Schweiz
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Vater Sepp, Sohn Quirin, Tochter Anina,  Mutter Mirta und Sohn Niklas, von links nach rechts, in

Familie Zuppiger bewohnte im Sommer 2004 das Sahlenweidli. Bild: KEYSTONE

Bauern wie zu Gotthelfs Zeiten? Per Initiative ins landwirtschaftliche Idyll

Der Politherbst ist bäuerlich geprägt: Drei Volksinitiativen zum Thema Landwirtschaft kommen in der Schweiz zur Abstimmung. Sie sind von idealistischen bis rückwärtsgewandten Motiven geprägt.

09.08.18, 09:29 09.08.18, 19:34


In der sommerlichen Nachrichtenflaute lässt die SRF-Sendung «Schweiz aktuell» die Historie aufleben. Man kehrt in eine mehr oder weniger ferne Vergangenheit zurück, häufig in Form von Reenactments mit Zuschauerinnen und Zuschauern. Von diesen Sommerspecials dürfte keines stärker in Erinnerung geblieben sein als jenes von 2004 aus dem hintersten Emmental.

Das Fernsehvolk ergötzte sich daran, wie eine heutige Familie sich unter dem Motto «Leben wie zu Gotthelfs Zeiten» auf dem Hof Sahlenweidli mit der harten kleinbäuerlichen Existenz in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abmühte. Die Resonanz auf dieses Bauern-Experiment war derart gross, dass das SRF im folgenden Winter eine zweite Staffel der Doku-Soap drehte.

ARCHIVBILD ZUR ABLEHNUNG DER HORNKUH-INITIATIVE DURCH DIE WAK, AM DIENSTAG, 27. JUNI 2017 - Appenzeller Sennen und ihre Kuehe bei der Viehschau in der Arena der 57. Olma 1999 in St. Gallen, aufgenommen im Oktober 1999. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Das Wunschbild: Kühe mit Hörnern an der Olma in St.Gallen. Bild: KEYSTONE

Andere History-Specials sind längst in Vergessenheit geraten (wer erinnert sich an das Leben als Pfahlbauer oder Fabrikarbeiter?). Die Faszination für das bäuerliche Leben zur Zeit des Pfarrers und Schriftstellers Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf (1797–1854) aber scheint 14 Jahre danach ungebrochen zu sein. Das Sahlenweidli jedenfalls kann nach wie vor gemietet werden.

Sehnsucht nach dem Dorf

Woran liegt das? Niemand will allen Ernstes wie damals leben. Die bäuerliche Existenz war im 19. Jahrhundert kein Honigschlecken – man muss nur Gotthelf lesen. Und doch scheint in der zersiedelten Agglo-Schweiz eine Sehnsucht nach dem vermeintlich unverfälschten Landleben zu existieren. Umfragen zeigen, dass die Schweizer am liebsten im Dorf wohnen würden.

Die Werbung befeuert dieses Ideal nach Kräften. Geht es um landwirtschaftliche Produkte, greift man gerne zu Bildern von glücklichen Tieren auf pittoresken Kleinbauernhöfen. Produzenten und Grossverteiler sind gleichermassen an solchen Trugbildern beteiligt. Und ein Ende ist nicht in Sicht: Die Detailhändler verpassen ihren Läden zunehmend einen Touch von Bauernmarkt.

Die Realität sieht anders aus. Das Leben eines Huhns ist längst nicht so lustig wie jenes von Chocolate aus der einstigen Migros-Werbung. Selbst die «Freilandhaltung» findet überwiegend in riesigen Legehallen mit bis zu 18'000 Hennen statt. Oft erhalten sie kaum den gesetzlich vorgeschriebenen Auslauf. Gleiches gilt für Kühe und Schweine, auch sie leben meistens im Stall.

