Schweiz
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Le rayon d'alcool d'un magasin est photographier avec un panneau interdisant la vente d'alcools aux jeunes ce mardi 7 janvier 2014 a Lausanne. Le le Conseil d'Etat vaudois propose de modifier la loi concernant la vente de biere et d'alcool fort. La vente a l'emporter aux jeunes personnes sera interdite dans le canton de Vaud entre 20h00 et 6h00 du matin. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Bild: KEYSTONE

Wer Minderjährigen Alkohol verkauft, soll nur noch 200 Stutz blechen müssen

Einem Händler, der eine Flasche Gin an einen Minderjährigen verkauft, droht heute eine Busse von bis zu 10'000 Franken. Künftig könnte die Strafe weit milder ausfallen: Mit einer Ordnungsbusse von 200 Franken soll die Sache erledigt sein. Der Fachverband Sucht Schweiz ärgert sich.



Wenn Minderjährige harten Alkohol wollen, dann kriegen sie ihn auch. Zumindest bei jedem dritten Vekräufer. Dies zeigen die Alkohol-Testkäufe, welche die Eidgenössische Alkoholverwaltung jedes Jahr durchführt. Im vergangenen Jahr sind 32 Prozent der Verkäufer auf die jugendlichen Tester hereingefallen.

Grafiken zu Alkoholtestkäufen 2016

Die Alkohol-Testkäufe über die Jahre zeigen: Jeder dritte Verkäufer gibt unerlaubt Alkohol an Minderjährige ab. grafik: Eidgenössische Alkoholverwaltung

Folgen hat dies für die meisten Verkäufer nicht. Auf nationaler Ebene fehlt eine rechtliche Grundlage, um die getesteten Verkäufer zu sanktionieren.

Werden sie aber ausserhalb von Testkäufen wegen eines solchen Vergehens angezeigt, droht ihnen ein Strafverfahren und eine saftige Geldstrafe. Bis zu 10'000 Franken für den Verkauf von Spirituosen an Minderjährige, bis zu 40'000 Franken, wenn Alkohol an unter 16-Jährige abgegeben wird.

Künftig wird gebüsst statt angezeigt

Im März 2016 hat das Parlament entschieden, dass zukünftig nicht nur Verkehrssünder und Kiffer mit einer Ordnungsbusse bestraft werden sollen. Neu soll das Ordnungsbussenverfahren für 17 Gesetzte gelten. So soll das Rauchen in einem geschlossenen öffentlichen Raum mit 80 Franken bestraft werden und, wer seinen Abfall nach einem Picknick liegen lässt, mit 200 Franken. Ohne, dass dafür eine Anzeige nötig wird. Der erste Vorschlag des Bundesrat ist noch bis zum 16. August 2017 in der Vernehmlassung.

Ab 2018 könnten diese drastischen Strafen massiv abgemildert werden. Neu soll es möglich sein, das Vergehen mit einer Ordnungsbusse abzustrafen. Sprich: Wer eine Flasche Whisky an Minderjährige verkauft, müsste neu nur noch 200 Franken berappen und der Fall wäre für ihn erledigt.

Die entsprechende Änderung der Ordnungsbussenverordnung ist derzeit in der Vernehmlassung. 

Der Fachverband Sucht ist erbost: Die Busse um 95 Prozent und mehr zu senken, mache keinen Sinn, schreibt der Verband, dem mehr als 300 Fachorganisationen angehören, in einer Stellungnahme. «Dadurch untergräbt der Bundesrat die jugendspezifischen Präventionsbemühungen.»

«Ein Betreiber, zum Beispiel von einem Kleinkiosk, lässt sich von 200 Franken nicht abschrecken. Er versucht es einfach einmal.»

Petra Bamberger, Generalsekretärin des Fachverbands Sucht

Petra Bamberger, Generalsekretärin des Fachverbands Sucht, bekräftigt im Gespräch mit watson: «Ein Betreiber, zum Beispiel von einem Kleinkiosk, lässt sich von 200 Franken nicht abschrecken. Er versucht es einfach einmal.» Werde er dabei erwischt, mache dies nichts. «Bis dahin ist die Busse schon längst amortisiert.» Im Gegensatz zur heutigen Regelung hätten die 200 Franken Busse keine abschreckende Wirkung.

Folco Galli, Informationschef des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement betont, dass auch mit der neuen Regelung die bisherigen Bundesgesetze in Kraft bleiben würden.

