Schweiz
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Die älteste Schweizerin feiert ihren 111. Geburtstag (ihren Mann verlor sie vor 45 Jahren)

Seit 45 Jahren kämpft sich die Aargauerin Alice Schaufelberger allein durchs Leben. Den goldenen Ehering trägt sie noch heute. Gebrechen hat sie kaum, ausser dass sie beim Spazieren im Gang zuweilen «chli gwaggle».

Samuel Schumacher / ch media



Alice Schaufelberger legt die Zeitung beiseite, zupft den grauen Rock zurecht und schaut hinaus in den Schneesturm vor ihrem Fenster im Winterthurer Altersheim Grünhalde. «Wie früher in Reitnau», sagt sie und streicht sich mit den Händen übers Gesicht.

«Als Primarschüler mussten wir jeweils anderthalb Stunden durch Wind und Wetter zum Zahnarzt laufen und dann brav hinhalten, wenn der uns im Mund herumgemacht hat.» Alice Schaufelberger lächelt.

Einen Arzt brauche sie heute zum Glück nicht mehr. Eigentlich brauche sie gar nichts mehr, sie sei rundum zufrieden. Nur dass sie so «schüüli alt» werden müsse, das könne sie nicht verstehen.

Alice Schaufelberger

Alice Schaufelberger. Bild: ch media/Samuel Schuhmacher

«Schüüli alt»: Im Fall von Alice Schaufelberger ist das schon fast eine Untertreibung. Die gebürtige Aargauerin feiert heute am 11.1. ihren 111. Geburtstag. Älter als sie ist niemand im ganzen Land.

Als sie 1908 in Reitnau geboren wurde, flimmerte der weltweit erste Zeichentrickfilm über die Leinwände, Maizena wurde patentiert und der Grand Canyon unter Naturschutz gestellt. Wenn Alice Schaufelberger an diese Zeit und ihre Kindheit im Suhrental zurückdenkt, dann kann sie kaum glauben, dass sie heute immer noch lebt. «Meine Mutter sagte, ich hätte nach der Geburt in Grossvaters Holzschuh Platz gehabt. Ich war winzig und schwach.»

Ihr Mann starb vor 45 Jahren

Doch die kleine Alice kämpfte sich wacker durchs Leben. Der Vater starb früh, die Mutter arbeitete als Weberin, um die drei Kinder durchzubringen. «Wir wohnten oben auf einem Hügel und schauten am Abend jeweils aus dem Fenster. Wenn die Mutter unten auf dem Weg erschien, machten wir Feuer, kochten Wasser und wenn sie dann zur Tür reinkam, gabs frischen Kaffee.»

Im Kleiderschrank hingen zwei Röcke: einer für den Werktag, einer für die Kirche. Auf dem Tisch stand einfache Kost. Schokolade gabs nur an Weihnachten. «Das war wunderbar und gleichzeitig machte es uns traurig, weil wir daran erinnert wurden, was wir alles nicht hatten», erzählt sie. 

«Dass ich so alt worden bin – ich war so ein schwaches Ding»

Alice Schaufelberger spricht am Tag vor ihrem 111. Geburtstag mit Redaktor Samuel Schumacher über ihre Kindheit, die Unterstützung im Altersheim und ihren Wunsch, nicht mehr zügeln zu müssen. Mit 18 Jahren trat Alice Schaufelberger eine Lehre als Verkäuferin beim Reformhaus Müller in Zürich an. Auf die Frage, wie sie sich, aufgewachsen in Reitnau AG, in der grossen Stadt fühlte, spricht sie zuerst über das Jahr in der Bally-Fabrik, wo sie arbeitete, bevor sie nach Zürich kam.  Video: © Samuel Schumacher

In Reitnau ging Alice Schaufelberger zur Schule («gerne»), erledigte für die Nachbarn Einkäufe («förnes 20gi»), freute sich das ganze Jahr über auf die Chilbi im Nachbarsdorf Triengen und bewunderte ihre Mutter, die jeweils an Heiligabend die armengenössigen Leute des Dorfes ins enge Stöckli an der Bergstrasse holte und durchfütterte.

