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Zwei Studentinnen aus Hamburg schenken der Schweiz eine geniale Werbekampagne. Und dabei hat sie gar keiner darum gebeten



In Bern ist man angetan und entspannt. In Hamburg überfordert. Und alles wegen einer Werbekampagne, die gar keine ist, sondern die Arbeit von zwei Studentinnen. Die sich für ihr Projekt die Hilfsorganisation Terre des Femmes als fiktiven Auftraggeber ausgewählt haben. Amerikanische Medien identifizierten Terre des Femmes sofort als schweizerische Hilfsorganisation, obwohl es sie in Deutschland genauso gibt, und loben nun die Schweiz«a brilliant ad campaign», «a powerful feminist poster series» für ihre ungewöhnliche Anzeige. 

Im Berner Terre-des-Femmes-Büro ist die Freude über die unerwartete Aufmerksamkeit gross, auch wenn niemand eine Ahnung hat, wie die Kampagne zustande gekommen ist: «Lassen Sie uns wissen, wenn Sie etwas herausgefunden haben», heisst es.

Die drei Sujets, die zeigen, wie Frauen anhand von Ausschnitt, Rocklänge und Absatzhöhe vermessen werden und je nachdem als «Hure» oder «prüd» gelten, stammen von Theresa Wlokka (25) und Frida Regeheim (22), und die beiden sind Studentinnen der Werbeschule Miami Ad School in Hamburg. Eine geschickte Hinterfragung gesellschaftlicher Klischees, die sich allein an Äusserlichkeiten festmachen. In Hamburg heisst es, man sei «gerade ein bisschen überfordert» und müsse sich erst mal ein Statement zurechtlegen, man werde gerade «total überrannt».

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bild: Wlokka/regeheim

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bild: wlokka/regeheim

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bild: wlokka/regeheim

Theresa Wlokka erzählt schliesslich, dass die Arbeit bereits seit Mai 2014 in ihrem Portfolio gelegen habe, aber erst vor einer Woche hätten sie sich ans Werberportal «Ads of the World» gewandt. Seither sind sie viral, Schweden, die Türkei, Brasilien, Argentinien hätten schon reagiert.

Wie eine «schwarze Gewitterwolke» hängt allerdings über den beiden, dass die kanadische Künstlerin Rosea Lake sich ohne Rücksprache an die «Huffington Post» wandte und sie des Plagiats bezichtigte. Tatsächlich hatte Lake 2012 als Studentin ein sehr ähnliches Motiv kreiert. Dem man aber wiederum vorwerfen könnte, ein Plagiat einer feministischen Strumpfhosen von 2011 zu sein.

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Die Arbeit von Pomona Lake (l.) und die der Hamburgerinnen. bild : via huffingtonpost

Lake ist bekannt dafür, ihre Arbeit weltweit plagiiert zu sehen, und weigert sich, mit den Hamburgerinnen zu kommunizieren, Wlokka spricht von «schlaflosen Nächten». Dabei wäre es so einfach, nachsichtig zu sein, erstens, weil es um eine gemeinsame Sache geht, zweitens, weil es sich in beiden Fällen um studentische Arbeiten, nicht um Plagiate der Werbegeschichte handelt. Wir freuen uns jedenfalls, dass die gute Arbeit von Terre des Femmes jetzt plötzlich weltweite Aufmerksamkeit geniesst, ohne dass sie dafür bezahlen mussten. Das nennt man wohl ein virales Werbewunder. (sme)

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