A coop with young laying hens which will begin to lay eggs in four weeks' time, pictured on June 3, 2013, in the free-range eggs production facility on the chicken farm of Paul von Euw in Oberglatt, canton of Zurich, Switzerland. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Ein Stall mit jungen Legehennen, die 4 Wochen vor Legebeginn sind, aufgenommen am 3. Juni 2013 in der Freiland-Eier-Produktion auf dem Gefluegelhof von Paul von Euw in Oberglatt, Kanton Zuerich, Schweiz. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Die Realität: So werden Freilandhühner gehalten. Bild: KEYSTONE

Viele Leute wissen um die Diskrepanz zwischen Werbung und Realität, blenden sie aber aus. Häufig zählt am Ende doch der Preis. Das gilt besonders in der Gastronomie, in der ein gnadenloser Konkurrenzkampf herrscht. Der Absatz von Bioprodukten nimmt Jahr für Jahr zu, aber selbst bei Eiern und Gemüse beträgt der Anteil nur rund ein Viertel.

Die enthornten Kühe

Politisch allerdings wird die Vorstellung eines vermeintlich unverfälschten, naturnahen Bauernlebens kräftig bewirtschaftet. Drei Volksinitiativen kommen in diesem Herbst zur Abstimmung, die mehr oder weniger ungeniert an solche Instinkte appellieren: Fair Food und Ernährungssouveränität am 23. September sowie die Hornkuh-Initiative am 25. November.

Letztere ist ein besonders schönes Beispiel. Oder kann sich jemand an eine Werbung mit hornlosen Kühen erinnern? Lovely aus der Milchwerbung jedenfalls ist eine prächtig behornte Kuh. Wer weiss schon, dass der Verband der Milchproduzenten seinen Mitgliedern das Enthornen empfiehlt, damit sich die Kühe in den engen Ställen nicht gegenseitig verletzen?

Geld für Hörner

Tierschützer kritisieren, dass bei rund 90 Prozent der Schweizer Kühe die Hörner entfernt wurden – ein krasser Kontrast zur Werbung. Man kann dem Bergbauern und Hornkuh-Initianten Armin Capaul deshalb ein gutes Gespür attestieren. Allerdings will er das Enthornen nicht verbieten, sondern eine Prämie zahlen für Bauern, die darauf verzichten. Und damit eine weitere Geldquelle für die ohnehin bereits hoch subventionierte Schweizer Landwirtschaft erschliessen.

Klage gegen Swissmilk

Video: srf

Einen anderen Weg geht die Fair-Food-Initiative der Grünen Partei. Sie will die Schweiz mit einem neuen Verfassungsartikel quasi zum Bioland machen, auch wenn das nicht so direkt formuliert ist. Man wolle «Lebensmittel aus einer naturnahen, umwelt- und tierfreundlichen Landwirtschaft mit fairen Arbeitsbedingungen fördern», halten die Initianten auf ihrer Website fest.

Teurere Lebensmittel?

Mit Slogans wie «Tierwohl statt Tierfabriken» richtet man sich an das Gewissen des Stimmvolks. Die Initiative hat gute Ansätze, etwa im Kampf gegen Foodwaste. Aber die Grünen riskieren, dass Lebensmittel teurer und preissensitive Konsumenten zum Einkaufstourismus verleitet werden. Auch drohen potenzielle Konflikte mit internationalen Handelsabkommen.

Einen nostalgischen bis rückwärtsgewandten Touch hat aber vor allem die Initiative «für Ernährungssouveränität» der Bauerngewerkschaft Uniterre. Sie lässt den Geist der Landesausstellung Landi 1939 in Zürich aufleben. «Jeder vierte Schweizer ist Bauer», hiess es damals stolz. Heute sind es noch rund drei Prozent, eindeutig zu wenig für Uniterre.

Mehr Bäuerinnen und Bauern

Der Bund solle «die Erhöhung der Zahl der in der Landwirtschaft tätigen Personen und die Strukturvielfalt» fördern, heisst es im Initiativtext. In der heutigen Zeit hört sich das wie grober Unfug an, aber die Gewerkschafter meinen es ernst. «Wir wollen mehr Bäuerinnen und Bauern und nicht weniger», sagte Uniterre-Vizepräsidentin Ulrike Minkner der Zeitung «Schweizer Bauer». Der Strukturwandel soll nicht nur gestoppt, sondern so weit möglich rückgängig gemacht werden.

