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Bild: Alain Frei

Der Schweizer im «Quatsch Comedy Club»

Scheissfragen und viel Gelächter. Ein lustiges Interview mit Alain Frei.

Unser Praktikant hat sich im Telefon-Interview in den Komiker Alain Frei verliebt. Eine Schweizer Liebes-Geschichte, die Sie in der Form anderswo nicht lesen werden.



Alain Frei, wird man als Schweizer in Deutschland oft ausgelacht? 
Nein eigentlich gar nicht. Es ist eher so, dass sich die Deutschen über einen «Exoten aus der Schweiz» freuen. Sie lachen eher mit mir, als über mich. 

Sagen das nicht alle, die ausgelacht werden? 
Ich beklage mich doch nicht über lachende Menschen. Das wäre schon ein wenig paradox für einen Komiker. 

Und wenn niemand lacht, sorgt Mundart bestimmt für Lacher. 
Solche Klischees können der Komik schon dienen. In meinem Programm «Neutral war gestern» versuche ich jedoch zu zeigen, dass solche Klischees veraltet sind. 

Apropos Klischee: War Alain schon in der Klasse ein Pausenclown? 
Ja. Das würden meine ehemaligen Schulkollegen wohl bestätigen. Lustige Charakter im Schultheater oder ein Sketch beim Familienfest waren schon immer mein Ding.  

Das waren also die ersten Auftritte des Comedian Frei. 
Die inoffiziellen zumindest. 2009 versuchte ich mich erstmals auf der Bühne als Komiker – und scheiterte dabei gnadenlos. Ich studierte ja Schauspielerei und dachte wohl: «Das klappt schon.»

Vom Pausenclown zum Komiker: Was ist der Unterschied? 
Das sind Welten. Anfangs versuchte ich, nur lustig zu sein. Jetzt will ich aber auch eine Message mitgeben. Ich versuche alles, was mir wichtig ist, mit einer gewissen Wertigkeit zu erzählen. 

In Deutschland anders als in der Schweiz
In der Mentalität gibt's nicht allzu grosse Unterschiede. Einzig vielleicht, dass die Deutschen mit Stand-Up-Comedy vertrauter sind als die Schweizer. Formate à la «typisch Mann» und «typisch Frau» sind mehr verankert und daran kann man anknöpfen. 

Ist der Beruf Comedian empfehlenswert? 
Es ist sicher nicht der sicherste Beruf. Was mich daran reizt, ist die totale Freiheit. Das heisst, ich kann meine Meinungen und meine Ideen umsetzen – und das vor Hunderten von Menschen. Gute Laune zu verbreiten, ist für mich das Geilste. 

Narrenfreiheit also. 
Absolut. Wir sind ja gewissermassen die Narren des 21. Jahrhunderts.  

Bild: RTL

(Aus unerklärlichen Gründen wird der Nachwuchsjournalist plötzlich plump und fragt komische Dinge wie «Duzen wir uns eigentlich?». Zum Glück nimmt Alain Frei es mit Humor, sonst wäre das Gespräch wohl aus dem Ruder gelaufen. Aber sehen Sie selbst!)

Und warum lebt man diese Narrenfreiheit nicht in einem richtigen Job aus? Zum Beispiel im Journalismus? 
(Muss lachen) Comedians sind ja nicht die einzigen, die ein Narren-Recht haben. Ich finde Journalismus spannend und könnte mir das sogar vorstellen. Die Tonalität ist ja manchmal ähnlich. Ich mache ja schon Werbung für deinen Job,  willst Du denn nicht weitere Vorzüge von meinem Job hören? 

Mich interessiert aber etwas anderes brennender.
Was denn?

Kennst Du diese ausgelutschte Frage an Komiker: «Frauen stehen ja auf Humor», und so weiter? Das würde ich gerne ein für alle Mal klären.
(Beide lachen) Ja – schaden tut es sicher nicht, wenn man witzig und schlagfertig ist. Aber auch von mir nur eine diplomatischen Antwort: Das ist doch schlussendlich Geschmacksache. Wer weiss schon, ob ich mit Comedy so viel mehr Chancen gehabt habe als andere. 

Hach. Danke für nichts. 
Kommen hier auch mal paar gute Fragen? 

Wie zum Beispiel: Warum geht man überhaupt nach Deutschland?
Ich habe hier Schauspielerei studiert.

Soll ich mich jetzt nach dem Unterschied zwischen Comedy und Schauspielerei erkundigen? 
Warum nicht? Komik ist schneller und lustiger als Schauspielerei. 

Aber auch riskanter. Was wenn der Funke beim Witz nicht überspringt? 
Shit happens. Wenn man alles, alles, alles versucht hat und es nicht geht, geht man halt. 

Und was macht man da? 
Als Anfänger passiert das schon ab und zu. Da fehlt halt die Erfahrung, das Publikum zu spüren und herauszulesen, was es lustig finden könnte. Man geht ja auch nach Ortschaften, wo man mich nicht kennt oder meinen Stil. Aufgeben ist aber nicht. Mein Trick ist, mit den Leuten zu interagieren. Das lockert die Stimmung und man geht auf gegenseitige Tuchfühlung. Ich frage dann oft, ob jemand schon in der Schweiz war und wie es war...
... Hallo? Noch da?

Sorry, ich war so vertieft in diese Erklärung: Wo sind wir stehen geblieben? 
(Beidseitiges Gelächter) Von wegen! Du warst doch ins Internet vertieft.

Nein. Ich sitze hier unmittelbar neben dem Router, sodass unsere Voip-Verbindung auch ja aufrecht erhalten bleibt. 
Haha – Seich!

Alain Frei in seinem Element:

Video: YouTube/AlainFrei

Jetzt hab ichs wieder. Wo bist du bekannter?
Ziemlich sicher in Deutschland.

Nenn' mir zwei Gemeinsamkeiten zwischen den Nachbarn!
Du bist mir ja einer... (überlegt lange) Die Liebe zum Sport und die Tendenz zur Genauigkeit und Pünktlichkeit.

Sorry für diese Scheissfrage! 
(Es lachen wieder beide) Ja, ich finde sie auch furchtbar. Eigentlich wollte ich schon lange auflegen, aber du bist ja noch ein Netter.

Danke gleichfalls – Dann komme ich halt langsam zum Schluss: Wer sind deine Vorbilder? 
Mehrheitlich amerikanische Komiker wie Louis CK und Dave Chappell. Hervorheben möchte ich aber Bülent Ceylan. Seine angenehme Art macht ihn zum nettesten Menschen, den ich kenne. Einfach ein bescheiden-guter Kerl.

Hast Du auch ein Anti-Vorbild? 
Ich nenne keine Namen. Aber was ich gar nicht mag, ist Kostüm-Comedy.

«Quatsch Comedy Club» in Zürich

Am 4. und 5. März 2014 ist das Schweizer Comedy-Exportgut Alain Frei im Zürcher Kaufleuten.

Mehr auf: Quatsch Comedy Club

Du kommst ja mit dem «Quatsch Comedy Club» zurück in die Schweiz. Ist das ein Heimspiel? 
Ganz und gar nicht. Ich bin im hochdeutschen Sprachraum unterwegs. Und in der Schweiz bin ich ja kein Exot wie in Deutschland. Es gilt, den fehlenden Bonus mit Witz wettzumachen.

Zum Abschluss noch eine letzte Scheissfrage: Kannst Du einen Witz erzählen? 
(Stöhnt) Das Interview war ja schon genug daneben. Bravo, du hast es noch übertroffen. Ich hasse diese Frage! (lacht) NEIN, kann ich nicht. 

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