Ersteren wäre eine sehr schöne Frau gemeint, mit dem Letzteren eine etwas, öh, widerborstige Dame, die schön ist). Ach ja, cheibe ist auch noch ein Universal-Verb (springen, rennen, flüchten usw.) und Cheib ein Substantiv. Es gibt den Chreis Cheib in Zürich und dummi Cheibe gibt es überall.

Und ausserdem gibt es noch diesen Satz hier: 

GIF: giphy

«Dä cheibe Cheib cheibet cheibemässig dä Cheib durab.»

Längizyti

GIF: Giphy

Im Berndeutschen ein Gemisch zwischen Heimweh, Fernweh, Sehnsucht – einfach ein bisschen, naja, melancholischer. Vielleicht ist sie am ehesten mit dem portugiesischen saudade verwandt. 

chröömle

10 unübersetzbare schweizerdeutsche Wörter, die total verheben, imfall

Bild: 

Gewiss, auch in anderen Ländern kennt man die Freude, sich für wenig Geld etwas Kleines zu gönnen – meist vom Kiosk. Doch nur die Schweizer haben eigens dafür ein Verb. 

gäbig … 

… ist handlich, aber auch bequem. Und angenehm. Und je nach Landesteil auch ziemlich sympathisch und umgänglich. Das alles. In einem Wort. Ein gäbiges Wort, dieses gäbig. 

ZUM THEMA

Bild: KEYSTONE

äuä / äuäääh

Nicht einmal allen Schweizern ist der Unterschied zwischen den Bernischen äuä und äuäää ganz klar. Somit ist dies ein hervorragendes Wort, um jedem nur des Hochdeutschen mächtigen ein Fragezeichen ins Gesicht zu schreiben.  

GIF: giphy

«Äuä scho? Äuäää!»

Hundsverlochete

GIF: giphy

Streng genommen bedeutet dies ein Hundebegräbnis; im übertragenen Sinn aber eine Veranstaltung, die den Besuch nicht lohnt. Hundsverlochete gibt es weltweit. Die Schweizer waren ehrlich genug, dem einen Begriff zu schenken. 

enart

GIF: Giphy

«Geht es dir auf eine Weise noch?» Nein, das ist schlicht und einfach kein Deutsch (versucht es gar nicht auf eine andere Sprache). «Gaht's enart no?» ist aber perfektes Ostschweizerdeutsch, und beispielhaft für den Einsatz des helvetischen Betonungsworts (siehe auch huere, uhuere, uu, uhuene etc.).

töibele

GIF: giphy

Auf Hochdeutsch trötzeln, nur ist töibele viel körperlicher. Auf Englisch wäre das to throw a tantrum, bloss ist töibele eindeutiger aufs Kleinkind-Alter beschränkt. Rund um die Welt töibeln die Kinder; in der Schweiz aber mit eigenem Tätigkeitswort. 

imfall

In welchem Fall? Im Falle eines Falles? Nein, einfach so, imfall. Eine unverfroren selbstgerechte Art, ein angebrachtes Argument zu betonen. Nur so, imfall.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Bobness 14.05.2016 12:54
    Highlight Doch, verhäbt der Artikel. Ein Siebesiech, dieser Baroni!
    0 0 Melden
  • Dysto 14.05.2016 10:24
    Highlight Chröömele ist im Berndeutschen dann das Gänggele.

    Und was ist denn mit "ömu"?
    0 0 Melden
  • Fredu 26.04.2016 09:09
    Highlight O.K. wobei ich vermute, dass "töibele" der Aussprache nach im Berndeutschen "töipele" oder sonst halt "töibbele" geschrieben werden müsste, da ein b einfach zu schwach klingt. Zum gleichen Thema passt dann auch noch das "zwänge", du bisch ä Zwängigring! ;-)
    1 0 Melden
    • Schreiberling 04.05.2016 08:52
      Highlight Töibele gibt's aber auch im Züridütsch, und dort ist das "b" weicher.
      1 0 Melden
    • Dysto 14.05.2016 10:28
      Highlight Ich hab Fredu so verstanden, dass er meinte, dass es spezifisch im Berndeutschen eher mit "p" geschrieben werden müsste. Also ich schreibs mit "p", mein Zürcher Kollege aber mit "b". Und nicht, dass es bei Zürchern gar nicht gäbe.
      0 0 Melden
  • dodo62 25.04.2016 20:47
    Highlight Ha hüt en gmeindsmitarbeiter gseh wo isch go "fötzele" cha mer sicher übersetze aber nöd mit eim wort
    0 0 Melden
  • lifepeanut 25.04.2016 18:54
    Highlight mini top 3

