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Wer singt, der stirbt

Die übelsten und besten «Tatort»-Abschiede

Endlich trocken! Joachim Król hat für seinen Alki-Cop Frank Steier einen unerwartet glücklichen Abschied beschert bekommen. Anderen Ermittlern erging es schlechter. Die spektakulärsten und schmierigsten «Tatort»-Schlussakkorde.

Christian Buss 

Ein Artikel von

Spiegel Online

Ja, der Mann kann lächeln. Ein ganz kleines bisschen zumindest. Wer dachte, der alkoholkranke Kommissar Frank Steier würde sich am Sonntag in seinem letzten Fall zu Tode saufen oder zumindest im Vollrausch einen tödlichen Fehler begehen, sah sich getäuscht.

Nach einem letzten Wodka-Besäufnis mit einem Kollegen legten ihn die Drehbuchautoren gekonnt trocken und schickten ihn schwer verkatert, aber eben doch nüchtern durch einen wahren Horror-Parcours – um ihn dann ganz am Ende mit den Kollegen seinen Abschied vom Polizeidienst feiern zu lassen.

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Ich habe fertig: Kommissar Frank Steier quittiert den Dienst. bild: ard

In der Schlussszene schien der Griesgram Steier gar die Mundwinkel ganz leicht hochzuziehen, und seine stecknadelkopfgrossen Alki-Pupillen flackerten kurz auf, als ob irgendwo in ihm drin doch noch ein Lebenslicht loderte. Vielleicht war Darsteller Joachim Król aber auch einfach nur froh, seine nicht immer leichte Verbindung mit dem «Tatort» derart souverän zum Abschluss gebracht zu haben. Die Quote mit 9,37 Millionen Zuschauer ist mehr als solide.

Tatort-Abschiede haben sich über die letzten zwei Jahrzehnte, in denen die Ermittler und ihre Darsteller immer mehr zu Stars geworden sind, zu komplizierten Zeremonien entwickelt. Selten scheiden Sender und Darsteller in Harmonie auseinander, das Finale soll dann trotzdem immer besonders weihevoll geraten. Nicht immer glückt das. Zwischen Feier und Flop ist bei so einem aufgeregten Finale alles drin. Wir haben mal die schönsten und spektakulärsten, die schwierigsten und schmierigsten «Tatort»-Schlussakkorde zusammengetragen.

Manfred Krug als Paul Stöver, 2001

** ARCHIV ** Die Schauspieler Manfred Krug, rechts, und Charles Brauer posieren am 8. November 2000, am Rande von Dreharbeiten fuer einen neuen Krimi der ARD

Kult: Manfred Krug (rechts) und Charles Brauer als Ermittler-Duo Stöver und Brockmöller.  Bild: AP ARCHIV

Hup-hup, tröt-tröt: Mit einer fröhlichen Swing-Nummer, vorgetragen auf einem Kreuzfahrtdampfer, verabschiedeten sich Manfred Krug und Charles Brauer 2001 vom Krimi-Klassiker. Im Hintergrund ein grosses Orchester, dichteten die beiden Kommissare in Frack und Lametta norddeutsch nölig den Jazz-Klassiker «Bye Bye Blackbird» um. Höhepunkt ist die Zeile «Tatööööört, bye-bye». Angeblich kursiert seit diesem Abgang in der Folge «Tod vor Scharhörn» 2001 in der ARD absolutes Musikverbot für letzte «Tatort»-Folgen. Motto: Wenn der Kommissar singen will, morden wir ihn vorher lieber aus der Handlung.

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Manfred Krug über seine Rolle als Kommissar Stöver – inklusive Gesang. video: youtube/capbimbo



Peter Sodann als Bruno Ehrlicher, 2007

** ARCHIV ** Der Schauspieler Peter Sodann als Tatort-Ermittler Bruno Ehrlicher in einer Drehpause bei Dreharbeiten zum MDR-Tatort

Knautschgesichtig: Peter Sodann als Kommissar Ehrlicher.  Bild: AP

Ist das ein Prinz mit seinem Knappen? Nein, es ist der Kommissar Ehrlicher, der mit seinem Sidekick Kain (Bernd Michael Lade) im Leipziger Stadtpark auf einem Gaul in die schon lange fällige Rente reitet. Dass ausgerechnet der graustichtige Aktentaschen-Ermittler Ehrlicher 2007 diesen märchenhaftesten aller «Tatort»-Farewells bekam, ist natürlich eine wunderbare Pointe. Gibt es da vielleicht doch noch ein schönes Leben nach der «Tatort»-Karriere? Naja, Sodanns Kandidatur als Bundespräsident 2009 verlief extrem unmärchenhaft.

