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«Tatort» am Sonntag

Neonazis aus Dortmund – BVB, braungelb

Neonazis unter Fussball-Hooligans, hilfsbereite Faschos bei der Omi nebenan: Ermittler Faber bricht im «Tatort» zum Exkurs in den unübersichtlichen braunen Sumpf Dortmunds auf.

christian buss

Ein Artikel von

Spiegel Online

Früher war alles einfach. Glatze, Springerstiefel, NS-Firlefanz an der Bomberjacke, schon war der Neonazi identifiziert. Heute ist es ein bisschen komplizierter.

ARD/WDR TATORT: HYDRA, Autor: Jürgen Werner, Regie: Nicole Weegmann, am Sonntag (11.01.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN.âKameradâ oder Gegenspieler: Wie stand der Rechtsextremist Stefan Tremmel (Rolf Peter Kahl, l) zum Mordopfer? Kommissar Faber (Jörg Hartmann, r) befragt ihn.© WDR/Thomas Kost, honorarfrei - Verwendung gemäà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung

Im braunen Sumpf: Wie stand der Rechtsextremist Stefan Tremmel (Rolf Peter Kahl, links) zum Mordopfer? Kommissar Faber (Jörg Hartmann) fühlt dem Skin auf den Zahn. bild: ard

Der nette blonde junge Mann mit längeren Haaren, Käppi und Ohrringen, der der alten Dame die Einkaufstüten hochträgt, könnte glatt auch aus dem Antifa-Milieu stammen – wenn man sich seine Badges an der Mütze nicht genauer ansehen würde, die eine stramm rechte Gesinnung anzeigen. 

Die gepiercte Erzieherin im Kindergarten ginge auch als alternative Hausbesetzerin durch – solange sie nicht den Mund aufmacht und gegen «Türken-Fotzen» wettert. 

Und der junge Germanistik-Student mit Popperscheitel wirkt wie ein redlich besorgter Bürgersohn – solange man nicht in die Kammer mit völkischem Kunsthandwerk schaut, das er über das Internet vertreibt.

Auf den ersten Blick erscheint die Welt, in die sich Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) mit seinem Team im neuen Dortmunder «Tatort» begibt, recht freundlich: Es geht um eine rechtsextremistische Gruppierung, die sich «Nationale Soziale» nennt und deren Mitglieder kultiviert, kritisch und bürgernah auftreten. 

ARD/WDR TATORT: HYDRA, Autor: Jürgen Werner, Regie: Nicole Weegmann, am Sonntag (11.01.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN.Leichenfund auf einem verlassenen Zechengelände: Kommissar Faber (Jörg Hartmann, links) und Gerichtsmediziner Jonas Zander (Thomas Arnold, rechts) schauen sich das Opfer genauer an.© WDR/Thomas Kost, honorarfrei - Verwendung gemäà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung

Rekonstruktion einer Tat: Faber mit Gerichtsmediziner Jonas Zander (Thomas Arnold). bild: ard

Man organisiert Veranstaltungen, auf denen darüber debattiert wird, wie Dortmund endlich seine Schulden abbauen kann; wer will dagegen etwas sagen. Mal abgesehen davon, dass die Neurechten am Ende doch immer wieder auf den einen Lösungsvorschlag kommen: «Ausländer raus!»

Es braucht nicht viel, dann bricht der Hass durch die bürgerliche Fassade. So bindet Kommissar Faber seine türkische Kollegin Nora Dalay (Aylin Tezel) in eine riskante Ermittlungsstrategie ein: Er kitzelt mit der Anwesenheit der türkischstämmigen Polizistin den Fremdenhass hervor, um danach Verständnis für die Verhörten vorzuspielen und so Informationen bei ihnen abzusaugen.

ARD/WDR TATORT: HYDRA, Autor: Jürgen Werner, Regie: Nicole Weegmann, am Sonntag (11.01.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN.Für ihren ermordeten Mann organisiert Tanja Fischer (Emily Cox, 2.v.r) zusammen mit Nils Jacob (Franz Pätzold, r) eine Mahnwache. Die Kommissare Nora Dalay (Aylin Tezel, 2.v.l) und Hans Krüger (Robert Schupp, l) befragen sie zum Fall.© WDR/Thomas Kost, honorarfrei - Verwendung gemäà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung

Piercing-Mäuschen und Popper-Nazi: Tanja Fischer (Emily Cox) und Nils Jacob (Franz Pätzold) werben für Rechts. Polizistin Nora Dalay (Aylin Tezel) schaut fassungslos zu.



