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Scientology

L. Ron Hubbard und seine Frau Sara Northrup. Bild: Artjail/HBO

Geisteskrank, geldgierig, gewalttätig: Eine neue Doku über Scientology ist zum Fürchten und zeigt, warum Tom Cruise erpressbar ist



Er ist ein Märchenerzähler und Paranoiker. Und er liebt nichts so sehr wie das Geld. Der grosse «LRH», also L. Ron Hubbard, Gottvater von Scientology. Im Zweiten Weltkrieg ist er U-Boot-Jäger. Allerdings ein grotesk schlechter: Regelmässig trifft er Inseln statt U-Boote. Trotzdem stilisiert er sich zum Kriegshelden, der allein mit gebrochenem Rücken auf einem Floss überlebte, nachdem er mehrere japanische U-Boote versenkt hatte. Es ist sein Trick, um Frauen abzuschleppen. Und er schreibt Science-Fiction-Romane, gegen tausend Stück. Und schliesst sich einem schwarzmagischen Kult an, der nach einer goldenen Göttin sucht, die den Antichrist gebären solle.

«Die einzige Art, richtig Geld zu verdienen, ist mit einer Religion», sagt er seiner zweiten Frau Sara Northrup und schreibt den Bestseller «Dianetics», die Schrift, auf der er später Scientology aufbauen wird. LRH ist selbst hochgradig und zunehmend paranoid, an die Welten, die er in seinen Roman entwirft, glaubt er auch und wähnt sich vom Satan besessen. 

Es sind Aussteiger, Ex-Scientologen, die dem Regisseur Alex Gibney in der zweistündigen HBO-Doku «Going Clear: Scientology and the Prison of Belief» am Sonntagabend die ganze Geschichte von Scientology erzählten. Von Anfang bis heute. Die Geschichte von LRH, David Miscavige, John Travolta, Tom Cruise und sich selbst. Und damit auch von der Gehirnwäsche namens Dianetics, der Therapiemethode, mit der Hubbard zuallererst sich selbst heilen will.

Scientology

Die «Navy» von L. Ron Hubbard. Bild: HBO

Mit Hilfe eines Apparats, der einem Lügendetektor gleicht, soll man in Sitzungen namens «Auditings» die Masse seiner negativen Emotionen entladen und damit verkleinern können. Eine Sitzung kostet 500 Dollar. Psychoanalyse hält er für unanständig, Psychiatrie für krank, sich selbst für den Erlöser. Als Sara ihn bittet, professionelle Hilfe zu suchen, entführt er die gemeinsame Tochter nach Kuba und behauptet, sie zerstückelt in einen Fluss geworfen zu haben.

Dann gründet er eine Navy, die «Sea Org», eine mobile Kultgemeinschaft auf einem Schiff, denn ohne festen Wohn- und Firmensitz braucht er keine Steuern zu bezahlen. Er erklärt seinen sehr jungen Jüngern und Jüngerinnen nachts den Sternenhimmel, das gemeinsame Ziel ist, ohne Drogen high zu werden. Nur mit Glauben und Euphorie. Stars schauen vorbei: Rock Hudson, Leonard Cohen, die Grateful Dead. 

Trailer zu «Going Clear»

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youtube/nick deed

Der blutjunge John Travolta wird zu seinem Ziehsohn. Was er Travolta zu Beginn nicht verrät: Alle Auditings werden aufgezeichnet, das archivierte Wissen ist bei Bedarf gegen die Stars zu verwenden. In Los Angeles entsteht das Celebrity Center. Und LRH wird dermassen zum Opfer seiner eigenen Fantasien, dass er eine Selbstmord-Maschine bestellt, mit der er erst seinen Satan, dann seinen Körper zerstören will. 1986 stirbt er an einem Schlaganfall.

Sein Nachfolger ist David Miscavige. Der Mann, unter dem neben Hubbards Irrsinn über Parallelwelten und Seelenwanderung auch die offene Gewalt in Scientology Einzug hält. 

