Populärkultur
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILMBILD / T: Chennai Express / Chennai Express D: Shah Rukh (Shahrukh) Khan R: Rohit Shetty P: IND J: 2013 DA: * Bildrechte: RapidEyeMovies Originaldateiname: 668645 Filmstill // HANDOUT / EDITORIAL USE ONLY! / Please note: Fees charged by the agency are for the agency’s services only, and do not, nor are they intended to, convey to the user any ownership of Copyright or License in the material. The agency does not claim any ownership including but not limited to Copyright or License in the attached material. By publishing this material you expressly agree to indemnify and to hold the agency and its directors, shareholders and employees harmless from any loss, claims, damages, demands, expenses (including legal fees), or any causes of action or allegation against the agency arising out of or connected in any way with publication of the material.

Der Schauspieler Shah Rukh Khan (hier im Film «Chennai Express») ist der grösste Star Indiens. Mit seiner Forderung nach mehr Toleranz hat Khan jedoch heftige Attacken von Politikern provoziert.
Bild: ddp images

Muslime werden gelyncht, wenn sie Rindfleisch essen – Bollywood-Star Khan fordert Indien zu mehr Toleranz auf

Indien kultiviert ein Image der Offenheit, doch gerade zeigt das Land eine andere Seite: Immer wieder kommt es zu Übergriffen auf Minderheiten. Nun hat Bollywood-König Shah Rukh Khan mehr Toleranz gefordert. Die Reaktionen? Heftig.

Ulrike Putz, Neu-Delhi



Ein Artikel von

Spiegel Online

Bollywood-Megastar Shah Rukh Khan ist auf die Rolle des Herzensbrechers abonniert. In mehr als 80 Filmen hat der 50-Jährige bislang seinen Charme spielen lassen. Er gilt als einer der bekanntesten Filmstars weltweit, soll mit seinen Schauspielkünsten etwa eine halbe Milliarde Dollar verdient haben.

Doch nun ist King Khan, wie er in Bollywood genannt wird, in schweres Fahrwasser geraten: Eine verhaltene Kritik an seinem Heimatland hat ihn zum Ziel von aggressiven Attacken gemacht.

Image

BJP-Parlamentarier Yogi Adityanath: «Khan hat die Sprache des Terrorismus gesprochen.»
bild: wikipedia

Die ätzendsten Aussagen kommen dabei von hoher Stelle: Der Generalsekretär der Regierungspartei BJP, Kailash Vijayvargiya, schrieb auf Twitter, die Seele Khans gehöre in Wahrheit doch Pakistan, der muslimische Star sei ein «Anti-Nationalist». Der hochrangige BJP-Parlamentarier Yogi Adityanath sagte, Khan habe «die Sprache des Terrorismus» gesprochen und solle doch nach Pakistan gehen.

Khans Vergehen? Er hatte dem Sender NDTV vergangene Woche gesagt, es gebe in Indien wachsende und extreme Intoleranz und diese stelle das grösste Problem des Landes dar. Religiöse Intoleranz sei ein Verbrechen, so Khan.

Wenn der Megastar spricht, erreicht er Hunderte Millionen Inder. Seit Wochen gibt es in Indien eine Debatte über das feindselige Klima im Land. Mit Khans Aussage ist das Thema im Mainstream angekommen.

Angestossen wurde die Diskussion über Indiens weltberühmte Tradition der Toleranz durch eine Reihe von Vorfällen:

Zwei Reform-Männer werden ermordet 

Im Februar, beziehungsweise August, wurden mit Govind Pansare und M.M. Kalburgi zwei Männer ermordet, die sich für ein säkulares Indien einsetzten. Pansare war in der kommunistischen Partei aktiv und propagierte die Eheschliessung über Kastenschranken hinweg. Kalburgi revidierte als Historiker viele lieb gewonnene Mythen der hinduistischen Tradition und wurde dafür angefeindet.

Image

Govind Pansare setzte sich für die Eheschliessung über Kastenschranken hinweg ein – und wurde ermordet. 
bild: facebook/govind pansare

Mindestens vier Muslime werden gelyncht, weil sie Rindfleisch konsumiert haben

In den vergangenen Monaten gab es eine Serie von religiös motivierten Angriffen auf Muslime – Auslöser waren oft Kühe. Den Hindus sind die Tiere heilig, den etwa 180 Millionen Muslimen in Indien jedoch nicht. Mindestens vier Männer wurden von Mobs gelyncht, weil sie verdächtigt wurden, Rindfleisch konsumiert oder mit Kühen gehandelt zu haben. Rechtsnationale Politiker nahmen die Täter in Schutz: Muslime, die nicht auf den Konsum von Rindfleisch verzichten wollten, sollen das Land verlassen, forderte der Gouverneur des Bundesstaats Harayana. Ein BJP-Politiker im Bundesstaat Karnataka kündigte an, den Gouverneur seiner Provinz köpfen zu wollen, sollte dieser Rindfleisch konsumieren.

A woman worships a cow as Indian Hindus offer prayers to the River Ganges, holy to them during the Ganga Dussehra festival in Allahabad, India, Sunday, June 8, 2014. Allahabad on the confluence of rivers the Ganges and the Yamuna is one of Hinduism’s holiest centers. (AP Photo/Rajesh Kumar Singh)

Für Hindus sind Kühe heilig. Hier verehrt eine Frau eine Kuh. 
Bild: Rajesh Kumar Singh/AP/KEYSTONE

Die Kastenwelt

In Haryana starben jüngst zwei Kleinkinder, als Angehörige einer höheren Kaste die Hütte der Familie in Brand steckten.

