Schweiz-EU
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ARCHIV --- ZUR MELDUNG, DASS DIE SCHWEIZ DEFINITIV NICHT MEHR AM AUSTAUSCHPROGRAMM

Bild: KEYSTONE

Konsequenzen der MEI

Erasmus-Aus: 2014 ist definitiv vom Tisch, für 2015 gibt es Hoffnung



Dass die Schweiz beim Studentenaustauschprogramm Erasmus+ und beim Forschungsprogramm "Horizon 2010" von der EU als Drittstaat behandelt wird, löst unter der Forschergemeinde Sorgen aus. Der Bundesrat wiederum äusserte sich zurückhaltend. 

Er erklärte dazu, "der Bundesrat arbeitet weiter daran, auch im Kontakt mit der EU den Beschluss der Schweizer Stimmbürger und Stimmbürgerinnen koordiniert im Interesse der betroffenen Personen egal ob schweizerischer oder europäischer Nationalität umzusetzen". 

Nach dem Beschluss der EU-Kommission ist unter anderem das Schicksal des milliardenschweren EU-Forschungsprojekts "Human Brain Project" offen. Dieses wird von der ETH Lausanne (EPFL) geleitet. Der Startschuss der Arbeiten fiel im vergangenen Oktober. Unter Leitung der EPFL sollen weltweit das menschliche Gehirn erforscht werden. Das Ringen um die Leitung des prestigeträchtigen Projekt gewannen die Lausanner Forscher. 

Nach dem Beschluss der Kommission waren die Folgen für das "Human Brain Project" am Mittwoch noch nicht absehbar, wie der Kommunikationschef des Wirtschaftsdepartements (EVD), Rudolf Christen, dazu auf Nachfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. 

Und Erasmus+?

Offen blieb auch die Zukunft des Studentenaustauschprogramms mit der EU Erasmus+. "Aus den (Erasmus+)-Projekteingaben für 2014 sind wir definitiv draussen", sagte der stellvertretende Leiter internationale Bildungsprogramme beim Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBFI), Gaétan Lagger, der sda. 

Da die Verhandlungen auf Eis gelegt seien, könnten diese nicht abgeschlossen werden. Ein solcher Abschluss sei aber die Bedingung für die Teilnahme der Schweiz an den (Erasmus+)-Projekteingaben 2014. 

Lagger hofft, dass die Schweiz 2015 wieder an Erasmus+ teilnehmen kann. Denn noch seien alle Türen offen, dass die sistierten Verhandlungen über eine gleichberechtigte Teilnahme der Schweiz wieder aufgenommen werden, sagte er. Je nach Ergebnis könnte die Schweiz dann an Erasmus + wieder teilnehmen. 

ARCHIV --- ZUR MELDUNG, DASS DIE SCHWEIZ DEFINITIV NICHT MEHR AM AUSTAUSCHPROGRAMM

Bild: KEYSTONE

Altes Erasmus wird aus Schublade geholt

In der Zwischenzeit arbeite die Schweiz an einer Übergangslösung. "Wir werden uns bemühen, eine Überbrückungslösung zu finden, damit die Studenten dennoch gefördert werden können", sagte Lagger. 

Es sei nicht weit hergeholt anzunehmen, dass diese Überbrückung ähnlich gestaltet sein werde, wie vor 2011. Damals war die Schweiz nur indirekt an der Studierendenmobilität der EU beteiligt. 

Studenten "schockiert

Der Verband der Schweizer Studierendenschaften der Schweiz (VSS) ist "schockiert" über das von der EU beschlossene Aus für das Studentenaustauschprogramm Erasmus+ und das Forschungsprogramm "Horizon 2020" für 2014/15. Der VSS erklärte, dies bedeute "den vorläufigen Tod für die internationale Dimension der Schweizer Hochschullandschaft". 

"Mit der Sistierung dieser Verträge sieht eine erste Generation von Studierenden die Internationale Dimension ihrer Bildung geopfert. Wir hoffen, dass ihr nicht weitere folgen werden“, erklärte VSS-Vorstandsmitglied Tatiana Armuna am Mittwoch in einer Mitteilung. 

Kritik am Bundesrat

Der VSS könne "nicht tolerieren, dass Bildung und Forschung auf dem Altar der politischen Verhandlungen geopfert werden". Er "fordert die EntscheidungsträgerInnen der Schweiz und Europas auf, alles zu unternehmen, um den europäischen Hochschulraum nicht zu schädigen." Er rief deshalb die Studierenden zu einer Demonstration am 1. März auf. 

Trotz Warnungen vor den Folgen für die Schweizer Hochschullandschaft und den Forschungsstandort Schweiz habe der Bundesrat nach der Annahme der SVP-Zuwanderungsinitiative am 9. Februar den Ratifizierungsprozess des Abkommens über die Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf Kroatien abgebrochen. 

