Populärkultur
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Bild: Elle UK 

Unhappy Shitstorm

Indianer wegen Hipster-Federhaube auf Kriegsfuss mit Pharrell

Promis bedienen sich immer wieder gern des indianischen Federschmucks – mal wegen der Mode, mal wegen Ästhetik. Für viele amerikanische Eingeborene ist das aber eine Fehlinterpretation ihrer Kultur und respektlos.



Wieder einmal ist ein Star ins kulturelle Fettnäpfchen getreten. Dieses Mal hat es den Happy-Sänger Pharrell erwischt, der sich für das Cover der britischen Ausgabe der «Elle» einen Federschmuck aufsetzte. Der Shitstorm auf Twitter legt nahe, dass einige Leser nun das Kriegsbeil ausgraben.

Schon hat sich der Sänger für sein Verhalten entschuldigt: «Ich respektiere und honoriere alle Menschen und auch alle ihre Kulturen. Es tut mir aufrichtig leid.» Der Ärger ist deswegen aber trotzdem noch lange nicht verraucht.

Warum darf ich keinen Hipster-Kopfschmuck tragen? 

Dieses «Indianer-Spielen» halten viele Kommentatoren für einen Angriff auf die Kultur der nordamerikanischen Ureinwohner und kritisieren so was als Akt «kultureller Fehlaneignung», die mit Authentizität wenig zu tun hat. Trotzdem ist der Trend, sich mit fremden Federn zu schmücken, bei den Promis nach wie vor hoch im Kurs. Eine «kulturelle Fehlaneignung» liegt dann vor, wenn eine Kultur eigenmächtig einige Aspekte einer anderen (meist einer Minderheit) eigenmächtig in Anspruch nimmt. 

«Adlerfedern sind Symbole der Ehre und des Respekts und müssen verdient werden.»

Adrienne K. 

Adlerfedern seien aber Symbole der Ehre und des Respekts und müssten erst verdient werden, schreibt die junge Cherokee Adrienne K. in ihrem Artikel «But Why Can’t I Wear a Hipster Headdress?». «Der Warbonnet (Federhaube) ist kein modisches Accessoire. Er ist mächtigen Autoritätspersonen vorbehalten und diese sind ausnahmslos männlich.» Darum versteht Adrienne auch nicht, warum sich vermehrt Frauen mit diesen, ihnen fremden Federn bestücken. Sie fragt: Soll das etwa ein subversiver Versuch sein, patriarchale Strukturen zu unterlaufen? Für K. hat eine solche Geste aber nichts mit Feminismus zu tun. Sie empfindet sie vielmehr als einen despektierlichen Akt: Man könne auch in einem Bikini und einer Mitra auf dem Kopf herumrennen. 

Gwen Stefanis Video «Looking Hot» 

No Doubt ist vor zwei Jahren derselbe Fauxpas wie Pharrell passiert. Im Video zum Song «Looking Hot» ist Gwen Stefani als heisse Indianerbraut zu sehen: Natürlich mit dem obligaten Federschmuck auf dem Haupt. Ausserdem hat sie ein Tipi, reitet auf einem weissen Pferd durch die Prärie und wird von zwei bösen Cowboys an die Wand gekettet. 

Diese klischierte Western-Inszenierung wurde von vielen amerikanischen Ureinwohnern als respektlos gegenüber ihrer Kultur empfunden. Die Band entschuldigte sich und liess sogar das Video von YouTube entfernen. 

Victoria's-Secret-Engel im Indianer-Look

This Nov. 7, 2012 photo released by Starpix shows model Karlie Kloss wearing an Indian headdress during the taping of The 2012 Victoria's Secret Fashion Show in New York. Victoria Secret has apologized for putting a replica of a Native American headdress on a model for its annual fashion show. The company responded to criticism over the weekend by saying it was sorry to have upset anyone and would not include the outfit in the show’s television broadcast next month. (AP Photo/Starpix, Amanda Schwab)

Bild: AP STARPIX

Auch die Modebranche bedient sich gerne der schicken Adlerfedern. Zumindest wurde das Model Karlie Kloss mit solchen geschmückt, als sie 2012 für die «Victoria's Secret Fashion Show» in New York lief. Entrüstung war auch in diesem Fall die Folge. 

Lana del Reys «Ritt» 

Im Video zu ihrem Song «Ride» versucht sich Lana del Rey als künstlerische Indie-Dame zu inszenieren, doch was dabei herauskam, glich nach der Meinung mancher amerikanischer Eingeborener eher einem gänzlich verfälschten Bild indianischer Lebensform: Mit einer ausladenden Federhaube auf dem Kopf fährt sie auf ihrem Motorrad ums Feuer und will damit ihrem freien Lebensstil Ausdruck verleihen. 

Das Phänomen der verfälschten Adaption einer fremden Kultur nennen Dirks und Mueller in ihrem Buch «Racism and Popular Culture» eine «kulturelle Fiktion» oder auch «weisse Vorstellung», die rein gar nichts mehr mit der eigentlichen Tradition zu tun hat, die sie vorgibt zu kopieren. 

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