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Historiker Daniele Ganser und Moderator Jonas Projer kriegten sich in der «Arena»-Sendung zum Thema «Trumps Krieg gegen die Medien» in die Haare. 

Verschwörungstheoretiker Ganser lehrt an der HSG? Professoren fordern seine Absetzung

Der Lehrauftrag für den umstrittenen Historiker Daniele Ganser an der Universität St. Gallen (HSG) sorgt in Basel und Bern für Kopfschütteln. Ein Experte rät der HSG gar, die Zusammenarbeit mit Ganser zu beenden.

Samuel Schumacher / Nordwestschweiz



Daniele Ganser ist in aller Munde. Über mangelnde Aufmerksamkeit konnte sich der Schweizer Historiker mit Hang zu verschwörerischen 9/11-Thesen noch nie beklagen. Seit seinem Auftritt in der SRF-Arena im vergangenen Februar aber spitzt sich die Debatte darüber zu, ob man einem wie Ganser überhaupt eine öffentlich-rechtliche Bühne geben soll oder nicht.

Angeheizt wurde diese Diskussion vergangene Woche von der «Ostschweiz am Sonntag», die Gansers Lehrtätigkeit an der Universität St. Gallen (HSG) unter die Lupe nahm. Seit 2012 ist Ganser an der HSG gemeinsam mit Rolf Wüstenhagen für die Lehrveranstaltung «Geschichte und Zukunft von Energiesystemen» zuständig. Wüstenhagen verteidigte seinen Kollegen gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag». Man mache es sich zu einfach, wenn man Ganser vorschnell als Verschwörungstheoretiker abstemple, sagte der Energieforscher.

Kritische Wortmeldungen

In einem Nachfolgeartikel am vergangenen Sonntag meldeten sich dann aber kritische Stimmen zu Wort, ohne allerdings namentlich erwähnt werden zu wollen. Ganz wohl fühlten sich die anonym bleibenden Professoren nicht beim Gedanken an die steilen Thesen, die Kollege Ganser vertritt. Die Frage, ob einer wie Ganser überhaupt Zutritt zum Haus der Wissenschaften erhalten soll, treibt die Gelehrten in den Elfenbeintürmen offenbar mehr herum, als ihr bisheriges Schweigen vermuten liess.

Trotzdem: Namentlich zitieren liess sich einzig Caspar Hirschi, Leiter des Kontextstudiums an der HSG und damit Verantwortlicher für die Lehrveranstaltung von Ganser. Er verteidigte die Anstellung Gansers und betonte, er verstehe die HSG als Denkplatz, auf dem eine offene Auseinandersetzung mit kontroversen Denkern möglich sein soll. Zudem traue er es den Studierenden zu, Argumente kritisch zu reflektieren.

Ex-Chef traut Ganser nicht

In den Augen von Antonio Loprieno, Universitätsrat der Uni Zürich und Forscher an der Uni Basel, eine nicht ganz unproblematische Aussage. «Die Auseinandersetzung mit kontroversen Themen sollte meines Erachtens stets – zumal in unserer Zeit der gefährlichen Toleranz gegenüber dem ‹Postfaktischen› – im Geiste der Aufklärung erfolgen. Diesen Geist vermag ich in Dr. Gansers Thesen nicht zu erkennen», betont Loprieno gegenüber dieser Zeitung. Gansers Thesen kennt Loprieno gut. Der Ägyptologe war von 2005 bis 2015 Rektor der Universität Basel und damit ehemaliger Chef von Ganser, der bis 2010 an der Uni Basel forschte. Ganser und Loprieno gerieten sich 2011 in die Haare, als Ganser zum zehnten Jahrestag von 9/11 an der Uni Basel einen umstrittenen Vortrag hielt und dabei das offizielle Logo der Uni verwendete.

Kritische Stimmen zu Gansers Lehrtätigkeit in der Ostschweiz gibt es auch an der Uni Bern. Christian Rohr, Geschäftsführender Direktor des Historischen Instituts, würde Ganser keinen Lehrauftrag erteilen, auch wenn die Themen von Gansers Lehrveranstaltung vordergründig nichts mit den von ihm unterfütterten Verschwörungstheorien zu tun hätte. «Ob Herr Ganser in seiner Lehre tatsächlich immer unabhängig von seiner 9/11-Theorie unterrichtet, kann man weder sicher bestätigen noch ausschliessen», sagt der Historiker.

4649 Likes für Ganser

Auch für Rohr steht ausser Frage, dass Universitäten offene Denkplätze sein sollen. Man müsse sich allerdings schon fragen, ob diese Denkplätze auch verschwörungstheoretischen Thesen offenstehen sollten, die anderen als Legitimation für radikales Gedankengut dienen und schnell eine unkontrollierte Eigendynamik erhalten könnten.

Diese Eigendynamik beobachtete Christian Rohr auch im Fall des ersten «Ostschweiz am Sonntag»-Artikels über Gansers Anstellung in St. Gallen. Den für ihn schmeichelhaften Artikel stellte Ganser auf Facebook. Bis gestern erhielt er dort 4649 Likes und wurde 731 Mal geteilt. Eine Traumquote für einen an sich unspektakulären Bericht über eine längst bekannte Personalie an der HSG.

«Dass die Anhängerschaft Gansers in den sozialen Netzwerken so reagiert und die Entscheidung der Uni St. Gallen in ihrem Sinne interpretiert, war aus meiner Sicht voraussehbar und wirft ein sehr problematisches Licht auf das Verhalten der Institution», sagt Rohr. Denn: «Mit einer Lehrbeauftragung von Leuten wie Herrn Ganser gewährt man solchen Personen eine Anerkennung, die in der öffentlichen Wahrnehmung auch den von ihnen verbreiteten Theorien zugeschrieben wird.» Anders gesagt: Die HSG bietet mit der Anstellung Gansers – wenn auch ungewollt – potentiell gefährlichen Verschwörungstheorien eine Plattform.

HSG riskiert ihren Ruf

Dass die Universität sich damit auf eine akademisch heikle Gratwanderung begibt, das glaubt auch Hugo Stamm, Fachjournalist für Verschwörungstheorien. «An der ETH Zürich, an der Uni Zürich und an der Uni Basel wurde Ganser fallengelassen oder ihm die Forschungs- und Lehrtätigkeit entzogen. Dass er weiterhin in St. Gallen dozieren kann, wirft ein schlechtes Licht auf die dortige Uni und schadet ihrem Ruf», sagt Stamm.

Er fordert, dass sich die HSG von Ganser distanziert. «Es ist scheinheilig, wenn Caspar Hirschi sagt, man könne von Studierenden erwarten, dass sie fähig seien, Argumente kritisch zu reflektieren. Zuerst soll er dies von seinem Dozenten Ganser verlangen.» (aargauerzeitung.ch)

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