Populärkultur
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Verulkt und verurteilt

Dieter Bohlen und Prinz Ernst A. scheitern mit Menschenrechtsklage

Dieter Bohlen und Prinz Ernst August von Hannover fühlen sich seit mehr als einem Jahrzehnt von einer Zigarettenwerbung gekränkt. Deshalb musste sich nun sogar der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte mit dem Thema befassen.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Es ist 15 Jahre her, da startete die Zigarettenmarke Lucky Strike eine ironisch-satirische Werbekampagne. Zu den unfreiwilligen Protagonisten zählten der Musikproduzent Dieter Bohlen und Ernst August Prinz von Hannover. Die beiden wehrten sich juristisch dagegen, in Deutschland jedoch ohne Erfolg. Deshalb zogen die Prominenten bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Nun scheiterte ihre Grundrechtsbeschwerde auch dort, ihre Klage wurde abgewiesen.

Im Falle Bohlens war eine Anzeige mit zwei Zigarettenschachteln erschienen, die sich scheinbar unterhalten. Darüber stand: «Schau mal, lieber Dieter, so einfach schreibt man super Bücher.» Die Wörter «lieber», «einfach» und «super» waren geschwärzt, aber noch lesbar. Die Anzeige spielte auf den Streit um die Veröffentlichung des Bohlen-Buches «Hinter den Kulissen» an. Gegen das Buch hatten mehrere Menschen Persönlichkeitsverletzungen geltend gemacht, weshalb Textpassagen geschwärzt werden mussten.

Bild

Jurymitglied Dieter Bohlen lacht waehrend der RTL-Sendung

Dieter Bohlen lacht laut heraus. Hahahaha. Bild: AP

Im Fall des Prinzen erschien eine Anzeige mit einer zerknitterten Zigarettenschachtel, über der stand: «War das Ernst? Oder August?» Die Anzeige spielte auf tätliche Auseinandersetzungen des Prinzen an. So war es im Januar 1998 zu einem Schlagabtausch zwischen ihm und einem TV-Journalisten gekommen, weswegen der Ehemann der Prinzessin Caroline in der Boulevardpresse als «Prügel-Prinz» tituliert wurde. Im Januar 2000 hatte der Adelige zudem einen deutschen Nachtklubbesitzer auf einer Ferieninsel vor Kenia attackiert.

Durch die Werbekampagne mit ihren Vornamen sahen die beiden Männer ihre Persönlichkeitsrechte verletzt. In der Vorinstanz hatte das Oberlandesgericht Hamburg diese Auffassung geteilt - Bohlen erstritt vom Zigarettenhersteller British American Tobacco eine Lizenzgebühr von 35'000 Euro, dem Prinzen wurden 60'000 Euro zugesprochen.

Doch der Zigarettenhersteller legte Revision ein - und errang 2008 vor dem Bundesgerichtshof (BGH) einen Sieg. Damit gaben sich wiederum Bohlen und der Prinz nicht zufrieden und zogen vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Dieser lobte nun in seinem Urteil die Sorgfalt des BGH, der «ein verbindliches Gleichgewicht zwischen Meinungsfreiheit und Achtung des Privatlebens gefunden hat».

ARCHIV - Prinzessin Caroline von Hannover und ihr Gatte Prinz Ernst August, aufgenommen am 29. Maerz 2008 in Monaco. Caroline Prinzessin von Hannover hat ihre geplante Zeugenaussage im Prozess gegen ihren Ehemann Ernst August vor dem Landgericht Hildesheim kurzfristig abgesagt. Die Prinzessin habe durch den Staatsminister des Fuerstentums Monaco mitteilen lassen, dass sie am Donnerstag nicht aussagen werde, teilte das Gericht am Montagabend, 23. Nov. 2009, in Hildesheim mit. (AP Photo/sbm, Pool) --- FILE - Princess Caroline of Hannover and her husband Prince Ernst August attend the

Prinzessin Caroline von Hannover und ihr Gatte Prinz Ernst August. Bild: AP sbm POOL

(jbe/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • William 20.02.2015 07:57
    Highlight Highlight Das wäre ja nahezu ironisch gewesen, wären die damit durch gekommen. Gerade der Bohlen, der in seiner Show die Würde des Menschen am Laufmeter verletzt, hätte da nichts zum melden ;)
    • mrgoku 20.02.2015 08:27
      Highlight Highlight die menschen haben schon keine würde in dem sie sich vor dem ganzen land zum affen machen... nicht bohlen verletzt sie also :)

Kaiserschnitt

Warum der Mohrenkopf eigentlich Sadomaso-Müntschi heissen müsste

Wenn Renato Kaiser in den letzten Wochen etwas gelernt hat, dann, dass es in der Schweiz eigentlich keine Rassisten gibt. Nur ganz viele Menschen, denen es sehr wichtig ist, «Mohrenkopf» zu sagen. Und zu essen. Aber warum ist ihnen diese Süssspeise so wichtig? Und wenn ihnen historische Namen und Vergangenheitsbewältigung so viel bedeuten, warum nennt man den Schoggitaler nicht Nazigoldvreneli? Und warum heisst das Vermicelles nicht Verdingchindgrind? Fragen über Fragen, die Renato Kaiser …

Artikel lesen
Link zum Artikel