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Konsequenzen der MEI

Erasmus-Aus: 2014 ist definitiv vom Tisch, für 2015 gibt es Hoffnung

26.02.2014, 18:1726.02.2014, 18:50

Dass die Schweiz beim Studentenaustauschprogramm Erasmus+ und beim Forschungsprogramm "Horizon 2010" von der EU als Drittstaat behandelt wird, löst unter der Forschergemeinde Sorgen aus. Der Bundesrat wiederum äusserte sich zurückhaltend. 

Er erklärte dazu, "der Bundesrat arbeitet weiter daran, auch im Kontakt mit der EU den Beschluss der Schweizer Stimmbürger und Stimmbürgerinnen koordiniert im Interesse der betroffenen Personen egal ob schweizerischer oder europäischer Nationalität umzusetzen". 

Nach dem Beschluss der EU-Kommission ist unter anderem das Schicksal des milliardenschweren EU-Forschungsprojekts "Human Brain Project" offen. Dieses wird von der ETH Lausanne (EPFL) geleitet. Der Startschuss der Arbeiten fiel im vergangenen Oktober. Unter Leitung der EPFL sollen weltweit das menschliche Gehirn erforscht werden. Das Ringen um die Leitung des prestigeträchtigen Projekt gewannen die Lausanner Forscher. 

Nach dem Beschluss der Kommission waren die Folgen für das "Human Brain Project" am Mittwoch noch nicht absehbar, wie der Kommunikationschef des Wirtschaftsdepartements (EVD), Rudolf Christen, dazu auf Nachfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. 

Und Erasmus+?

Offen blieb auch die Zukunft des Studentenaustauschprogramms mit der EU Erasmus+. "Aus den (Erasmus+)-Projekteingaben für 2014 sind wir definitiv draussen", sagte der stellvertretende Leiter internationale Bildungsprogramme beim Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBFI), Gaétan Lagger, der sda. 

Da die Verhandlungen auf Eis gelegt seien, könnten diese nicht abgeschlossen werden. Ein solcher Abschluss sei aber die Bedingung für die Teilnahme der Schweiz an den (Erasmus+)-Projekteingaben 2014. 

Lagger hofft, dass die Schweiz 2015 wieder an Erasmus+ teilnehmen kann. Denn noch seien alle Türen offen, dass die sistierten Verhandlungen über eine gleichberechtigte Teilnahme der Schweiz wieder aufgenommen werden, sagte er. Je nach Ergebnis könnte die Schweiz dann an Erasmus + wieder teilnehmen. 

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Altes Erasmus wird aus Schublade geholt

In der Zwischenzeit arbeite die Schweiz an einer Übergangslösung. "Wir werden uns bemühen, eine Überbrückungslösung zu finden, damit die Studenten dennoch gefördert werden können", sagte Lagger. 

Es sei nicht weit hergeholt anzunehmen, dass diese Überbrückung ähnlich gestaltet sein werde, wie vor 2011. Damals war die Schweiz nur indirekt an der Studierendenmobilität der EU beteiligt. 

Studenten "schockiert

Der Verband der Schweizer Studierendenschaften der Schweiz (VSS) ist "schockiert" über das von der EU beschlossene Aus für das Studentenaustauschprogramm Erasmus+ und das Forschungsprogramm "Horizon 2020" für 2014/15. Der VSS erklärte, dies bedeute "den vorläufigen Tod für die internationale Dimension der Schweizer Hochschullandschaft". 

"Mit der Sistierung dieser Verträge sieht eine erste Generation von Studierenden die Internationale Dimension ihrer Bildung geopfert. Wir hoffen, dass ihr nicht weitere folgen werden“, erklärte VSS-Vorstandsmitglied Tatiana Armuna am Mittwoch in einer Mitteilung. 

Kritik am Bundesrat

Der VSS könne "nicht tolerieren, dass Bildung und Forschung auf dem Altar der politischen Verhandlungen geopfert werden". Er "fordert die EntscheidungsträgerInnen der Schweiz und Europas auf, alles zu unternehmen, um den europäischen Hochschulraum nicht zu schädigen." Er rief deshalb die Studierenden zu einer Demonstration am 1. März auf. 

Trotz Warnungen vor den Folgen für die Schweizer Hochschullandschaft und den Forschungsstandort Schweiz habe der Bundesrat nach der Annahme der SVP-Zuwanderungsinitiative am 9. Februar den Ratifizierungsprozess des Abkommens über die Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien abgebrochen. 

Nun seien die Befürchtungen betreffend die Zukunft der Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Forschung Realität. Die Sistierung der Verträge zu Erasmus+ und Horizon 2020 bedeute "einen enormen Rückschritt, welcher die Qualität unserer Bildung und unserer Forschungsmöglichkeiten stark erschüttern wird. Dadurch stehe auch die Führungs- und Innovationsrolle der Schweiz auf dem Spiel, schreibt der VSS. 

JUSOS lancieren Petition

Die Jungsozialisten reagierten mit einer Online-Petition für die Rettung von Erasmus und gegen ein "bildungspolitisches Gefängnis". Jetzt müssten endlich auch die Leute zu mobilisiert werden, die gegen die Isolation und für eine offene und tolerante Schweiz seien, sagte JUSO-Präsident David Roth auf Anfrage. (aeg/sda)

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