Mehmet Kurtulus als Cenk Batu, 2012

Eine vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) zur Verfuegung gestellte Aufnahme zeigt Mehmet Kurtulus in der Rolle des

Kommissar Cenk Batu war beim Publikum leider nicht sehr beliebt. Bild: AP NDR PRESSE UND INFORMATION

Erst nahm er den Bundeskanzler als Geisel, dann wurde er von Kugeln durchsiebt. Das formvollendete ballistische Ballett, mit dem 2012 Mehmet Kurtulus als Undercover-Cop Cenk Batu in der Folge «Die Ballade von Cenk und Valerie» verabschiedet wurde, hätte der theatralischste aller «Tatort»-Abgänge werden können. Die Erstausstrahlung geriet jedoch zum Fiasko: Als der Polizist zum Schluss im Sterben liegt, hörte man auf einmal die Stimme von ARD-Wahlmoderator Jörg Schönenborn, der die Sondersendung zur Wahl in Schleswig Holstein vorbereitete. Eine Panne bei der Übertragung. Statt Tränen dann doch nur Lacher.

Götz George als Horst Schimanski, 1991

Szene mit Eberhard Feik, links, als Thanner und Goetz George als Schimanski im Hafen von Duisburg am 29. September 1987. Sie haben den Mord an einer Prostituierten aufzuklaeren.  (KEYSTONE/EPA/DPA/Horst Ossinger)

The One and Only: George als Schimanski in Szene mit Eberhard Feik als dessen Kollege Thanner anno 1987. Bild: EPA DPA

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Mega! Bonnie Tyler schmettert «Against the Wind» 1991 in der «ZDF Hitparade». video: youtube/bonnietvideos's channel

Bonnie Tyler röhrt «Against The Wind», die Schlote stossen glücklich Rauch in den blauen Himmel über Duisburg, Götz George dreht als Horst Schimanski mit seinem Drachen Runden um die Industrie-Beauties und lacht sich in den Bart. So schön ist der Pott! Fröhlich segelte Haudrauf George 1991 aus der ARD und dem «Tatort» – um dann 1997 wieder genauso fröhlich wieder hineinzusegeln. 

Da wurde um seine Ermittlerfigur Schimanski eine eigene Reihe gebaut. Vielleicht hat George bei einem «Spiegel-Online»-Interview anlässlich des letzten Schimanski-Krimis 2013 an seinen letzten «Tatort»-Auftritt gedacht: Da erklärte er auf die Frage, was sein Schimanski gegen Datenspionage und NSA-Affäre tun würde, dass er einfach mit dem Fallschirm in die US-Botschaft in Berlin springen würde. Immer against the wind eben.

Boris Aljinovic als Felix Stark, 2014

Die Berliner

Bis dass der Tod sie schied: In Berlin muss Till Ritter (Dominic Raacke) ohne Felix Stark (links) klarkommen. Bild: AP

Ja, was denn nun? Ist er denn nun tot oder nicht? Mit dem ziemlich brillanten Mystery-Thriller «Vielleicht» wurden die «Tatort»-Zuschauer letztes Jahr bei der letzten Folge mit Boris Aljinovic als Felix Stark in die Ungewissheit entlassen. Auf die Frage, ob der bei einem Gefecht angeschossene Berliner Kommissar überleben werde, sagte der Krankenhausarzt nur: «Vielleicht». Aljinovic fand das selbst wohl unbefriedigend; er stellte später ein kleines Video ins Netz, das seinen Ermittler Stark beim Angeln und Biertrinken an einem Fjord in Norwegen zeigen soll. Taktisch ist das nicht unklug: So könnte sein Stark nochmal irgendwo als Gastermittler in Erscheinung treten.

