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Raphael Rotzer ist Mitglied der Partei national orientierter Schweizer (Pnos) und übernahm im Februar das Präsidium der lokalen Sektion der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV.
© Keystone/pnos.ch/Montage_az

Raphael Rotzer ist Mitglied der Partei national orientierter Schweizer (PNOS) und übernahm im Februar das Präsidium der lokalen Sektion der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV.  Bild: Keystone/pnos.ch/Montage_az

Krass: Rechtsradikaler präsidiert eine Sektion der Eisenbahn-Gewerkschaft

Ein Kader der rechtsextremen Kleinstpartei PNOS leitet eine lokale Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV im Zürcher Oberland. Seine Kollegen wussten von nichts.

Pascal Ritter / Nordwestschweiz



Für Raphael Rotzer ist das Jahr 2017 bislang ein Jahr des Anfangs. Am 25. Februar übernahm der Busfahrer der Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland das Präsidium der lokalen Sektion der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV.

Die rund 50 Personen, die sich im Restaurant Adler in Grüningen zur Generalversammlung eingefunden hatten, waren froh, dass der 32-Jährige sich zur Verfügung stellte. Nach dem kurzfristigen Rückzug eines anderen Kandidaten blieb nur er zur Wahl. So schildert es Urs Franzi, Busfahrerkollege und Kassier der Gewerkschaftssektion, auf Anfrage. Rotzer wurde still gewählt.

Alles andere als ein Mitläufer

Was laut Kassier Franzi im Restaurant Adler niemand ahnte: Raphael Rotzer ist ein Rechtsradikaler. Er ist Mitglied der Partei national orientierter Schweizer (PNOS). Die Minipartei will die Schweiz nach völkisch-nationalistischen Massstäben umgestalten und lehnt sich in Programmatik und Ästhetik an die Frontenbewegung der 1930er-Jahre an.

Die Fronten waren eine Schweizer Version der faschistischen Bewegung. Mitglieder der PNOS werden regelmässig wegen rassistischer Äusserungen verurteilt. In ihrem Umfeld tummeln sich gewaltbereite Neonazis.

«Es verträgt sich nicht mit unseren Werten, wenn ein SEV-Sektionspräsident gleichzeitig ein Funktionär der PNOS ist. Deren Werte stehen im krassen Gegensatz zu den unseren.»

SEV-Vizepräsidentin Barbara Spalinger

Busfahrer Rotzer ist in der PNOS alles andere als ein Mitläufer. Letzte Woche teilte die Partei mit, Rotzer sei nun Vizepräsident der neulancierten Zürcher Sektion. Der Kleinstpartei ist es bisher nicht gelungen, in Zürich Fuss zu fassen.

Nächster Schritt sei «die Installierung von fähigem Personal», so die Partei. Gewerkschafter Rotzer soll es richten. Vom offiziellen Bild lächelt er mit Glatze und Krawatte. Neben ihm steht die ebenfalls neu erkorene Präsidentin Jasmin Maeder.

PNOS-Mitgliedschaft «nicht gross rumerzählt»

Aufgefallen ist die unorthodoxe Ämterakkumulation des Herrn Rotzer dem Online-Magazin ajour-mag.ch. Während er für diese Zeitung gestern nicht erreichbar war, gab er dem «autonomen Magazin» Auskunft. Er habe seine PNOS-Mitgliedschaft «nicht gross rumerzählt», wird er zitiert. Zur Frage, ob Rotzer seine politischen Ansichten in die Gewerkschaft einbringen wolle, wirkt Rotzer widersprüchlich.

Zunächst sagt er, er wolle sich politisch zurückhalten. Die Sektion habe andere Sorgen. Dann wiederum sagt er, wie im SEV gehe es auch in der PNOS darum, «Leute zu unterstützen». Und er kritisiert die Arbeit seines Vorgängers. Passivität habe in der Sektion zu Langweile und Mitgliederschwund geführt.

Dass Rotzer noch Gelegenheit haben wird, die Gewerkschaftsarbeit wieder spannender zu gestalten, ist unwahrscheinlich. Die nationale Organisation der Gewerkschaft für Verkehrspersonal SEV distanziert sich auf Anfrage von ihrem Zürcher-Oberländer Sektionspräsidenten.

«Krasser Gegensatz»

«Für uns ist die Situation unhaltbar», sagt Vizepräsidentin Barbara Spalinger. «Es verträgt sich nicht mit unseren Werten, wenn ein SEV-Sektionspräsident gleichzeitig ein Funktionär der PNOS ist. Deren Werte stehen im krassen Gegensatz zu den unseren. Wir setzen uns gegen die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens ein, wohingegen die PNOS eine multikulturelle Gesellschaft als pervers ansieht.

Spalinger sagt, es habe in ihrer Gewerkschaft zwar Platz für verschiedene Meinungen, rechtsextreme Haltungen würden aber nicht geduldet.

SEV überlegt noch

Von Rotzers PNOS-Mitgliedschaft wusste auch die SEV-Führung bisher nichts, sagt Spalinger: «Und noch weniger, dass er eine Führungsposition hat.» Wie der SEV die Situation bewältigt, konnte Spalinger aber nicht konkret sagen. «Jetzt sind wir daran zu überlegen, welche Konsequenzen wir ziehen müssen», sagt sie.