Wenn Bauernregeln ehrlich wären

Fragt sich nur, was eine «Verballenbergisierung» der Landwirtschaft (O-Ton FDP-Präsidentin Petra Gössi während der Debatte im Nationalrat) zur Ernährungssouveränität beitragen soll. Die Schweiz muss rund die Hälfte ihres Lebensmittelbedarfs importieren, und das seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Sogar während der «Anbauschlacht» im Zweiten Weltkrieg blieb sie vom Ausland abhängig.

Die Initiative dürfte deshalb einen schweren Stand haben, auch wenn Uniterre im Abstimmungskampf das vermeintlich populäre Gentech-Verbot ins Zentrum rücken dürfte. Der Versuch der Gewerkschafter, die Agrarpolitik 2014–2017 des Bundes vor fünf Jahren per Referendum zu stoppen, scheiterte jedoch bereits im Stadium der Unterschriftensammlung.

Schwierig dürfte es auch für die beiden anderen Initiativen werden, obwohl der Bauernverband sie nicht bekämpfen wird und der neue Verfassungsartikel für Ernährungssicherheit im letzten Herbst klar angenommen wurde. Das Gotthelf-Idyll mag auf viele Menschen faszinierend wirken. Ihnen ist aber auch bewusst, dass es für die Landwirtschaft im 21. Jahrhundert nicht mehr taugt.

Deshalb solltest du ein Kuh für 400 Franken leasen

Video: srf

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 10.08.2018 05:59
    Highlight Ist der Bauernprotest berechtigt?

