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Fussgängerin in Lenzburg AG tödlich verletzt: Bedingte Geldstrafe für 82-Jährigen



Wer müde am Steuer sitzt, reagiert langsamer und schätzt Geschwindigkeiten falsch ein, warnt die Beratungsstelle für Unfallverhütung. (Themenbild)

Bild: KEYSTONE

Das Bezirksgericht Lenzburg hat einen 82-jährigen Autolenker der fahrlässigen Tötung und des Fahrens ohne Berechtigung schuldig gesprochen. Der Mann hatte im November 2017 in Lenzburg AG einen tödlichen Unfall mit einer 19-jährigen Fussgängerin verursacht.

Vom Vorwurf der Missachtung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit sprach das Gericht den Mann frei. Es verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 200 Franken und einer Busse von 10'000 Franken.

Ohne Führerausweis am Steuer

Das Bezirksgericht begründete am Donnerstag das Urteil damit, dass der Mann ungebremst mit dem Opfer kollidiert sei. Nicht zweifellos nachgewiesen sei hingegen, dass der Lenker zu schnell gefahren sei.

Die Gerichtspräsidentin erörterte, dass eine Fussgängerin einen Fussgängerstreifen nicht überraschend betreten und so das Vortrittsrecht erzwingen dürfe. Jedoch müsse ein Autofahrer bei einem Fussgängerstreifen vorsichtig fahren. Dies gelte besonders in der Nähe einer Bushaltestelle.

Im konkreten Fall hätte der Autolenker die Frau sehen müssen. Der Fussgängerstreifen sei gut beleuchtet gewesen. Als die Frau den Fussgängerstreifen betreten habe, sei das Auto rund 44 Meter von ihr entfernt gewesen.

Gemäss Gerichtspräsidentin wäre es möglich gewesen, diesen tödlichen Unfall zu vermeiden. Bei genügender Aufmerksamkeit hätte der Beschuldigte reagieren und anhalten können.

Der Rentner war trotz Führerausweisentzugs am Steuer gesessen. Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig.

Staatsanwalt forderte Gefängnisstrafe

Der Staatsanwalt hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten gefordert, und zwar wegen fahrlässiger Tötung. Er verlangte auch eine Busse wegen Überschreitung der erlaubten Geschwindigkeit von 50 km/h.

Der Lenker habe auf die 250 Meter entfernte Lichtsignalanlage geschaut und so die junge Frau auf dem Fussgängerstreifen mit Insel übersehen. Der Vertreter der Privatklägerschaft forderte eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung.

Die Verteidigung des Rentners plädierte auf eine bedingte Geldstrafe wegen Fahrens trotz Entzugs des Führerausweises. Den Vorwurf der fahrlässigen Tötung anerkannte der Verteidiger nicht. Er bemängelte die Gutachten zur Fahrgeschwindigkeit des Mannes. Sein Mandant sei kein «empathieloser Verkehrsrowdy», hielt der Verteidiger fest. Dieser habe nach dem Unfall das Auto verkauft und einen Chauffeur angestellt.

Der 82-jährige Schweizer, der noch immer gelegentlich als Zahnarzt arbeitet, weigerte sich vor dem Bezirksgericht, irgendwelche Fragen zu beantworten. «Ich möchte mich für das Ereignis entschuldigen», sagte der adrett wirkende Rentner: «Es tut mir furchtbar leid.» Er habe die Frau einfach nicht gesehen. Er war vor Jahren in zwei Fällen wegen überhöhter Geschwindigkeit verurteilt worden.

Leicht angetrunken am Steuer

Das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene verkehrstechnische Gutachten zeigt, dass das Auto des Beschuldigten die Fussgängerin mit einer Geschwindigkeit von mindestens 58 Kilometer pro Stunde erfasst hatte.

Der Mann sei «in einer Art Blindflug» auf den Fussgängerstreifen zugefahren, sagte der Staatsanwalt. Die tödlich Kollision hätte vermieden werden können, wenn der Lenker besser aufgepasst hätte.