Landesverrat

Der Chef eines Think-Tanks in Mumbai, Sudheendra Kulkarni, wurde mit schwarzer Farbe beschmiert und als Landesverräter beschimpft, weil er bei der Buchvorstellung eines ehemaligen pakistanischen Ministers als Moderator aufgetreten war.

Sudheendra Kulkarni, chairman of the Observer Research Foundation Mumbai, with his face smeared with black ink, speaks to journalists in Mumbai, India, October 12, 2015. Kulkarni, who is the organiser of the launch of a book by former Pakistani foreign minister Khurshid Mahmud Kasuri in Mumbai, said members of the radical Hindu Shiv Sena party tried to stop the book launch by smearing his face with black ink, local media reported. REUTERS/Stringer      TPX IMAGES OF THE DAY

Sudheendra Kulkarni, ein Landesverräter?
Bild: STRINGER/INDIA/REUTERS

Klima der Gewalt

Angesichts dieser Zustände werfen Kritiker der rechtsnationalen, stark hinduistisch geprägten Regierung Narendra Modis vor, ein Klima der Gewalt geschaffen zu haben. Tatsächlich sind seit dem überwältigenden Wahlsieg Modis vor eineinhalb Jahren diverse Gesetze verabschiedet worden, die Nicht-Hindus als diskriminierend empfinden.

Indian Prime Minister Narendra Modi waves as he leaves for his official visit to UK and Turkey, in New Delhi, India, Thursday, Nov. 12, 2015. Modi, who is on three day official visit, will try to develop relationship with the countries. (Vijay Verma/Press Trust of India via AP) INDIA OUT

Indiens Premierminister Narendra Modi sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, ein Klima der Gewalt geschaffen zu haben. 
Bild: AP/Press Trust of India

Modi hat sich bislang zu keinem der heiss diskutierten Vorfälle geäussert, was ihm zunehmend angekreidet wird. Kommentatoren stellten die verheerende Niederlage seiner BJP-Partei bei Wahlen im Bundesstaat Bihar vergangene Woche in Zusammenhang mit seinem Schweigen.

Akademiker protestieren gegen die antiquierten Gesetze

Etwa 50 Historiker und 40 Schriftsteller haben als Zeichen des Protests gegen die Tatenlosigkeit Neu-Delhis jüngst ihre staatlichen Auszeichnungen und Orden zurückgegeben. Diese Woche schlossen sich rund 180 an Universitäten in aller Welt lehrende Geschichtswissenschaftler an. In einem offenen Brief prangerten die Akademiker an, dass die derzeitige Regierung «eine Version der Vergangenheit zum Gesetz macht, in der eine homogenisierte und unflexible Hindu-Tradition glorifiziert wird.»

From left, Madhushree Dutta, Saeed Mirza, Kundan Shah and Irene Malik Dhar who are among Indian film industry figures returning National Film Awards pose before the media in Mumbai, India, Thursday, Nov. 5, 2015. Booker Prize-winning novelist Arundhati Roy and two dozen Bollywood award winners added their voices to the artists, scientists and historians who say they are alarmed by a climate of religious intolerance and violence in India.(AP Photo/Rajanish Kakade)

Madhushree Dutta, Saeed Mirza, Kundan Shah und Irene Malik Dhar geben ihre nationalen Film Awards als Protest gegen die politische Intoleranz und Gewalt zurück. 
Bild: Rajanish Kakade/AP/KEYSTONE

Die Geschäftswelt apelliert an die Toleranz

Auch in Indiens Geschäftswelt kommt inzwischen Unruhe auf. Der Chef der Zentralbank veröffentlichte einen «Appell für Toleranz in Indien». Einflussreiche Unternehmenschefs warnen, die derzeitige Situation würde Investoren abschrecken.

Shah Rukh Khan poses for photographers upon arrival at The Asian Awards in central London, Friday, 17 April, 2015. (Photo by Joel Ryan/Invision/AP)

Shah Rukh Khan: Die beliebteste Person Indiens.
Bild: Joel Ryan/Invision/AP/Invision

Bollywood-Star Khan hat sich vorerst offen gehalten, ob er seinen «Padma Shri»-Orden, eine der höchsten Auszeichnungen Indiens, zurückgeben wird. Seine Einmischung in die Debatte hat die Regierung unter Druck gesetzt. «Shah Rukh Khan ist vermutlich die beliebteste Person im gesamten Land», sagte der bekannte Schriftsteller Suketu Mehta dem US-Sender NPR:

«Wenn Leute Shah Rukh attackieren, verlieren sie die Unterstützung der Massen.»

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mafi 17.11.2015 23:23
    Highlight Highlight "Shah Rukh Khan: Die beliebteste Person Indiens."

    Jup genau, sehr schön Gesagt...

    Nein jetzt im Ernst, was hat sich der Autor (von Spiegel Online) mit dieser Bildunterschrift gedacht, bzw. wieso hat Watson die nicht geändert? Ist ja ein Graus um anzuschauen. Es gibt nicht eine beliebteste Person. Es gibt sehr Bekannte, von mir aus grosse Persönlichkeiten und Stars, es gibt vieles, aber "die beliebteste" gibt es nun wirklich nicht.

Diese 5 Filme wurden von Stan Lee höchstpersönlich empfohlen (es sind keine Marvel-Filme)

Superhelden sind heutzutage nicht mehr aus der Populärkultur wegzudenken. Einen grossen Anteil daran hat der am 12. November verstorbene Stan Lee. Doch welche Filme interessierten eigentlich einen Mann, der für einige der populärsten Blockbuster der Welt die Geschichten geliefert hat?

Tatsächlich hat Stan Lee in einem Interview von 2009 mit der Kritikerplattform Rotten Tomatoes über das Thema Lieblingsfilme gesprochen. Gegenüber dem Journalisten Matt Atchity sagte er:

Dennoch konnte sich …

Artikel lesen
Link to Article