    Die Landwirtschaftsbetriebe haben im Zeitraum 1996 bis 2016 in der Schweiz um 34% auf 52‘300 Betriebe abgenommen (BFS). Das liegt im Rahmen des Generationenwechsels. Wenn die Strukturbereinigung in der Landwirtschaft in diesem sozialverträglichen Rahmen gehalten werden kann, sollten sich die Bauern nicht beklagen. Auch sollten sie stolz sein auf ihren Auftrag, die Biodiversität im Kulturland zu fördern.
    3 0 Melden
  • Paddiesli 09.08.2018 21:15
    Highlight Zur Horninitiative:
    Ich lese hier nur von Kosten, Subventionen, Kürzungen, Direktzahlungen, blablabla... GeldGeldGeld...
    Es geht erstmal um das Tierwohl und das dessen Recht auf Unversehrtheit und seine Würde bis zu seinem Tode in unseren Diensten.
    Denkt ihr echt alle nur ans Portemonnaie? 😕
    Es ist dasselbe Verbrechen, wie Hühnern die Schnäbel zu kappen und Ferkeln dir Schwänze zu coupieren.
    Wo ist die gelobte Verbundenheit der Schweizer zur Natur, mit der sich alle mit tollen Naturfotos auf Social Media brüsten?
    7 3 Melden
  • evasou 09.08.2018 17:18
    Highlight Wenn Grossverteiler ihren Ladenlokalen einen Touch von Bauernmärkten verpassen, heisst das nicht, dass Bauernmärkte falsch sind. Es heisst, dass Konsumentinnen und Konsumenten vorgegaukelt wird, eine nachhaltige und gesunde Nahrungmittelproduktion sei zu unanständig niedrigen Preisen zu haben.
    Ernährungssouveränität ist ein modernes Konzept für den Erhalt einer bäuerlichen Landwirtschaft. Die globale Nahrungsmittelproduktion hat derart groteske Züge angenommen, dass es ein neues Konzept dringend braucht. (600 Zeichen sind einfach zu wenig für eine Entgegnung!) JA zur Ernährungssouveränität!
    7 6 Melden
  • Geo1 09.08.2018 16:36
    Highlight Die Analyse mag für die Hornkuh- und die Ernährungssouveränitäts-Initiative zumindest teilweise zutreffen, nicht aber für die Fair-Food-Initiative. Mal abgesehen von ihren durchwegs berechtigten humanitären Anliegen liegt ihr ja gerade die Erkenntnis zu Grunde, dass die heutige Landwirtschaft mit ihren natürlichen Ressourcen (etwa dem Boden) nicht nachhaltig umgeht deshalb einer Transformation bedarf, um auch in Zukunft genügend Nahrungsmittel zu liefern. Sie ist also viel eher zukunftsgerichtet als rückwärtsgewandt. Ich werde sie auf jeden Fall annehmen!
    10 2 Melden
  • paysanne 09.08.2018 16:05
    Highlight Ich glaube an der Ernährungssouveränität ist nichts rückwärts gewandt - es geht um eine Landwirtschaftspolitik, die die Klimaziele erfüllt, die keine Menschenrechtsverletzungen zulässt bei Importwaren - die keine unnötigen Transporte will. Also, wir können entweder so weiter in die Wand fahren - oder wir überlegen uns, welche Importe nötig und wichtig sind und welche uns und anderen schaden. Wichtig wäre, dass die Schweiz nicht noch abhängiger wird - aber von Selbstversorgung steht nichts in der Initiative. Selber lesen lohnt sich....
    13 5 Melden
  • rodolofo 09.08.2018 14:11
    Highlight Die heutige Bio-Landwirtschaft ist doch nicht gleichbedeutend mit dem "Häämetli" draussen im "Chrachen" zu Gotthelfs Zeiten, mit den Verdingkindern und den verfaulenden Kartoffeln, während der grossen Hungersnot!
    Alle modernen Hilfsmittel (ausser Pestiziden, Kunstdüngern und der Gentechnologie, die man GANZ BEWUSST weglässt, weil sie mehr schaden, als nützen) stehen auch der heutigen Bio-Landwirtschaft zur Verfügung:
    - Landmaschinen
    - Bauten und Stallungen
    - Bio-Sorten, auf Resistenz, Qualität und Ertrag gezüchtet
    - Wetterbericht
    - Erkenntnisse aus der Wissenschaft
    - usw.
    Gotthelf ade!
    17 7 Melden
  • F4Fred 09.08.2018 14:04
    Highlight Die Schweizer Landwirtschaft verkommt zunehmend zu einem sehr teuren Hobby. Ein einfacher stimmungsmacher in politischen Debatten wie auch die Einwanderung oder das Militär. Das geforderte realitätsfremde Bild er Bauernhofidylle könnte ebensogut von schweiz Tourismus gezeichnet werden und ist bloss Teil einer von Klischees dominierten und von Nostalgie geprägten schweizer Identität die neu erfunden wird. Die romantisierung einer Vergangenheit, die es so nie gab.
    17 5 Melden
  • Meyer 09.08.2018 12:41
    Highlight Heute werden viele Lebensmittel hier in unseren Breitengraden verschwendet, weil daran Überfluss herrscht. Es gibt viele gute Gründe die Nahrungsmittel umweltverträglicher und tiergerechter zu produzieren. Für Alle, welche sich wieder darüber mokieren dass die Landwirte zu viel verdienen würden, nehmt bitte zur Kenntnis dass diese die geringste Marge am Produkt haben, welches konsumiert wird; der Handel nimmt viel mehr.
    Besser konsumieren, statt Mehr!
    11 2 Melden
  • Echo der Zeit 09.08.2018 11:18
    Highlight Mein Vater war im Frühling zwei mal in Frankreich an Tagungen von Landwirten in der nähe von Paris (ist schon Länger Pensioniert, aber immer noch sehr Aktiv und interessiert dabei) - Französische Bauern haben ihm Erzählt das im letzten Jahr die Ernte so schlecht war das sie gerade Saatgut und Dünger kaufen konnten, wenn dieses Jahr keine Gute Ernte kommt ist für viele vorbei - Eine ganz andere Welt wie es die Bauern in der Schweiz haben. Die Tragen dort viel grössere Risiken - Die Bauern sind nur noch Spielball von Wirtschaft und Politik - Ne Hungersnot wäre gar nicht mal so schlecht.
    7 9 Melden
  • Sauäschnörrli 09.08.2018 11:13
    Highlight In der Landwirtschaft gibt es doch nur zwei Modelle um auf dem Weltmarkt zu bestehen:

