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Historiker Daniele Ganser und Moderator Jonas Projer kriegten sich in der «Arena»-Sendung zum Thema «Trumps Krieg gegen die Medien» in die Haare. 
Historiker Daniele Ganser und Moderator Jonas Projer kriegten sich in der «Arena»-Sendung zum Thema «Trumps Krieg gegen die Medien» in die Haare. 

Verschwörungstheoretiker Ganser lehrt an der HSG? Professoren fordern seine Absetzung

Der Lehrauftrag für den umstrittenen Historiker Daniele Ganser an der Universität St. Gallen (HSG) sorgt in Basel und Bern für Kopfschütteln. Ein Experte rät der HSG gar, die Zusammenarbeit mit Ganser zu beenden.
09.05.2017, 16:4910.05.2017, 06:10
Samuel Schumacher / Nordwestschweiz

Daniele Ganser ist in aller Munde. Über mangelnde Aufmerksamkeit konnte sich der Schweizer Historiker mit Hang zu verschwörerischen 9/11-Thesen noch nie beklagen. Seit seinem Auftritt in der SRF-Arena im vergangenen Februar aber spitzt sich die Debatte darüber zu, ob man einem wie Ganser überhaupt eine öffentlich-rechtliche Bühne geben soll oder nicht.

Angeheizt wurde diese Diskussion vergangene Woche von der «Ostschweiz am Sonntag», die Gansers Lehrtätigkeit an der Universität St. Gallen (HSG) unter die Lupe nahm. Seit 2012 ist Ganser an der HSG gemeinsam mit Rolf Wüstenhagen für die Lehrveranstaltung «Geschichte und Zukunft von Energiesystemen» zuständig. Wüstenhagen verteidigte seinen Kollegen gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag». Man mache es sich zu einfach, wenn man Ganser vorschnell als Verschwörungstheoretiker abstemple, sagte der Energieforscher.

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Kritische Wortmeldungen

In einem Nachfolgeartikel am vergangenen Sonntag meldeten sich dann aber kritische Stimmen zu Wort, ohne allerdings namentlich erwähnt werden zu wollen. Ganz wohl fühlten sich die anonym bleibenden Professoren nicht beim Gedanken an die steilen Thesen, die Kollege Ganser vertritt. Die Frage, ob einer wie Ganser überhaupt Zutritt zum Haus der Wissenschaften erhalten soll, treibt die Gelehrten in den Elfenbeintürmen offenbar mehr herum, als ihr bisheriges Schweigen vermuten liess.

Trotzdem: Namentlich zitieren liess sich einzig Caspar Hirschi, Leiter des Kontextstudiums an der HSG und damit Verantwortlicher für die Lehrveranstaltung von Ganser. Er verteidigte die Anstellung Gansers und betonte, er verstehe die HSG als Denkplatz, auf dem eine offene Auseinandersetzung mit kontroversen Denkern möglich sein soll. Zudem traue er es den Studierenden zu, Argumente kritisch zu reflektieren.

Ex-Chef traut Ganser nicht

In den Augen von Antonio Loprieno, Universitätsrat der Uni Zürich und Forscher an der Uni Basel, eine nicht ganz unproblematische Aussage. «Die Auseinandersetzung mit kontroversen Themen sollte meines Erachtens stets – zumal in unserer Zeit der gefährlichen Toleranz gegenüber dem ‹Postfaktischen› – im Geiste der Aufklärung erfolgen. Diesen Geist vermag ich in Dr. Gansers Thesen nicht zu erkennen», betont Loprieno gegenüber dieser Zeitung. Gansers Thesen kennt Loprieno gut. Der Ägyptologe war von 2005 bis 2015 Rektor der Universität Basel und damit ehemaliger Chef von Ganser, der bis 2010 an der Uni Basel forschte. Ganser und Loprieno gerieten sich 2011 in die Haare, als Ganser zum zehnten Jahrestag von 9/11 an der Uni Basel einen umstrittenen Vortrag hielt und dabei das offizielle Logo der Uni verwendete.

Kritische Stimmen zu Gansers Lehrtätigkeit in der Ostschweiz gibt es auch an der Uni Bern. Christian Rohr, Geschäftsführender Direktor des Historischen Instituts, würde Ganser keinen Lehrauftrag erteilen, auch wenn die Themen von Gansers Lehrveranstaltung vordergründig nichts mit den von ihm unterfütterten Verschwörungstheorien zu tun hätte. «Ob Herr Ganser in seiner Lehre tatsächlich immer unabhängig von seiner 9/11-Theorie unterrichtet, kann man weder sicher bestätigen noch ausschliessen», sagt der Historiker.

