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Die haarsträubenden Fälle des Bachelors: Heute – Der Betrug

Es ist nicht spannender geworden. Darum müssen wir auch heute eine kosmetische Veränderung an diesem garstigen Bachelor-Stoff vornehmen: Der berühmteste Schweizer Detektiv Philip Maloney ermittelt. Denn im erlesenen Ladykreis befindet sich eine Betrügerin ...
13.11.2017, 21:5914.11.2017, 13:26
Angelina Graf
Angelina Graf
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Für die Hörspiel-Fans geht es hier zur Aufnahme

Tausend Dank geht an Francesca Rickli, die grandios die Titelmelodie singt und den Maloney spricht.

Für alle anderen: Hier das Skript

Draussen war es unangenehm heiss. Es mochte daran liegen, dass mich meine neue Klientin unbedingt in Marokko treffen wollte. Auf dem Weg zum Meer schwitzte ich die letzten Reste des Flugzeug-Whiskeys in mein Safari-Hemd – es stank grauenhaft. Sie hiess Julia und sah nach einer Autobraut aus.

Julia: «Mögen Sie Pferde? Wissen Sie, ich trage alle Tiere im Herzen.»

Maloney: «Und wer mistet darin aus? Haben Sie dafür auch einen Stalljungen?»

Julia: «Steigen Sie auf, wir machen einen kleinen Ritt. Gibt es etwas Schöneres, als am Meer entlang zu galoppieren, den Wind in den Haaren und das Pferd zwischen den Beinen zu spüren?»

Julia, vom Winde verweht, will Joel die Betrügerinnen vom Halse schaffen.
Julia, vom Winde verweht, will Joel die Betrügerinnen vom Halse schaffen.bild: 3+

Maloney: «Mir fallen da eine Menge schönere Dinge ein. Zum Beispiel kein Pferd zwischen den Beinen zu haben. Wir könnten uns stattdessen unter einen Baldachin legen und ich führe Sie in die Wonnen der menschlichen Zweisamkeit ein.»

Julia: «Sehe ich etwa so aus, als würde ich mich mit Männern wie Ihnen unter einem himmlischen Zierdach vergnügen?»

Julia schürzte empört ihre roten Gummibootlippen. Hinter uns kämpfte eine Frau in goldenen Sandalen mit ihrem aufmüpfigen Gaul. Der Wind trug ihr dümmliches Lachen bis an meine empfindlichen Ohren.

Julia: «In unserem Frauenkreis scheint es eine Betrügerin zu geben. Sie sollen herausfinden, wer im Wettbewerb um den Bachelor betrügt. Ich habe nämlich Grund zu der Annahme, dass eine der Ladys einen Freund zuhause hat. Das ist gegen die Spielregeln! Mitmachen dürfen nur verzweifelte Singles, die nach wahrer Liebe lechzen.»

Maloney: «Sie sprechen von dem Spiel, an dem das halbe Volk jeden Montagabend kollektiv vor dem Fernseher verblödet? Ich mag solche Aufträge nicht.» 

Julia: «Ich habe mich über Sie informiert. Sie übernehmen jeden Fall, wenn die Bezahlung stimmt. Und ich kann Ihnen geben, wonach sie verlangen.»

Sie wedelte siegessicher mit fünf frisch gepressten Hunderten vor meiner Nase rum. Ich nahm sie mürrisch entgegen. 

Julia: «Sprechen Sie zuerst mit meiner Konkurrentin Elena. Die Frau da hinten, der man das arme Pferd unter dem Hintern wegziehen sollte. Fühlen Sie ihr auf den Zahn.» 

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Aus Elena war nicht viel herauszubekommen. Sie griff sich nur unentwegt in ihr windiges Haar und rieb verführerisch an ihrem Schienbein, als handle es sich dabei um eine besonders schmackhafte Delikatesse. Dazu lachte sie dieses Lachen, das nach einer Kreuzung zwischen einem ramponierten Kolibri und einer Lyra aus mykenischer Zeit klang.

Sie erzählte mir von ihrem toten Bruder, mit dem sie meine Klientin ausstechen wollte. Julia ihrerseits hatte nämlich einen seligen Vater vorzuweisen, für den sie sogar schon mit einem Kuss vom umkämpften Junggesellen belohnt wurde. Es sah ganz danach aus, dass einem tote Verwandte in diesem Spiel einen Vorteil einbrachten. Und wer so viel Einsatz zeigt, der hat wohl kaum einen Freund, der zuhause auf einen wartet. 

Auf dem Weg zur Strandbar kam ich an einem Liegestuhl vorbei, auf dem ein unansehnlicher Mann in einer viel zu engen Badehose lag. Er brütete über einem Kreuzworträtsel.

Polizist: «Maloooney, was machen Sie denn hier? Fehlen Ihnen noch ein paar Wasserleichen für Ihre Versager-Sammlung?»

Maloney: «Ich liege wenigstens nicht auf der faulen Haut herum. Versuchen Sie etwa steuerfinanziert ihren bleichen, abgesessenen Körper zu bräunen?»

Polizist: «Ihre Sprüche gelangen nicht mal unter der marokkanischen Sonne zur Reife, Maloooney. Ausserdem bin ich in Ferienstimmung. Wir Beamten brauchen ab und zu ein paar freie Tage, sonst kollaborieren, ..., kollapieren, kollibrieren wir. Der Stress, Maloney, der Stress.»

Ich verliess ihn, bevor er mir von seinem neuen Buch berichten konnte. Meine Klientin sass schon an der Bar, nippte an einem Sektglas und schmachtete den Bachelor an.