Sprich: Auch zukünftig könnten Händler, die absichtlich oder fahrlässig Alkohol an Minderjährige abgeben, strafrechtlich verfolgt und mit einer Busse bis zu 10'000 Franken bestraft werden. «Händler könnten also diese milde Strafnorm gar nicht systematisch ausnützen, und damit ginge auch nicht die abschreckende Wirkung der Strafbestimmung im Alkoholgesetz verloren», schreibt Galli.

Die Einführung der Ordnungsbussen hat gemäss dem Departement einen grossen Vorteil. Sie würde ermöglichen, «auch geringfügige Übertretungen gegen das Alkoholgesetz einfach, rasch und einheitlich zu sanktionieren.» Zum Beispiel wenn ein Händler an einem Fest ein Bier an eine Minderjährige verkauft.

Tankstellenshops als Vorbild

Am einfachsten kommen Minderjährige in Bars (Erfolgsquote 54 Prozent), auf Festen (44 Prozent) und an Kiosken (43 Prozent) an Alkohol. Am vorbildlichsten schnitt 2016 das Verkaufspersonal in Tankstellenshops ab. Nur jeder fünfte Versuch der jugendlichen Tester war hier von Erfolg gekrönt. Vier von fünf wurden nach dem Ausweis gefragt und somit ertappt.

Der Kioskbetreiber Valora wollte sich gegenüber watson zur geplanten Neuregelung nicht äussern. Zu laufenden Vernehmlassungsverfahren nehme man keine Stellung. Der Kioskbetreiber schreibt aber: «Jugendschutz ist für Valora ein wichtiges Thema, zu dem wir unsere Mitarbeiter entsprechend schulen.»

Grafiken zu Alkoholtestkäufen 2016

Die Alkohol-Testkäufe zeigen: Am einfachsten gelangen Jugendliche in Bars an Alkohol. Bild: Eidgenössische Alkoholverwaltung

An den Erhebungen der Eidgenössischen Alkoholverwaltung ist eines erfreulich: Verkaufsstellen, die schon in den Jahren zuvor getestet wurden, schneiden besser ab. Es gibt ihn also, den Lerneffekt.

Der Fachverband Sucht bezweifelt aber, ob dies in Zukunft immer noch der Fall sein wird. Es sei davon auszugehen, dass die Alkoholtestkäufe nur Wirkung entfalten, weil den Händler aufgezeigt werde, welche strengen Sanktionen ihnen allenfalls drohen, schreibt der Verband in ihrer Stellungnahme. «Eine Busse von 200 Franken erzielt nicht dieselbe, vermutlich sogar gar keine Wirkung.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Dreiländereck 10.07.2017 18:54
    Highlight Highlight Wer glaubt es wurden bisher wirklich Bussen von Fr. 10'000.- ausgesprochen, der irrt aber gewaltig. Mit den Ordnungsbussen werden vermutlich sogar mehr Personen zur Rechenschaft gezogen. Wichtig ist, dass der Patententzug immer noch möglich bleibt bei Wiederholungstätern.
  • kEINKOmmEnTAR 10.07.2017 18:53
    Highlight Highlight Ich habe kein Alkohol getrunken bis ich 18 war und es hat nicht geschadet.
    Genau so würde ich es auch bei anderen Jugendlichen machen.
    • phreko 10.07.2017 19:55
      Highlight Highlight Ich habe kein Autobillet... es sollte besser auch jeder ÖV- und Velofahren, findest du nicht?
  • Susannah 10.07.2017 17:46
    Highlight Highlight Nennt mich ruhig asozial oder verantwortungslos. Mein Kind wird dieses Jahr erst 18, aber natürlich hat sie in den letzten zwei Jahren auch schon härteres als Bier und Wein getrunken. Zum Beispiel gerade letzte Woche beim Schulabschlussfest. Warum ich das weiss? Weil ich mit einkaufen war. Eine realistische Einstellung und ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema Alkohol bringt mehr, als tausend Verbote.
    • kEINKOmmEnTAR 10.07.2017 18:54
      Highlight Highlight Asozial nicht aber du bekennst dich öffentlich zu einer Straftat was zu einer Anzeige führen könnte.
    • MaxHeiri 10.07.2017 21:44
      Highlight Highlight Nicht dee Konsum ist verboten, sondern einzig der Kauf ;)
    • Susannah 10.07.2017 23:48
      Highlight Highlight Keinkommentar, du kriegst ein Herz von mir, weil ich gerade so herzhaft lachen musste!
    Weitere Antworten anzeigen
  • who cares? 10.07.2017 17:02
    Highlight Highlight Wo fanden diese Testkäufe statt? :O Bin über 20 und werde trotzdem noch bei jedem Kauf (auch Wein und Bier) nach dem Ausweis gefragt
    • MadScientist42 10.07.2017 19:25
      Highlight Highlight Geht mir gleich. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt kann man es auch als Kompliment sehen ;-)
    • who cares? 10.07.2017 19:50
      Highlight Highlight Muss dazu aber auch sagen, dass ich auch schon 16jährigen begegnet bin, die älter als ich aussahen.

