Schweiz
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ARCHIVE --- VOR 70 JAHREN, IN DER NACHT VOM 19. AUF DEN 20. DEZEMBER 1947, EXPLODIERTE IN DER NAEHE VON BLAUSEE-MITHOLZ IM BERNER OBERLAND EIN MUNITIONSLAGER DER SCHWEIZER ARMEE. ES HANDELTE SICH UM EINE DER GROESSTEN EXPLOSIONEN WELTWEIT, DIE NICHT DURCH ATOMWAFFEN VERURSACHT WURDEN. NEUN MENSCHEN KAMEN UMS LEBEN UND UEBER 40 WOHNHAEUSER WURDEN ZERSTOERT. DIE DORFBEWOHNER ERHIELTEN MIT HILFSGUETERN AUS DER GANZEN SCHWEIZ GROSSE UNTERSTUETZUNG --- Helfer durchsuchen ein durch die Explosion komplett zerstoertes Gebaeude in Mitholz im Kandertal, aufgenommen im Dezember 1947. In der Nacht auf den 20. Dezember 1947 vernichteten drei gewaltige Explosionen die 7000 Tonnen Munition, die in einem Depot oberhalb von Mitholz-Blausee eingelagert waren. Nach dieser Katastrophe sah Mitholz wie ein vom Krieg verwuestetes Gebiet aus. Neun Menschen waren in ihren Haeusern umgekommen, sieben zum Teil schwer verletzt worden. Ueber 200 Menschen wurden obdachlos. Mehr als 100 Gebaeude wurden zerstoert oder beschaedigt. Die Ungluecksursache konnte nie restlos geklaert werden. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Walter Studer)

Vor 71 Jahren explodierte das frühere Muntionsdepot der Armee in Mitholz im Kandertal. Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Risiko für Bevölkerung von Munitionslager Mitholz «nicht akzeptabel»



Vom ehemaligen Munitionslager der Armee in Mitholz im Berner Oberland geht ein für die Bevölkerung nicht akzeptables Risiko aus. Eine am Montag publizierte Zweitbeurteilung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) bestätigt die Einschätzung des VBS.

Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) war 2018 in einer Risikoanalyse zum Schluss gekommen, dass vom 1947 bei einer Explosion verschütteten Munitionslager der Armee in Mitholz BE eine grössere Gefahr ausgeht als bisher angenommen. In den eingestürzten Anlageteilen und im Schuttkegel liegen noch rund 3500 Bruttotonnen Munition mit mehreren hundert Tonnen Sprengstoff.

ACHTUNG REDAKTIONEN - SPERRFRIST BIS 19 UHR

Bundesrat Guy Parmelin spricht mit Medienvertreter. Behoerden informieren ueber neue Erkenntnisse zum ehemaligen Munitionslager Mitholz, am Donnerstag, 28. Juni 2018 in Mitholz im Kandertal. In der Nacht vom 19. auf den 20. Dezember 1947 ereignete sich eine Explosionskatastrophe, als in einem Munitionslager der Schweizer Armee oberhalb von Mitholz in der Gemeinde Kandergrund in der Schweiz eine Reihe schwerer Explosionen erfolgte. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Der damalige VBS-Chef Parmelin informierte 2018 über die Risiken des Muntionslagers. Bild: KEYSTONE

Als zuständige Fachstelle in der Störfallverordnung überprüfte das BAFU nun die Risikoanalyse des VBS. Für die Begutachtung des «sehr komplexen» Mitholz-Dossiers zog das BAFU externe Experten des deutschen Fraunhofer-Institutes für Kurzzeitdynamik bei.

VBS-Szenarien «plausibel»

Das Fraunhofer-Institut prüfte zuerst die Szenarien des VBS und «befand diese für plausibel», schreibt das BAFU. Das VBS war von zwei möglichen Szenarien ausgegangen: einer kleineren Explosion (eine Tonne Sprengstoff TNT), die alle 300 Jahre auftreten könnte und einem grösseren Ereignis (10 Tonnen TNT) alle 3000 Jahre.

