Schweiz
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Fast vier Fälle pro Tag: Zahl der Kindesmisshandlungen bleibt konstant hoch



Im vergangenen Jahr sind in Schweizer Spitälern 1388 Kinder wegen vermuteter oder sicherer Misshandlungen behandelt worden. Die Zahl blieb damit auf hohem Niveau stabil. Auffallend ist der stark gestiegene Anteil von jugendlichen Täterinnen und Täter.

In fast jedem vierten gemeldeten Fall von Kindesmisshandlung war der Täter oder die Täterin jünger als 18 Jahre, wie die am Freitag veröffentlichte nationale Kinderschutzstatistik 2015 der schweizerischen Kinderkliniken zeigt. Die Fachgruppe Kinderschutz der Gesellschaft für Pädiatrie spricht von einem «starken Anstieg».

Kindsmisshandlung

45 Prozent der misshandelten Kinder sind jünger als sechs Jahre.
Bild: pixabay.com

Beim sexuellen Missbrauch sei der hohe Anteil von jugendlichen Täterinnen und Täter schon länger bekannt gewesen. Bei der körperlichen und insbesondere bei der psychischen Misshandlung sei der Trend jedoch «erstaunlich und neu».

Väter oder Mütter sind häufig Täter

Ebenfalls neu sei, dass die psychische Misshandlung mit über dreissig Prozent die häufigste an Kinderkliniken erfasste Missbrauchsform geworden sei. «Dies ist mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit den sehr vielen Fällen von häuslicher Gewalt zu sehen, wo Kinder mindestens indirekt mitbetroffen sind», schreibt die Fachgruppe Kinderschutz in einer Mitteilung.

Weiterhin fänden psychische und körperliche Misshandlung und Vernachlässigung im Grossteil der Fälle im Familienrahmen statt. Auch fast jeder zweite sexuelle Missbrauch werde von einem Familienmitglied begangen.

Fast ein Viertel aller misshandelten Kinder war gemäss der Statistik jünger als zwei Jahre alt, 45 Prozent der misshandelten Kinder sind jünger als sechs Jahre. Mit 43 Prozent Knaben und 57 Prozent Mädchen ist die Geschlechterverteilung sehr ähnlich wie in den vorangegangenen Jahren.

Vermehrter Missbrauch im armen Familien

Im Jahr 2015 sei ein Kind an einer schweizerischen Kinderklinik aufgrund körperlicher Misshandlung verstorben, schreibt die Fachgruppe Kinderschutz. Das Kind sei jünger als ein Jahr gewesen. Bei 250 weiteren Kindern unter einem Jahr sei die Diagnose Kindesmisshandlung gestellt worden, «womit der Anteil der sehr kleinen Kinder wiederum erschreckend hoch ist».

In jedem vierten Fall hat die Kinderschutzgruppe selber eine Gefährdungsmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde gemacht, genau so häufig war diese Behörde auch vorher schon eingeschaltet. Dies passe zu der Tatsache, dass die Kindesmisshandlung – abgesehen vom sexuellen Missbrauch – häufig in sozial benachteiligten Familien vorkomme.