    Intensiv, mit viel Arbeitsstunden und Maschineneinsatz, was viel Umsatz bringt aber auch kleine Margen

    Extensiv, mit wenig Arbeitsstunden und Maschineneinsatz, was wenig Umsatz bring aber hohe Margen

    Und für beides ist die Schweiz aufgrund von Topographie, Betriebsgrössen, Schlaggrössen, Löhnen und Politik ungeeignet. Unsere Landwirtschaft wird also immer abhängig bleiben, dann sollten auch konkrete Wünsche der Konsumnenten aufgegriffen werden.
    8 1 Melden
  • Paddiesli 09.08.2018 11:05
    Highlight Wenn Tiger Nutztiere wären, würde man ihnen, Stand heute, nach einem Jahr die Krallen ziehen und die Reisszähne kappen. Gefüttert wird dann mit Hackfleisch.
    Es ist eine Tierverstümmelung.
    7 7 Melden
  • Makatitom 09.08.2018 11:00
    Highlight An und für sich ist die Hornkuhinitiative eine gute Sache, trotzdem werde ich sie ablehnen, und zwar weil sie falsch aufgegleist ist. Nicht die Bauern, die ihren Kühen die Hörner lassen, sollen einen Stutz mehr pro Jahr und Tier bekommen, sondern die Bauern, welche ihren Tieren die Hörner entfernen einen Stutz weniger pro Jahr und Tier. Laut $SVP muss nämlich gespart werden, damit die Trulla-Blocher in Zukunft nur noch 2 Promille Steuren zahlen muss, statt wie bis jetzt 4 Promille
    12 6 Melden
  • Der müde Joe 09.08.2018 10:44
    Highlight Ging es nur mir so, oder habt ihr auch beim lesen des Titels sofort an Klaus Zaugg gedacht?🧐😂
    10 1 Melden
  • SchweizAbschaffen 09.08.2018 10:42
    Highlight Fehlt noch was, damit es ist wie "früher", d.h. bis in die 80er Jahre des 20.Jhdt.:
    Verdingbuben,
    d.h. Kindersklaven und später Sklaven, die "Tubeli" waren, weil sie nie zur Schule durften, dafür aber ein Leben Lang ohne Lohn chrampfen mussten; und selbstverständlich immer die Dreckarbeit, die sonst keiner machen wollte.
    Das gehört auch zur Idylle unserer lieben schweizer Bauern.
    12 4 Melden
  • Borki 09.08.2018 10:31
    Highlight Zur Hornkuh-Initiative: Weiss jemand gesichert, ob zusätzliche Bundesgelder vorgesehen sind oder ob die heutigen Landwirtschaftsgelder einfach anders verteilt werden?

    32 10 Melden
    • peeti 09.08.2018 11:03
      Highlight Eine Initiative muss immer erst noch durch die Bundesversammlung umgesetzt werden. Deshalb:

      "Die Hornkuh-Initiative kann ohne zusätzliche Bundesmittel umgesetzt werden, nämlich mit einer Umverteilung innerhalb des bestehenden Agrarbudgets." https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/amtliches-bulletin/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=43310

      Wie gesagt: Ungewohnt schwacher Artikel.
      5 1 Melden
    • Paddiesli 09.08.2018 11:11
      Highlight Primär geht's doch um das Tierwohl und den Respekt vor dessen Integrität.
      2 4 Melden
    • Tikvaw 09.08.2018 11:49
      Highlight Geht es nach der Initiative sollen keine zusätzlichen Gelder ausbezahlt werden, sondern die bestehenden Subventionen umverteilt werden.
      Wie hoch die Entschädigung pro Tier sein soll, an welchen anderen Stellen gekürzt werden soll etc. ist unbestimmt und müsste danach vom Parlament etc. zuerst ausgearbeitet werden.