Miscavige zwingt ungehorsame Scientologen, die Böden eines Gefängnisses namens «The Hole» mit ihren Zungen zu putzen. Er schlägt und tritt sie. Er lässt Haustiere vergiften, Autos zerstören, in Häuser einbrechen. Er bringt Kinder gegen ihre Eltern auf. Die Zeugen seiner psychopathischen Mission: zum Beispiel Bond-Regisseur Paul Haggis.

Diese psychedelischen Bilder hat das New Yorker Atelier Artjail für «Going Clear» realisiert

Bild: Artjail/HBO

Bild: Artjail/HBO

Bild: Artjail/HBO

Etwas vom Schlimmsten, Unvorstellbarsten, ist jedoch der siebte Stock des Celebrity Centers: Problem-Scientologen gehen dort in die Rehab, sie verrichten dreissig Stunden am Stück schwere körperliche Arbeit, danach dürfen sie drei Stunden lang auf durchgeweichten, schimmligen Matratzen unter freiem Himmel schlafen. Zu essen erhalten sie die weggeworfenen Reste des Zentrums. Kinder werden ihnen weggenommen, sie kommen zu den «Kadetten». Eine Frau findet ihre kleine Tochter mit hohem Fieber und voller Fliegen auf einer urindurchtränkten Matratze. Ihr gelingt die Flucht.  

Unterdessen macht Misgaviges neues Schosshündchen Tom Cruise Probleme: Er verliebt sich Hals über Kopf in Nicole Kidman, deren Vater ein anerkannter Psychologe ist. Jahrelang gelingt es Misgavige nicht, die beiden zu trennen, als Cruise und Kidman für ein ganzes Jahr aus seinem Einflussbereich nach England verschwinden, um mit Stanley Kubrick «Eyes Wide Shut» zu drehen, dreht auch er durch.

ADVANCE FOR WEEKEND EDITIONS, MARCH 27-29--FILE--John Travolta and Olivia Newton-John star in the 1978 film,

John Travolta ist seit 1975 bei Scientology. Bild: PARAMOUNT

Hollywood  actors Nicole Kidman and her husband Tom Cruise smile during a photocall in Paris Thursday September 2, 1999. Kidman and Cruise are in Paris to promote late film director Stanley Kubrick's last film

Nicole Kidman und Tom Cruise bei der Paris-Premiere von «Eyes Wide Shut». Bild: AP

Danach gibt es kein Halten mehr in der totalen Überwachung und der totalen Beeinflussung des Tom Cruise. Dessen Ego parallel zu seiner Paranoia ins Unendliche wächst. Wie es die Church of Scientology will. Cruise lässt sich frei erfundene Medaillen überreichen, tritt wie Miscavige in Dekors auf, die an die Ruhmeshallen der Nazis erinnern. Es geht um Weltherrschaft, Miscavige will den «Krieg, der alle Kriege beendet» führen. 

Unter diesem Link ist der ganze Film zu sehen, allerdings in einer mittelmässigen Qualität.

Je länger Cruise ein Scientology-Mitglied ist, desto mehr Material hat die Kirche gegen ihn in der Hand. Und es wäre nicht verwunderlich, wenn die Gerüchte, dass Travolta und Cruise schwul oder mindestens bisexuell sein könnten, von Scientology selbst gestreut worden wären. Um ihre beiden immer noch prominentesten Mitglieder in einer Mischung aus Schutz- und Geiselhaft zu behalten. Beide sind schliesslich auf unnachahmlich naive Art noch immer davon überzeugt, dass ihnen nur bei Scientology Gutes widerfährt.

