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146 Tage Angst: Die Chronologie des Vierfachmords von Rupperswil

100'000 im Fall Rupperswil – SVP-Polizist warnt: «Solche Prämien bergen Missgunst-Gefahr im Korps»

Nicht jeder Ermittler erhält gleich viel von der 100'000-Franken-Sonderprämie. Grossrat und Polizist Roland Vogt findet eine Abstufung falsch und schlägt eine Alternative vor.

Mario Fuchs / az Aargauer Zeitung



100'000 Franken: Damit werden die Ermittler von Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft belohnt, die an der Aufklärung des Rupperswiler Vierfachmords mitgearbeitet haben. Das hat die Regierung diese Woche entschieden. Polizeidirektor Urs Hofmann sagte in der «Schweizer Illustrierten», die Ermittler hätten «zum Teil mehr Überstunden als offizielle Arbeitsstunden» geleistet.

So hätten an Heiligabend 100 Polizisten «klaglos den gesamten Güsel von Rupperswil durchsucht». Wie genau die Prämie ausbezahlt werde, sei noch offen. Auf Nachfrage erklärt Samuel Helbling, Sprecher von Hofmanns Departement Volkswirtschaft und Inneres: «Zuerst muss nun der Kreis der berechtigten Mitarbeitenden und die Höhe der Prämien festgelegt werden.» Die Abteilungsleitungen schlügen in den nächsten Tagen vor, wer wie viel erhalten solle. «Nicht alle waren gleich stark involviert. Es soll eine gewisse Verteilungsgerechtigkeit geben», erklärt Helbling.

Prämien sind eigentlich gestrichen

Klar ist: Rechtlich kann nicht von einer Belohnung gesprochen werden. Gemäss Strafprozessordnung darf eine solche nur an Private gehen. Im Kommentar zu diesem Passus steht gar ausdrücklich, Mitarbeiter von Strafbehörden fielen ausser Betracht. Möglich ist die Auszahlung dank der Lohnverordnung, die für die Aargauer Ermittler gilt.

«Wenn, dann müssten die 100'000 Franken nicht im Sonderkommando, sondern im ganzen Korps verteilt werden: Solche Grosserfolge können nur erzielt werden, wenn das ganze Korps zusammenrückt und alle ihren Beitrag leisten.»

Roland Vogt, Stadtpolizei Zürich

Darin sind Sonderprämien vorgesehen. Laut Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei, wurden auch in anderen Fällen Einzel- oder Teamprämien für spezielle Leistungen ausbezahlt. Etwa, wenn ein Hundeführer oder ein Mitglied der Sondereinheit wesentlich zu einer Verhaftung beitrug. «Solche Prämien beliefen sich jeweils im Bereich zwischen 100 und 300 Franken», sagt Pfister.

5 perfekte Schweizer Morde

Dafür gab es einen Betrag im ordentlichen Budget – zuletzt wurde dieser aber im Zuge der Sparmassnahmen gestrichen. Im Falle eines Fensterbohrers, der in den Kantonen Aargau und Luzern über 100 Einbrüche beging, setzte die Polizei gar drei Tage Ferien als Prämie aus. Gefasst wurde der Täter jedoch im Luzernischen – kein Polizist wurde belohnt.

Nicht des Geldes wegen Polizist

SVP-Aargau-Präsident Thomas Burgherr kritisierte die Prämie. Während der Spardebatte finde er es schlecht, dass der Kanton «einfach 100'000 Franken an die Polizisten verteilt», sagte er. Burgherrs Partei- und Grossratskollege Roland Vogt arbeitet bei der Stadtpolizei Zürich. Und hat eine zwiespältige Meinung: «Das Kommando hat sehr gute Arbeit geleistet, das darf honoriert werden. Solche Prämien bergen aber auch die Gefahr von Missgunst innerhalb des Korps.»

Thomas Burgherr (SVP/AG) waehrend der Beratungen zum neuen Militaergesetz am Mittwoch, 2. Dezember 2015 im Nationalratssaal in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Thomas Burgherr, Präsident SVP Aargau.
Bild: KEYSTONE

Wenn, dann müssten die 100'000 Franken nicht im Sonderkommando, sondern im ganzen Korps verteilt werden: «Solche Grosserfolge können nur erzielt werden, wenn das ganze Korps zusammenrückt und alle ihren Beitrag leisten.» Er finde es falsch, einen Betrag pro Person festzulegen. «Besser würde man dieses Geld in neues Material oder in die Ausbildung investieren. Der Regierungsrat könnte aber auch einen würdigen Anlass organisieren.» Ohnehin werde niemand des Geldes wegen Polizist: «Die Anerkennung der Regierung und das gestiegene Vertrauen in der Bevölkerung sind mehr wert als jeder Check.»

