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Suizid eines Starkochs: Wurde Benoît Violier seine Leidenschaft für das Kochen zu viel? 



epa05138066 A picture made available on 01 February 2016 shows French-Swiss chef Benoit Violier posing for a photograph in the kitchen of the Restaurant de l'Hotel de Ville Crissier, in Crissier, Switzerland, 08 October 2012. In picture Violier presented the 'Cuisinier de l'annee 2013' (Chef of the Year in 2013) by the Swiss edition of the Gault Millau. According to reports on 01 February 2016, Violier, 44, has been found dead in his home. In December, his restaurant was named the best in the world.  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Bild: EPA/KEYSTONE

Am Tag nach dem Tod des Spitzenkochs Benoît Violier ist die Anteilnahme in der Waadt und der weltweiten Gastronomieszene gross. Mit dem Restaurant «Hôtel de Ville» in Crissier VD soll es weitergehen, auch in Gedenken an den Verstorbenen.

Die Betroffenheit in der Waadt ist gross. Nur sieben Monate nach dem überraschenden Tod des Spitzenkochs Philippe Rochat trauert der Kanton um dessen Nachfolger Benoît Violier. Er nahm sich im Alter von 44 Jahren am Sonntag das Leben.

Das ist auch ein schwerer Verlust für den Unternehmer André Kudelski, der am Restaurant in Crissier finanziell beteiligt ist: «Ich bin sehr sehr traurig», sagte er am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Das Leben bleibe ein Rätsel und sogar wenn man glaube, eine Person zu kennen, wisse man vielleicht nicht alles über sie. Wichtig sei, in die Zukunft zu schauen, sagte André Kudelski tief bewegt.

epa04626861 Andre Kudelski, president and CEO of Kudelski Group, speaks during a press conference about 2014 year results of the Nagra Kudelski Group, the world's leading provider of media content protection and value-added service technology, in Cheseaux near Lausanne, Switzerland, 19 February 2015.  EPA/LAURENT GILLIERON

André Kudelski
Bild: EPA/KEYSTONE

Ihm ist wichtig, dass das Restaurant nach dem Willen des verstorbenen Spitzenkochs weitergeführt wird, um Violier in einer konstruktiven Art und Weise zu gedenken. Seine Anteilnahme gelte der Frau und dem Sohn von Violier, sagte der Waadtländer Unternehmer.

Auch der Vorgänger von Violier und Rochat in Crissier, Frédy Girardet, zeigte sich tief betroffen über den Tod des Kochs. Der Kanton Waadt drückte ebenfalls seine Trauer über den Tod des Kochs aus. Violier war erst vor kurzem eingebürgert worden.

Auf der Spitze des Erfolgs

Er hatte 2012 mit seiner Frau Brigitte das Restaurant übernommen und wurde seither mit Lob überhäuft. Das «Hôtel de Ville» erhielt weiterhin drei Sterne des Guide Michelin und wurde vom Restaurantführer GaultMillau mit 19 von 20 Punkten ausgezeichnet. Im 2013 wurde Benoît Violier zum Koch des Jahres gekürt.

epa05138232 Flowers lie in front of the entrance of the restaurant 'Hotel de Ville' of late Swiss chef Benoit Violier in Crissier, western Switzerland, 01 February 2016. Swiss police said on 01 Febuary 2016, that 3-star chef Violier, 44, whose restaurant near Lausanne recently topped a list of the world's best, has been found dead of an apparent self-inflicted gunshot.  EPA/CYRIL ZINGARO

«Hôtel de Ville» – das beste Restaurant der Welt
Bild: EPA/KEYSTONE

Noch im Dezember schaffte es sein Restaurant an die Spitze der Liste von «mille tables d'exception» und wurde damit zur besten Tafel der Welt erklärt. Violier sagte vor Monatsfrist, dass das seine Mannschaft nur noch zusätzlich anspornen werde.

Auch in Frankreich war die Trauer am Montag gross. Bei der Verkündung der besten Köche durch den Guide Michelin France wurde eine Schweigeminute für den französisch-schweizerischen Doppelbürger abgehalten. «Die ganze Gastronomieszene weint, denn wir verlieren einen grossen Monsieur der Spitzengastronomie, einen Kollegen und Freund», sagte Spitzenkoch Christian Le Squer, Chef des Restaurant «Le Cinq» im Pariser Luxushotel «Georges V».

Das abrupte Ende des Lebens von Benoît Violier lässt die Welt der Gastronomie fassungslos zurück. Bei möglichen Erklärungsversuchen des tragischen Selbstmordes kommt auch der grosse Druck zur Sprache, der auf Spitzenköchen lastet.

Spitzenköche opfern dem Metier alles

ARCHIV – ZUM TOD DES WAADTLAENDER SPITZENKOCHS PHILIPPE ROCHAT STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG. - A gauche, le cuisinier Philippe Rochat, puis le cycliste Laurent Dufaux, et le cuisinier Gerard Rabaey photographie au depart de l'etape de Saviese lors du traditionnel Tour des Chefs, organise par l'interprofession de La Vigne et du Vin du Valais, qui s'est deroule ce dimanche 19 septembre 2004 du jeune federal. Cette competition cycliste a ete organisee pour la 10 eme fois avec la participation de quelque 40 chefs de cuisine de toute la Romandie, le parcours selectif de plus de 60 kms a conduit les participants a travers les vignobles et verger rhodaniens pour se terminer a Bluche. Cette annee, linvite surprise est le cycliste Laurent Dufaux qui vient de terminer sa carriere. (KEYSTONE/Olivier Maire)

Rabaey (rechts) mit Starkoch Rochat und Ex-Rad-Profi Laurent Dufaux.
Bild: KEYSTONE

«Man opfert diesem Metier alles», sagte am Montag der ehemalige Spitzenkoch Gérard Rabaey der Nachrichtenagentur sda. Er leitete früher das Restaurant «Le Pont de Brent» oberhalb von Montreux VD.

«Ich sah Benoît noch vor 15 Tagen», sagte Rabaey. Mit 44 Jahren schon zum Besten der Besten gewählt zu werden, sei eine Falle. Man kann nur schlechter werden. Benoît Violier habe sich darüber aber nicht den Kopf zerbrochen, sagte Rabaey.

Er kann sich noch gut an das dichtgedrängte und ermüdende Leben als Koch erinnern. Als Restaurant-Patron stand er dreimal pro Woche um 6 Uhr auf, um auf den Markt zu gehen. Vor 1 Uhr nachts kam er nicht ins Bett.

Ob für Benôit Violier seine Leidenschaft für das Kochen zu viel wurde? Eine Antwort weiss auch Gérard Rabaey nicht. Sicher ist aber: «Als ich 1998 meinen dritten Michelin-Stern erhielt, sagte mir meine Frau sofort, dass ich nicht mehr der gleiche sei.»

Wie alle Köche ist auch Rabaey voll des Lobes für Violier. «Wenn es einen vierten Michelin-Stern gäbe, hätte Violier ihn bekommen.» Er sei ein unglaublicher Perfektionist gewesen. (sda)

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