Populärkultur
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«Parental Advisory»: Ein Symbol für eine ganze Generation – von Prince erschaffen



Es ist ein klassisches Beispiel für einen Streisand-Effekt: Da wollten moralinsaure US-Mütter vor verdorbener Musik warnen – und schufen mit dem «Parental Advisory»-Aufkleber ein Symbol, das bald viele Musiker auf ihren Alben haben wollten.

Den Ausschlag dazu hat ein Song von Prince gegeben.

FILE - In this April 7, 1985 file photo, Prince performs at the Orange Bowl during his Purple Rain tour in Miami. Prince, widely acclaimed as one of the most inventive and influential musicians of his era with hits including

Prince zu «Purple Rain»-Zeiten. Bild: Phil Sandlin/AP/KEYSTONE

Ein Sprung zurück in die 80er: Mary «Tipper» Gore hat ihrer Tochter das Prince-Album «Purple Rain» geschenkt. Das Mädchen hört den Song «Darling Nikki», als es der Frau von Demokrat Al Gore wie Schuppen von den Augen fällt.

«I met her in a hotel lobby/Masturbating with a magazine.»

Zeile aus «Darling Nikki»

Schockschwerenot!

Das Lied, so muss «Tipper» erkennen, widmet sich vertiefend dem Thema Masturbation. Das geht nun wirklich nicht! Gore berichtet aufgeregt Susan Baker von dem Vorfall. Die Frau des damaligen Finanzministers James Baker kennt das Problem: Sie hat ihre Siebenjährige dabei «erwischt», wie sie inbrünstig Madonnas «Like a Virgin» mitschmetterte.

«Gonna give you all my love, boy/My fear is fading fast/Been saving it all for you 'cause only love can last.»

Madonnas «Like a Virgin»

Schnell sind weitere Mitstreiterinnen gefunden: Sally Nevius, die Frau eines Abgeordneten der Stadt Washington, und Pam Howar, die Gattin eines Immobilienmaklers, werden ins Boot geholt. Das Quartett gründet die Lobby-Organisation Parents Music Resource Center, die anfängt, Druck auf die Politik auszuüben. Unterstützung bekommt die Truppe von TV-Prediger Pat Robertson.

Bild

Die Gründerinnen von Parents Music Resource Center.

Ein Kreuzzug gegen «unmoralische» Musiktexte nimmt von nun an seinen Lauf: Die Organisation gibt eine Liste mit Songs heraus, die als besonders anstössig empfunden werden: die «Filthy Fifteen», die dreckigen fünfzehn. Ganz oben prangt Princes Name, AC/DC und Black Sabbath sind dabei, aber auch Sheena Easton und Cyndi Lauper. Noch 1985 kommt es zu einer Anhörung im US-Senat, bei der Stars wie Frank Zappa oder John Denver als Zeugen geladen werden.

Die Plattenfirmen bekommen offenbar Angst vor der Macht des moralischen Mobs – und verpflichten sich freiwillig, einen Warnhinweis auf die entsprechenden Alben zu kleben. Der sieht seit 1990 so aus, wie wir ihn heute kennen – und schätzen – denn jedes Album der 90er aus der Hip-Hop- und Hardcore-Ecke, das was auf sich hielt, war mit einem «Parental Advisory» geschmückt. 

Bild

Und heute? Ist der Hinweis nur noch Beiwerk? Vor zehn Jahren bekamen etwa fünf Prozent der neuen Alben einen der Aufkleber. Aber: iTunes hat den Hinweis (wieder) eingeführt – und zwar mit dem kleinen roten «E» für «explicit».

Das kann nur bedeuten, dass «Parental Advisory» immer noch ein Markenzeichen ist ...

abspielen

Frank Zappa hat seine Anhörung vor dem Senat in «Porn Wars» verarbeitet. YouTube/nucular1000

(phi)

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Kommentar

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