      #teamhobbit
    • giguu 10.07.2017 22:26
      Highlight Highlight ich werde seit 15 nicht mehr gefragt 😇
    Weitere Antworten anzeigen
  • pamayer 10.07.2017 16:36
    Highlight Highlight Aber Cannabis bleibt voll illegal. Gut so. Bravo. Toll.

    Unglaublich, diese Relationen. Schmeisst doch den Jugendlichen doch den Alk nach, quasi Halbtax saufen.
    • Iseas 10.07.2017 18:27
      Highlight Highlight Mit gleis 7 en säufst du bis verkersschluss gratis. 😂
  • rauchzeichen 10.07.2017 16:19
    Highlight Highlight wieso klährt watson den leser darüber auf, dass die 10000 franken busse auch zukünftig gesprochen werden können, der fachverband gesundheit argumentiert aber 2 mal (im artikel, vor und nach klährung von seiten watson) damit, dass nur ordnungsbussen nicht genügen. entweder haben sich die leute vom fachverband nicht informiert und trotzdem mal geantwortet, oder wie auch immer. etwas stimmt da nicht.
    danke für klährung watson
    • trio 10.07.2017 19:21
      Highlight Highlight Erklärt das bitte 😉
  • Hustler 10.07.2017 16:11
    Highlight Highlight Klar sollte man kontrollieren aber diese Suchtverbände sehen das aber auch immer etwas zu eng.
    • PhilippS 10.07.2017 17:30
      Highlight Highlight @Klabusterbeere:
      Verstehe deine Argumentation, aber ganz korrekt finde ich sie nicht. Klar soll der Zugang möglichst erschwert werden. Aber der Umgang mit Alkohol ist meiner Meinung nach in erster Linie eine Erziehungsfrage.

      Wie andere Dinge gehören diese am Familientisch angesprochen. Hier sehe ich ein grösseres Problem heute: Die Erziehung wird gerne delegiert....
    • PhilippS 14.07.2017 18:00
      Highlight Highlight Ich verstehe jetzt den Zusammenhang nicht. Ist für dich Erziehung = Verbote? Dann hast du natürlich recht.

      (Gute) Erziehung heisst doch aber erklären, aufklären, Risiken definieren, auch schwierige Themen ansprechen... Das ist doch Prävention?!?

      Für eine vollständige Legalisierung wäre ich zu haben. Finde ich längst überfällig.



  • Hinkypunk #wirsindimmernochmehr 10.07.2017 15:51
    Highlight Highlight Wie wäre es umgekehrt? Jugendliche welche illegal Alkohol kaufen möchten und dabei erwischt werden müssen gemeinnützige Arbeit leisten.

    Ich denke das würde die Jugendliche mehr abschrecken. Aktuell können ist es einfach "Try&Error". Entweder sie kriegen den Alk oder müssen halt den Ausweis zeigen und kriegen keine.
    • Elpolloloco 10.07.2017 16:19
      Highlight Highlight Findi guet! und finanzieren könnte man das über die Einnahmen aus Bussen.
    • Mutzli 10.07.2017 17:37
      Highlight Highlight Wäre aus meiner SIcht ein bisschen eine Umkehrung des Täter/Opfer Prinzips, da die Kiddies die sich vollsaufen wollen, ja davor geschützt werden sollen, also eigentlich die Opfer dieser Situation sind. Die Betreiber hingegen sind ja wohl eindeutig die Profiteure, wenn sie einer grösseren Gruppe Alkohol verkaufen können. Insbesondere wenns mehr oder weniger ungestraft sein sollte, trotz Illegalität.
    • trio 10.07.2017 19:30
      Highlight Highlight Gar nicht so schlecht die Idee. Natürlich müssen trotzdem vor allem die Verkäufer bestraft werden. Etwas gemeinnützige Arbeit tut den Jugendlichen sicher auch gut.

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