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Schweiz
Armee

Armee: Exzessiver Konsum der VBS-Spitze bleibt ungestraft

Frauen eingeflogen, 82 Einheiten Schnaps – Spesenexzess der Armeespitze bleibt ungesühnt

12.11.2018, 07:3112.11.2018, 07:47

2017 wurde der Oberfeldarzt Andreas Stettbacher wegen angeblichen Spesenexzessen vorübergehend freigestellt, gegen ihn wurde eine Untersuchung angeordnet. Es ging um teure Kosten für ein Weihnachtsessen: 32 Personen wurden für 15'000 Franken verköstigt.

Wie der Tages-Anzeiger berichtet, ist Stettbacher im Zuge dieser Untersuchung der Kragen geplatzt. Er packte gegen seine Vorgesetzten aus. Namentlich Daniel Baumgartner, heute Ausbildungschef der Armee, und den heutigen Armeechef Philippe Rebord belastete Stettbacher schwer.

Andreas Stettbacher, den Oberfeldarzt der Schweizer Armee
Packte aus: Andreas Stettbacher.bild: zvg

So soll Rebord Frauen und Freundinnen von Stabsoffizieren von verschiedenen Stützpunkten aus mit Helikoptern an Seminare eingeflogen haben. Zudem wurde bei den mehrmals jährlich durchgeführten Veranstaltungen bei Speis und Trank nicht gespart.

Regelmässig soll es dem Bericht zufolge bei Seminaren auch zu Alkoholexzessen gekommen sei. Einige Mitarbeiter sollen dermassen betrunken gewesen sein, dass sie am nächsten Tag nicht zur Arbeit erschienen. 

Korpskommandant Philippe Rebord, Chef der Schweizer Armee, spricht waehrend einer Medienkonferenz von die ersten 100 Tage als Chef der Schweizer Armee, am Montag, 10. April 2017 in Bern. (KEYSTONE/Ant ...
Philippe Rebord, seit Januar 2017 Chef der Schweizer Armee. Bild: KEYSTONE

Im Jahr 2015 soll Baumgartner, der damals noch Chef der Logistikbasis der Armee war, den Jahresrapport für eine halbe Million Franken organisiert haben. In den gemieteten Velodrome in Grenchen wurden 3500 Mitarbeiter und 500 Gäste geladen. Für musikalische Unterhaltung sorgte Fabienne Louves.

Armee fliegt kostenlos Trinkwasser auf die Alp:

Video: srf

Bericht bestätigt Anschuldigungen

Nachdem Stettbacher ausgepackt hatte, wurde er von Bundesrat Parmelin entlastet und das Verfahren eingestellt. Jedoch wurden Ermittlungen gegen Baumgartner und Rebord aufgenommen. Der Untersuchungsbericht, aus dem die jetzt veröffentlichten Details stammen, wurde im Dezember 2017 beim VBS eingereicht.

Die Armeespitze wollte diesen unter Verschluss behalten – warum, dürfte klar sein. Dank dem Einspruch des «Tages-Anzeigers» und «La Liberté» gelangte der brisante Bericht doch noch an die Öffentlichkeit.

Divisionaer Daniel Baumgartner, Chef LBA, spricht zu den Delegierten anlaesslich des Jahresrapports der Logistikbasis der Armee (LBA) am Samstag, 10. Januar 2015 im Velodrome in Grenchen. (KEYSTONE/Lu ...
Daniel Baumgartner.Bild: KEYSTONE

Jedenfalls bestätigten sich Stettbachers Aussagen. Der Bericht kommt mehrmals zum Schluss, dass «dem Grundsatz der Sparsamkeit zuwidergehandelt wurde».

Laut dem Tages-Anzeiger sollen an einem Abend im Jahr 2014 22 Militärangehörige und 6 Gäste «7 Bier, 82 Einheiten Spirituosen (1 Kaffee Zwetschgen Luz, 53 Appenzeller, 17 Grappa Barolo, 4 Scotch Whisky, 6 Vieille Prune Morin, 1 Williams Theiler Pianta), 10 Flaschen Weisswein, 12 Flaschen Rotwein» konsumiert haben – pro Person beliefen sich die Kosten auf 78.87 Franken. Dazu kamen noch das Essen und neun Zigarren. 

Zudem erlaubte Baumgartner für Weihnachtsessen der Militärspitze ein Budget von 250 Franken und mehr – pro Person. Die Kosten für die auch eingeladenen Partnerinnen und Partner trug ebenfalls der Steuerzahler. 

Massnahmen, aber keine Strafen

Erst nachdem der Untersuchungsbericht eingereicht worden war, wurde ein Spesenreglement erstellt. Der Transport von Begleitpersonen per Helikopter ist seither untersagt. Das Konsumverhalten wurde teilweise als kritisch bewertet. Aber da es vorher keine Richtlinien gab, konnten Rebord und Baumgartner auch nicht belangt werden – sie hätten nach einer «Art Tradition» gehandelt. 

Rebord habe sich bei der Untersuchung kooperativ gezeigt, Baumgartner jedoch nicht. Ihm droht zudem eine Disziplinaruntersuchung, da er über sein Armee-Budget vier Helvetia-Goldmünzen im Wert von je 1200 Franken bezog und an Mitarbeiter verschenkte – sowie eine an sich selber. Ein Strafverfahren braucht er aber trotzdem nicht zu fürchten, wie der «Tages-Anzeiger» weiter schreibt. Baumgartner wollte gegenüber der Zeitung keine Stellung beziehen. (vom)

Von dieser Geheimarmee wussten nicht einmal alle Bundesräte:

Video: srf

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136 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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oXiVanisher
12.11.2018 07:42registriert September 2015
Yay... Die beste Armee der Welt schwimmt anscheinend im Geld. Man sollte wohl doch endlich weniger Geld da rein stecken.
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Thomas_54
12.11.2018 07:55registriert November 2015
"..., da er über sein Armee-Budget vier Helvetia-Goldmünzen im Wert von je 1200 Franken bezog und an Mitarbeiter verschenkte – sowie eine an sich selber."
Äh hallo? Übermässig konsumieren und als Spesen abrechnen ist ja noch das eine, aber sich gleich auch noch persönlich bereichern...?
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Scaros_2
12.11.2018 07:36registriert Juni 2015
Man muss sich ja schon wundern. In Genf funktioniert das ganze mit den Spesen nicht. Hier in der Armee jedenfalls auch nicht. Aber in der Wirtschaft klapp es. Und warum? Weil es eben keine Steuergelder sind. Dort hat es teils (zu strenge) Kontrollen über die Ausgaben achtet jedoch peinlichst darauf das die Kosten nicht überbordern. Aber hier, genau so wie in Genf scheint es nicht möglich zu sein Kontrollmechanismen und Organe sowie Regeln zu installieren die das Kontrollieren. Und gerade beim Militär, diesem konservativen, trägen System ist das natürlich gleich 5x so schwer was umzusetzen.
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