Der Lenker, der mit 0.2 Promille leicht angetrunken hinter dem Steuer sass, war am Abend des 6. November 2017 mit seinem Auto stadtauswärts auf der Hendschikerstrasse unterwegs. Es war dunkel, es regnete leicht und die Fahrbahn war nass.

Er prallte auf dem Fussgängerstreifen bei der Bushaltestelle Neuhofstrasse ungebremst in die 19-jährige Fussgängerin. Die junge Frau aus Slowenien wurde 19 Meter weit weg geschleudert.

Auf Mobiltelefon geschaut

Sie erlag später ihren schweren Verletzungen. Die dunkel gekleidete Frau hatte beim Überqueren des Fussgängerstreifens ihre Aufmerksamkeit auf das Mobiltelefon in ihrer Hand gerichtet und die Kopfhörer ausgesetzt, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.

Die Frau war zuvor an der Haltestelle Neuhofstrasse aus dem Bus gestiegen und war dabei, den durch eine Verkehrsinsel unterteilten Fussgängerstreifen Richtung Schloss zu überqueren, als sie vom Fahrzeug erfasst wurde. (aeg/sda)

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • marcus tullius 10.05.2019 16:17
    Highlight Highlight Arzt!
    80!
    fährt
    ohne Führerschein!
    angetrunken!
    ungebremst!
    mit überschrittener Geschwindigkeit!
    auf einen Fussgängerstrefen! los
    überfährt und tötet! eine 19 jährige Frau!
    Er wird zu 10'000 Fr.! verurteilt
    Sorry- aber in welchem Staat leben wir da?
    Was hätte ihm bei Steuerhinterziehung gedroht? Lebenslänglich?
  • dan2016 10.05.2019 08:50
    Highlight Highlight "ihre Aufmerksamkeit auf das Mobiltelefon in ihrer Hand gerichtet " - hat man dazu das Opfer befragt? Oder den Zahnarzt, der sie nicht gesehen hat?
  • 7immi 10.05.2019 07:47
    Highlight Highlight Was lernt man daraus? Fahren ohne Ausweis lohnt sich. Selbst bei einem Unfall mit Todesfolge kommt man mit einer Geldbusse davon. Bravo.
  • stamm 09.05.2019 23:05
    Highlight Highlight Also ich kann es mir nicht erklären, wie eine erwachsene Frau/Mann auf einem Fussgängerstreifen angefahren werden kann. Wie geht das? Wohl wirklich nur mit Handy in der Hand und Kopfhörer auf laut.... es regnete leicht und war dunkel....
  • räuber hotzenplotz 09.05.2019 21:00
    Highlight Highlight Das wieder einmal typisch Aargau, wäre er Albaner gewesen, minimum 5 - 10 jahre inkl. Ausschaffung!
    • DerElch 10.05.2019 10:31
      Highlight Highlight Typisch Aargau? Erklärung?
  • welluknow 09.05.2019 20:37
    Highlight Highlight so etwas macht mich einfach nur wütend. Wenn unsere Gerichte weiterhin krampfhaft nach jeder erdenklichen Möglichkeit suchen, wie solche Täter entlastet werden können, kann sich der Bundesrat auch seine "Vision zero" abschminken. Warum war ihm denn der Fahrausweis entzogen? Wohl kaum wegen den Geschwindigkeitsüberschreitungen "vor Jahren"?!? Geschwindigkeitsüberschreitung "nicht zweifelsfrei" nachgewiesen, wenn das Gutachten von "mindestens 58 km/h" Aufprallgeschwindigkeit spricht? war das im 60er?... Wenn es im 50er Bereich war, gibt es jedenfalls keinen vernünftigen Zweifel am zu hohen Tempo
  • JP del Grano 09.05.2019 19:40
