People
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04384727 (FILE) A file picture dated 26 April 2010 shows US comedienne Joan Rivers during her 2010 Tribeca Film Festival opening of 'Joan Rivers: A Piece of Work' in New York, New York, USA. According to media reports on 04 September 2014 Joan Rivers died at age 81. She stopped breathing after complications during an outpatient procedure and was rushed to a hospital last week.  EPA/JASON SZENES *** Local Caption *** 02132774

Joan Rivers 2010  Bild: JASON SZENES/EPA/KEYSTONE

Ruhe in Frieden

US-Komikerin Joan Rivers: Lästermaul mit Herz 

Die legendäre US-Komikerin Joan Rivers ist tot. Die 81-Jährige starb an den Folgen einer Operation. Sie war die erste – und lange einzige – Frau im US-Humor-Business und schreckte vor keinem Tabu zurück. Doch hinter ihrer Maske steckte viel Leid.

05.09.14, 08:35 05.09.14, 10:04

Marc Pitzke, New York 

Ein Artikel von

Ihren letzten Auftritt hatte sie vorige Woche, in einem kleinen Cabaret an der 42nd Street. Da war Joan Rivers in ihrem Element, riss vor 100 grölenden Fans die üblichen Zoten – vor allem über sich selbst. «Ich bin 81, ich könnte jeden Moment sterben», ächzte sie. «Ich könnte direkt hier umfallen, auf der Bühne. Und dann könntet Ihr alle sagen: Ich war dabei!»

Tags darauf versagte der legendären US-Comedienne während einer ambulanten Stimmbandbehandlung das Herz. Nach einer Woche im künstlichen Koma starb sie an diesem Donnerstag.

FILE - In this Feb. 24, 2013, file photo, Meryl Streep appears at the Oscars at the Dolby Theatre  in Los Angeles. Empty seats were rare Thursday night, April 24, 2014, at Lincoln Center’s Alice Tully Hall, in New York, for “Poetry & the Creative Mind,” an all-star celebration presented by the Academy of American Poets. Streep recited works on parenting by Sylvia Plath and Richard Wilbur, while Tina Fey was at her comic best reading James Tate’s “The List of Famous Hats,” and Patrick Stewart chose Carl Sandburg’s “Jaws” and a personal favorite, Edna St. Vincent Millay’s “God’s World.” (Photo by Chris Pizzello/Invision/AP, File)

Ginge es nach der Verstorbenen, müsste diese Dame auf Rivers Beerdigung «in fünf Akzenten heulen»: Meryl Streep. Bild: Keystone

Über das morbide Timing hätte sie selbst wohl am meisten gekalauert. Je älter Joan Rivers wurde, desto gnadenloser witzelte sie über ihr «Verfallsdatum». Etwa in ihrem Buch «I Hate Everyone... Starting with Me»: Ihre Beerdigung möge bitte ein «grosser Showbusiness-Event» werden, mit TV-Kameras, Paparazzi und einer «in fünf Akzenten heulenden» Meryl Streep.

Gar nicht so abwegig. Schon während Rivers im Krankenhaus lag, verbeugte sich Amerikas Entertainment-Szene kollektiv vor der «Queen of Mean» (Königin des Fiesen) – obwohl die ihre 50-jährige Karriere damit bestritten hatte, Stars zu beschimpfen. Da bangte selbst Donald Trump, einer ihrer Lieblingssubjekte: «Gute Besserung, Joan», twitterte der Immobilienhai. «Halte durch.»

Joan Rivers in Action

video: youtube/CNN

Denn von Rivers verrissen zu werden, war der ultimative Ritterschlag. Cher – über die Rivers endlos herzog – soll protestiert haben, als die Witze über sie aufhörten. «Von dir den Arsch aufgerissen zu bekommen», twitterte «Girls»-Star Lena Dunham an die Adresse «Eurer Majestät Joan Rivers», «ist eine hohe Ehre.»

Hinter der kalten Maske aber, dem zur Karikatur erstarrten Produkt Dutzender Schönheitsoperationen («Wenn ich sterbe, spende ich meinen Körper an Tupperware»), versteckten sich tiefe Wunden und noch tiefere Einsamkeit. Pionierin zu sein, als lange einzige Frau in einem von Machos beherrschten Berufsfeld, erforderte Kraft, Härte und Opfer.

