DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Rosneft und Kalaschnikow

EU und USA verschärfen Sanktionen gegen Russland – jetzt sind Öl-Multis und Waffenhersteller dran

16.07.2014, 22:48

In der Ukraine-Krise greifen Amerikaner und Europäer zu härteren Mitteln gegenüber Russland. Nach Privatpersonen belegten die USA und die EU am späten Mittwochabend nun erstmals auch russische Unternehmen mit Strafmassnahmen. 

Sowohl die USA als auch die Europäer werfen der Moskauer Regierung vor, zu wenig zur Deeskalation der Lage in der Ostukraine beizutragen. «Wir haben unsere Präferenz betont, diese Angelegenheit diplomatisch zu lösen», sagte US-Präsident Barack Obama im Weissen Haus in Washington. 

«Handlungen haben Konsequenzen.»
Barack Obama
Bild: Jacquelyn Martin/AP/KEYSTONE

«Russlands Unterstützung für die Separatisten und die Verletzung der Souveränität der Ukraine geht weiter», sagte er weiter. Die neuen Strafmassnahmen seien die Antwort auf die «anhaltenden Provokationen» der russischen Führung im Nachbarland. Russland habe die geforderten Schritte zur Entschärfung der Krise aber nicht unternommen, darunter die Verhinderung von Waffenlieferungen in die Ukraine. «Handlungen haben Konsequenzen», sagte Obama. 

Sanktionen fast zeitgleich ausgesprochen 

Rund eine halbe Stunde später beschloss auch der EU-Gipfel in Brüssel Sanktionen gegen russische Unternehmen, wenn diese zur Destabilisierung der Ukraine beitragen. Die Union werde auch prüfen, ob milliardenschwere Oligarchen oder Konzerne, die die Annexion der Krim unterstützen, auf die schwarze Liste kommen. 

Die EU-Staats- und Regierungschefs forderten in einer Erklärung einen dauerhaften Waffenstillstand in der Ukraine. Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten erschüttern dort seit Wochen den Osten des Landes. 

Ölgigant Rosneft auf US-Sanktionsliste 

Bisher hatten die EU und die USA vor allem mit Einreiseverboten und Kontensperrungen gegen mehrere Dutzend Russen und prorussische Ukrainer Druck auf Moskau ausgeübt. Die neuen Sanktionen richten sich allerdings nicht gegen gesamte russische Wirtschaftszweige, wie zuvor mehrfach angedroht wurde. 

Bild: KEYSTONE

Von den jüngsten Washingtoner Strafmassnahmen sind neben Rosneft auch die Gazprombank und die staatliche Wneschekonombank betroffen. Im Energiesektor wird zudem der grösste unabhängige Gasproduzent Novatek mit Sanktionen belegt. 

US-Bürgern wird ab sofort untersagt, mit diesen vier Unternehmen Finanzgeschäfte abzuwickeln, sie zu finanzieren oder Darlehen mit einer Laufzeit von mehr als 90 Tagen zu gewähren. Das Kapital und Eigentum dieser vier Firmen werden aber nicht eingefroren, sie können in den USA und mit Amerikanern also nach wie vor Geschäfte tätigen. 

Vermögen von Rüstungskonzernen eingefroren 

Nun auch auf der schwarzen Liste: Waffenhersteller Kalaschnikow.
Nun auch auf der schwarzen Liste: Waffenhersteller Kalaschnikow.
Bild: AFP

Im Rüstungssektor nehmen die USA acht Firmen ins Visier. Darunter befindet sich mit dem Kalaschnikow-Konzern der grösste russische Waffenhersteller. Das Vermögen der acht Rüstungskonzerne, die Handfeuerwaffen, Mörsergranaten und Panzer herstellen, wird eingefroren. Es handelt sich um die schärfsten US-Strafmassnahmen seit Beginn der russischen Intervention in dem Nachbarland. 

Die von den EU-Sanktionen betroffenen russischen Unternehmen dürfen keine Geschäfte mehr mit EU-Konzernen machen und können nicht mehr über Vermögenswerte in der EU verfügen. Anzahl und Namen der Firmen blieben zunächst offen. 

Bisher gab es lediglich Sanktionen gegen zwei Unternehmen auf der Krim, weil diese von Russland verstaatlicht wurden. Zudem sind 72 Personen von Kontensperrungen und Einreiseverboten betroffen. 

Putin: «Sanktionen haben Bumerang-Effekt»

Russland hat die USA davor gewarnt, dass verschärfte Sanktionen gegen russische Firmen auch negative Folgen für amerikanische Unternehmen haben dürften. «Sanktionen haben einen Bumerang-Effekt», sagte der russische Präsident Wladimir Putin. 

Die Sanktionen würden «zweifelsohne die Beziehungen zwischen den USA und Russland in eine Sackgasse führen und sehr schwere Schäden anrichten», sagte Putin am Mittwoch bei einem Staatsbesuch in Brasilien

«Die Sanktionen haben einen Bumerang-Effekt.»
Vladimir Putin
Bild: Eraldo Peres/AP/KEYSTONE

«US-Unternehmen, die in Russland Geschäfte machen wollen, werden ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren im Vergleich zu anderen globalen Energiekonzernen», warnte Putin. Als Beispiel nannte er den US-Konzern Exxon Mobil, der sich in Russland engagieren wolle. «Sie fügen ihren eigenen grossen Energiekonzernen Schaden zu», sagte Putin über die Entscheidungsträger in der US-Regierung. (rey/sda/dpa/afp) 

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Kommt es zur Eskalation in der Ostukraine? 5 Fragen und Antworten

Die Lage an der Grenze zur Ostukraine spitzt sich zu. Ist das alles nur ein Test von Joe Bidens politischer Stärke?

Wladimir Putin lässt seine Armee an der Grenze zur Ukraine und auf der Krim aufmarschieren. Kommt es zur Eskalation? Und was macht der Westen? Fünf Fragen und Antworten.

Seit Ende März hat Russlands Präsident Wladimir Putin Kampftruppen und schweres Gerät an die Grenze zur Ostukraine und auf die besetzte Krim-Halbinsel verlegt. Der ukrainische Verteidigungsminister Andrij Taran sagte am Mittwoch, Russland habe entlang der gemeinsamen Grenze «insgesamt 110000 Soldaten» zusammengezogen. In den …

Artikel lesen
Link zum Artikel