      Hier eine detaillierte "Stellungnahme" des Bundesrates:

      https://www.admin.ch/opc/de/federal-gazette/2017/1647.pdf
      7 0 Melden
    • Jol Bear 09.08.2018 18:45
      Highlight Die Finanzierung der Kuhhörnerbeiträge soll durch Umverteilung bisheriger Direktzahlungen erfolgen, also keine Erhöhung der Zahlungen. Die starke Bauernlobby im Parlament wird allerdings später, bei den Budgetfestlegung höchstwahrscheinlich alles daran setzen, den Direktzahlungsetat trotzdem zu erhöhen, dafür ist keine Volksabstimmung nötig.
      2 0 Melden
  • lofi 09.08.2018 10:15
    Highlight Zur Hornkuhinitiative: Im Artikel steht: "Und damit eine weitere Geldquelle für die ohnehin bereits hoch subventionierte Schweizer Landwirtschaft erschliessen." Das ist nicht ganz korrekt, da die Hornkuhprämie aus dem glechen Topf ausbezahlt würde wie die restlichen Direktzahlungen. Das heisst, bei einer Annahme der Initiative würden einfach andere Direktzahlungen gekürzt. BäuerInnen mit Kühen mit Hörnern bekämen etwas mehr, andere BäuerInnen etwas weniger.
    116 20 Melden
    • fcsg 09.08.2018 10:49
      Highlight In der Initiative steht nur, dass Bauern mit Kühen die Hörner, finanziell unterstützt werden sollen. Wie das geschieht, müsste das Parlament im Gesetz festlegen. So wie ich unser Parlament (und ihre Lobby) einschätze, werden die Direktzahlungen wohl kaum gekürzt, sondern einfach das Budget erhöht, um zusätzliche Entschädigungen für ungehörnte Kühe schaffen zu können.
      So etwas hat einfach nichts in der BV verloren.
      5 5 Melden
    • Matti_St 09.08.2018 11:29
      Highlight So wie ich das Parlament in der jetzigen Konstellation kenne, werden wahrscheinlich einfach die Gelder erhöht.
      5 4 Melden
    • walsi 09.08.2018 11:51
      Highlight Direktzahlungen ist einfach ein anderes Wort für Subventionen.
      5 2 Melden
    • Borki 09.08.2018 11:53
      Highlight Wir Nicht-Bauern bekämen also quasi einfach mehr für unser Geld. Nicht schlecht.

      Wenn ich draussen sehe, was alles unter dem Namen Landschaftsqualität Geld für die Bauern gibt! Da wären Hornprämien also gut angelegtes Geld dagegen. Weiden mit behornten Kühen sind für mich einfach schöner und heimeliger. Und das sehen die meisten Touristen sicher auch so...
      4 1 Melden
    • jjjj 09.08.2018 16:16
      Highlight Was sind Bäuer?
      0 3 Melden
  • peeti 09.08.2018 10:04
    Highlight Ein etwas kurzer und einfacher Abriss/Verallgemeinerung für drei teilweise sehr verschiedene Initiativen.

    Offensichtlich wünschen sich Konsumenten mehr Bio/Nachhaltigkeit/Regionalität whatever. Da macht es doch Sinn, wenn die Politik daran anknüpft und dafür schaut, dass es nicht nur in der Werbung danach aussieht sondern auch in der Realität.

    Das vorschnelle "Argument" - eigentlich gute Sache aber womöglich höhere Preise - finde ich sehr schwach. Vielleicht sinken die Biopreise bei höherem Angebot auch (Coop zb besizt auf Bioprodukten viel höhere Margen).
    92 32 Melden
    • PhilippS 09.08.2018 12:00
      Highlight Jeder Person steht doch frei, Bio- bzw. Fairtrade-Produkte zu kaufen, solche aus nicht nachvollziehbaren Quellen zu meiden. Dennoch steigen die Absätze nur langsam, Fristen die Produkte effektiv immer noch ein Nischendasein im Kontext zur Gesamtmenge.

