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So sieht es aus, wenn Jason Reitmans Schulklasse mit den wirklich wichtigen Dingen beschäftigt ist. Bild: Paramount Pictures

Pubertät heute: Sexting ist super, Sex geht gar nicht

Jason Reitman, Regisseur von «Juno» und «Up in the Air», zeigt in seinem neuen Film «Men, Women & Children», wie gross der digitale Abgrund zwischen den Generationen ist. Und wie fragil die neue Heimat Internet.



Es gibt die Erde und das All. Die Realität und die Virtualität. Dazwischen: riesige Gräben, Un- und Missverständnisse, Schieflagen der Verhältnisse. Immer mehr, immer grössere – je schneller die Kluft wächst. Und mitten in der Kluft, die im Englischen «Limbo» heisst – eine Vorhölle, ein Fegefeuer, ein Schwebezustand – die Pubertierenden. Schon fast Erwachsene, aber immer noch an der Nabelschnur der Abhängigkeit. Unsicherer als jedes andere Menschenalter. Zugleich dunkler und durchsichtiger. 

Die Pubertät ist die Zeit, in der man sich zum zweiten Mal in einem embryonalen Zustand befindet. Nur mit dem Unterschied, dass man sich jetzt selbst gebären wird. Dass man am Ende als unabhängiger, erwachsener Mensch dasteht. Im Idealfall. 

Die Suche nach Intimität führt zu Porno

Das war früher schon so, das ist jetzt noch so, bloss ist es jetzt unendlich viel komplexer, komplizierter, schöner und schmerzhafter zugleich. Denn die Pubertierenden von heute sind Digital Natives und damit in eine andere Welt hineingeboren worden als ihre Eltern. Die Beweglichkeit der Natives ist virtuos, doch die virtuelle Welt, in der sie sich tummeln, haben sie sich nicht selbst erfunden: Erwachsene haben sie für erwachsene Bedürfnisse kreiert.

Men Women children

Gute Nacht, liebe Bildschirme! Rosemarie DeWitt und Adam Sandler als Elternpaar. Bild: Paramount Pictures

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Zwar gibt es im Netz die nerdige, verspielte Verlängerung der Kindheit. Doch die Suche nach Intimität etwa führt sofort zum effizienten, emotionslosen Porno. Der fünfzehnjährige Chris (Travis Tope) kriegt nur noch einen hoch, wenn er durchs Internet stimuliert wird. Sexting ist super, Sex mit einem echten Mädchen geht gar nicht. Und sein Vater Don (Adam Sandler) kann viel besser vor dem Computer seines Sohnes masturbieren als vor dem eigenen, weil der Algorithmus des Sohnes einfach viel naiver und dadurch enthemmter trainiert worden ist.

«Men, Women & Children», zu deutsch «#Zeitgeist», heisst der neue Film von Jason Reitman («Juno», «Up in the Air») und er ist ein multimediales und multifamiliäres Patchwork einer amerikanischen Provinzschulklasse inklusive Elternhäuser. Ein leichter und wehmütiger, berührender und abstossender Film. Ein schöner Film. Kein vollkommener, dazu ist er eine Spur zu lang und zu didaktisch.

Für Reitmans Filmkinder ist die bipolare Zweiwelten-Existenz normal, sogar mit einem Überhang ins Virtuelle, denn wer in echt niemanden anzusprechen wagt, kann sich im Netz hinter vielfachen Existenzen verstecken und austoben. Und wird im Netz plötzlich viel sichtbarer als im Leben. Selbstwert ist Netzwert. In die Realität zurück übersetzen lässt sich dies allerdings kaum. 

men women children

Allison (Elena Kampouris, r.) ist dank einer Pro-Anorexie-Website so dünn geworden. Jetzt gefällt sie endlich ihrem Traumjungen. Bild: Paramount Pictures

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Die magersüchtige Allison (Elena Kampouris), die nicht über ihre Magersucht reden kann, findet im Anorexie-Chat genügend Unterstützerinnen, die ihr im Kampf gegen den Hackbraten helfen, mit dem ihr gutmütiger Vater (Oscargewinner J.K. Simmons) sie zu verführen versucht. Der depressive Tim (Ansel Elgort) gibt Football auf, um mehr Zeit für Rollenspiele zu haben. Und erlebt seine grösste Demütigung, als seine Mutter, die mit einem andern Mann durchgebrannt ist, ihn von ihrem Facebook-Account aussperrt. Tims verlassenere Vater ist übrigens «Breaking Bad»-Star Dean Norris. 

Jennifer Garner als Terrormutter

Die Anbindung der Kinder ans Netz ist existenziell, präzise und durchaus komplex. Die der Eltern experimentell, fahrlässig oder gar paranoid. Chris' Eltern fallen beide auf die Werbung einer Seitensprung-Agentur rein – und haben zufälligerweise beide Glück. Donna (Judy Greer), eine gescheiterte Schauspielerin, schiesst selbst erotische Fotos ihrer Tochter und verkauft sie im Netz.

Und dann ist da noch Patricia (Jennifer Garner), die um ihre Tochter herum ein Dornröschenschloss aus Überwachungssoftware installiert hat, und sich jeden Abend daran macht, «das Internet zu reinigen». Eine fürchterlich verschrobene, geradezu hochkriminelle Person, die ausleben dürfte, wovon wohl viele echte Eltern träumen. Und die Inkarnation der These, dass Privatsphäre und Netz das grosse Paradoxon unserer Zeit sind. Dass wir online am Ende nichts anderes sein könnten als ein einziger, transparenter Verkehrsknotenpunkt. Und dabei so unbedeutend und verletzlich wie eine Schneeflocke. 

Das Zürcher Filmpodium zeigt «Men, Woman & Children» ab 21. Mai insgesamt zehn Mal. Am 21. Mai findet zudem direkt im Anschluss an den Film (um ca. 20 Uhr) eine Podiumsdikussion unter der Leitung von Prof. Dr. Monika Dommann vom historischen Seminar der Uni Zürich statt. Thema: «Privatsphäre in der Netzwelt».

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