«Diese Hilfsbereitschaft, die beeindruckt mich bis heute», sagt Alice Schaufelberger. Sie spricht deutlich durch den bald zahnlosen Mund, lächelt freundlich in den wenigen Pausen, die sie sich gönnt. Gebrechen hat sie kaum, ausser dass sie beim Spazieren im Gang zuweilen «chli gwaggle». Aber dann kämen immer sofort nette Leute zur Hilfe, die sie stützten und führten. «Ich kann kaum klagen.»

Alice Schaufelberger

Die Jubilarin auf einem Schulfoto von 1916. Bild: ch media/Samuel Schuhmacher

Auf der Kommode in ihrem Heimzimmer, in dem sie seit bald 20 Jahren wohnt, stehen ein paar Kakteen. Daneben liegen Schokoherzli und die Bibel. «Ich lese gerne darin. Sie gibt mir Kraft», sagt die Greisin. Und Kraft brauchte sie viel in ihrem langen Leben.

1926 zum Beispiel, als sie vom kleinen Reitnau wegzog um im fernen, grossen Zürich eine Verkäuferinnenlehre zu machen und ihre Lebensstelle im Reformhaus Müller anzutreten. Oder 1974, als ihr Ehemann an einem Lungenleiden verstarb. «Das war hart. Ich habe danach nie mehr jemanden kennen gelernt.» Den goldenen Ehering trägt sie noch heute, 45 Jahre nach dem Tod ihres Mannes. Auch Kinder hatte Alice Schaufelberger nie – ausser natürlich der ganze Nachwuchs der Verwandtschaft, auf den sie als Tante immer gerne aufpasste.

Sie braucht nur noch Geduld

Verwandte, die ab und dann zu Besuch kämen, hat sie keine mehr. Die 111-Jährige ist die einzige Überlebende ihrer Zeit. Zuweilen fühlt sie sich ein bisschen einsam. In diesen Momenten spürt sie die kleinen Tücken des Alters, die sich langsam einschleichen. Den «Zitteri» habe sie manchmal, für die Zeitung brauche sie die Lupe und in die Kirche kann sie nicht mehr, weil sie ihren Körper nicht mit diesen harten Holzbänken malträtieren wolle.

«Eigentlich», sagt Alice Schaufelberger, «eigentlich reicht es jetzt langsam.» Wünsche, Ängste, Träume, das habe sie nicht mehr. Alles, was sie noch brauche, sei Geduld, bis dieses wahnsinnig lange Leben irgendwann endlich ausklingt. (bzbasel.ch)

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Video: srf/SDA SRF

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gegu 11.01.2019 15:10
    Highlight Highlight Danke für den Artikel, eine sehr schöne Geschichte.
    Meine Grossmutter wird im Mai 100 Jahre alt. Sie wohnt noch alleine und meistert den Alltag grösstenteils selbständig. Im Kopf noch extrem fit, beim Jassen macht ihr niemand was vor. Sie ist der zufriedenste Mensch den ich kenne, dass ist im meinen Augen auch das Rezept für ein langes, erfülltes Leben.
    Leider starb ihre ältere Schwester vor einem Monat mit 102 Jahren. Das hat sie etwas betrübt, jedoch lässt sie sich nicht unterkriegen und sagt immer, ich geniesse meine 5 Kinder, 9 Enkel und 14 Uhrgrossenkel noch solange ich kann...
    • nJuice 11.01.2019 16:14
      Highlight Highlight Sind das 14 Grossenkel so gross wie Uhren oder 14 Uhren so gross wie Grossenkel? Oder sind sie nur Grossenkel um 14 Uhr?