In Rotzers lokaler Sektion soll an der nächsten Sitzung über seine parteipolitischen Vorlieben diskutiert werden. Mehr habe man beim besten Willen noch nicht unternehmen können, sagt Busfahrer und Gewerkschaftskassier Urs Franzi: «Ich habe das Wochenende im Schichtbetrieb durchgearbeitet.» Zudem weile ein Teil des Vorstandes gerade in den Ferien. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lowend 28.03.2017 11:00
    Highlight Highlight Zwar bedenklich aber irgendwie auch typisch, dass sich die Nationalen plötzlich dem Sozialen annehmen und so quasi zu sozialen Nationalisten oder ausgedeutscht zu Nationalsozialisten werden.
    • Juliet Bravo 28.03.2017 13:18
      Highlight Highlight Oh doch, Bürschtli, am Nationalsozialismus ist so einiges auszusetzen!
    • Lezzelentius 28.03.2017 13:20
      Highlight Highlight Nationalsozialismus als Begriff ist der Inbegriff der Heuchelei. Da ist nichts Ehrfürchtiges oder Bescheidenes, auch, wenn man es vom zeitlichen Kontext löst und isoliert als Bewegung oder Ideal betrachtet.

      Entweder man ist Sozialist oder Nationalist - es widerspricht sich zu sehr, als das man es verbinden könnte. Warum es dennoch getan wird? Heuchelei und Ablenken. Denn genau so kommt es zu Aussagen, wie, dass es in der Pnos um das Unterstützen von Leuten geht.

      Gehe nochmal über die Geschichtsbücher, Tipp-Ex. "Landesverratsozialismus" verwenden und von linker Volksmanipulation sprechen...
    • Liselote Meier 28.03.2017 13:26
      Highlight Highlight Am Nationalsozialismus ist nicht auszusetzen?
      Noch alle Tassen im Schrank?

      Diese völkisch, antisemitische, rassistischen, imperialistischen, nationalistischen Ideologie wurde zurecht auf die Müllhalde der Geschichte unter enormen Opfern geworfen!

    Weitere Antworten anzeigen
  • Tobias K. 28.03.2017 10:39
    Highlight Highlight Ein Gewerkschaftsvorsitz und eine Leaderrolle in der PNOS? Wahrlich ein kurioser Gegensatz. Das nächste Qualigespräch bei der VZO würde ich zu gerne miterleben.

    Als Arbeitgeber hätte ich wohl Mühe, wenn einer meiner Angestellten in einer extremen Partei wäre. Egal welche Richtung.
    • tipp-ex 28.03.2017 12:36
      Highlight Highlight Ein guter Unternehmer beschäftigt die Leute, die für das Unternehmen am besten sind & wahrt deren Recht auf eine freie Meinung.
    • Tobias K. 28.03.2017 13:43
      Highlight Highlight Richtig. Somit bleibt es der VZO auch vorbehalten, sich von einem Mitarbeiter zu trennen, der nicht ins Unternehmen und deren Philosophie passt. Glaube kaum, dass ein Verkehrsbetrieb ein Interesse daran hat einen PNÖSLER seinen multikulturellen Fahrgästen zumuten zu wollen. Und das verbreiten dieser braunen Pest jedesmal mit der freien Meinungsäusserung zu rechtfertigen lahmt langsam.
    • tipp-ex 28.03.2017 23:59
      Highlight Highlight du rechtfertigst dein glaube ja auch mit der freien meinungsäusserung. die ganze rassismus-hetze gegen heimatliebende schweizer lahmt schon länger.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Karl Marx 28.03.2017 10:08
    Highlight Highlight *profitiert
  • Karl Marx 28.03.2017 10:08
    Highlight Highlight Provitiert die Gewerkschaft jetzt vom lockeren Dchweizer Kündigungsschutz? Welch Ironie.
    • gesetzesbecher 28.03.2017 13:09
      Highlight Highlight Das Vereinspräsidentenamt ist wohl kaum eine bezahlte Arbeitsstelle, bei der überhaupt ein Kündigungsschutz bestehen würde.
  • reaper54 28.03.2017 10:01
    Highlight Highlight " Wir setzen uns gegen die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Glaubens ein"
    Aber freie Meinungsäusserung scheint offensichtlich ein Problem zu sein. Ich bin auch nicht auf der PNOS Linie aber in der Schweiz gilt, soweit ich weiss, die Meinungsfreiheit und man darf in der Politischen Partei sein in der man will.
    • EvilBetty 28.03.2017 12:19
      Highlight Highlight Darf er ja auch. Es wird ihm ja nicht verboten...
    • meglo 28.03.2017 12:22
      Highlight Highlight @reaper54: Ja, wir haben in der Schweiz Meinungsfreiheit. Das heisst aber nicht, dass mir jede Meinung gefallen muss. Mir ist zum Beispiel die Meinung von Leuten, die sich nicht zu blöd sind, die Hand zum Hitler-Gruss zu erheben, gelinde gesagt eher suspekt. Es ist ist zwar nicht verboten, PNOS Mitglied zu sein und auch deren Begrüssungsrituale sind es leider nicht. Es ist aber auch durchaus gestattet, aus dem Verhalten dieser Leute gewisse Schlüsse über ihre Intelligenz zu ziehen. Daraus folgt, dass man sich dann auch fragen darf, ob sie für bestimmte politische Ämter geeignet sind.
    • Mr. Spock 28.03.2017 12:31
      Highlight Highlight Und genau aufgrund dieser Meinungfreiheit darf die SEV der Meinung sein, dass ihr Präsident nicht einer extremen Partei angehören sollte!

      Hat aber eigentlich nichts mit Meinungsfreiheit zu tun und ja du darfst in der Partei sein in der du willst.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Carl Gustav 28.03.2017 09:46
    Highlight Highlight Tja
    Der Typ scheint auch neben der Strasse gerne Gas zu geben.
    Zu hoffen, dass er nicht für immer in der schlammig braunen Rechtskurve stecken bleibt...
    • Christian Mueller (1) 28.03.2017 11:53
      Highlight Highlight So wie Jörg Haider?

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