Nun seien die Befürchtungen betreffend die Zukunft der Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung und Forschung Realität. Die Sistierung der Verträge zu Erasmus+ und Horizon 2020 bedeute "einen enormen Rückschritt, welcher die Qualität unserer Bildung und unserer Forschungsmöglichkeiten stark erschüttern wird. Dadurch stehe auch die Führungs- und Innovationsrolle der Schweiz auf dem Spiel, schreibt der VSS. 

JUSOS lancieren Petition

Die Jungsozialisten reagierten mit einer Online-Petition für die Rettung von Erasmus und gegen ein "bildungspolitisches Gefängnis". Jetzt müssten endlich auch die Leute zu mobilisiert werden, die gegen die Isolation und für eine offene und tolerante Schweiz seien, sagte JUSO-Präsident David Roth auf Anfrage. (aeg/sda)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • aTvitterBachur 27.02.2014 01:00
    Highlight Highlight Die Welt wird entweder untergehen oder verschweizern.
  • Oberon 26.02.2014 19:52
    Highlight Highlight Naja, dass war abzusehen und wird nicht der letzte Stich sein.

    Aber wir sollten nun die Möglichkeit nutzen und dieses Thema selber wieder in die Hand nehmen und direkt mit den Ländern die in Frage kommen Abkommen abschliessen.
    Was hält uns eigentlich ab mal selber kreativ zu werden und ein geniales Netzwerk aufzubauen.

    • Zeit_Genosse 26.02.2014 22:00
      Highlight Highlight Die EU wäre so ein Netzwerk, wo man mit einem Vertrag mit 28 wichtigen Staaten verbunden wäre. Warum die bilaterealen Verträge gefährden, wenn man eine funktionierende Beziehung hat ist mir schleierhaft. Bin gespannt auf die kreative Umsetzung, die ja besser als die Bilateralen sein müssen, dass es Sinn macht.
    • Donald 27.02.2014 00:25
      Highlight Highlight Wir brauchen keinen Staat für das. Die Universitäten können dies wunderbar selber machen. Und das machen sie übrigens auch schon!
  • Dietmar Jobst 26.02.2014 19:14
    Highlight Highlight Kann die Jusos zu ihrem "Weitblick" nur beglückwünschen, bin normalerweise Eurorechts/-liberal, es kommt noch schlimmer, hoffe auf Europaschweizer als Patrioten:) Die Jugend wird zur Leid-Tragenden der AltSchweizer, mein Sohn und Tochter studiert mit Stipendium in Shanghai und Paris DJ
    • Donald 27.02.2014 00:26
      Highlight Highlight In Shanghai gibt es keine Erasmus. Scheint ja trotzdem zu funktionieren. Komisch!?
    • Oberon 26.03.2014 19:47
      Highlight Highlight @Donald
      Nur liegt Shanghai nicht in Europa...
  • schmilu1@gmail.com 26.02.2014 18:55
    Highlight Highlight danke liebe svp
    • mak 26.02.2014 19:17
      Highlight Highlight Wir alle haben das zu verantworten nicht die SVP.
    • x3r 26.02.2014 22:42
      Highlight Highlight Nein, ich gehöre zu den 49.7% ...
  • Donald 26.02.2014 18:51
    Highlight Highlight Dieser Lagger hat doch nur Angst um seine Position. Die Universitäten können viel besser sagen mit wen sie zusammenarbeiten möchten und tun dies auch jetzt schon (in der EU und weltweit). Dafür brauchen wir keine Staatsstelle.
  • Donald 26.02.2014 18:47
    Highlight Highlight Das Abkommen ist sowieso ziemlich nutzlos. Es bezweckt das Senden von Geld nach Brüssel, wo es dann verteilt wird. Wir können unser Geld auch sehr gut selbst verteilen.

    Erasmus+ ist ein sehr teures Programm, dass das studieren im Ausland (nur EU!) vereinfachen soll. Austauschstudenten einen Kostenbeitrag. Schweizer Institutionen haben schon heute ihre eigenen weltweiten Netzwerke für Austauschsemester. Für die Möglichkeiten von CH-Studenten wird sich nichts ändern ausser dem Erasmus Kostenbeitrag, wenn man ein Semester innerhalb der EU macht. Dieser könnte die Schweiz aber locker selber bezahlen, wenn man sich Erasmus spart. Ich empfehle sowieso ein Semester auf einem anderen Kontinent, um den Horizont zu erweitern. Dies habe ich (und viele andere) auch ohne Erasmus geschafft. Erasmus ist also nur ein weiteres Projekt damit die EU-Komission irgendetwas zu tun hat.

    Und man sollte auch keine Angst haben, da unsere Hochschulen zu 99% ein besseres Ansehen haben, als die der EU. Übrigens hat sich die Schweiz sowieso überlegt auszusteigen, da man den geringen Nutzen erkannt hat.
    • ju★n c★rlos s★nchez 26.02.2014 19:04
      Highlight Highlight Voll und ganz einverstanden!
    • mak 26.02.2014 19:20
      Highlight Highlight Danke für diesen guten ergänzenden Kommentar. Der eigentlich viel wichtiger ist als der einseitige, auf panik machende Beitrag
    • see 26.02.2014 19:53
      Highlight Highlight so ist es!
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