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«Château Mort» aus Konstanz

Von wegen Revolution – «Tatort» setzt aufs Thema Steuerflucht

Steuerflucht in den Weinkeller: Im «Tatort» aus Konstanz geht es um teure Tropfen als Wertanlage und um die Liebe zu Zeiten der Märzrevolution. 

Christian Buss 

Ein Artikel von

Spiegel Online

180'000 Euro für eine Flasche Wein. Das ist nicht zu viel verlangt, wenn Weinpapst Hans Lichius attestiert, dass es sich dabei um ein Exemplar aus dem Jahr 1832 handelt: «Ein Jahrgang! Ein grosser!» Da greifen die anonymen deutschen Bieter bei einer Versteigerung des Schweizer Auktionshauses Tobler natürlich gerne zu.

ARD/SWR TATORT,

Amtshilfe: Klara Blum  (Eva Mattes) mit ihrem Kollegen Matteo Lüthi (Roland Koch) aus der Schweiz. bild: ard

Auch weil die Steuerermittler der Bundesrepublik immer stärker die auf Schweizer Banken geparkten deutschen Vermögen ins Visier nehmen. Wer denkt, er sei gerissen, parkt da um. Bei der Steuerflucht in den Weinkeller bekommt die Redewendung «Kapital verflüssigen» eine ganz neue Bedeutung.

Die besagten Flaschen Wein werden von Spezialist Lichius mit der Geschichte einer historisch verbürgten Liebelei aus dem Revolutionsjahr 1848 in Verbindung gebracht. Der badische Revolutionär Friedrich Hecker kommt darin ebenso vor wie die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Sie erinnern sich? «Ob dürftig das Erkennen / Der Dichtung Flamme schwach / Nur tief und tiefer brennen / Verdeckte Gluten nach.»

ARD/SWR TATORT,

Will aufräumen mit der Steuerflucht: Matteo mit seinem Team. bild: ard

Wein wie schwere Tränen

Revolution, Leidenschaft, Wein wie schwere Tränen – sie prägen diesen beherzten, bildungsbeflissenen und ein bisschen angezwitscherten «Tatort». Mord kommt natürlich auch vor.

ARD/SWR TATORT,

Die Leiche (links) ist schon länger tot. bild: ard 

Als bei einer Leiche am Bodenseeufer verdächtig antik aussehende Weinflaschen gefunden werden, steigt die Konstanzer Mordkommission tief in die Recherche ein: Kommissar Perlmann (Sebastian Bezzel) widmet sich der Dichtkunst und der Märzrevolution, Chefin Blum (Eva Mattes) lässt sich vom Weinpapst ein paar edle und weniger edle Tropfen kredenzen. Freiheit, Gleichheit, Beschwipstheit.

ARD/SWR TATORT,

Jeder nach seinem Geschmack: Klara Blum mit einer Flasche Wein, Kollege Perlmann (Sebastian Bezzel) mit einem Kaffee. bild: ard

Drehbuchautor Stefan Dähnert, der zuvor unter anderem den wütenden «Tatort»-Zweiteiler über den Hannoveraner Filz zwischen käuflicher Politik und käuflichem Sex geschrieben hat, erzählt hier ironisch und leichthändig auf gleich zwei Ebenen: Parallel zu den Ermittlungen in der Gegenwart geht es in Rückblenden um die Wirren zu Zeiten der badischen Revolution und wie damals die heute hochgehandelten Weinflaschen die Besitzer gewechselt haben. 

ARD/SWR TATORT,

Auf die Barrikaden: In Rückblenden erzählt dieser «Tatort» auch von der badischen Revolution im Jahr 1848.

Regisseur Marc Rensing setzt das mit Pulverdampf und Schmunzel-Schauder in Szene. Gegen Ende sitzt Perlmann mit gut erhaltener, weil wenig gelüfteter Leiche aus Revoluzzerzeiten in einem Verlies gefangen.

Eigentlich ist das ganz hübsch gelungen, etwa wie ein früher Münsteraner «Tatort». Oder sind wir einfach nur nostalgisch? Im Dezember gab der SWR ja bekannt, dass das Bodensee-Revier abgewickelt wird, und nach den meist sehr langweiligen oder sehr misslungenen Konstanz-«Tatorten» fanden wir das eigentlich gar nicht schade. Aber hier blinkt nun ein Tonfall auf, der Mattes und Bezzel gut bekommt.

ARD/SWR TATORT,

Das gibt Ärger: Die Kommissare haben entdeckt, wie Unternehmer Koch (Uwe Bohm) sein Geld vor der Steuer in Sicherheit bringt. bild: ard



Etwa als Kommissarin Blum durch ein hochgesichertes und voll akklimatisiertes Lager streift, in dem das Auktionshaus Weine, teure Instrumente und andere Preziosen für seine Kunden lagert. Über der Szene liegt der Klang einer Stradivari, die von einem bezahlten Profi-Musiker gespielt wird, damit sie geschmeidig bleibt und ihren Wert behält. Instrumente, die kein Musikfreund je zu hören bekommt. Wein, der nicht getrunken werden darf. Wie traurig ist das denn.

Am Ende dieses Histo-Vino-Husarenstücks gibt es dann noch einen Mord. Ausgeführt mit einem Korkenzieher, das erscheint uns nur konsequent.

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In der Tasche der Leiche wird ein Aal gefunden - Gerichtsmediziner Wehmut (Benjamin Morik) bei der Arbeit. biild: ard

«Tatort: Château Mort», Sonntag, 20.05 Uhr, SRF 1

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