Der Fall Rupperswil

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    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 21.05.2016 21:57
    Highlight Highlight So wie ich die Polizisten einschätze, ist es ihnen selber nicht recht, dass sie zu ihrem guten Lohn noch eine zusätzliche Präme entgegennehmen müssen. Aber die Polizisten können ja nichts dafür. Die Prämie wurde ihnen aufgebrummt. Das war eine Schnapsidee.
  • Sapere Aude 20.05.2016 18:59
    Highlight Highlight Die Premie für die Polizisten finde ich voll in Ordnung. Thomas Burgherr sollte sich besser an seine eigene Nase nehmen. Es war seine Partei die die Steuer für Vermögende und Unternehmer massiv gesenkt haben. Jetzt wollen sie noch die Grundbuchabgabe senken. Der Kanton Aargau hat kein Ausgabeproblem sondern ein Einnahmeproblem.
  • Alf 20.05.2016 15:34
    Highlight Highlight Ähhhm, Belohnung/Anzahl Überstunden*geleistete Anzahl Überstunden, was gibts da zu diskutieren (insofern sie diese "Belohnung" auszahlen dürfen)?
    • Normi 20.05.2016 15:51
      Highlight Highlight Überstunden werden ganz normal vergütet
  • Normi 20.05.2016 12:23
    Highlight Highlight Durchschnittslohn eines Polizisten in der Schweiz beträgt ca.7100.-/monat

    sollte eigentlich genug ansporn sein
  • Gigle 20.05.2016 11:05
    Highlight Highlight Ich versteh einfach nicht ganz, wieso die Ermittler überhaupt eine solche Prämie erhalten. Die haben schliesslich einfach ihren Job gemacht.
    • Fabio74 20.05.2016 16:36
      Highlight Highlight Warum nicht einen Bonus für gute Arbeit?
  • Normi 20.05.2016 10:50
    Highlight Highlight Arbeitet die Polizei auf Provisionsbasis ?
  • Donalf 20.05.2016 10:08
    Highlight Highlight Und wieder hat die SVP etwas dagegen. Traditionell. Dieses Geld soll Ansporn sein und Dank zugleich, beides Fremdwörter für die SVP.
  • oma-schubser 20.05.2016 08:45
    Highlight Highlight Sollten das Geld lieber für ein gutes Weihnachtsessen ausgeben. :-) Und diese die herausgestochen sind genau an diesem Abend auszeichnen.

    Denke so haben alle ihre Freude daran und man muss sich nicht Gedanken machen welcher Polizist was bekommt.
  • amore 20.05.2016 08:44
    Highlight Highlight Wenn Herr Burgherr gegen die Auszahlung dieser 100'000 Prämie ist, dann soll er sich bitte auch gegen die 400'000'000 Steuerprämie zu Gunsten der Bauern aussprechen.
  • Sillum 20.05.2016 08:30
    Highlight Highlight Respekt, sehr gut recherchierter Artikel. Dass die Meinungen auseinander triften ist verständlich. Sehr wichtig jedoch, dass der Polizist der SVP angehört und sogar Kantonalpräsident ist. Das ist von grösster Relevanz. Schön blöd, dass leider niemand weiss welcher Partei Roland Pfister, Medienchef der KAPO Aargau, angehört.
  • Calvin Whatison 20.05.2016 08:20
    Highlight Highlight Ist mir persönlich egal, wer wieviel bekommt. Für mich als Bürger dieses Landes: Ich bin froh und dankbar, ist der Täter gefasst.
    Muss das an die Öffentlichkeit? kann das nicht Intern geregelt werden?
    Aber auch hier wieder, es wird bis aufs kleinste ausgeschlachtet.

  • MacB 20.05.2016 08:13
    Highlight Highlight Ach, jetzt gönnt doch den Leuten mal einen Zustupf. Kaum geht es um Geld, hat jeder noch einen guten Tipp, wie man es besser machen könnte.

    Ich denke, die offiziellen Stellen haben 100'000.- schon dümmer ausgegeben und seien wir ehrlich. Wenn am Schluss jeder einen Tausender bekommt, ist es viel. Also worüber wird hier gestritten?
  • HansDampf_CH 20.05.2016 07:52
    Highlight Highlight In Zukunft werden die Ermittler nur noch die Fälle mit einer Belohnung sorgfältig und priosiert angehen.
    • Mehmed 20.05.2016 08:24
      Highlight Highlight Dagegen hätte die $VP aber nichts einzuwenden. Geld befiehlt rechtsaussen, Reiche sind gleicher als alle anderen.
    • strudel 20.05.2016 08:25
      Highlight Highlight genaaau! weil ja diese lohnverordnung so neu ist und nicht bereits vor diesem artikel bestanden hat...immer diese geldgierigen polizisten jaja
    • Hoppla! 20.05.2016 08:34
      Highlight Highlight Eine besondere Leistung (z.B. an Freitagen zur Arbeit zu erscheinen = kein Dienst nach Vorschrift) darf schon mal etwas belohnt werden. Da muss man nicht neidisch sein.
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