Die deutschen Fachleute prüften auch noch andere Szenarien, «um die Bandbreite der möglichen Gefährdungen abzustecken.» Nach Ansicht der Experten könnte als Obergrenze auch noch ein 20-Tonnen-Szenario mit einem anderen Ereignisablauf möglich sein.

Laut BAFU zeigen die Berechnungen insgesamt ähnliche Risiken wie bei den VBS-Szenarien, die Gefährdungsbereiche könnten räumlich aber anders verteilt sein. Diese Erkenntnisse seien in der Massnahmen- und Notfallplanung zu berücksichtigen und das Risiko «mindestens in den akzeptablen Bereich zu senken».

Bevölkerung direkt informiert

Das VBS sieht sich durch die BAFU-Beurteilung in seinen Arbeiten zur Risikominderung bestärkt, wie es seinerseits mitteilte. Die bereits eingeleiteten Massnahmen hätten sich als richtig erwiesen. Die Bevölkerung wurde am Montagabend in Mitholz über das Gutachten und dessen Folgen informiert.

Zur Erarbeitung von Massnahmen setzte der Bund im August 2018 ein Expertenteam ein. Es soll bis 2020 nach Möglichkeiten suchen, das Risiko einer neuen Explosion zu beseitigen oder zumindest zu senken.

Als Grundlage für weitere technischen Untersuchungen wurde ein digitales 3D-Modell erstellt. Die Experten von armasuisse führten zudem laufen Untersuchungen an einzelnen Munitionsstücken durch.

Das VBS prüft auch den Einsatz eines Roboters oder ferngesteuerten Baggers zur Bergung der verschütteten Munition, wie es anfangs Jahr bekannt machte. Ein Prototyp könnte in ein bis zwei Jahren vorliegen.

Zudem wurde die Überwachung des Munitionslagers verstärkt - mit Video- und Wärmebildkameras sowie Sensoren, die austretende Gase messen. Die Bevölkerung erhielt ein Merkblatt für den Fall einer Explosion oder einer Evakuierung.

Notumfahrung geplant

Der Kanton Bern erarbeitete eine Notfallplanung und gab Ende 2018 bekannt, dass er eine einspurige Notumfahrung plant. So soll ein bestehender Flurweg links der Kander zur asphaltierten Strasse ausgebaut werden. So könnten nach einer Explosion auch Lastwagen und Busse das Schadengebiet umfahren.

1947 vernichteten drei grosse Explosionen etwa die Hälfte der in Mitholz eingelagerten 7000 Bruttotonnen Munition. Neun Menschen starben, als herumfliegende Felsbrocken Häuser trafen, sieben Menschen wurden verletzt und 200 verloren ihr Obdach.

Bei einer Informationsveranstaltung vom Herbst 2018 machten die heutigen Einwohnerinnen und Einwohner von Mitholz deutlich, dass sie eine vollständige Räumung des Munitionslagers erwarten. (sda)

Aktuelle Polizeibilder: Autofahrerin fährt in Coop Terrasse

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • moimoimoi 16.04.2019 08:35
    Highlight Highlight Headline: "Risiko für Bevölkerung von Munitionslager Mitholz «nicht akzeptabel»"

    Ohne auf den Inhalt des Artikels einzugehen: Wer ist die Bevölkerung des Munitionslagers? Wer lebt da drin?
    • Blitzmagnet 16.04.2019 09:19
      Highlight Highlight Haha, I like.
  • Käpt'n Hinkebein 16.04.2019 08:07
    Highlight Highlight Mich würde interessieren, warum noch rumliegenden 3500 Tonnen (!) Munition nicht bereits in den vergangenen 70 Jahren seit der letzten Explosion beseitigt wurden. Weiss da jemand mehr?
  • heul doch 16.04.2019 07:24
    Highlight Highlight bei der menge an sprengstoff ist die angst der anwohner gut nachvollziehbar. eine vollständige räumung kann ich mir nur schlecht vorstellen. zu viel risiko und aufwand wird es wohl im abschlussbericht heissen 🤷‍♂️

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