4649 Likes für Ganser

Auch für Rohr steht ausser Frage, dass Universitäten offene Denkplätze sein sollen. Man müsse sich allerdings schon fragen, ob diese Denkplätze auch verschwörungstheoretischen Thesen offenstehen sollten, die anderen als Legitimation für radikales Gedankengut dienen und schnell eine unkontrollierte Eigendynamik erhalten könnten.

Diese Eigendynamik beobachtete Christian Rohr auch im Fall des ersten «Ostschweiz am Sonntag»-Artikels über Gansers Anstellung in St. Gallen. Den für ihn schmeichelhaften Artikel stellte Ganser auf Facebook. Bis gestern erhielt er dort 4649 Likes und wurde 731 Mal geteilt. Eine Traumquote für einen an sich unspektakulären Bericht über eine längst bekannte Personalie an der HSG.

«Dass die Anhängerschaft Gansers in den sozialen Netzwerken so reagiert und die Entscheidung der Uni St. Gallen in ihrem Sinne interpretiert, war aus meiner Sicht voraussehbar und wirft ein sehr problematisches Licht auf das Verhalten der Institution», sagt Rohr. Denn: «Mit einer Lehrbeauftragung von Leuten wie Herrn Ganser gewährt man solchen Personen eine Anerkennung, die in der öffentlichen Wahrnehmung auch den von ihnen verbreiteten Theorien zugeschrieben wird.» Anders gesagt: Die HSG bietet mit der Anstellung Gansers – wenn auch ungewollt – potentiell gefährlichen Verschwörungstheorien eine Plattform.

HSG riskiert ihren Ruf

Dass die Universität sich damit auf eine akademisch heikle Gratwanderung begibt, das glaubt auch Hugo Stamm, Fachjournalist für Verschwörungstheorien. «An der ETH Zürich, an der Uni Zürich und an der Uni Basel wurde Ganser fallengelassen oder ihm die Forschungs- und Lehrtätigkeit entzogen. Dass er weiterhin in St. Gallen dozieren kann, wirft ein schlechtes Licht auf die dortige Uni und schadet ihrem Ruf», sagt Stamm.

Er fordert, dass sich die HSG von Ganser distanziert. «Es ist scheinheilig, wenn Caspar Hirschi sagt, man könne von Studierenden erwarten, dass sie fähig seien, Argumente kritisch zu reflektieren. Zuerst soll er dies von seinem Dozenten Ganser verlangen.» (aargauerzeitung.ch)

Der Tag, der die Welt veränderte

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400 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Nitzgi
09.05.2017 17:39registriert Februar 2017
Also ich bin weder pro, noch kontra Ganser. Und deshalb würde ich gerne Wissen, ob er wirklich ein Verschwörungstheoretiker im negativen Sinne ist, oder ob er wissenschaftlich bleibt. Und bei der Beantwortung dieser Frage fällt mir bei den Berichten über seine Kritiker immer wieder auf, dass nie konkrete Punkte angesprochen werden, die Ganser als negativen Verschwörungstheoretiker qualifizieren. Ich kann auch stundenlang behaupten er sei unwissenschaftlich. Aber was die Leute interessiert, ist doch WARUM genau. Die Begründung. In fiesem Fall verhalten sich die Kritiker sehr unwissenschaftlich.
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NiickName
09.05.2017 17:18registriert Mai 2016
In was für einer Zeit leben wir eigentlich?
Ich habe Vorträge von Ganser auf YouTube gesehen und sein Buch "Illegale Kriege" gelesen. Der Mann bringt wichtige Themen auf den Tisch, über die jede/r nachdenken sollte. "Gefährliche" (antisemitische) Verschwörungstheorien sind keine anzutreffen. Und es ist schon verwunderlich, dass in der Bilderstrecke ganz unten WTC7 in keinster Weise erwähnt wird. Gute Leute wie Ganser, die sich für den Frieden einsetzen, als Spinner zu diskreditieren, sich aber in keinster Weise mit seinen Thesen auseinanderzusetzen zeugt von Argumentationsarmut. Stasi 2.0. :(
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Christian Tschümperlin
11.05.2017 22:49registriert März 2014
Ganser kann glauben was er will, das ist seine Privatsache. Wir würden ja auch nicht eine Untersuchung bei einem Arzt verweigern, nur weil er Christ ist. Mir kommt es schon fast faschistisch vor, dass man Ganser wegen einer privaten Meinung bei den Unis rausschmeisst. Ich erwarte von Watson eine klare Stellungsnahme gegen diesen Meinungsterror.
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