Ein Ende von Scientology, sagt einer der Aussteiger, wäre nur vorstellbar, wenn die Gehirnwäsche des Tom Cruise rückgängig gemacht werden könnte. Wenn er sich an die Spitze der Kritik stellen würde. Es wird ein Traum bleiben.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Jürg Stettler 07.05.2015 17:09
    Highlight Highlight Wieder mal typisch wie über Scientology berichtet wird. Ich habe den Film auch gesehen. 95% sind Infos, die z.T. seit 60 Jahren verbreitet werden und deshalb auch nicht wahrer werden. Die Seite von Scientology findet sich im Film nicht...man beklagt sich zwar, dass z.B. Tom Cruise kein Interview geben wollte, aber erstaunt es, wenn man weiss, dass von Anfang an ein Verriss geplant war? Wo bleiben die Stellungnahmen von Scientology? So finden sich auf www.freedommag.org zahlreiche Infos von Scientology zum Film, die ein ganz anderes Bild ergeben.
    • CloudAtlas 08.05.2015 07:52
      Highlight Highlight Hr. Stettler ist Pressesprecher von Scientology und versucht wie üblich seine Sekte zu verharmlosen, schönzureden und die Beteiligten des Films zu diskreditieren! Scientology hat SÄMTLICHE Interview-Anfragen abgelehnt, darum findet sich nicht die Seite der Sekte ... so what? Und das 95% der nicht wahr sein sollen, ist der typische Manipulationsversuch von Scientology. Im zwei Stunden-Film war es nur möglich, acht Ex-Anhänger zu behandeln. Es ist gibt eine Liste online, die über 2.400 Ex-Mitglieder umfasst, die ausgesagt haben. PS: Sie haben den Film nicht gesehen ...

    • Citation Needed 10.05.2015 23:57
      Highlight Highlight Die 'zahlreichen Infos auf Freedommag' ergeben überhaupt kein anderes Bild, sie bestätigen viel eher den Inhalt des Films: Kritiker werden verunglimpft, haarspalterische und logisch fragwürdige 'Richtigstellungen' sollen die gemachten Aussagen in Zweifel ziehen. Wirkt sehr unglaubwürdig.
  • Danger 05.05.2015 19:30
    Highlight Highlight Würde mich noch wunder nehmen, wieviele der Kommentarschreiber eigene Erfahrungen mit der Scientology gemacht haben. So eine klare Meinung kann man sich niemals durch Medienberichte aneignen!
    • CloudAtlas 06.05.2015 07:39
      Highlight Highlight Shit, da fällt mir ein ich muss unbedingt noch Heroin und Meth ausprobieren. Hab' zwar durch Medienberichte gehört das es schlecht ist, aber man kann sich ja erst eine eigene klare Meinung aneignen, wenn man es selber probiert hat ...

    • Danger 06.05.2015 12:56
      Highlight Highlight Schlechter Vergleich. Machst du Erfahrungen mit Drogen, riskierst du deine Gesundheit. Schaust du dir eine umstrittene Organisation selber an, passiert dir nichts. Ich habe das getan und weiss aus eigener Erfahrung, was ich davon halten soll. Viele schreiben von Gehirnwäsche, hinterfragen aber die Artikel, die sie lesen, nicht. Was man selbst nicht erlebt hat, sollte man versuchen mit einer gewissen Vorsicht aufzunehmen. Das ist der Kern meiner Aussage.
    • CloudAtlas 06.05.2015 14:42
      Highlight Highlight Millionen von Menschen sind schon in Sekten geworben worden, die sich dafür zu intelligent oder zu stark gehalten haben, weil sie einfach bei solchen Organisationen "ihre Erfahrungen machen, oder schauen wollten". Es lohnt sich nicht mit dem Feuer zu spielen! Der Normalbürger hat keine Ahnung von "Love Bombing", von Manipulationstechniken ... zum Unterschied von Scientology > die sind darin Meister. Darauf zu verweisen, man solle mal selbst schauen (ist übrigends eine beliebte Scientology-Taktik in Foren), ist brandgefährlich!
    Weitere Antworten anzeigen
  • S.G. 05.05.2015 10:11
    Highlight Highlight Leider leider nur die halbe Geschichte und leider leider typisches aus der --> nicht insiderszene... Gut zusammengefasst, doch das ÜBEL ist näher an watson dran als ihr denkt, vll. kommt ihr drauf mit nem kleinen Tipp, checkt mal alle RON's ab ;-)
  • Citation Needed 05.05.2015 07:02
    Highlight Highlight Der Link zum Film bringt mich zum Artikel über die Kardashians.. :-/
    URL?
    • Simone M. 05.05.2015 11:08
      Highlight Highlight huch? so sorry, jetzt stimmts. das muss scientology gewesen sein...
  • L 04.05.2015 22:56
    Highlight Highlight Ich würde mir die Dokumentation gerne ansehen aber wenn ich auf den Link klicke komme ich zu diesem Artikel:
    "Celebrity-Kult mit Mythen, Leib und Leben: Wieso eine Paris Hilton heute gegen die Kardashians nicht mehr den Hauch einer Chance hätte"

