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Neue Netflix-Serie «Sense8»: Zurück in der Matrix

Transgender-Sex, weltumspannendes Erzählen, Telepathie: In ihrer Netflix-Serie «Sense8» gehen die Regie-Geschwister und «Matrix»-Schöpfer Wachowski mit ihren Lieblingsthemen in die Tiefe – und finden dabei endlich zu alter Form zurück.

Andreas Borcholte



Ein Artikel von

Spiegel Online

«Cloud Atlas» war für viele schon eine prätentiöse Zumutung; spätestens mit «Jupiter Ascending» aber, dem auf ganzer Linie gescheiterten Science-Fiction-Spektakel, das Anfang des Jahres im Kino floppte, dürften die meisten alten «Matrix»-Fans den Glauben an Lana (ehemals Larry) und Andy Wachowski verloren haben: Ideen und Anspruch waren stets vorbildlich, in der Ausführung jedoch entglitten dem enigmatischen Duo zunehmend Dramaturgie und Geschmackssinn – was visionär und verwegen wirken sollte, verstolperte ins Lächerliche, unfreiwillig Komische. Man erinnere sich nur an den Hundedialog zwischen Knuddelköter Channing Tatum und einer überforderten Mila Kunis in «Jupiter».

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Matrix lässt grüssen: die neue Serie «Sense8».  bild: netflix

Umso schöner, dass die Wachowskis nun im Fernsehen zu neuer Form auflaufen und ihrem Ruf, Vertreter eines politisch engagierten, alternativen Blockbuster-Kinos zu sein, nach langer Zeit wieder gerecht werden. Am Freitag startet ihre zunächst auf 12 Episoden angelegte Mystery-Serie «Sense8» beim Streaming-Sender Netflix. Zumindest die ersten beiden Episoden versprechen viel.

Ein Panorama der globalen Gesellschaft

Wie üblich ist der Massstab gross angelegt: Nicht weniger als acht Hauptfiguren werden samt ihrer Einzelschicksale eingeführt und mit einer mysteriösen, übersinnlichen Rahmenhandlung verknüpft. Das erinnert an die Struktur von «Cloud Atlas», nur dass sich die Wachowskis im Fernsehen nicht auf Spielfilmlänge beschränken müssen. Dass sie nun zwölf Stunden Zeit haben, ihr Panorama einer globalen Gesellschaft zu entfalten, tut der Erzählung gut. Auch die vermutlich ordnende Hand von Story-Supervisor J. Michael Straczynski sorgt dafür, dass es den Wachowskis gelingt, mit ihrem Lieblingsthema Geschlechteridentitäten wirklich in die Tiefe zu gehen.

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Der Trailer der Serie. YouTube/moviemaniacsDE

Eine der Protagonistinnen wird mit einer grossartigen Sexszene eingeführt, die mit den Hollywood-Klischees bricht: Zunächst wirkt alles ganz hetero, erst beim Heranfahren der Kamera sieht man, dass es zwei Frauen sind, die in Missionarsstellung Sex haben; penetriert wird mittels eines Strap-on-Dildos. Gespielt werden die lesbischen Lover von Freema Agyeman («Dr. Who») und Jamie Clayton, die hier in einigen intensiven Szenen ihre eigenen Transgender-Erfahrungen in die Rolle der Nomi einbringt.

Andere Episoden drehen sich um eine junge indische Frau (Tina Desai), die sich zwischen Karriere und lukrativer Hochzeit entscheiden muss, oder um die Koreanerin Sun (Doona Bae), die tagsüber Probleme hat, sich in der männlichen Businesswelt zu behaupten, nachts aber als toughe Untergrundkämpferin unterwegs ist. In Mexiko-Stadt versucht Sex-Symbol und Macho-Schauspieler Lito (Miguel Angel Silvestre), seine Homosexualität vor einer zudringlichen Kollegin (und der Öffentlichkeit) zu verbergen.

Die Schauplätze sind über die ganze Welt verstreut: Nairobi, San Francisco, Chicago, Seoul und Berlin, wo Max Riemelt einen Safeknacker gibt. Gemein ist ihnen, dass sie telepathisch miteinander verbunden zu sein scheinen und Visionen von ein und demselben Gewaltverbrechen haben: Eine blonde Frau (Daryl Hannah) hält ihr Leiden nicht mehr aus, ein Medikament oder eine Droge ist im Spiel, sie wird von zwei Männern bedrängt, dann nimmt sie eine Pistole und schiesst sich in den Kopf.

Nach und nach tauchen einige der Protagonisten im Alltag der anderen auf, so wie die Londoner DJane Riley (Tuppence Middleton), die sich nach einem Drogentrip plötzlich in Chicago beim Polizisten Will (Brian J. Smith) wiederfindet. Der wiederum untersucht gerade eine Ruine, die sich schnell als jener Ort entpuppt, an dem die blonde Frau sich tötete.

Sehr dubios das alles. Und natürlich gibt es trotzdem noch genügend Möglichkeiten, dieses ambitionierte Ding bis zum Ende der Staffel an die Wand zu fahren. Abwarten. Bis auf Weiteres aber freut man sich über das Comeback der Wachowskis mit einer spannenden, gesellschaftsrelevanten Geschichte und ein Ensemble weitgehend unverbrauchter Seriendarsteller.

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