      Werden diese Initiativen angenommen, zeigt das nur die schizophrene Haltung der Konsumenten. Im Inland Öko fordern, letztlich aber doch losgelöst von Saison, Tierwohl und Chemieeinsatz billig kaufen. Würden die Konsumenten heute schon so einkaufen, wie die Initiativen fordern, wären sie obsolet...
      7 1 Melden
    • lily.mcbean 09.08.2018 13:03
      Highlight "Offensichtlich wünschen sich Konsumenten mehr Bio/Nachhaltigkeit/Regionalität whatever.

      Wenn die Leute nachhaltiger einkaufen wollen müssten sie aufhören bei den grossen Detailhändlern einzukaufen. Weil, die drücken den Preis auf kosten der Produzenten und schmieren dann eine saftige Marche drauf- man schaue nur grad was sie mit Nestle anstellen. Und die sauteuren DNA Tests müssen jetzt auch wir Konsumenten zahlen, aufgrund von schweinereien die diese Branche selber zu verschulden hat!
      2 7 Melden
  • Herbert Anneler 09.08.2018 09:48
    Highlight Die Unterstellung der Retro-Haltung durch Peter Blunschy ist leider sachlich in keiner Weise haltbar. Hätte er z.B. nur mit Maya Graf gesprochen, sähe er vieles anders. Eine weniger industrielle, rein an Preis und Menge orientierte Landwirtschaft ist nicht nur ein Problem für Menschen und Natur, sondern auch der Bauern: Auf dem Weltmarkt kann der Schweizer Bauer mit Massenprodukten nicht mithalten - Zölle und Subventionen sind unausweichlich. Mit naturnahen W
    Qualitätsprodukten hingegen haben unsere Bauern weltweit Chancen: weniger Zollschutz, weniger Subventionen, glückliche Kunden und Natur!
    48 26 Melden
    • tomdance 09.08.2018 11:47
      Highlight Wenn wir anfangen, über KEINEN Zollschutz und KEINE Subventionen zu diskutieren, bin ich vielleicht zu einem JA zu überreden.
      5 4 Melden
  • Zahlenheini 09.08.2018 09:47
    Highlight Der Mythos der Selbstversorgung eines Landes ohne zentrale Rohstoffe nimmt schon fasz schizophrene Züge an. Oder werden Traktoren durch Schweizer Benzin betrieben?
    168 30 Melden
    • rodolofo 09.08.2018 14:18
      Highlight Es geht ja auch nicht darum, alles selber zu produzieren!
      Es geht lediglich darum, dass wir unsere LEBENSMITTEL möglichst nachhaltig produzieren und diese auch regional vermarkten.
      Klar können wir hier kein Benzin ernten!
      Aber vielleicht gibt es ja mal Elektro-Traktoren, die von Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden?
      Ein Schritt nach dem andern!
      Wenn wir uns jetzt nicht endlich in Richtung Nachhaltigkeit bewegen, sitzen wir (oder unsere Nachkommen) irgendwann ganz tief in der Scheisse!
      Und wir werden uns wünschen, es wäre Kuhmist und nicht radioaktiv verseuchter Sondermüll...
      9 2 Melden
    • pwidmer 09.08.2018 15:30
      Highlight Du hast Recht! Sogar mit dem Plan Wahlen war die Schweiz nie im Stand sich selbst zu versorgen. Der höchste erreichte Grad war kurz 70%, vorallem jedoch durch rigorose Rationierung
      3 2 Melden
    • Zahlenheini 09.08.2018 15:39
      Highlight Es geht vor allem darum, standortgerecht zu produzieren. Der Grenzschutz zwingt die Bauern regelrecht dazu, die Böden zu übernutzen. Schauen Sie sich nur die internationalen Vergleiche an. Die Schweiz kann und soll nicht alle Lebensmittel selber herstellen. Wenn Erdbeeren im geheizten Gewächshaus im Thurhau hergestellt werden, dann ist das zwar „ein regionales Produkt“, aber unter dem Strich ein grösserer ökologischer Unsinn als ein Import aus einem Land, wo Erdbeeren natürlich wachsen. Produkte aus der Region ist eben nicht immer gleich öko.
      4 1 Melden
    • rodolofo 09.08.2018 18:49
      Highlight @ Zahlenheini
      Ich habe Vorbehalte gegenüber Schweizer Tomaten. Die werden im Treibhaus gezogen, während sie in Italien in der Tomaten-Saison im Freiland wachsen, weshalb sie auch mit Transport ökologischer sind, als die Schweizer Tomaten.
      Solche Details kann man diskutieren!
      Auch ein Grenzschutz muss ja nicht sakrosankt sein!
      Wenn die Qualität von Lebensmitteln und die Öko-Bilanz von Lebensmitteln aus dem Ausland stimmt, dann soll auch weiterhin importiert werden.
      4 1 Melden
    • Zahlenheini 10.08.2018 11:23
      Highlight Da gebe ich Ihnen absolut recht. Und wahrscheinlich würden Ihnen auch viele Bauern zustimmen, welche von den Verarbeitern zur Überproduktion getrieben werden. Dabei gibt es gefährliche Doppelmandate von Personen wie Thomas Oehen, welcher gleichzeitig bei Emmi im VR sitzt, aber angeblich die Interessen der Milchbauern im ZMP vertreten soll. Dieser Sumpf an Interessen führt dann auf Kosten der Bauern dazu, dass Schweizer Butter in Saudi-Arabien zur Hälfte des Schweizer Preises entsorgt wird. Sobald mit Herren aus den Bauernverbänden über Importe gesprochen wird, gibt es einen Aufschrei.
      2 0 Melden
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 09.08.2018 09:46
    Highlight Danke, sehr gut geschrieben dieser Artikel.
    30 36 Melden
    • chleber 09.08.2018 11:18
      Highlight Da bin ich anderer Meinung:
      1. Die Umverteilung von Direktzahlungen durch Annahme derHornkuhinitiative wurde schon in anderen Kommentaren entlarvt.
      2. Die SMP empfehlen den Mitgliedern das Enthornen. Aber kein Wort darüber in diesem Artikel wieso. Schon einmal ein Auge gesehen, welches einem Bauern von einer Kuh entfernt wurde? Nicht? Ich schon. Dannach überlegen Sie es noch einmal.

