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Schweiz
Auto

Das taugen die Alternativen zur doppelstöckigen Autobahn

ARCHIVBILD ZUR MEDIENKONFERENZ DER ASTAG UND DES VERBANDES OEFFENTLICHER VERKEHR ZUM KABOTAGEVERBOT, AM DONNERSTAG, 3. MAI 2018 - A truck crosses a bridge of highway A9 in the Lavaux region near Pully ...
Der Bund überlegt sich den Bau einer doppelstöckigen Autobahn im Limmattal (Symbolbild).Bild: KEYSTONE

Das taugen diese 7 Alternativen zur doppelstöckigen Autobahn

Der Bund überlegt sich den Bau einer doppelstöckigen Autobahn. «Lieber die jetzige Kapazität besser nutzen», sagt ein Verkehrsexperte und bewertet für watson 7 Alternativen.
30.07.2018, 19:5831.07.2018, 11:14

Wer viel mit dem Auto fährt, der kennt es aus eigener Erfahrung: Jahr für Jahr steht man länger im Stau. Dass dies nicht nur auf einem subjektiven Gefühl beruht, belegen Zahlen des Bundesamts für Statistik. 2005 standen die Autos noch während ungefähr 11'000 Stunden auf Nationalstrassen im Stau, im vergangenen Jahr waren es bereits über 25'000 Stunden. Anders ausgedrückt: 2017 standen die Autos für eine Zeitspanne von drei Jahren still.

Diese Stau-Grafik ist deprimierend für jeden Autofahrer

Staubelastung
Bild: Bundesamt für Statistik

Und es ist keine Besserung in Sicht. Bis 2040 erwartet der Bund ein Verkehrswachstum von 20 Prozent. Bei dieser Zahl drängt sich die Frage auf: Wie weiter?

Der neueste Lösungsvorschlag kommt von Astra-Direktor Jürg Röhtlisberger. Im Interview mit der «NZZ am Sonntag» erzählt er, dass der Bund sich überlege, die A1 im Limmattal doppelstöckig zu führen. «So könnte etwa der Verkehr nach Zürich unten geführt werden und jener nach Bern oben. Oder die Lastwagen unten und die Personenwagen oben.»

Verkehrssoziologe Timo Ohnmacht von der Hochschule Luzern hat für den Vorschlag wenig Sympathien. Er kann nicht verstehen, warum der Bund jetzt vom Ausbau der Infrastruktur spricht. Denn: «Wer Strassen baut, wird Verkehr ernten», zitiert Ohnmacht eine Verkehrsplaner-Weisheit. Schlauer wäre es aus seiner Sicht, die Kapazität der bereits bestehenden Infrastruktur besser zu nutzen. So wie es das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) in seiner Langzeit-Planung eigentlich festhält.

Für watson beurteilt Verkehrsexperte Timo Ohnmacht das Potenzial von 7 Alternativlösungen.

Mobility Pricing

This photo taken Monday Jan. 2, 2006 shows the ramps of cameras and sensors that will monitor in and out-going traffic at the western entry to Stockholm City when the congestion-tax trial will starts  ...
Bild: AP

Die Idee

Kaum ein Vorschlag ist in der Bevölkerung so unbeliebt wie jener des Mobility Pricing. 64 Prozent hielten in einer Umfrage von Tamedia nichts von der Idee, dass Verkehrsteilnehmer, die zu Stosszeiten die Strassen benutzen, mehr zahlen sollen. 

Die Unbeliebtheit dieses Modells hält den Bundesrat nicht davon ab, mit der Einführung zu liebäugeln. Derzeit wird mit Rechnungsmodellen getestet, wie sich ein Mobility Pricing auf den Verkehr auswirken würde. 

So funktioniert die Staugebühr in Schweden.Video: YouTube/Transportstyrelsen

In einigen Ländern ist Mobility-Pricing bereits nicht mehr wegzudenken. So in Schweden: Die Städte Stockholm und Göteborg haben die sogenannte Staugebühr bereits vor einigen Jahren eingeführt. Mit Erfolg: Der Stau hat seit der Einführung der Gebühr abgenommen, wie eine Studie zeigt. 

Die Bewertung des Experten

Skala Lösungen Strassenverkehr
Bild: lea senn/watson

Für Timo Ohnmacht steht ausser Frage, dass Mobility Pricing auch in der Schweiz einen positiven Effekt hätte. Denn: «Wenn es teurer wird, zu Stosszeiten auf der Autobahn zu fahren, werden sich viele überlegen, ob sie nicht doch auf Randzeiten ausweichen können.»

