Schweiz-EU
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bundespraesident Didier Burkhalter, links, und Bundesraetin Doris Leuthard unterhalten sich nach der Medienkonferenz zu den Abstimmungsergebnissen am Sonntag, 9. Februar 2014, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Energieministerin Doris Leuthard und Aussenminister Didier Burkhalter, hier bei der Medienkonferenz nach dem Ja zur SVP-Zuwanderungsinitiative vor einem Jahr, haben das Heu bei den EU-Verhandlungen laut Insidern nicht auf der gleichen Bühne.  Bild: KEYSTONE

Wer soll die Bilateralen überwachen?

Nach Leuthards Besuch in Brüssel: Bahnt sich ein Kurswechsel bei der EU-Strategie an? 

Der Bundesrat schlägt vor, dass der EU-Gerichtshof (EuGH) als letzte Instanz in den institutionellen Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU gelten soll. Nach Leuthards Gesprächen in Brüssel kommt aber auch ein anderes Gericht ins Spiel: Der EFTA-Gerichtshof. Es droht ein Machtkampf.

31.01.15, 23:52 01.02.15, 08:37

Othmar von Matt / Schweiz am Sonntag

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Wer schlichtet in Streitfällen zwischen der Schweiz und der EU im Rahmen eines institutionellen Abkommens? Diese Frage um «fremde Richter» ist in der Europa-Debatte zentral. Bislang war klar: Der Bundesrat plädiert dafür, dass jeweils der Europäische Gerichtshof (EuGH) zum Zug kommen soll. Das entsprechende Mandat verabschiedete er am 18. Dezember 2013. Es gilt bis heute. 

Nun hat sich die Ausgangslage spektakulär geändert, seit Bundesrätin Doris Leuthard am Donnerstag in Brüssel war. Die Energieministerin traf EU-Energiekommissar Mario Cañete zu Gesprächen über das blockierte Stromabkommen. Dabei gelang es ihr, eine Tür zu öffnen für eine Interimslösung, befristet bis 2016. Im Vordergrund steht eine Lösung nach norwegischem Vorbild, wie Recherchen zeigen. Damit wird der EFTA-Gerichtshof offiziell Teil eines möglichen Gesamtpakets für den Strombereich. 

«Es war Herr Cañete, der den Vorschlag einer Lösung ‹wie mit Norwegen› ins Spiel brachte», bestätigt Leuthards Kommunikationschef Dominique Bugnon. Die Schweizer Delegation habe Cañete darauf aufmerksam gemacht, was mit einer Lösung à la Norwegen «alles verknüpft ist, insbesondere der EFTA-Gerichtshof». Bugnon: «Die Delegation erklärte sich aber bereit, zusammen mit den EU-Fachleuten an dieser Option weiterzuarbeiten.» Man wolle die Idee des Gesamtpakets à la Norwegen gemeinsam prüfen, um bis Ende Juni Klarheit zu haben. 

epa04520778 European Commissioner for Climate and Energy Miguel Arias Cañete speaks during a press conference during the summit of climate change (COP20), in Lima, Peru, 08 December 2014.  EPA/Paolo Aguilar

Der spanische EU-Kommissar Mario Cañete brachte offenbar eine «Lösung à la Norwegen» ins Spiel.  Bild: EPA/EFE

Am Freitag fanden dann gemäss Insiderinformationen Kontakte auf höchster Ebene statt zwischen Leuthards Energiedepartement (UVEK) und Didier Burkhalters Aussenministerium (EDA). Eitel Minne also zwischen Burkhalter und Leuthard? Recherchen zeigen, dass dem nicht so ist. Es gebe hinter den Kulissen einen Machtkampf zwischen EDA und UVEK, sagen sehr gut informierte Quellen in Brüssel und in Bern

Konfrontiert mit diesen Informationen, kontert man beim EDA mit einer Gegenfrage: «Welcher Machtkampf?» Das EDA betont in seiner Stellungnahme, der Bundesrat habe in dieser Frage eine einzige Meinung: «Das Streitbeilegungsverfahren mit der Rolle des EuGH gemäss BR-Mandat vom 18. Dezember 2013.» 

Von ihrem CVP-Präsidenten erhält Leuthard Schützenhilfe. «Die Schweiz ist Mitglied der Efta», sagt Christophe Darbellay. «Der EuGH hingegen ist eine Institution der EU.» (trs)



Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Interview mit Jöelle Kuntz

«Wir Romands sind unglückliche Schweizer und unglückliche Europäer»

Sie fühlen sich ungeliebt von den Deutschschweizern und nicht anerkannt von Europa: Ein Gespräch mit der Journalistin Joëlle Kuntz zur Gefühlslage in der Westschweiz nach dem Zuwanderungs-Schock. Und zu den nationalen Mythen Unabhängigkeit und Neutralität.

Vor einem Jahr wurde die Masseneinwanderungs-Initiative angenommen. Wie wird dieses Ergebnis in der Westschweiz diskutiert? Joëlle Kuntz: Sie hat Nein gestimmt und befindet sich nun in einer sehr unkomfortablen Lage, ähnlich wie nach der EWR-Abstimmung 1992. Wenn die Schweiz als Gesamtheit nicht proeuropäisch stimmt, stehen die Romands vor einer dramatischen Alternative: Wollen sie sich an Europa anlehnen oder an die Schweiz? Im Endeffekt ist es trotzdem die Schweiz, dennoch sehen …

Artikel lesen