Populärkultur
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illustration: florian burkhardt/electroboy

«No dick, no entry»: Was nervt einen schwulen Partyveranstalter am meisten? Schwule!

Bevor Electroboy zum Filmheld wurde, hat er die Zürcher Partyszene aufgemischt. Jetzt lebt er in Berlin. Und denkt im Café Liebling in Prenzlauer Berg für uns über die Welt nach.



2004 gab es in Zürich keine schwule Party, die Electro spielte. Was mich veranlasste, eine Party namens «electroboy» zu organisieren und den kleinen Provitreff mit Electropop und Electroclash zu fluten. Die schwule Presse war begeistert.

«electroboy» wanderte weiter, vom Moods in die Dachkantine und schlussendlich ins Rohstofflager. So wurde aus einem winzigen Anlass ohne DJ ein Festival. Spätestens in der Dachkantine verlor ich dann die Unterstützung der schwulen Community, weil an die «electroboy» auch Heteros kamen. Und wenn es Heteros gibt, dann ist es keine schwule Party mehr. 

«electroboy» rutschte von der schwulen in die allgemeine Presse. Mich hat das nicht gestört, weil sich «electroboy» über das Lineup und den visuellen Rahmen definieren sollte und weniger über die Sexualität des Publikums. Mehr noch, es hat mich gefreut, dass es für immer mehr Heteros scheinbar keine Berührungsängte mehr gab. Und als einer, der noch ausschliesslich im T&M an der Marktgasse öffentlich einen Mann küssen durfte, war ich glücklich, dass es an einer «electroboy» kein Thema war, wer wen anmachte. 

«Ich war verwirrt, zu sehen, dass viele Schwule gar nicht aus dem Keller wollten.»

Ich hatte das Gefühl, dass die Zeit des Schwulen-Ghettos vorbei war. Ich dachte: «Kommt raus aus dem Keller, wir dürfen auch öffentlich, draussen und bei Tageslicht Männer lieben.» Ich war verwirrt, zu sehen, dass viele Schwule gar nicht aus dem Keller wollten. Es gefiel ihnen ganz gut, unter sich zu sein. Es gab Partys mit dem Slogan «No dick, no entry». Frauen als Begleitung waren unerwünscht. 

Mein Problem war, dass ich dafür kein Verständnis hatte. Denn ich genoss das neue schwule Selbstbewusstsein in der öffentlichen Gesellschaft. Es gab plötzlich schwule Popstars und einen offen schwulen Bürgermeister in Berlin. Ich musste nicht mehr in den Kellerclub hinunter steigen, um Schwule kennenzulernen.

«Das gemeinsame Ziel ist erreicht: Schwulsein ist in unserer urbanen Umgebung akzeptiert, die Ghettoisierung ist nicht mehr nötig.»

Der schwule Kiez in Berlin entleerte sich, die Schwulen verteilten sich über die Stadt. Ich musste und wollte nicht mehr in einer schwul-hermetischen Exklusivwelt leben. Ich sah in der Homosexualität – eben: eine Sexualität, keine Lebenseinstellung. Und ich lernte immer mehr Leute kennen, die mein Unverständnis für jene teilten, deren Welt eine ausschliesslich schwule war, waren wir doch überzeugt, endlich da angekommen zu sein, wo wir immer hinwollten, in einem Leben, wo es kein Thema mehr ist, ob man schwul oder hetero ist. 

Das gemeinsame Ziel ist erreicht: Schwulsein ist in unserer urbanen Umgebung akzeptiert, die Ghettoisierung ist nicht mehr nötig, also wieso sollten wir Schwule uns jetzt reaktionär von der Welt abgrenzen? Das kleine Gay-Universum T&M gibt es nicht mehr, auch das legendäre Aera und das berüchtigte Labyrinth haben ihre Pforten geschlossen. Wir haben sie mit der Unterstützung der Gesellschaft gestärkt verlassen. Die hermetische Schwulenwelt hat einen wohlverdienten Ausgang in eine tolerantere Allgemeinwelt gefunden. 

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