      Im Ernst, ich hoffe deine Grossmutter kann noch lange bei dir und ihren 14 Urgrossenkeln sein und ihr Leben geniessen!
  • Dumdidum 11.01.2019 15:07
    Highlight Highlight Alles Gute zum Geburtstag Frau Schaufelberger

    ...und danke Watson für diesen schönen Text.
  • bansaighdear 11.01.2019 15:03
    Highlight Highlight Schöner Artikel, danke dafür. Aber muss denn wieder im Titel der Ehemann erwähnt werden?
    Warum nicht die Mutter im Titel erwähnen?
    • Olaf! 11.01.2019 16:38
      Highlight Highlight Wieso sollte die Mutter erwähnt werden? Ich finde die Cousine sollte erwähnt werden.
  • giandalf the grey 11.01.2019 15:03
    Highlight Highlight Und ich fühle mich schon Alt, weil ich am 22.2 meinen 22. feiern werde 😅 Alles, alles Gute liebe Frau Schaufelberger!
  • Antonio Bern 11.01.2019 14:48
    Highlight Highlight Wäre doch was, wenn Watson eine Adresse publiziert, wo man der sympathischen Frau eine Geburtstagskarte zukommen lassen könnte. Ich bin überzeugt, dass diese sich darüber ganz fest freuen würde :)
    • Yelina 11.01.2019 15:12
      Highlight Highlight Man weiss durch den Artikel ihren Namen und in welchem Altersheim sie wohnt, nur zu, sie freut sich bestimmt!
  • 54er 11.01.2019 14:20
    Highlight Highlight Danke für diesen schönen Artikel (: als ich das Geburtstagdatum gelesen hab, hab ich mal angefangen nachzudenken was sie alles erlebt hat. Beeindruckend und beängstigend gleichzeitig.. da wird einem erst so richtig bewusst wie lange 111 Jahre sind und was das bedeutet 111 Jahre zu leben..
  • hodeha 11.01.2019 14:15
    Highlight Highlight von alten Menschen können wir oft ganz ganz viel lernen!
  • Asha 11.01.2019 14:13
    Highlight Highlight Wie eindrücklich, vielen Dank! Es ist schon ganz unglaublich wie sich das Leben innerhalb weniger Generationen so stark verändert hat. Ein Kleid für unter der Woche und eines für Sonntag - kein Wunder sind so viele Menschen auch überfordert und dauergestresst mit dem overload an Möglichkeiten der heutigen Zeit.
  • Maya Eldorado 11.01.2019 14:09
    Highlight Highlight Auf dem Schulfoto sieht man, dass damals die Kinder (sicher auch die Erwachsenen) noch genagelte Schuhe trugen.
  • Kev 11.01.2019 13:58
    Highlight Highlight Danke für den Beitrag. Sehr beeindruckend, was man in dieser langen Lebenszeit so alles erlebt.
  • Nachbarino 11.01.2019 13:48
    Highlight Highlight Sehr spannender und schöner Artikel. Wahnsinn auch, die Mutter hatte es selber schwer und hat trotzdem so grosszügig geteilt. Von solcher Grosszügigkeit Könnten sich heute viele eine grosse Scheibe abschneiden.
    • DomKi 11.01.2019 18:33
      Highlight Highlight ja, diese Grosszügigkeit und Liebe kommt von Menschen, die die Bibel lesen, daran glauben und das Wort anweden. Gottes Segen.
  • H.P. Liebling 11.01.2019 13:33
    Highlight Highlight Ein wunderbarer, schöner, rührender Text. Danke dafür.
  • elnino 11.01.2019 13:26
    Highlight Highlight 80 Jahre Single - was für eine Leistung. So lange, dass es einen schon fast traurig stimmt..

    • Hades69 11.01.2019 14:18
      Highlight Highlight Sie ist Witwe, kein Single.
    • elnino 11.01.2019 14:59
      Highlight Highlight Gut aus gedrückt :)
    • bansaighdear 11.01.2019 15:05
      Highlight Highlight Wieso Leistung? Man muss keinen Partner haben um glücklich zu sein.

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Vor ihrem eigenen Haus wurde am Donnerstagabend eine 66-jährige Frau in Aarau niedergestochen. Sie erlag ihren Verletzungen im Spital.

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