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Eine Rothaarige zu Besuch im Hotel Rothaus: Lolita Chammah in Zürich.  Bild: mathieu gilliand

Lorenz liebte Lolita. Wie sehr, das können wir jetzt im Schweizer Film «Cherry Pie» sehen

Lolita Chammah ist die Tochter von Isabelle Huppert und in Frankreich eine begehrte Schauspielerin. Jetzt ist sie im ersten Spielfilm des Zürchers Lorenz Merz zu sehen.



Eine Frau tut, was sonst in Filmen eher Männer tun: Sie verschwindet. Aus ihrem Land und ihrem Leben. Sie ist einigermassen aggro und schwanger, hat kein Geld, immer Hunger und sieht aus, als hätte sie auf einem Kompost geschlafen. Dabei ist sie Französin. Und eine sehr schöne Französin dazu, wie sich später zeigt. Die enorm gerne Sex mit sich selbst hat. Aber erst im neuen Land, in England nämlich, genauer in der melancholisch verrottenden Badestadt Brighton. Zwischen Frankreich und England war sie auf der Fähre, dort fand sie die Hinterlassenschaften einer Selbstmörderin, jetzt lebt sie deren Leben in Brighton und isst Kirschkuchen, bis alles wieder bachab geht. 

Vielmehr passiert in «Cherry Pie», dem ersten Spielfilm des dreifachen Schweizer Filmpreisträgers Lorenz Merz nicht. Und gesprochen wird auch fast nichts. Quasi ein Stummfilm. Und irgendwie auch gar kein Film, vielmehr eine Installation aus Bildern, die manchmal so schön und kühn sind, dass man sich im Kino nur noch denkt: «What?!» 

GIF aus dem Schneideraum von «Cherry Pie»

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gif: lorenz merz

Etwa, wenn sich die Lichter einer Autobahn wie eine neue Milchstrasse im Himmel spiegeln. Oder wenn das nächtliche Meer zu einer Hölle aus brodelndem Teer wird. Und der weisse Pier von Brighton aussieht, als würde er brennen. Oder wenn die Französin im weissen Mantel ihr weisses Gesicht mit kirschroten Lippen in den weissen Wind von Brighton legt. Wie verliebt muss Lorenz Merz da gewesen sein!

cherry pie

In «Cherry Pie», an der Küste von Brighton. Bild: 8horses

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Lorenz Merz. bild: schweizer filmpreis

Und ja, Lolita Chammah, so heisst die Französin, war während der Dreharbeiten von «Cherry Pie» die Freundin von Lorenz Merz. Und ganz klar ist «Cherry Pie» eine gegenseitige Liebeserklärung: seine Verehrung, ihre Hingabe. Aber darüber will Lolita Chammah bei ihrem Besuch in Zürich Anfang Mai im Hotel Rothaus an der Langstrasse nicht reden. «Ja, wir waren zusammen, und wir haben uns an einem Festival kennengelernt, wo er einen Kurzfilm-Preis gewonnen hat und ich in der Jury sass. Aber ich will keine privaten Fragen beantworten.» Schade. Auch nicht über ihre Mutter? Doch, ein bisschen. 

Lolita Chammahs Mutter ist Isabelle Huppert. Also die ungefähr beste und berühmteste französische Schauspielerin ihrer Generation überhaupt. Isabelle Huppert, 62, hat schon 120 Rollen in Film und Fernsehen gespielt. Lolita Chammah, 31, auch schon 40. «Meine Mutter schaut alles, was ich mache. Ich hab viel von ihr gesehen, aber längst nicht alles, ich freu mich darauf, noch ein paar ihrer alten Filme vor mir zu haben.» 

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Lolita Chammah hat schon 40 Filme gedreht. Ihre Mutter 120. Bild: mathieu gilliand

Als Lolita 5 war, stand sie zum ersten Mal mit der Mutter vor der Kamera, es war die normalste Sache der Welt. «Wir haben das nie diskutiert, ob ich Schauspielerin werden soll oder nicht, es war ganz natürlich, ich hab dann ja auch all die Leute kennengelernt, das ist einfach mein Leben geworden. Meine Mutter hat mir einen Sinn für Anspruch, für Ehrgeiz mit auf den Weg gegeben. Das Spielen selbst habe ich ihr aber nicht abgeschaut, das ist eher sowas Mystisches, Mysteriöses, auch die Frage, wie man sich den richtigen Film auswählt.»

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GIF: lorenz merz  

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gif: lorenz merz 

«Cherry Pie» befriedigt jedenfalls all ihre Wünsche nach Anspruch, Ehrgeiz und Mysterium. «Wir waren bloss fünf Leute, Lorenz, ich, Ton, Bild und der Produzent. Fast alles ist improvisiert, wir haben nicht nur einen Road-Movie gedreht, sondern auch einen gelebt, die andern Leute im Film haben wir unterwegs gefunden und eingebaut. Ich bin in jeder Einstellung zu sehen, meine Rolle ist quasi total. Einen solchen Film macht man nicht zweimal im Leben. Lorenz hat mir damit ein Geschenk gemacht.» Umgekehrt sicher auch.

Jetzt gerade spielt sie Fassbinders «Die bitteren Tränen der Petra von Kant» im Theater. Ihre Rolle ist beinah stumm. Und im Film ist sie die Dichtergattin Macha Tschechov. Ihr Traum? Noch mehr Musik zu machen. «In der Musik kann ich mein Innerstes nach aussen kehren», sagt sie. Der Anfang, gemeinsam mit Benjamin Biolay, klingt schon mal sehr hübsch. So mühelos französisch halt. Ihre Mutter hat bestimmt auch Freude daran.

«Cherry Pie»: ab 28. Mai im Kino.

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