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Thomas N. hatte 11 weitere Buben im Visier – und spionierte sie aus: «alle zuhause, wach»

Thomas N. wollte seine Tat von Rupperswil wiederholen. Dies zeigt die Anklageschrift. Bei zwei Familien waren seine Vorbereitungen schon weit fortgeschritten.

12.03.18, 12:58 12.03.18, 14:03


Bereits kurz nach dem Tötungsdelikt im Dezember 2015 beginnt Thomas N., sich Gedanken über weitere Taten zu machen. Er sucht laut Anklageschrift im Internet nach Knaben, die Davin S. ähnlich sehen.

Und wird fündig.

Schlussendlich habe er in einem schwarzweissen Notizbuch die Namen von 11 Jungen im Alter zwischen 11-15 Jahren notiert, schreibt die Staatsanwaltschaft. Er sammelt Fotos von ihnen, schreibt Informationen über ihre Schule und ihren Wohnort nieder.

Seinen Rucksack, den er bereits bei der Tat in Rupperswil verwendet hatte, packt er nach Darstellung der Staatsanwaltschaft erneut und stellt ihn in seinem Zimmer bereit.

Sein Inhalt: Seile, Kabelbinder, Klebeband, Anzündwürfel, Fackelöl, Handschuhe, ein Feueranzünder, Sexspielzeug – und eine Pistole.

HANDOUT - Ein Rucksack, Kabelbinder, Tape, eine alte Armeepistole und Stricke, welche beim Taeter im Vierfachmord Rupperswil sichergestellt worden sind, werden am Freitag, 13. Mai 2016 an der Medienkonferenz der Aargauer Polizei und Staatsanwaltschaft praesentiert. Der Vierfachmord vom 21. Dezember 2015 im aargauischen Rupperswil ist geklaert. Die Polizei hat den mutmasslichen 33-jaehrigen Taeter gefasst. Hinter der Tat stehen finanzielle und sexuelle Motive, wie die Staatsanwalt und Polizei vor den Medien mitteilten. Am 21. Dezember 2015 wurden in einem Einfamilienhaus in Rupperswil AG eine 48-jaehrige Frau, deren Soehne im Alter von 13 und 19 Jahren sowie die 21-jaehrige Freundin des aelteren Sohnes brutal getoetet. Die Opfer waren mit Kabelbindern gefesselt. Sie wiesen Stich- oder Schnittverletzungen auf. Ein vorsaetzlich gelegter Brand im Haus der Familie sollte die Spuren verwischen. (KANTONSPOLIZEI AARGAU) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Der gepackte Rucksack von Thomas N. – und Dinge, die in seinem Rucksack zu finden waren. Bild: KAPO AG

Zwei Buben habe er besonders im Visier gehabt: Sechs Tage nach der Tat habe er im Internet nach einem Knaben aus dem Kanton Bern gesucht. Im Januar 2016 habe er dessen Bild auf seinem Computer abgespeichert. Insgesamt fünf Mal habe er in diesem Monat den Wohnort dessen Familie besucht und sie ausgekundschaftet.

Zweimal habe er auf dem Festnetzanschluss der Familie angerufen. Laut Anklageschrift hatte er den Vorsatz, mit der Familie dasselbe zu tun wie in Rupperswil , er habe seine Bluttat wiederholen wollen.

«Di 7.40 alle zuhause, wach.»

Einen Schritt weiter ging Thomas N. gemäss Darstellung der Staatsanwaltschaft bei einer Familie im Kanton Solothurn. Auf deren Sohn sei er Mitte Januar 2016 gestossen. Er habe sie ausspioniert, sich die Familiensituation und den Schulplan gemerkt sowie deren Quartier observiert. Die Resultate habe er in seinem schwarzweissen Notizbuch notiert: «Di 7.40 alle zuhause, wach.»

Mitte Mai fuhr N. laut Anklageschrift mit dem Auto seiner Mutter und dem gepackten Rucksack in den Wohnort der solothurnischen Familie. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Er habe die Familie in seine Gewalt bringen , die Herausgabe von Geld sowie sexuelle Handlungen erzwingen, danach die Familie töten und ihr Haus in Brand setzen wollen. Den Zugang zum Haus habe er sich mit der gleichen List erschleichen wollen wie in Rupperswil.

Zu diesem Zweck hatte er gemäss Angaben der Staatsanwaltschaft einen gefälschten Brief der Schule sowie gefälschte Visitenkarten dabei. Am Abend zuvor habe er sich im Internet nach den Öffnungszeiten einer Bank im Kanton Solothurn erkundigt. 