Tempo 80 statt 120 auf der Autobahn

Traffic jam on the A1 motorway near Egerkingen heading towards Berne, photographed on June 30, 2016. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Stau auf der Autobahn A1..Stau auf der A1 bei Egerkingen richtung Bern am  ...
Bild: KEYSTONE

Auf der Autobahn sind wir uns gewohnt, dass der Tacho bis zu 120 km/h anzeigen darf. Doch das könnte bald der Vergangenheit angehören. Das Bundesamt für Strassenverkehr hat im Juli angekündigt, dass künftig Tempo 80 vermehrt zum Zug kommen könnte. Der Grund: Die positiven Resultate aus den Untersuchungen auf dem Autobahnabschnitt zwischen Thun und Muri bei Bern. 

Hat es auf der dortigen A6 viel Verkehr, so wird die Höchstgeschwindigkeit schrittweise von 120 auf 80 km/h reduziert. Diese Massnahme führt zu flüssigerem Verkehr, wie die bisherigen Messungen zeigen. Seit dem Beginn des Tests kam es statt zu Staus nur noch zu stockendem oder zähflüssigem Verkehr. Zudem haben die Autos insgesamt weniger lang für die Durchfahrt. Von Muri nach Thun Nord sparen sie durchschnittlich 26 Sekunden im Vergleich zu vorher ein. In der Gegenrichtung sind es 11 Sekunden.

Bewertung des Potenzials

Skala Lösungen Strassenverkehr
Bild: lea senn/watson

«Je geringer die Geschwindigkeit, desto geringer der Abstand zum vorderen Auto und desto mehr Kapazität hat die Strasse», sagt Ohnmacht. Das Tempo noch weiter zu reduzieren, lohne sich aber kaum. «Wenn die Automobilisten nur noch 60 km/h auf der Autobahn fahren dürften, würde ihnen nur langweilig und damit würde die Unfallgefahr steigen.»

Automatisiertes Fahren

Die Idee

Ausgereifte Technik kann vieles besser als der Mensch. Dazu wird in Zukunft auch das Autofahren gehören.

Astra-Chef Röthlisberger findet automatisiertes Fahren interessant, vor allem aus Sicherheitsüberlegungen, wie er in der «NZZ am Sonntag» sagt: «Die Fahrassistenz reduziert Fehler. Und weniger Unfälle heisst wiederum weniger Stau.» 

Bereits heute sind Fahrzeuge im Einsatz, denen man bei stockendem Verkehr das Fahren überlassen kann. Sie halten automatisch den Abstand zum vorderen Auto. Noch immer muss der Fahrer aber jederzeit bereit sein einzugreifen, falls es nötig wird.

Bewertung des Potenzials

Skala Lösungen Strassenverkehr
Bild: lea senn/watson

«Solche Assistenz-Systeme können die Kapazität einer Strasse massiv erhöhen», sagt Experte Ohnmacht. Vor allem wenn sie noch ausgereifter werden. «Autofahrer empfiehlt man üblicherweise, die Hälfte des Tachos als Abstand zum vorderen Auto zu haben.» Sprich 60 Meter bei 120 km/h. «Bei Fahrassistenten könnte sich dieser Abstand in Zukunft auf 20 Meter reduzieren und somit hätten ein Drittel mehr Fahrzeuge auf dem Streckenabschnitt Platz.»

Pannenstreifen als weitere Spur

Une voiture de la Police Cantonale Vaudoise se faufile alors que des voitures circulent sur trois pistes dont la bande d'arret d'urgence, BAU, sur l' autoroute Geneve - Lausanne, A1, au niveau de la s ...
Bild: KEYSTONE

Die Idee

Die Idee ist einfach, die Wirkung stark. Wenn bei starken Verkehrsaufkommen der Pannenstreifen als weitere Spur freigegeben würde, hätte eine zweispurige Autobahn auf einmal um einen Drittel mehr Kapazität.

Der Bund überlegt sich, ob er in Zukunft zumindest die Pannenstreifen im Bereich von Ein- und Ausfahrten frei gibt.

Bewertung des Potenzials

Skala Lösungen Strassenverkehr
Bild: lea senn/watson

Ohnmacht hält die Freigabe des Pannenstreifens für gefährlich, und gibt darum nur 2,5 Punkte. «Zwar würde die Freigabe zu flüssigerem Verkehr führen, doch auf Kosten der Sicherheit.» So hätten es Ambulanz und Polizei schwieriger zu Unfallfahrzeugen zu gelangen und im Falle einer Panne könnte man sein Auto nicht mehr einfach auf dem Pannenstreifen abstellen.

