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200 Lime-Trottinette warten auf Kundschaft. Und die Firma drangsaliert Interessierte, Strom zu spenden. ©Roland schmid

Elektro-Trotti-Betreiber Lime sucht in Basel «Juicer» – der Vertrag ist eher 😱😱😱

Nicht nur stehen die Elektro-Trottinette der Firma Lime quer in Basel herum, jetzt lockt der Betreiber auch noch Arglose in ein dubioses Vertragsgeschäft. Die Gewerkschaft ist alarmiert, sie sieht den nächsten «Fall Uber» bereits kommen.

Samuel Hufschmid / bz Basel



Sie kamen über Nacht und stehen seit einigen Wochen in der ganzen Stadt: die mietbaren Elektro-Trottinette der Firma Lime. Damit die aktuell 200 Fahrzeuge jeden morgen frisch geladen und gut über das ganze Stadtgebiet verteilt sind, beschäftigt die US-Firma mit Schweizer Ableger nach eigenen Angaben aktuell rund 20 Personen.

Nun aber sollen diese Angestellten durch Privatpersonen, sogenannte Juicer, ersetzt werden. Die Firma rekrutiert derzeit in Basel Interessenten mit aggressiven Methoden.

Die Personen werden angehalten, einen 33-seitigen Vertrag zu unterschreiben, in dem sie garantieren, dass sie als Selbstständige auftreten und «alleine für alle im Rahmen der Selbstständigkeit zu zahlenden Abgaben und Steuern einschliesslich Sozialabgaben und Versicherungen» aufkommen. Zudem muss der Unterschreibende bestätigen, dass er sich niemals als Mitarbeiter von Lime bezeichnen darf, und dass er den Vertragsinhalt verstanden hat.

Unia ortet perfide Masche

Mit welchen Beträgen er für das Einsammeln, Aufladen und Aufstellen der Elektro-Scooter verfügt wird, hält der Vertrag nicht fest. Roman Balzan, Europäischer Marketing-Manager von Lime, sagt: «Wir bezahlen die Privatpersonen mit 8 bis 18 Franken pro Ladezyklus. Wie viel genau wir bezahlen, wird in der App angezeigt und es ist abhängig, wie weit vom Juicer entfernt der Tretroller steht.» Balzan bestätigt, dass derzeit in Basel nach sogenannten «Independent Juicer» gesucht werde. In anderen Städten setze Lime bereits jetzt erfolgreich auf dieses System.

Thomas Leuzinger von der Gewerkschaft Unia sagt: «Wir wehren uns gegen sämtliche Plattform-Unternehmen, die mit ihrem digitalen Geschäftsmodell alles Risiko auf die Angestellten abwälzen, während sie die Gewinne einstreichen. Nach unserem Kenntnisstand handelt es sich bei Lime um ein Plattform-Unternehmen, das ähnlich wie Uber funktioniert. Dies, weil die Aufträge via Plattform verteilt werden, weil die Dienstleister eine eigene Infrastruktur anschaffen und entsprechend Investitionen tätigen müssen – ohne jegliche Garantie, diese auch amortisieren zu können.» Im Falle von Lime sei besonders perfid, dass die Nutzer nichts von diesen Verträgen mitbekommen, weil der direkte Kontakt zu den so beschäftigten Personen fehle.

Dass der Trottinette-Verleih auf Allmend in Basel überhaupt betrieben werden darf, hängt damit zusammen, dass das Amt für Mobilität neuerdings Verleihsysteme erlaubt, wenn diese «verhältnismässig wenige Velos, Scooter oder Trottinettes zur Verfügung stellen» und wenn die Betreiber gegenüber den Behörden schriftlich das Einhalten einiger Regeln bestätigen.

Nicht Teil dieser Regeln sind potenziell heikle Beschäftigungsverhältnisse, wie Projektleiter Martin Dolleschel auf Anfrage sagt. «Unser Austausch mit der Firma Lime beschränkte sich auf die Nutzung der Allmend. Wie sich die Firma intern organisiert und wie sie Personen vergütet, die für sie Mietfahrzeuge betreut, liegt in ihrer eigenen Verantwortung.»

Geld von Cayman Islands

Die Basler Behörden standen dabei – wie auch die bz – im Kontakt mit Marketing-Manager Balzan. Wer genau hinter der Firma «LimeBike Switzerland AG» mit Sitz im zürcherischen Wallisellen steckt, ist hingegen unklar. Im Handelsregisteramt ist ein salvadorianischer Staatsangehöriger aufgeführt, als Firmenadresse wird die Anschrift einer Gründungs-Dienstleisterin in Winterthur angegeben.