      7 2 Melden
    • chleber 09.08.2018 11:20
      Highlight 3. Hornlosigkeit ist genetisch dominant und kann somit gezüchtet werden. Das Enthornen unter Narkose wird rapide abnehmen, da viele Milchbauern heute Stiere einsetzen, welche Hornlosigkeit vererben. https://de.wikipedia.org/wiki/Hornlosigkeit.
      4. Die Frage ist doch: was wollen die Schweizer für eine Landwirtschaft? Eine sozialverträgliche, umweltfreundliche und nachhaltige Bewirtschaftung der Flächen, welche auch noch Ertrag abwerfen soll, gibt es ganz einfach nicht gratis. Hier steckt Arbeit hintendran, welche im Hochlohnland Schweiz ganz einfach in Konkurrenz zu den anderen Branchen steht.
      9 1 Melden

Warum die Linke zu Unrecht des «Blocherismus» angeklagt wird

Der Kampf der Gewerkschaften und der SP gegen die Aufweichung der flankierenden Massnahmen ist moralisch und wirtschaftlich gerechtfertigt. Punkt.

«Seit der Finanzkrise sprechen alle von der Ungleichheit – aber niemand unternimmt etwas dagegen», seufzte einst der Ökonom Branko Milanovic in einem Interview mit watson. Er gehört zu den weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Einkommensverteilung. Seine legendäre «Elefantengrafik» hat aufgezeigt, wie der Mittelstand der entwickelten Länder unter der Globalisierung gelitten hat.

Milanovic ist nicht der einzige, der vor der wachsenden Ungleichheit warnt. Heerscharen von Ökonomen …

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