Fahrbahn für Fahrgemeinschaften

Die Idee

Was absurd klingt, gibt es in Kanada und den USA bereits. Ein Streifen nur für Fahrzeuge, in denen drei oder mehr Personen sitzen. Die sogenannte High-occupancy vehicle lane soll dazu anregen, Fahrgemeinschaften zu bilden. Denn in einem Auto sitzen in der Schweiz im Schnitt 1,6 Personen. Bei Pendler gar nur 1,1 Personen.

Bewertung des Potenzials

Skala Lösungen Strassenverkehr
Bild: lea senn/watson

Für den Verkehrsexperten hat die Idee vor allem dann Potenzial, wenn man sie mit der Pannenstreifen-Idee verbindet. Sprich: Jene Fahrzeuge mit drei oder mehr Insassen dürfen bei Stau oder stockendem Verkehr den Pannenstreifen nutzen. Es gebe aber Potenzial zum Missbrauch, sagt Ohnmacht. «In den USA werden teilweise Gummipuppen ins Auto gesetzt oder Obdachlose zum Mitfahren motiviert.»

Gratisparkplätze bei der Autobahnauffahrt

Parkplätze

Dieser Vorschlag hat SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger nach Bundesbern getragen. Ihr Vorstoss fordert, dass der Bundesrat die Voraussetzungen für mehr Gratisparkplätze an Autobahnauffahrten schafft. «Damit soll eine bessere Grundlage für Fahrgemeinschaften gebildet werden» und der Strassenverkehr somit entlastet werden. Der Bundesrat empfiehlt den Räten, den Vorstoss abzulehnen. Die Entlastungswirkung sei zu gering.

Bewertung des Potenzials

Skala Lösungen Strassenverkehr
Bild: lea senn/watson

Etwas positiver als der Bundesrat steht Ohnmacht diesem Vorstoss gegenüber. Doch auch er macht mit der Note 5 nicht das ganz grosse Potenzial aus. «Diese Parkplätze könnten aber tatsächlich einige Autofahrer zu Fahrgemeinschaften ab der Autobahneinfahrt motivieren», sagt Ohnmacht. Er verweist auf Deutschland, wo es solche Parkplätze bereits gibt. 

Ausbau des öffentlichen Verkehrs

ARCHIV - ZUR VERGABE DER SBB FERNVERKEHRSKONZESSIONEN STELLEN WIR IHNEN AM FREITAG, 4. MAI 2018, FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Eine EC-Zug unterwegs auf dem SBB Streckenabschnitt zwischen Aa ...
Bild: KEYSTONE

Die Idee

Ein attraktiver öffentlicher Verkehr soll die Pendler von der Strasse auf die Bahn locken und damit die Autobahnen entlasten.

Bewertung des Potenzials

Skala Lösungen Strassenverkehr
Bild: lea senn/watson

Dreistöckige oder längere Züge, einen engmaschigeren Fahrplan. Ohnmacht ist überzeugt – wird noch mehr Geld in den ÖV investiert, kann die Strasse entlastet werden. Doch auch hier droht ein Teufelskreis. Ohnmacht: «Investitionen in den ÖV führen zu mehr Passagieren und somit muss wiederum in den Ausbau investiert werden.»

Deshalb steigen diese Teenagers aus fahrenden Autos

Video: watson

Skurrile Strassenverkehrsregeln dieser Welt

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Skurrile Strassenverkehrsregeln dieser Welt
quelle: watson
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180 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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aglio e olio
30.07.2018 21:22registriert Juli 2017
Möchte Herr Ohnmacht eine Lanze für das Mobility Pricing brechen.

Wiedereinmal wird unterschlagen, dass die meisten Menschen sich nicht aussuchen können wann sie zur Arbeit müssen. Grade auch die einkommensschwächere Hälfte.
Das ist eine asoziale Idee.
51698
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itsnoton
30.07.2018 21:06registriert Juni 2014
"Wenn (...) der Pannenstreifen als weitere Spur freigegeben würde, hätte eine zweispurige Autobahn auf einmal um einen Drittel mehr Kapazität." Rechne! ;-)
33940
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salamandre
30.07.2018 21:06registriert März 2018
Es gibt ja gar keine Randzeiten mehr.
Nebst zweites Loch am Gotthard Viertes am Baregg, der doppelstöckigen Autobahn, könnt ihr zur selben Zeit noch mit dem Ausbau der Schienenkpazität beginnen. Und wenn ihr dann endlich mit alledem fertig seit feststellen, dass es leider immer noch nicht reicht. Burojobs gehöhren so weit wie möglich nach Hause. Für den Rest Swissmetro oder ähnliches. somit könnt ihr den Rest belassen wie er ist.
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