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Michael Keaton in «Birdman», Benedict Cumberbatch in «The Imitation Game», Jim Parsons als Sheldon Cooper in «The Big Bang Theory», Eddie Redmayne in «The Theory of Everything» (obere Reihe, v.l.).

Filmstart «Birdman» und «The Imitation Game»

Nerds à gogo! Die Oscar-Favoriten klauen bei «The Big Bang Theory»

Benedict Cumberbatch entschlüsselt nun also die Codes der Nazis im Zweiten Weltkrieg. Logisch kann er das. Cumberbatch ist ja normalerweise Sherlock Holmes, der klügste Detektiv der Welt. Jetzt, in «The Imitation Game» (8 Oscar-Nominationen), spielt er den britischen Supermathematiker Alan Turing, der sich mit 41 Jahren das Leben nahm, weil er sich als Homosexueller einer chemischen Kastration unterziehen musste. Der Film ist unterhaltsam, penetrant britisch, wundervoll gespielt und sieht dramaturgisch salopp, aber effizient über einige historische Tatsachen hinweg.

Eddie Redmayne als Überbrain Stephen Hawking in «The Theory of Everything» (5 Nominationen) sorgt in den Schweizer Kinos seit einem Monat für viel tränenselige Verzückung und Rührung. Redmayne wird seinen Hauptsarsteller-Oscar gewinnen: Genie und total krank, das muss klappen. Cumberbatch spielt ja bloss Genie und schwul. Wäre Redmayne nicht da, so gewänne garantiert Cumberbatch. 

Das ganze Debakel in Zahlen

Die Academy of Motion Picture, die Redmayne am 22. Februar auszeichnen wird, muss seit den Oscar-Nominationen unendlich viel Häme einstecken. Ihre Auswahl sei zu weiss und zu männlich. Die stocknüchternen Zahlen sprechen für sich: Die Academy umfasst gegenwärtig über 6000 Mitglieder. Davon sind 94 Prozent weiss, 77 Prozent männlich, bei einem Altersdurchschnitt von 62 Jahren. 127 Filmschaffende sind 2015 für einen Oscar nominiert. Davon sind 118 weiss, 102 Männer, bei einem Altersdurchschnitt von 50,6 Jahren. Von den 8 Filmen in der Kategorie Bester Film sind 8 männlich, was die Hauptfigur betrifft, und 7 weiss. 

Trailer zu «The Imitation Game»

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Youtube/studiocanal

Trailer zu «The Theory of Everything»

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Youtube/Focus Features

Aber zurück zu den beiden, deren Altersdurchschnitt bei knackigen 35,5 Jahren liegt: Cumberbatch und Redmayne spielen typische Nerd-Genies. Wissenschaftler, die kein Mensch versteht und die am Ende selbstverständlich Recht haben. Turing will täglich 159 Billiarden neuer Codes knacken. Hawking sucht nach einer Theorie, die restlos alles im Universum erklärt. Beide machen Frauen nicht glücklich, obwohl sie's versuchen, und sind auch sonst ziemliche Soziopathen.

Auch Michael Keaton in «Birdman» (9 Nominationen) verkörpert eine Passion der Nerds: Einen ehemaligen Superhelden-Darsteller, der jetzt am Broadway richtige Kunst machen will und verzweifelt. Erstens, weil ihm, der «Celebrity», das keiner zutraut, zweitens, weil er in seinem Kopf eine völlig asoziale, kleine Schizophrenie spazieren führt: Seine alte Filmfigur, der Birdman, spricht mit ihm und versichert ihm, dass er tatsächlich Superkräfte habe. «Birdman» ist grossartig: Eine brillant besetzte (Edward Norton! Emma Stone!) Komödie über Wahn und Sinn des amerikanischen Showbiz zwischen Film-, Bühnen- und Youtube-Helden.

Barney Stinson soll es richten



Was Cumberbatch, Redmayne und Keaton da spielen, kennen wir. Es trägt einen Namen und kommt aus der derzeit beliebtesten TV-Serie der Welt (okay, es ist eine Sitcom), der «Big Bang Theory»: Es heisst Sheldon Cooper, ein asoziales, asexuelles Wissenschafts-Genie, das allen Leuten geradeheraus die Wahrheit sagt und weder Manieren noch Selbstbeherrschung kennt. 

Diese Herren erwarten uns an den Oscars

Die Serienwelt liebt Männer wie Sheldon Cooper: Auch Dr. Gregory House, Sherlock Holmes, Walter White und Barney Stinson aus «How I Met Your Mother», der aktuell zweitbeliebtesten Serie (pardon, Sitcom) der Welt, sind so. Plus minus Sex. Ende Februar wird in «Whiplash» (5 Nominationen) auch noch ein genialer Schlagzeuger dazukommen, auch er bar jeder Sozialkompetenz. Auch er ein Sheldon Cooper. Und Walter White und der Birdman könnten eh Zwillinge sein.

Die Filme mit den menschenfeindlichen Genies laufen auch an der Kinokasse gut, man kann sagen, da haben die Filmschaffenden sauber von der Mainstream-Unterhaltung gelernt. Das tun nun auch die Oscar-Veranstalter: Barney Stinson (pardon, der Schauspieler Neil Patrick Harris) wird dieses Jahr die grosse Feier moderieren. Offensichtlich hofft man mit ihm auf bessere Einschaltquoten. Besonders unter den jüngeren Zuschauern. Und unter denen, die den Online-Feed schon lang dem Kino vorziehen. 

Trailer zu «Birdman»

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Youtube/Movie Trailers

Auch «Boyhood» (6 Nominationen), der Favorit für den besten Film, gehorcht dem neuen Serien-Regime: Er wurde über 12 Jahre hinweg mit dem gleichen Ensemble gedreht, die Entwicklung der einzelnen Darsteller entspricht also der Entwicklung, die Serien-Schauspieler über 12 Staffeln hinweg erleben. Die Empathie der Zuschauer wird so geschickt potenziert. «Boyhood» ist eine Langzeitserie im Zeitraffer.

2014 gewann mit «12 Years a Slave» der Film eines schwarzen Regisseurs über einen schwarzen Sklaven drei Oscars, darunter den für den besten Film. Deshalb werden 2015 unweigerlich wieder die weissen Männer gewinnen. Und bester Hauptdarsteller wird auf jeden Fall ein Verrückter.

«The Imitation Game» und «Birdman» laufen ab 22. Januar im Kino.

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