Zwei Tierliebende unterhalten sich über Tiere.
Zwei Tierliebende unterhalten sich über Tiere.bild: 3+

Ich konnte nicht erkennen, was Julia an diesem Mann fand, er wirkte auf mich etwa so spannend wie ein leeres Aquarium. Und der marokkanisch anmutende Fahnen, den er trug, war bedauernswerterweise auch nicht in der Lage, seiner Person zu so was wie einem Charakter zu verhelfen. 

Julia: «Als meine erste Katze verstarb, hab ich mir zur Verarbeitung ihren Namen stechen lassen. Mephisto. Mein roter Teufel war das. So trage ich ihn immer noch bei mir.»

Der Bachelor: «Nanu, was für ein Zufall! Ich habe ebenfalls ein Tattoo meiner toten Katze auf dem Arm: ‹In ewiger Erinnerung an Minouche.›» 

Die Friedenstaube geleitet Minouche in den Himmel.
Die Friedenstaube geleitet Minouche in den Himmel.bild: 3+

Ich tat, was ich in solchen Situationen immer tue: mein Mittagessen geräuschvoll auf den Boden speien. Dann machte ich mich auf zur Villa, und klopfte an Marias Zimmer. Die Tür flog auf, und vor mir stand eine Frau in schwarzen Stiefeln, die ihr bis über die Knie reichten. In der Hand hielt sie eine Peitsche.

Maria: «Sie sehen aus, als könnten Sie ein paar Schläge vertragen. Soll ich Sie mit dem Strick fesseln oder bevorzugen Sie Handschellen?»

Maria fesselt für ihr Leben gerne.
Maria fesselt für ihr Leben gerne.bild: 3+

Maloney: «Danke, keins von beidem. Ich bin ein Freund der Freiheit. Allerdings bin ich auf der Suche nach Ihrem Freund. Wo kann ich ihn finden?»

Maria: «Für einen Schnüffler stellen Sie ziemlich lausige Fangfragen. Ich habe keinen Freund. Ich will Joels Herz erobern. Dafür würde ich allerdings gern meine neue Peitsche an Ihnen ausprobieren.»

Ich verliess das Zimmer fluchtartig und knallte auf dem Gang mit einer anderen Dame zusammen. Es tat höllisch weh. 

Dragana: «Chönd Sie nöd ufpassä, Sie Grobian! Ich muess hüt guet usgseh, weil ich vom Bätschelor ä Rosä wött übercho. Mit ainere ruinierte Frisur wird das aber nüt!»

Maloney: «Helfen Sie mir, die betrügerische Frau zu stellen, die sich zuhause offenbar einen Liebhaber hält – und der Junggeselle wird Sie für Ihre Dienste belohnen.»

Dragana mit gar nicht mal so lädierter Frisur.
Dragana mit gar nicht mal so lädierter Frisur.bild: 3+

Dragana, so hiess die junge Frau, überlegte kurz und nickte dann. Sie erzählte mir von einer Chelsea, die angeblich ganz und gar schmuddelige Fotos von sich an einen Mann sende, den sie als Schatz bezeichne. Das reichte mir. Zusammen machten wir uns auf zur Cocktail-Party.

Aus dem Augenwinkel sah ich einen Mann, der am Rande des Pools einen absonderlichen Tanz vollführte.

Polizist: «Die Welt ist aus den Fugen, Maloooney! Schauen Sie sich nur die jungen Dinger von heute an. Wie die sich bewegen! Keinen Sinn mehr für richtige Tanzschritte. Nur noch Gewackel und lüsternes An-Sich-Schmiegen. Ich dagegen war im Rumba-Kurs mit meiner Frau. Wollen Sie mal sehen, Maloney?»

Ich liess ihn stehen und schaute mich um. Der Bachelor prostete nichtsahnend seinen Ladys zu. Ich nahm ihn zur Seite und verriet ihm Chelseas dunkles Geheimnis. Die Angeklagte versuchte sich noch zu verteidigen, doch es half nicht viel.

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Chelseas dünne Verteidigungsrede: «Julia, du laberst nur Bullshit!»gif: 3+, watson

Chelsea: «Das isch nicht mein Liebhaber, das isch min bescht Kolleg!»

Maloney: «Und dem schicken Sie Nacktfotos? Eine solche Freundschaft wünsche ich mir auch!»

Polizist: «Chelsea. Sie sind umzingelt! Übergeben Sie sich! Auf der Stelle!»

Maria: «Soll ich meine Handschellen holen?»

Polizist: «Ruhe, jetzt. Ich fasse zusammen: Chelsea hat sich selbst ausgepeitscht, um dem Bachelor zu gefallen. Die koma, ... komo, ... kompro ... mittierenden Bilder davon hat sie ihrer Mutter geschickt, während Julia auf das Grab ihres Vaters schwor, sich niemals eine Tonne Make-up ins Gesicht geklatscht zu haben.»  

Joel war auch nach stundenlangem In-Sich-Gehen noch nicht restlos überzeugt von Chelseas Schuld. Aber er konnte ihr nach diesem Vorfall nicht mehr restlos vertrauen, weshalb er sie hochkant aus seiner illustren Runde schmiss. Chelsea ihrerseits kippte daraufhin den Inhalt ihres Sektglases über das Kleid meiner Klientin. Die Rache einer wahrhaften Lady.

So geht das NICHT!

Wie es wirklich war, zeigt uns Angelina in ihrem wunderbaren Video:

Video: Angelina Graf
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