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Die Krimsekt-Korken knallen nicht

Von straffreien Morden und verbotenen Plakaten: 10 denkwürdige Momente aus 200 Jahren schweiz-russischer Beziehungen

06.03.2014, 15:4111.11.2020, 12:39

Heute feiern die Schweiz und Russland das 200-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen. Angesichts der Krim-Krise ist aber niemandem zum Feiern zumute. Wir blicken trotzdem zurück auf zehn denkwürdige Momente schweizerisch-russischer Geschichte.

1814: Ein Grieche als russischer Botschafter in Bern

Bild: Nationales Historisches Museum Athen

Der Reihe nach: Am 6. März 1814 deponierte Ioannis Kapodistrias sein Beglaubigungsschreiben als erster Botschafter des Zarenreichs in der Schweiz. Schnell verbuchte er einen wichtigen Erfolg: Die Eidgenossenschaft trat der Heiligen Allianz gegen Napoleon bei. Später wurde er erstes Staatsoberhaupt des unabhängigen Griechenlands. Heute ziert er die Rückseite der griechischen 20-Cent-Münze.

1916: Lenin an der Spittelgasse in Zürich

Bild: Wikipedia/Roland zh

Von 1916 bis 1917 weilte Wladimir Iljitsch Uljanow, Kampfname «Lenin», im Zürcher Exil. Nach der Februarrevolution fuhr er in einem versiegelten Zug von der Schweiz über Deutschland, Schweden und Finnland nach Russland zurück, wo er die Oktoberrevolution zur Machtergreifung der Kommunisten organisierte.

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1923: Conradi-Affäre

Bild: Wikipedia

1923 kam es zur schwersten Belastung der beidseitigen Beziehungen: Der Russlandschweizer und Antibolschewist Moritz Conradi erschoss in Lausanne den sowjetischen Diplomaten Wazlaw Worowski (im Bild oben). Die Waadtländer Justiz sprach den Mörder im damals vorherrschenden anti-bolschewistischen Klima frei.

1923-1946: Die «russische Lücke»

Bild: Flickr/Jürg Vollmer

Nach diesem juristisch unhaltbaren Urteil brach die Sowjetunion die diplomatischen Beziehungen zur Schweiz ab. So verkrampft war das Verhältnis in der Folge, dass der Bundesrat 1944 ein Plakat von Hans Erni (siehe Bild oben) verbot, unter anderem weil die beiden Länder im gleichen Rot erschienen. Die «russische Lücke» wurde erst 1946 geschlossen, als Bern einsah, dass an der Siegermacht und neuen Supermacht kein Weg vorbeiführte.

Ungeachtet der wiederhergestellten diplomatischen Beziehungen war die nominell neutrale Schweiz im Kalten Krieg fest im westlichen Block verankert. Das zeigte sich auch während des Ungarischen Volksaufstands, der von der Sowjetunion brutal niedergeschlagen wurde. Von den 200'000 Flüchtlingen nahm die Schweiz 14'000 auf.

1977: Der Fall Jeanmaire

Bild: KEYSTONE

Brigadier Jean-Louis Jeanmaire (1910-1992) war der ranghöchste verurteilte Schweizer Landesverräter des 20. Jahrhunderts. Er hatte sich in den 1960er Jahren mit dem sowjetischen Militärattaché in Bern, Wassili Denissenko, angefreundet und diesem Militärgeheimnisse der Schweiz übergeben. 1977 wurde er deswegen zu 18 Jahren Haft verurteilt.

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1985: Durchbruch in Genf

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Die Schweiz leistete später einen wichtigen Beitrag zur Beendigung des Kalten Kriegs: Sie durfte 1985 in Genf das erste amerikanisch-sowjetische Gipfeltreffen austragen. Michail Gorbatschow und Ronald Reagan einigten sich in der Rhonestadt darauf, das eigene Atomwaffenarsenal auf die Hälfte zu reduzieren.

Seit 1991: Die Oligarchen kommen

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Mit dem Ende der Sowjetunion entfielen auch die Reisebeschränkungen, was den gegenseitigen Austausch auf nicht-staatlicher Ebene spürbar beflügelte. Steinreiche Oligarchen wie Wiktor Wekselberg und zuletzt Michail Chodorkowski machten die Schweiz zur Wahlheimat und bescheren High-End-Skiorten wie St. Moritz Traumumsätze.

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2009 reiste mit Dmitri Medwedew erstmals ein russischer Präsident zum Staatsbesuch in die Schweiz. In Erinnerung bleiben die massiven Sicherheitsvorkehrungen sowie die Kranzniederlegung am Suworow-Denkmal in der Schöllenenschlucht. Hier hatten russische Truppen 1799 im Zweiten Koalitionskrieg gegen die napoleonischen Truppen gekämpft.

2014: Ein Prosit am Vorabend der Krim-Krise

Bild: KEYSTONE

Am 15. Februar beehrte der russische Präsident Wladimir Putin das Schweizer Haus in Sotschi mit einem Kurzbesuch. Bei dieser Gelegenheit stiess er mit Bundesrat Ueli Maurer auch auf das 200-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen an. Gerade noch rechtzeitig: Eine Woche später brach die Krim-Krise aus.

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