    Ich Vermute das Etwas nicht stimmt.
    Mit IPhone 5s und Watson App
    • Citation Needed 05.05.2015 10:12
      Highlight Highlight Einfach "Going Clear" auf Youtube suchen, so habe ich die Doku trotz falschem Link gefunden (auch nach erfolglosem Versuch mit iPad und iPhone). Ist die beste Doku bisher, finde ich. Auch lohnend: eine frühere Doku von Sweeney (für BBC Panorama, auch YT); wird in dieser Doku auch erwähnt, daher gute Ergänzung, auch weil Sweeneys Doku mehr von den Methoden zeigt, mit denen sich Scientology vor Kritikern zu schützen versucht, bzw. diese einschüchtert, bespitzelt & observiert und so fast zur Verzweiflung treibt. Completes the picture!
    • Simone M. 05.05.2015 11:08
      Highlight Highlight jetzt klappts, terribly sorry!
  • Ruffy 04.05.2015 21:53
    Highlight Highlight Eine absolut hervorragende Dokumentation, sollte Pflichtstoff in jeder Schule sein.
  • CloudAtlas 04.05.2015 20:51
    Highlight Highlight 1) Die Strafeinrichtung für ungehorsame Scientologen heißt "The Hole", nicht «The Hall».

    2) Wäre es besser, wenn die Medien mit dem Begriff Gehirnwäsche nicht so leichtfertig umgingen. Er erweckt die Vorstellung einer Bekehrung durch Folter. Die Sektenanhänger (wie z.B. Cruise) aber wissen, dass sie nicht gefoltert wurden, und unterstellen den Kritikern daher, dass sie Lügenmärchen erfinden.

    3) Gibt es eine hervorragende Webseite, die die Funktionsweisen und Wirkungsmechanismen von Sekte erklärt (inkl. den Begriff Gehirnwäsche) >> www.destruktive-gruppen-erkennen.com
    • Simone M. 04.05.2015 21:13
      Highlight Highlight Danke, aus der Halle ist umgehend ein Loch gemacht worden. Und auch für Hinweis 3.
  • Buyer's Remorse 04.05.2015 18:52
    Highlight Highlight Habe nicht alle Religionen mal mit Lügen, Gewalt und Macht- bzw. Geldgeilheit angefangen? Die Parallelen zu den etablierten Glaubensrichtungen sind doch kaum von der Hand zu weisen?
    • Monachus 04.05.2015 20:01
      Highlight Highlight Wenn Du den Soziopathen LRH mit Religionsgründern wie Christus, Buddha, Babi u.ä. vergleichst, dann hast Du mit Verlaub einfach wenig Ahnung von der Materie.
    • Ruffy 04.05.2015 22:15
      Highlight Highlight Bitte schau dir die Dok an, dann wirst du anders denken. Der kurze Bericht hier kann nicht annähernd den Inhalt der Dok abdecken.
    • Citation Needed 05.05.2015 15:46
      Highlight Highlight Wenn man Scientology mit den althergebrachten Weltreligionen gleichsetzt tut man ihnen einen immensen Gefallen, sie werden dadurch quasi geadelt. Der Vergleich hinkt heftig. Rein historisch/traditionell hat S. ein paar Jahrhunderte weniger auf dem Kasten und ist in unserer Kultur/der jeweiligen Kultur nicht halbwegs so tief verankert wie Weltreligionen. Dass sich dieses "corporate Hirngespinst" dank erpresserischem juristischem Gebaren in den USA dennoch "Religion" nennen darf und eine Sonderstellung geniesst, ist absurd. Jede Religion ist ein Kult, aber nicht jeder Kult ist eine Religion.
  • rundumeli 04.05.2015 18:48
    Highlight Highlight nun , lieber hugo stamm , vielleicht wär doch ein vaterschaftstest angesagt ;-)
    • Simone M. 04.05.2015 19:53
      Highlight Highlight haha, touché! allerdings hab ich hbo viel schneller geglaubt als hugo... the church of tv...

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