Das Aktienkapital von 100'000 Franken stammt von einer Holding mit Sitz auf den Cayman Islands. Das Geld wurde von einer im Kanton St. Gallen angemeldeten Person mit Vollmacht der «LimeBike Switzerland Holdings Limited» auf ein Konto der Bank Cler einbezahlt. Bekannt ist jedoch, dass Google und der Fahrdienstanbieter Uber diesen Sommer gemeinsam 335 Millionen Dollar in Lime investiert haben. (bzbasel.ch)

«oBikes sind der McDonalds der Velos!!»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hr. Döpfel 06.11.2018 13:51
    Highlight Highlight Da kann ich nur hoffen, dass denen niemand auf den Lime.. äh, Leim kriecht.
  • ThomasHiller 06.11.2018 10:16
    Highlight Highlight In meiner Stadt hat uns erst Obike einen Haufen Schrott auf öffentlichen Plätzen präsentiert und als die pleite waren (und ihre Schrotträder stehen zum Teil immer noch ungenutzt rum...) kam Mobike - mit der selben Masche und den gleichen Müll.
    Bei Bikesharing scheint die Vermüllung öffentlicher Flächen bisher keine Rolle zu spielen. Aber wehe, der Tisch eines Restaurants steht mal 3mm weiter auf öffentlichen Flächen...
  • Roterriese 06.11.2018 10:05
    Highlight Highlight Relevant
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  • Franz Vincent 06.11.2018 09:48
    Highlight Highlight Genau wie in den neuen South Park Folgen
    • themachine 06.11.2018 10:15
      Highlight Highlight Haha, wollte ich au gerade schreiben👍🏻
    • TheRealSnakePlissken 06.11.2018 11:56
      Highlight Highlight Die Limebiker wollen, dass Leute mit Lieferwagen und Vans die Trottis abends einsammeln, über Nacht aufladen und morgens an den Hotspots wieder aufstellen. Tönt eigentlich nach easy Nebenerwerb, hat aber viele Haken. Am Ende schauen die Juicer wahrscheinlich in die gleiche Röhre wie die Franchisenehmer von O-Bike. 😭
  • Uslandschwiizer 06.11.2018 09:48
    Highlight Highlight Sehe das Problem nicht ganz - ein Elektroscooter ueber Nacht aufladen ist weiss Gott kein fulltime job liebe Unia.
    Ich sehe das ganz praktisch - zB koennte man mit dem Scooter vom Geschaeft nach Hause fahren, an die Steckdose, am Morgen wieder ins Geschaeft und schon hat man ein kleines Zubrot verdient und hat einen gut planbaren Arbeitsweg am Morgen, ohne Scooter-Suche, Stau oder vollen OeV. Win-Win.
    • gupa 06.11.2018 10:55
      Highlight Highlight Und dieses "Zubrot" versteuerst du dann? Oder ab wie vielen geladenen Akkus musst du es versteuern?
    • El Vals del Obrero 06.11.2018 14:38
      Highlight Highlight Die Arbeit an sich ist ja auch nicht das Problem, sondern nur die Vertragsbedingungen, sprich die Scheinselbstständigkeit.
    • El Vals del Obrero 06.11.2018 19:19
      Highlight Highlight Eine Lösung könnte vielleicht sein, dass man das nicht als "Arbeit" deklarieren könnte, sondern als Teil des Dienstleistungsvertrag der Ausleihe. Wer ein Mietauto ungetankt zurückbringt, zahlt ja auch mehr, als wenn man zuvor volltankt, ohne dass das als Arbeit gilt.

      Also könnten sie eine Regelung machen "Wer das Trotti nach 17:00 ausleiht und vor 8:30 Uhr wieder freigibt und es zuhause voll auflädt, zahlt keine Mietgebühr."

      Das wäre sogar sicher auch für den Anbieter günstiger und gäbe keine arbeits-/firmenrechtliche Probleme.
  • Skater88 06.11.2018 09:40
    Highlight Highlight Naja wer auf sowas reinfällt ist ein wenig selber Schuld, heutzutage kann man googeln, rundum fragen, es gibt Beratungsstellen....
    • peeti 06.11.2018 10:21
      Highlight Highlight ..oder es gibt dafür eben auch die Gewerkschaften, die im ganzen Hype um diese "disruptive Technologien" auch mal genauer hinschauen. Nicht alle Menschen haben das nötige Wissen, einen 30-seitigen Vertrag zu verstehen. Oder die finanzielle Freiheit, bei mögl. Unsicherheiten Nein zu sagen.
      Und Beratungsstellen werden dann leider erst im Nachhinein aufgesucht.
    • Dominik Treier (1) 06.11.2018 11:50
      Highlight Highlight Und wenn irgendwer im Zuge der Modernisierung unseres Sozialstaates die nötige finanzielle Freiheit schaffen will (siehe Grundeinkommen), sind die erzkonservativen Selbverantwortungsschreier schon zur Stelle, weil sie um ihre Zwangsleibeigenen fürchten...
  • Against all odds 06.11.2018 09:31
    Highlight Highlight Braucht die Welt wirklich Elektro-Trottinets?
    • pascii 06.11.2018 10:20
      Highlight Highlight SO LÄSSIG!

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