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Tukur-«Tatort» und «Die Anstalt» holen Grimme-Preis

Die Erneuerung des deutschen Kabaretts? Claus von Wagner und Max Uthoff sind für die ZDF-Sendung «Die Anstalt» mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnet worden. Auch einen Spektakel-Tatort bedachte die Jury.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Sie holten einen syrischen Flüchtlingschor auf die Bühne und kritisierten gleichzeitig spitzzüngig die Abschottungspolitik Deutschlands – für ihre künstlerischen Leistungen in der ZDF-Kabarett-Sendung «Die Anstalt» sind Claus von Wagner, Max Uthoff und ihr Kollege Dietrich Krauss jetzt in der Kategorie «Unterhaltung» mit einem Grimme-Preis bedacht worden. «Sie haben aus der Gewohnheit, Kabarettsendungen als Werbeflächen für Bühnenprogramme zu missbrauchen, die Tugend einer packenden Ensembleaufführung gemacht», hiess es in der Begründung der elfköpfigen Jury.

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Max Uthoff (links) und Claus von Wagner. bild: zdf

Der Grimme-Preis gilt als prestigereichste Fernsehauszeichnung Deutschlands. In diesem Jahr vergab die Jury, die sich unter anderem aus Fachleuten und Medienjournalisten zusammensetzt, in den drei Wettbewerbskategorien «Fiktion», «Information & Kultur» und «Unterhaltung» zwölf Preise für herausragende TV-Produktionen. Dazu kamen Sonderpreise und -ehrungen.

In der Kategorie Unterhaltung waren auch Privatformate wie etwa «Die Höhle der Löwen» und die Musikshow «Sing meinen Song» mit dem umstrittenen Sänger Xavier Naidoo (beide Vox) nominiert gewesen – alle Preise gingen aber an öffentlich-rechtliche Produktionen: Neben der «Anstalt» wurde in der Unterhaltungssektion noch «Mr. Dicks» (EinsFestival/WDR) ausgezeichnet.

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Orgasmus-Gesichter bei «Mr. Dicks». video: youtube/1live

Das nach eigenen Angaben «erste wirklich subjektive Gesellschaftsmagazin» widmet sich in jeder Folge unterschiedlichen Einzelthemen wie Lust, Rausch oder Waffen. «Bei unterhaltenden Stoffen wie dem jetzt ausgezeichneten Format 'Mr. Dicks' sehen wir die grössten innovativen Leistungen», sagte Institutsdirektorin Frauke Gerlach. Bei der geplanten Reform des Grimme-Preises solle daher diese Kategorie gestärkt werden.

NSU? Nö!

In der Sektion «Information und Kultur» waren zwanzig Produktionen nominiert, grösstenteils Filme, die sich mit der aktuellen Weltlage auseinandersetzten: «Angesichts der Ereignisse weltweit und der politischen Situation ist das mehr als nachvollziehbar - hier drängen sich Stoffe wie die Flüchtlingsproblematik oder die Lage in der arabischen Welt geradezu auf», so Gerlach. Auffallend sei aber, dass die Beschäftigung mit innenpolitischen Stoffen fast gänzlich fehlte. So habe schon die Nominierungskommission keinen preiswürdigen Beitrag über den «Nationalsozialistischen Untergrund» gefunden.

Ausgezeichnet wurde die Dokumentation «Die Kinder von Aleppo» (eine Produktion von Channel 4, ZDF und Arte), die den Alltag einer Familie im syrischen Bürgerkrieg schildert; ausserdem die Geschichtsreihe «Akte D», die sich in Einzelfolgen etwa mit der deutschen Nachkriegsjustiz, aber auch mit der Rolle der Deutschen Bahn im Dritten Reich auseinandersetzt und versucht, historische Kontinuitäten bis heute nachzuzeichnen.

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Die Doku «Die Kinder von Aleppo». video: youtube/jasonstylez007

Bedacht von der Jury wurde ebenfalls der Film «Nach Wriezen» über den Lebensweg dreier junger Straftäter, das Debüt von Daniel Abma, Absolvent der Filmhochschule Babelsberg. Zudem wurden das Südsudan-Porträt «Wir waren Rebellen» sowie die Dokumentation «Camp 14» über das nordkoreanische Lagersystem ausgezeichnet.

Insgesamt schöpfte die Jury in der Sektion «Information und Kultur» das komplette Kontingent von fünf Preisen aus – wie auch in der dritten Kategorie «Fiktion», obwohl die Auswahl laut Gerlach hier bescheiden ausfiel: «Die Begeisterung in den Auswahlgremien des Grimme-Preises hielt sich in Grenzen.» Ausgezeichnet wurde die BR-Produktion «Der Fall Bruckner» über eine engagierte Sozialpädagogin (gespielt von Corinna Harfouch), die bei der Arbeit auf dem Jugendamt Kopf und Kragen riskiert.

Für ihre herausragende schauspielerische Leistung wurden zudem Ulrich Matthes und Ulrich Tukur in dem hochgelobten tarantinoesken HR-Tatort «Im Schmerz geboren» bedacht. Der Hessische Rundfunk konnte sich zudem über einen Preis für das Macht-Drama «Männertreu» freuen, ein Film über einen politischen Aufsteiger und Womanizer, gespielt von Matthias Brand. Preise gingen zudem an die Mauerfall-Komödie «Bornholmer Strasse» und die improvisierte Greisen-Partnersuche «Altersglühen – Speed Dating für Senioren».

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Der Trailer von «Im Schmerz geboren».  video: youtube/hrfernsehen

Besonders geehrt wurden zudem die WDR-Journalistin Ina Ruck, die für den WDR über den Russland-Ukraine-Konflikt berichtete, und der ZDF-Korrespondent Dietmar Ossenberg für seine Berichterstattung über den Nahen Osten.

Die Preise werden am 27. März in Marl verliehen.

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Corinna Harfouch in  «Der Fall Bruckner». bild: ard

(eth)



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