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Lena Dunham in ihrer Serie «Girls».
Lena Dunham in ihrer Serie «Girls».
Bild: AP HBO
Wenn Doktorspiele missinterpretiert werden

Lena Dunham wird von rechtskonservativen Medien beschuldigt, ihre kleine Schwester sexuell missbraucht zu haben

Lena Dunham brodelt vor Wut: Sie wird von der «National Review» und dem Newsportal «Truth Revolt» beschuldigt, ihre Schwester sexuell misshandelt zu haben. Was sie davon hält, hat sie via Twitter in die Welt hinausgeschickt. 
04.11.2014, 21:2205.11.2014, 09:19

Mit ihrer autobiographischen Essaysammlung «Not That Kind of Girl» hat uns Lena Dunham ein «vollkommen liebenswertes, amüsantes, total eigensinniges Buch» beschert. Leider Gottes erfreuen sich aber nicht alle an ihrem schamlosen Wesen und ihrer Besessenheit von Körperlichkeit.

Der National-Review-Kolumnist Kevin D. Williamson und Ben Shapiros sehr rechter und sehr konservativer Blog Truth Revolt bezichtigen die 28-Jährige, ihre kleine Schwester sexuell missbraucht zu haben. Im zarten Alter von sieben Jahren habe sie in der Vagina ihrer einjährigen Schwester herumgewuselt. («Truth Revolt» hat laut der Huffington Post anfänglich sogar geschrieben, Dunham sei 17 gewesen, als sie ihre Schwester sexuell nötigte.)

Nochmals Lena Dunham in ihrer Rolle als Hannah Horvath in «Girls».
Nochmals Lena Dunham in ihrer Rolle als Hannah Horvath in «Girls».
Bild: AP HBO

Aber beginnen wir von vorn. Die Anschuldigungen dieser amerikanischen Hüter von Sitte und Ordnung beziehen sich auf eine Passage, die Dunham in ihrem Buch beschreibt: Sie hat als siebenjähriges Mädchen aus Neugierde die Vagina ihrer einjährigen Schwester Grace geöffnet. Der kindliche Forschungsdrang, der in diesem Moment über die kleine Lena gekommen ist, sei aber noch lange keine Rechtfertigung für die Tat, schreibt Williamson.

«Es gibt keine nicht entsetzliche Interpretation dieser Episode.»
Kevin D. Williamson, in der National Review
Auszug aus Lena Dunhams Kieselstein-Geschichte 
«Haben wir alle eine Gebärmutter?», fragte ich meine Mutter mit sieben Jahren. «Ja», sagte sie mir. «Wir werden damit geboren, und auch mit allen unseren Eiern, aber die sind anfangs sehr klein. Und sie sind noch nicht bereit, Babys zu machen, das passiert erst, wenn wir älter sind.» Ich schaute meine Schwester an, eine schlanke, zähe Einjährige, ich betrachtete ihren winzigen Bauch. Ich stellte mir die Eier in ihr vor, so wie der Eiersack von Spinnen in «Charlotte's Web», und ihre Gebärmutter hatte die Grösse eines Fingerhutes. «Sieht ihre Vagina so aus wie meine?», fragte ich weiter. «Ich denk schon», sagte meine Mutter. «Nur kleiner.»
Eines Tages, als ich in unserer Einfahrt in Long Island mit Steinen und Eimern spielte, hat mich die Neugier besiegt. Grace sass plappernd und lächelnd auf dem Boden. Ich beugte mich zu ihr herunter, zwischen ihre Beine und öffnete vorsichtig ihre Vagina. Sie wehrte sich nicht und als ich sah, was da drin war, schrie ich auf. Meine Mutter rannte zu uns. «Mama, Mama! Grace hat etwas da drin!» Meine Mutter bemühte sich nicht, mich zu fragen, warum ich Graces Vagina geöffnet hatte. Es gehörte zu den Dingen, die ich tat. Sie kniete sich nur hin und schaute selbst nach. Offensichtlich hatte sich Grace sechs oder sieben Kieselsteine da hineingestopft. Meine Mutter entfernte sie geduldig, während Grace gackerte und sich wahnsinnig darüber freute, dass ihr Streich gelungen war. 
Quelle: «Not that Kind of Girl», frei übersetzt aus dem Englischen.
Lena Dunham ist stinksauer über die Behauptungen des konservativen Blattes.
Lena Dunham ist stinksauer über die Behauptungen des konservativen Blattes.
Bild: AP

Dunhams Erzählweise sei oft unzuverlässig, führt der Kolumnist weiter aus, aber der Kontext lege hier nahe, dass Grace erwartet habe, dass ihre grosse Schwester in ihrer Vagina herumpulen würde. Nur deshalb habe sie sich die Steinchen überhaupt da reingemacht, woraufhin auch der Streich gelungen sei. Dass so ein höllischer Plan einer Einjährigen einfällt, hält Williamson für «besonders verdächtig»: «Es gibt keine nicht entsetzliche Interpretation dieser Episode.» 

Den Strick wird der 28-Jährigen aber vor allem aus dem einen Satz gedreht: «Ich habe alles getan, was ein Sexualstraftäter täte, um ein kleines, vorstädtisches Mädchen zu umwerben.» Damit umschreibt sie ihre bestecherische Absicht, Grace mit Süssigkeiten für ein fünfsekündiges Küsschen zu gewinnen. Aber selbst wenn diese Bildlichkeit für manch ein Gemüt grenzwertig erscheinen mag, so ist es doch noch immer ein rein metaphorischer Vergleich.

Mehr «gefährliche Frauen»:

Was von Lena Dunham als eine Art «Doktor-Spielchen» zwischen zwei Geschwistern beschrieben wurde, wird hier also zu einem sexuellen Verbrechen aufgebauscht. Genau das brachte Lena Dunham zum Schäumen. Es sei eine Erniedrigung für all jene Menschen, die tatsächlich Opfer von sexuellem Missbrauch wurden. 

Vielleicht sind es diese ganzen Anschuldigungen, die Lena Dunham dermassen in Rage versetzt haben Grund dafür, dass sie ihre Lesereise nach Europa abgebrochen hat. Der Zeitverlag entschuldigt ihr Fehlen am Deutschen Theater in Berlin allerdings mit Erkrankung. 

(rof)

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