Der Anführer der «Neuen Sozialen» wurde ermordet. Und während Faber und Dalay bei den Untersuchungen ihre Good-Cop/Türken-Cop-Masche durchziehen, rückt Kollege Kossik (Stefan Konarske) seinem Bruder Tobias (Robert Stadlober) auf die Pelle, dem schwarzen Schaf der Familie, der im rechten Milieu eine zweifelhafte Heimat gefunden hat.

ARD/WDR TATORT: HYDRA, Autor: Jürgen Werner, Regie: Nicole Weegmann, am Sonntag (11.01.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN.Der Schein trügt: Kommissar Daniel Kossik (Stefan Konarske, l) und sein Bruder Tobias Kossik (Robert Stadlober, r) stehen auf zwei unterschiedlichen Seiten.© WDR/Thomas Kost, honorarfrei - Verwendung gemäà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung

Unter Brüdern: Polizist Daniel Kossik (Stefan Konarske) am Tresen mit dem Neu-Nationalen Tobias Kosslik. biild: ard

ARD/WDR TATORT: HYDRA, Autor: Jürgen Werner, Regie: Nicole Weegmann, am Sonntag (11.01.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN.Tobias Kossik (Robert Stadlober, r) ist der Bruder von Kommissar Daniel Kossik. Tobias ist Teil der rechten Szene in Dortmund.© WDR/Thomas Kost, honorarfrei - Verwendung gemäà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung

Antifaschister Look, faschistische Gesinnung: Tobias Kossik (Robert Stadlober) verkörpert den neuen Rechtsextremismus. bild: ard

Wie sich herausstellt, fädelte der Ermordete kurz vor seinem Tod gerade ein Bündnis mit einer Gruppierung namens «Dorstfelder Front» ein, einem Haufen Neonazis, die Wohnungen und Körper mit SS-Runen vollkritzeln und auch sonst alle Kriterien stumpfer Skinheads erfüllen. Gab es Zoff zwischen den Neu- und den Altrechten?

ARD/WDR TATORT: HYDRA, Autor: Jürgen Werner, Regie: Nicole Weegmann, am Sonntag (11.01.15) um 20:15 Uhr im ERSTEN.Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel, M) wird von Vermummten überfallen.© WDR/Thomas Kost, honorarfrei - Verwendung gemäà der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter WDR-Sendung bei Nennung

Bedroht von Nazis: Ermittlerin Nora Dalay (Aylin Tezel) gerät in die Fänge des braunen Mobs. bild: ard

Mit feiner Sensorik spüren die Verantwortlichen dieses «Tatorts» (Regie: Nicole Weegman, Es ist alles in Ordnung, Buch: Jürgen Werner) den aktuellen Strömungen am rechten Rand nach. Die neuen Bündnisse zwischen Neonazis und Fussball-Hooligans oder das unübersichtliche Zeichensystem der «Autonomen Nationalisten» kommen hier ebenso vor wie der Fremdenhass im Mantel bürgerlicher Besorgtheit, so wie sie bei der Pegida-Bewegung und ihren Montagsdemos zutage tritt. Ein «Tatort», der höchste Aufmerksamkeit einfordert.

So tief ist schon lange kein TV-Krimi mehr durch den braunen Sumpf gewatet

Zumindest am Anfang. Denn leider wird dieser Blick auf die komplizierte, sich verschiebende Emblematik im hell- bis dunkelbraunen Borussen-Revier nicht über die gesamte Episode durchgehalten. Vielleicht hatten die Verantwortlichen Angst, man könnte ihnen vorwerfen, nicht eindeutig genug die Bösen zu benennen.

Auch die V-Mann-Problematik, die am Ende dieses Neonazi-Krimis angerissen wird, wird mit arg dickem Stift nachgezeichnet. Die Folge «Odins Rache», 2004 von «Berlin Calling»-Regisseur Hannes Stöhr für den WDR und den Kölner «Tatort» inszeniert, bleibt in der Durchleuchtung der schizophrenen Aspekte dieses Themas unerreicht.

Trotzdem: So tief ist schon lange kein TV-Krimi mehr durch den braunen Sumpf gewatet. Angesichts der traurigen Lage werden wohl weitere Filme zum Thema folgen müssen.

«Tatort: Hydra», Sonntag, 20.05 Uhr, SRF 1

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