Die nationale Kinderschutzstatistik erscheint im siebten Jahr in Folge. 2015 konnten die Daten von 20 von insgesamt 26 Kinderkliniken der Schweiz bearbeitet werden, was einem Rücklauf von 77 Prozent aller Kliniken entspricht. Wiederum haben alle grossen und mittelgrossen Kinderkliniken ihre Fälle gemeldet. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Andrea_Mordasini 31.05.2016 17:53
    Highlight Highlight Wer keine Erwachsenen schlägt, schlägt auch keine Kinder! Was für Erwachsene tabu ist, muss zwingend auch für Kinder sein. Wer Kinder misshandelt, muss bestraft werden. Belangt werden müssten jedoch auch die Mitwisser, die lieber feige, tatenlos und mangels Zivilcourage zu- bzw. wegschauen, statt einem Kind in Not zu helfen; wg unterlassener Hilfeleistung! Denn diese ist kein Kavaliersdelikt! Wer nichts gegen Übergriffe an Kindern unternimmt, macht sich mitschuldig. Denn Nicht Eingreifen bedeutet, dass Gewalt an Kindern toleriert wird, ok und salonfähig ist - und das darf nicht sein!
  • Andrea_Mordasini 31.05.2016 17:53
    Highlight Highlight Angst sollen unsere Kinder vor uns und möglichen Körperstrafen nie haben; im Gegenteil! Sie sollen deswegen nicht zu Lügnern werden, sondern uns stets vertrauen und alles anvertrauen dürfen, egal was sie plagt, sie auf dem Gewissen und angestellt haben. Es ist ans uns Erwachsenen, die Jüngsten dieser Gesellschaft vor Gewalt jeglicher Art (physisch, psychisch, sexuell) zu bewahren und zu beschützen. Das ist das Mindeste, das sind wir ihnen schuldig! Dass Kinder per Gesetz immer noch schlechter geschützt sind als die stärkeren Erwachsenen, darf nicht sein! Alles andere ist falsch und verkehrt.
  • Andrea_Mordasini 31.05.2016 17:52
    Highlight Highlight Wie sollen Kinder lernen, dass sie andere, Schwächere, nicht schlagen sollen, wenn sie vom xfach stärkeren, überlegeneren Erwachsenen geschlagen werden? Wie sollen sie Respekt haben vor ihnen, wenn diese ihnen respektlos begegnen und schlagen? Wie sollen sie Regeln und Grenzen respektieren, wenn ausgerechnet deren Eltern ihre körperlichen überschreiten + sie schlagen? Wir haben eine wichtige Vorbildsfunktion; wir müssen als gute Vorbilder + Beispiele voran. Denn uns + unser Verhalten, gutes wie schlechtes, ahmen die Kinder nach. Gewalt fördert bloss Gegengewalt und Angst, aber keinen Respekt.
  • Andrea_Mordasini 31.05.2016 17:52
    Highlight Highlight Diese Zahlen und Berichte schockieren mich, eine 2fache Mutter, zutiefst! JEDES misshandelte, missbrauchte, gequälte, geschlagene Kind ist eines zuviel! Wehr-, hilf- + schutzlosen Kindern Gewalt anzutun, ist feige, schäbig, schwach, erniedrigend, demütigend. Kinder möglichst gewaltlos zu erziehen, hat nichts mit antiautoritärer Kuschelerziehung zu tun, sondern mit Anstand + Respekt gegenüber den Kindern und Vernunft und gesundem Menschenverstand seitens der Eltern. Egal, ob aus Frust, Wut, Ärger, Überforderung oder gar Straf- bzw Erziehungsmassnahme: Gewalt ist + war noch nie eine gute Lösung!
  • pamayer 27.05.2016 15:01
    Highlight Highlight Au scheisse.
    Wer geschlagen wurde schlägt eher, wer missbraucht wurde wohl ebenso. Quasi endlosschleife.
    Und wenn's im familiären rahmen geschieht, ist's noch viel vertrackter.
    Und man muss davon ausgehen, dass die dunkelziffer sehr hoch ist. Las einmal eine ch Studie, die betr missbräuchen von 25% bei Mädchen und ca 15% bei knaben ausgeht. Eine erschreckende zahl.
    Aber eis a d'ohre het no niemertem gschadet.
    Genau. Oder?
  • WasWeißIchSchon 27.05.2016 14:58
    Highlight Highlight Nachtrag:
    P.S.: Natürlich habe ich leider keine Patentlösung parat und alles was mir in der augenblicklichen Wut "einfällt" ist natürlich zu"hart" und sicher auch zu undifferenziert.
  • WasWeißIchSchon 27.05.2016 14:56
    Highlight Highlight Ich kann nicht so viel Essen wie ich gerade Kotzen muss. Was zum Henker passiert eigentlich auf dieser Welt. Ja, es ist ein schockierendes Problem, ja es passiert Weltweit. Trotzdem möchte ich glauben das es in der Schweiz nie passiert (Naiv ich weiß)!
    Wenn wir nicht in der Lage sind die wirklich schwächsten und hilflosesten zu schützen...? die Spirale aufhalten: auseinander driften der Schichten, Verrohung der Gesellschaft, wenig Bildung, Armut (oft in einem Kausalzusammenhang), Gewalt... Dann sehe ich schwarz für unsere Zukunft, unserer Kinder und der Gesellschaft.
  • Menel 27.05.2016 14:07
    Highlight Highlight Als Mutter brechen einem solche Nachrichten das Herz. Es gibt in meinem Leben nichts, was mir näher steht als meine Kinder. Ich würde für sie alles in kauf nehmen. Die Vorstellung ihnen bewusst zu schaden ist undenkbar für mich. Was muss in einem Leben schief gelaufen sein, dass man so etwas seinen eigenen Kindern antuen kann?
  • Calvin Whatison 27.05.2016 12:50
    Highlight Highlight was für hohe, leide Zahlen !!! Verständnis kann man für so etwas nicht haben, obwohl es sicherlich Situationen gibt, wo eine Backpfeife angebracht wäre. Macht irgendwie nachdenklich, fassungslos / und sprachlos. Mir ist der Appetit zu essen ziemlich vergangen.
  • retofit 27.05.2016 12:36
    Highlight Highlight ...und immer, wenn man meint, es geht nicht mehr schlimmer, kommt's doch noch so. Wie können die Wehrlosesten der Wehrlosen in der Schweiz vier mal täglich misshandelt werden. Wie tief muss ein Mensch sinken?
  • Str ant (Darkling) 27.05.2016 12:04
    Highlight Highlight Werden mehr Fälle gemeldet als in der Vergangenheit oder ist die Zahl nicht zurückgegangen ?
    • pulcherrima* 27.05.2016 12:36
      Highlight Highlight das würde mich auch interessieren. Allerdings stelle ich es mir nicht allzu einfach vor, die Anzahl nicht gemeldeter Fälle zu ermitteln.

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