Tessa Mittelstaedt als Franziska Lüttgenjohann, 2014

Assistentin Franziska wurde von einem Kölner Häftling fies abgemurkst. Bild: ARD

Der Abgang von Tessa Mittelstaedt als Kölner Kripo-Sidekick Franziska Lüttgenjohann ist dagegen sehr definitiv geraten: 2014 lief eine nach der Assistentin benannte Folge, in der diese von einem Sexualverbrecher in Geiselhaft genommen, drangsaliert und massakriert wurde. Ein extrem hartes Krimi-Stück, das in seiner schmerzhaften Wucht jedoch einen schönen Tribut an die vielen wiederkehrenden Nebenfiguren darstellt, ohne die der «Tatort» nicht funktionieren würde. Und, jawohl: Franziska, wir vermissen Dich!

Karl-Heinz von Hassel als Edgar Brinkmann, 2001

HR  TATORT, Blinde Kuriere, Kriminalfilm, Deutschland 1999, Buch und Regie: Silvia Hoffman, am Freitag (26.12.08) um 20:15 Uhr im hr-fernsehen.
Kommissar Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel, links) ist auf der Spur von Dr. Pit Faber (Peer JŠger), der mšglicherweise Boss eines Killer-Ringes ist.
© HR/Jens Werner - honorarfrei, Verwendung gemŠ§ der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter HR-Sendung bei Nennung

Edgar Brinkmann (links) war einer von Steiers Vorgängern in Frankfurt. Bild: HR

Der Mann mit der Fliege aus Frankfurt, ausnahmsweise mal ein bisschen auf «Oh là là» getrimmt. Bei seinem finalen, teils in Frankreich gedrehten Fall drückt Karl-Heinz von Hassel als Oberkriminalspiesser Edgar Brinkmann ein Auge zu. Nicht ohne diesen jedes Stadttheaters würdigen Monolog zu sprechen: «Ich bin mir nicht sicher, dass es richtig ist, Gesetz und Gerechtigkeit so gegeneinander zu verrechnen, aber vielleicht fühlt es sich ja gut an, eine letzte kleine Chance zu haben mit der Liebe.» Sagt er zu einem kriminell gewordenen Pärchen, das er am Ende von «Havarie» 2001 laufen lässt. Dann salomonisches Lächeln und Abgang ins sonnige Getümmel von Marseille.

Maja Schöne als Julia Bootz, 2013

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Traurig ob des Abgangs: Julia Bootz. bild: ard

Ein Denkmal für all die vernachlässigten Ehepartner, Lebensabschnittsgefährten und Betthupferl der Ermittler im Rampenlicht: Mit der Folge «Spiel auf Zeit» stieg Maja Schöne als Julia Bootz aus dem Stuttgarter «Tatort» aus – und damit aus dem Schattendasein als ewig gekränktes und krittelndes Ermittleranhängsel. Grimmige Dialoge mit ihrem Mann, Kommissar Sebastian Bootz, machten deutlich: Die will hier raus! Also, die Ermittler-Gattin aus der Ehe – und ihre Darstellerin aus ihrer Rolle. Das konnten wir verstehen, trotzdem schade. Scheiden tut weh. Jetzt gibt es keine auch nur halbwegs intakte Beziehung in «Tatort»-Deutschland.

Dietz-Werner Steck als Ernst Bienzle, 2007

«Wie wäre es mit einem Viertele Trollinger?», fragt sein Kollege am Ende von «Bienzles schwerster Fall» 2007 im trinkfreudigsten schwäbischen Singsang den von Dietz-Werner Steck gespielten Kommissar. Doch Bienzle, der sich noch nach seinen traurigsten Fällen einen hinter die Binde gegossen hat, erwidert nur: «Lass mal sein, ein anderes Mal, bin zu kaputt.» Dann erklingen leichenstarre Streicher, Bienzle schaut malad in die Nacht und schleicht im Trenchcoat durch die Stadt. Wahrscheinlich irrt er da noch immer herum. Definitiv das depressivste Dienstende.

SWR TATORT: BIENZLE UND DER TOD IM WEINBERG, Buch Felix Huby und Dieter de Lazzer, Regie Jochen Nitsch, am Dienstag (23.12.08) um 20:15 Uhr im SWR Fernsehen.
Winzer Karl Dippon (Christian Koerner, re.) erzŠhlt Bienzle (Dietz-Werner Steck, li.) von den Feinden und Freunden seines ermordeten Bruders.
© SWR/Stephanie Schweigert, honorarfrei - Verwendung gemŠ§ der AGB im engen inhaltlichen, redaktionellen Zusammenhang mit genannter SWR-Sendung bei Nennung:

Old School: Bienzle (links) im Einsatz. Bild: SWR

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