Russland
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Russian President Vladimir Putin gestures as he speaks to the media after talks with Ukrainian President Petro Poroshenko in Minsk August 27, 2014. Poroshenko promised after late-night negotiations with Putin to work on an urgent ceasefire plan to defuse the separatist conflict in the east of his former Soviet republic. The first talks between the two leaders since June were described by Putin as positive, but he said it was not for Russia to get into the details of truce terms between the Kiev government and two rebel eastern regions.   REUTERS/Alexander Zemlianichenko/Pool (BELARUS - Tags: POLITICS)

Präsident Putin: «Grossstädte wurden eingekesselt und durch gezielten Beschuss zerstört, samt Einwohnern.» Bild: POOL/REUTERS

Kämpfe in der Ostukraine

Putin vergleicht ukrainische Armee mit Wehrmacht

Russlands Präsident Putin kritisiert die ukrainischen Truppen scharf – und zieht einen zweifelhaften historischen Vergleich. Gleichzeitig erklärt er, Russen und Ukrainer seien «praktisch ein Volk». 

Ein Artikel von

Spiegel Online

Im Ukraine-Konflikt hat Kreml-Chef Wladimir Putin die Regierungseinheiten des Nachbarlandes mit scharfen Worten kritisiert. Er verglich das Vorgehen der ukrainischen Armee mit der Belagerung von Leningrad durch die deutsche Wehrmacht. «Es erinnert mich leider an die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg», sagte er am Freitag in einem Jugendlager in der Nähe von Moskau. Damals hätten deutsche Faschisten russische Städte umstellt. 

Die ukrainische Armee kessele nun Dörfer und Städte ein und greife Wohngebiete an. Sie habe dabei das Ziel, die Infrastruktur zu zerstören, beklagte Putin. Er bezog sich dabei auf die Kämpfe um die Städte Luhansk und Donezk. 

Wörtlich sagte er der Agentur Interfax zufolge: «Ihre Taktik erinnert mich an die der faschistischen deutschen Truppen in der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Grossstädte wurden eingekesselt und durch gezielten Beschuss zerstört, samt Einwohnern.»

Die Wehrmacht belagerte Leningrad von September 1941 bis Januar 1944. Durch Hunger, Kälte und Kämpfe kam Schätzungen zufolge etwa eine Million Menschen ums Leben. Die ukrainische Armee hat in den vergangenen Wochen versucht, die von den Separatisten beherrschten Städte Donezk und Luhansk einzunehmen. 

Putin spricht von «militärisch-humanitärer Operation» der Rebellen 

Putin forderte erneut Verhandlungen zwischen der Regierung in Kiew und den prorussischen Milizen. Zugleich sagte er, Ukrainer und Russen seien «praktisch ein Volk». 

«Ukrainer und Russen sind praktisch ein Volk.»

Wladimir Putin

Das Verhalten der prorussischen Separatisten könne er verstehen, betonte der Präsident. «Der Sinn ihrer militärisch-humanitären Operation besteht darin, die ukrainische Artillerie und die Mehrfachraketenwerfer von den Grossstädten zu verdrängen, damit sie nicht mehr friedliche Zivilisten töten können.» Gerade erst am Freitag warf die Uno den Separatisten, aber auch den Regierungstruppen schwere Menschenrechtsverletzungen vor

Putin verteidigte erneut das Vorgehen Moskaus im Fall der Schwarzmeer-Halbinsel Krim. «Wir haben die Krim nicht annektiert, sondern geschützt. Sonst würde es dort jetzt so aussehen wie in der Ostukraine», meinte Putin. Russland hatte sich die völkerrechtlich zur Ukraine gehörende Region im März nach einem umstrittenen Referendum einverleibt. 

Dank an den Widerstand in «Neurussland»

Bereits in der Nacht zum Freitag hatte sich der russische Staatschef in einer Erklärung direkt an die Separatisten gewandt. Er ruft sie darin auf, einen «humanitären Korridor» zu öffnen für den Abzug eingekesselter ukrainischer Truppen, und lobt die jüngsten «wichtigen Erfolge der Landwehr». 

Er dankte dem Widerstand von «Noworossija» («Neurussland»). Unter diesem Kampfbegriff fassen rechte Kreise in Russland den ganzen russisch geprägten Südosten der Ukraine zusammen. Das Gebiet ist um ein Vielfaches grösser als die bislang umkämpfte Region Donbass. 

Die Bundesregierung warf Russland am Freitag eine militärische Beteiligung an den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Separatisten in der Ostukraine vor. Schon seit einiger Zeit gebe es Hinweise auf die Präsenz von Russen und russischen Waffen in der Ostukraine, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag. Jetzt würden sich diese Hinweise häufen. «Das alles verdichtet sich zu einer militärischen Intervention», sagte Seibert. 

Am Samstag trifft sich der Europäische Rat in Brüssel, um über neue Sanktionen gegen Moskau zu beraten. Im Osten der Ukraine hatte sich die Situation in den vergangenen Tagen nochmals verschärft. Die Führung in Kiew warf Russlands Armee am Donnerstag vor, einen wichtigen Grenzort und umliegende Dörfer eingenommen zu haben. Nach Angaben der Nato kämpfen mehr als tausend russische Soldaten in der Ukraine an der Seite der Separatisten. (heb/fab/dpa/Reuters)



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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 29.08.2014 20:27
    Highlight Highlight Die Ostukraine wird durch russischstämmige Bewohner dominiert. Die UA-Regierung hätte gut daran getan,auch diese mit einzubeziehen. Schuld an der Eskalation haben alle Seiten.Gute Politik verhindert Derartiges von Anfang an.Ein Fehler war, dass die EU die UA vor die Wahl gestellt hat,für das Assoziierungsabkommen die Zollunion mit RUS aufkündigen zu müssen.Dieses entweder oder war falsch.Man hätte einen Mittelweg finden müssen.
    Falsch war auch,RUS die Bestätigung zu verweigern,dass der an der Grenze befindliche Raketenschirm nicht gegen RUS gerichtet wird. Waffenruhe und OSZE sind nun gefragt.

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