Am Nachmittag rief er zweimal auf dem Festnetzanschluss der Familie an. Als beim zweiten Mal jemand abnahm, habe N. angegeben, sich verwählt zu haben. Er habe danach von seinem Plan abgelassen und sei nach Hause gefahren.

Einen Tag später wurde er in Aarau verhaftet.

Dass es indes im Kanton Solothurn an jenem Tag zur Tat gekommen wäre, ist unwahrscheinlich. Die Polizei dürfte Thomas N. zu diesem Zeitpunkt bereits seit Tagen beschattet haben. Laut Aussagen der Leitenden Staatsanwältin Barbara Loppacher wurde N. nach 72-stündiger Vorbereitung verhaftet. Markus Gisin, Chef der Kriminalpolizei Aargau, bestätigte im Mai 2016, man habe mit der Verhaftung ein weiteres, kurz bevorstehendes Delikt verhindert. (mlu)

Die Chronologie des Vierfachmords von Rupperswil

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • philosophund 13.03.2018 02:49
    Highlight „Er sucht laut Anklageschrift im Internet nach Knaben, die Davin S. ähnlich sehen.“

    Ein Warn- und Mahnstück an alle (auch Eltern), welche nicht mit der notwendigen Achtsamkeit ihre Daten auf Facebook & Co. pappen.
    4 0 Melden
  • Peter Wolf 12.03.2018 15:47
    Highlight Brauchts hier wirklich Kommentare?! tagesanzeiger.ch hat aus Rücksicht auf die Opfer und ihre Angehörigen die Kommentarfunktion abgeschaltet. Chapeau! Das würde watson ebenfalls gut anstehen!
    142 49 Melden
    • Dafuq?! 12.03.2018 18:08
      Highlight Habe ich mir zuerst auch gedacht. Andererseits bewundere ich auch den Mut und das Vertrauen von watson in die community, dass sie sich respektvoll verhält.

      Denke aber auch, dass watson bei diesen Artikeln besonders streng kohtrolliert.
      22 2 Melden
  • Goon 12.03.2018 14:30
    Highlight Mir läuft es gerade eiskalt den Rücken runter. Stellt euch doch vor ihr wärt eine dieser Familien.....

    55 5 Melden
  • baBIELon 12.03.2018 13:09
    Highlight Wenn der nicht verwahrt wird, wer dann?
    422 17 Melden
    • Nosgar 12.03.2018 13:48
      Highlight Der wird auf jeden Fall verwahrt.
      45 5 Melden
    • Raembe 12.03.2018 14:13
      Highlight Auch der kommt ziemlich sicher wieder frei....
      37 73 Melden
    • phreko 12.03.2018 14:56
      Highlight Warum sollte er denn nicht verwahrt werden?
      23 0 Melden
    • herpderpschlerp 12.03.2018 15:05
      Highlight am besten ist es immer, sich anhand von vermutungen und behauptungen über etwas aufzuregen, dass noch gar nicht entschieden ist 🙄 warten wir mal ab, was dabei rauskommt. einen grossen dank an die polizei! saubere arbeit geleistet
      58 1 Melden
    • Mietzekatze 12.03.2018 15:25
      Highlight Der wird wahrscheinlich ordentlich verwahrt... Aber ziemlich sicher nicht die Lebenslängliche! Er ist Ersttäter.. Und die Prognosen bis ans Lebensende so eine Sache... Wir werden sehen
      36 4 Melden
    • bro heng mal :) 12.03.2018 15:34
      Highlight schweizerisches Gesetz halt...
      10 41 Melden
    • Tomtom64 12.03.2018 15:38
      Highlight Zwei Gutachten müssen unabhängig voneinender zum Schluss kommen, dass der Täter zeitlebens nicht therapierbar ist. Ist das nicht der Fall, kommt nur die kleine Verwahrung mit periodischer Überprüfung der Therapiebarkeit in Frage.

      Nachdem Erstes scheinbar nicht attestierbar ist, kommt nur Letzteres in Frage und so werdrn die Richter hoffentlich auch entscheiden.
      36 2 Melden
    • BaBa17 12.03.2018 16:38
      Highlight Verwarhrt sehr wahrscheinlich, aber keine Lebenslange Verwahrung. Heisst nach Verbüssung der Haftstrafe, wird er jedes Jahr neu Beurteilt. Und wenn es eine „Gute“ Prognose bekommt kann es durchaus sein das er frei kommt. Was meiner Meinung nach nicht sein darf.
      23 6 Melden
    • wipix 12.03.2018 17:57
      Highlight @iHero
      Nicht jährlich sondern alle 5 Jahre wird die ordentliche Verwahrung überprüft!
      6 0 Melden
    • BaBa17 14.03.2018 19:32
      Highlight Ich habe da etwas anderes gelesen.
      0 0 Melden

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