«Wenn ich sterbe, spende ich meinen Körper an Tupperware»

Rivers war die erste ihrer Art – und die letzte. Relikt einer Ära, in der Amerika spätabends vor dem Fernseher hockte, um sich von höflichen Herren die Welt im Witz erklären zu lassen. Allen voran Talk-Ikone Johnny Carson, der ihr in seiner «Tonight Show», einer sexistischen Männerbastion, zum Durchbruch verhalf.

Best of Joan Rivers

video: youTube/Mashable

1965 war das. Zuvor war die Tochter jüdischer Russen jahrelang durch Clubs und Kurhotels getingelt, freute sich über jeden Buhruf. So darf eine Frau doch nicht reden, brüllten sie – und spornten sie nur an.

Zu Carson kam sie in Cocktailkleid. Perlenkette und Federboa und hatte sich «Hals und Beinbruch» und «Viel Glück» auf die spitzen Knie gekritzelt. Ihr Standup-Set war unendlich schmutziger als der Humor ihres galanten Gastgebers. «Du wirst mal ein Star sein», prophezeite ihr der sofort.

This undated image released by NBC shows comedian Joan Rivers, left, and host Johnny Carson during

Joan Rivers bei Johnny Carson Bild: Keystone

Carson wurde ihr Mentor, heuerte sie als seine Dauervertretung an – und verstiess sie 1986, als sie ihre eigene Talkshow wagte. Bis zu seinem Tod 2005 sprach er kein einziges Wort mehr mit ihr und sorgte auch dafür, dass das Network NBC sie mit dem Bannfluch strafte.

Rekorde, Rückschläge, Rüpeleien

Rivers teilte so gut aus, wie sie einstecken musste, was blieb ihr auch übrig. Ihr Leid war ihre Inspiration, ihre Komik das einzige Mittel, so ein Leben zu verkraften. Millionen sprach sie damit aus dem Herzen. 

Willig spielte sie die Red-Carpet-Nervensäge, die Celebrity-Kritikerin, das Schreckgespenst der Schönheitschirurgie. Vor nichts und niemandem schreckte sie zurück. Weder vor dem Suizid ihres Ehemannes Edgar Rosenberg: «Laut Testament kriege ich sein Geld nur, wenn ich ihn jeden Tag besuche, also liess ich ihn einäschern und seine Asche im Kaufhaus Neiman Marcus verstreuen.» Noch vor dem Tabu Holocaust: «Ich bin die lustigste Jüdin, die nicht in den Gaskammern gelandet ist.»

Dahinter gärten Kummer und «die Angst, völlig vergessen zu werden». «Mein Sexleben ist so schlecht», rief sie, «mein G-Punkt wurde unter Denkmalschutz gestellt.»

Joan Rivers über Sex

video: youtube/BBC Worldwide

Und so begann sie ihn von vorne, den Zyklus aus Trauma, Trash und Glamour. Startete eine neue Talkshow, bekam einen Stern auf dem Hollywood Boulevard, wurde wieder arbeitslos, erfand sich als Oscar-Modekritikerin neu («Who are you wearing?»), wurde abermals abgesetzt, war zu Gast bei der Hochzeit von Prinz Charles und Camilla Parker Bowles, gewann Donald Trumps Realityshow «Celebrity Apprentice», verhökerte Schmuck im Shopping-Sender QVC.

«Ich werde nie in den Ruhestand gehen», schwor sie 2010 in «Joan Rivers – A Piece of Work», einem preisgekrönten Dokumentarfilm über sie. «Wenn's sein muss, mache ich Fernsehwerbung für Seniorenwindeln.»

Nur zu einem war sie nicht bereit. Schriftlich hatte sie sich lebenserhaltenden Massnahmen verboten, sollte sie so krank werden, dass sie keine Witze mehr machen könnte.

(lue)



Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Nach Rausschmiss von «Guardians of the Galaxy»-Regisseur: Darsteller droht Disney

Ende Juli hatte das Filmstudio Disney den Regisseur James Gunn gefeuert. Als Grund gab man derbe Witze über Pädophilie und Vergewaltigung an, die Gunn vor fast zehn Jahren auf Twitter veröffentlicht hatte. Gunn führte bei den bisherigen zwei «Guardians of the Galaxy»-Filmen Regie und war bei Fans und Cast äusserst beliebt.

Gunn hatte sich damals sogleich entschuldigt und Fehler eingeräumt. Er sagte, dass er vor zehn Jahren ein anderer Mensch gewesen sei, der provozieren wollte, sich inzwischen …

Artikel lesen