    Highlight Highlight Entschuldbar ist das Verhalten das Autofahrers nicht. Andererseits: "Die dunkel gekleidete Frau hatte beim Überqueren des Fussgängerstreifens ihre Aufmerksamkeit auf das Mobiltelefon in ihrer Hand gerichtet und die Kopfhörer aufgesetzt" Nun: Auch Fussgänger sind Verkehrsteilnehmer - dürfen aber nahezu unerkennbar und unaufmerksam unterwegs sein. Und: "0.2 Promille = angetrunken". Das ist man bereits nach den Essen von 1 bis 2 reifen Bananen (haben bis 0.6% Alkohol) oder Trinken von Fruchtsaft (darf undeklariert bis 0.38% Alkohol enhalten).
    • Hans Jürg 09.05.2019 23:12
      Highlight Highlight Allerdings frage ich mich, wieso man das weiss, dass sie vom Handy abgelenkt war. Gab es Zeugen oder hat das der leicht angetrunkene Fahrer, der die Frau ja angeblich nicht gesehen haben will so ausgesagt?
    • RichPurnell 09.05.2019 23:46
      Highlight Highlight Für das erkennen von dunklen Fussgängern (und allem anderen) in der Nacht gibt es da so zwei Dinger vorne am Auto. Nennt sich Licht.
    • Driver7 10.05.2019 08:28
      Highlight Highlight Der Autofahrer muss schauen, der Fussgänger hat vortritt, auch wenn er Taub, Blind und schwarz Angezogen ist, Punkt!! Mindestens 1/3 der Autofahrer beachten den Fussgänger-Vortritt nicht!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schwaflichopf 09.05.2019 19:06
    Highlight Highlight Drum, bitte: keine schwarzen/dunkelgrauen Jacken, gerade im Herbst/Winter! Und schon gar nicht für die Kids.
    • dan2016 10.05.2019 08:47
      Highlight Highlight grundsätzlich verstehe ich Dein Posting. ABer ich habe Mühe, mir Kleidervorschriften zu machen, weil ich zu Fuss unterwegs bin.
  • exeswiss 09.05.2019 19:02
    Highlight Highlight aus meiner sich wäre die geldstrafe genügend, wäre er nicht ohne gültigen führerschein unterwegs gewesen. Somit ist für mich eine Gefängissstrafe aber unabdingbar.
    • Hans Jürg 09.05.2019 23:13
      Highlight Highlight Zumal er ja leicht angetrunken war.
    • marcus tullius 10.05.2019 16:22
      Highlight Highlight @exeswiss
      ??? ist das eine juristische Übung hier in Anbetracht dieser Tragödie? Falls ja, fehlt Ihnen - sowie dem Gericht! - jeder Funke Menschlichkeit!
  • Dominik Treier (1) 09.05.2019 19:02
    Highlight Highlight Ich verstehe weder die Frau wirklich, noch das Gericht... Diese bedingte Geldstrafe ist doch schon eher lächerlich, bei den anzunehmenden finanziellen Mitteln des Mannes... Vielleicht wäre es da besser gewesen ihn eine Busse zahlen zu lassen und ihn zu ein paar Monaten gemeinnütziger Arbeit zugunsten der Sicherheit im Strassenverkehr zu verknurren. Was die Fussgängerin angeht, so bin ich doch immer wieder überrascht wie wenig manchen ihr Leben wert ist... Man sieht wie viel man noch davon hat wenn man unter dem Auto hervorrufen will, man habe Vortitt gehabt...
    • Harri Hirsch 09.05.2019 22:15
      Highlight Highlight Zu der bedingten Geldstrafe kommt ja noch eine Busse von 10’000. -
  • Out of Order 09.05.2019 17:58
    Highlight Highlight Vermutlich dem Gesetz (Möglichkeiten) entsprechend. Aber unglaublich ungerecht! 😤

    82 Jahre, vermutlich fahruntüchtig, und nun ist ein 19-jähriges Leben ausgelöscht. Mir fehlen die Worte. Echt. 😶

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