    1.tschädere looh (einen Drauf machen)
    2. gügälä (saufen)
    3. schnoiggä (ähnlich wie chrömmle, eher rumnuscheln) http://x
    1 1 Melden
  • Caturix 24.04.2016 07:49
    Highlight Gang go. I gang go suufe, oder irgend etwas anderes.
    3 0 Melden
  • Humpe 23.04.2016 21:53
    Highlight "schampar" (~sehr) fehlt auf jeden Fall in der Aufzählung!
    5 0 Melden
    • Kian 23.04.2016 21:56
      Highlight Kommt einfach vom deutschen «schandbar».
      2 2 Melden
  • themachine 23.04.2016 13:04
    Highlight Mein Lieblingswort ist pabä. Beispiel: "Bind s'Päckli pabä zue." Und nein bündig ist keine zutreffende Übersetzung.
    1 3 Melden
  • AnGeBer 23.04.2016 10:17
    Highlight Bei diesem Wetter kann gut gigampfen und Wasser stampfen. Oder doch lieber ne Runde auf der Gireizel gireizeln :-)
    4 0 Melden
  • JThie 22.04.2016 20:30
    Highlight Goof oder Saugoof ist auch schwer zu übersetzen...
    Klar ist ein "Goof" ein Kind... Aber nicht jedes Kind ist ein "Goof". Oder sehe ich das falsch?
    Und wie könnte man "Saugoof" übersetzen?
    Wäre froh um Vorschläge, da mein deutscher Partner von meinen Erklärungen nur verwirrt ist. :)
    5 3 Melden
    • Karl Müller 23.04.2016 10:19
      Highlight Saugoof = Rotzgör oder Rotzblag
      8 0 Melden
    • Homes8 23.04.2016 11:08
      Highlight Ä Gof chunt glaub vo Gufe, (kleine Stecknadel), spöter wird den eventuell e Stift drus, no spöter gits den eventuel ä Muetter drus. Am Schluss mache mr d'Schrube.

      (Zur Erinnerung: Schweizerdeutsche Kommentare werden in der Regel nicht freigeschaltet, Anmerk. d. Red.)
      2 0 Melden
    • Homes8 23.04.2016 12:44
      Highlight Wieso, können die von der NSA kein Schweizerdeutsch?
      24 0 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • tronic_fx 22.04.2016 19:12
    Highlight "Item", wenns "aube" rägnet goh ech de secher "afe" mou i "Schärme".

    Kann mir das jemand in eine andere Sprache übersetzen?
    5 2 Melden
    • Ylene 22.04.2016 22:15
      Highlight Mou, äuä scho 1:1 unübersetzbar (in den mir bekannten, dh. paar wenigen Fremdsprachen). Aja, Schärme, das CH-Lieblingswort meiner deutschen Arbeitskollegin. Auch äusserst beliebt bei den deutschen Kollegen - "Wartet mau 'schnäu'" "Jetzt müesst dr de 'langsam' pressiere" und das "Sit dr no da?" am Telefon. Eher als sexuell belästigend empfanden der eine Deutsche 'Wöi mer tuusche?' (Paninibildli dänk, du Hoschi, ned dusche) und unser Zürcher 'Gö mer go schlöfle?' (Schlittschuhlaufen, du Glüngi, dem seit me hie dänk so). Ach, ich schwenke ab.
      22 0 Melden
  • Safster 22.04.2016 13:55
    Highlight "gäbig" ist wahrscheinlich ziemlich genau "praktisch".
    12 4 Melden
    • larifari 23.04.2016 09:18
      Highlight Auso uf bärndütsch seisch zum bispiu: "das isch e gäbige cheib/typ" gloubä nid dass das mit praktisch o funktioniert
      21 0 Melden
  • maxi 22.04.2016 12:05
    Highlight eh schöni cheibe gritte, moss ned zwengend schön sie....du besch mer eh schöne luusbueb hed jo au nüd met ehm ussgseh zdue;)
    26 5 Melden

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