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Immer häufiger vergehen sich Kinder und Jugendliche an Gleichaltrigen. (Symbolbild) Bild: shutterstock

Sexualtäter werden immer jünger – die Delikte immer schlimmer



Am Freitag gab die Luzerner Polizei bekannt, einen 14-Jährigen verhaftet zu haben. Er soll sexuelle Übergriffe gegen fünf Mädchen verübt und diese «teilweise massiv tätlich angegangen und über der Kleidung im Genitalbereich angefasst haben».

Solche Übergriffe gelangen aber selten an die Öffentlichkeit. Jugendstrafverfahren werden zum Schutz der Beteiligten nicht publik gemacht. Die neue Kriminalstatistik belegt aber, dass jener Vorfall in Luzern bei weitem kein Einzelfall ist.

Kinder vergewaltigen Kinder

727 Minderjährige wurden letztes Jahr wegen eines Sexualdelikts beschuldigt, berichtet die SonntagsZeitung. Fast die Hälfte der Verzeigten war noch keine 15 Jahre alt. Zu Erhebungsbeginn 2009 waren es erst 455 Anzeigen.

Meist geht es um den Besitz und die Verbreitung von illegaler Pornografie. Wegen den technischen Möglichkeiten könne jedes Kind auf das Internet zugreifen, sagt Ronald Lips von der Berner Jugendanwaltschaft.

PDAG-Chefarzt Josef Sachs im Park der Klinik Koenigsfelden in Windisch. Aufgenommen zur Pensionierung am 27. August 2015.

Josef Sachs. Bild: THE

Aber dabei bleibt es oft nicht. «In der Regel steigt mit der Zeit das Bedürfnis nach härteren Inhalten», sagt Gerichtspsychiater Josef Sachs. Diese würden die Hemmschwelle senken. «Bei gewissen Jugendlichen so weit, dass sie selbst sexuelle Gewalt ausüben.»

Tatsächlich nehmen laut SonntagsZeitung auch schwere Sexualverbrechen durch Kinder zu. 53 Anzeigen gegen Minderjährige gab es im letzten Jahr wegen Vergewaltigung, so viele wie noch nie. Hinzu kamen 167 jugendliche Beschuldigte wegen sexuellen Handlungen mit Kindern. Das sind mehr als alle über 50-jährigen Verzeigten zusammen.

König des Glam-Rock wegen Pädophilie verurteilt:

«Tendenz zur Verjüngung»

Enrico Violi, Gewaltbeauftragter der Zürcher Bildungsdirektion, spricht von einer «Tendenz zur Verjüngung». Vergingen sich vor 15 Jahren mehrheitlich Erwachsene an Kindern, würden heute solche Delikte vermehrt von «Gleichaltrigen aus dem persönlichen Umfeld» ausgeführt.

Auch Violi sieht die Ursache dafür bei der Pornografie: «Sie vermitteln ein verzerrtes Bild von Sexualität: Der Mann ist aktiv, die Frau hält hin.» Dadurch würde auf beiden Seiten ein falsches Rollenverständnis entstehen.

Wie kann sexueller Missbrauch verhindert werden?

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Video: srf/SDA SRF

Eltern in der Pflicht

Minderjährige Straftäter – über zehn Jahre alt – können mit bis zu vier Jahren Freiheitsentzug belangt werden. Laut der SonntagsZeitung ist es aber schwierig, Sexualdelikte zu beweisen. Dabei stellt sich immer die Frage, ob es sich um «einseitige Gewalt» oder «gegenseitige Experimente» handelt.

Gemäss Jugendanwältin Alexandra Ott Müller von der Jugendanwaltschaft Winterthur ist «der Schutz und die Erziehung straffällig gewordener Jugendlicher das oberste Ziel des Jugendstrafrechts». Minderjährige Straftäter werden genau abgeklärt und mit Sanktionen belegt, damit sich Taten nicht wiederholen.

Ott Müller sieht aber besonders die Eltern in der Pflicht: «Eine gute, altersadäquate und laufende Aufklärung sowie ein bewusster Umgang mit Social Media sind wichtige Mittel. Sexualität sollte heutzutage wirklich kein Tabu mehr sein.»

Ein Verbot gegen Pornografie findet Violi nicht sinnvoll, da Jugendliche immer einen Weg finden, dieses zu umgehen. Viel mehr sei es wichtig, dass junge Menschen «Inhalte einschätzen können». Deshalb wurde im Kanton Zürich das Projekt «Herzsprung» ins Leben gerufen.

Durch das Präventionsprogramm werden Jugendliche ab 14 Jahren «über Geschlechterbilder, Sexualität und darüber, was Grenzüberschreitungen sind» aufgeklärt. Mittlerweile steht «Herzsprung» allen Kantonen zur Verfügung. (vom)

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • mbr72 31.03.2019 20:42
    Highlight Highlight Ein gequirlter Mist sondergleichen... einmal waren es Bücher, Rock‘n Roll, VHS-Filme, jetzt das Internet...
    Unfähige Erzieher (allen voran Eltern), Wirtschaftsführer und Politiker, welche ja ein ach so tolles Vorbild abgeben, machen es ja vor („hey, just grab their pussies“)... ne, schon klar, suchen wir einfach die „Ursache“, welche die beste Zielscheibe abgibt. *eyeroll*
  • Effersone 31.03.2019 19:09
    Highlight Highlight Ich behaupten jetzt einfach mal, dass es nicht an den Pornos liegt, sondern an den Personen die diese Konsumieren. Aber den Pronos die schuld zu geben ist natürlich einfacher und wesentlich unproblematischer.
  • beaetel 31.03.2019 17:12
    Highlight Highlight Hört doch auf bei 15 Jährigen von Kindern zu reden. Das sind Pubertierende, auf dem Weg erwachsen zu werden.
  • malu 64 31.03.2019 14:15
    Highlight Highlight Als Kind gab es viele Erlebnisse mit sexuellem Inhalt. Meist mit Gleichaltrigen. Doktorspiele usw. Dabei hatten wir keine Vorlagen. Wir orientierten uns am Umfeld und unserer Phantasie. Ich kann mir gut vorstellen, das die heutige Flut pornografischer Inhalte, voller Blut und Gewalt, die Jugendlichen verstören. Vom Frauenbild in diesen Filmchen ganz zu schweigen. Zudem wird heute auch wegen jeder Kleinigkeit eine Anzeige gemacht, vielleicht könnte man die Sache auch anders klären.
  • inmi 31.03.2019 14:13
    Highlight Highlight "Die böse Pornografie"

    Und wieder mal wird versucht eine moralische Panik zu starten, während die echten Probleme ausgeklammert werden.
  • drjayvargas 31.03.2019 13:46
    Highlight Highlight Wie nennt man das? Medienkompetenz kommt jedenfalls nah dran. Und die beginnt bei den Eltern. Wenn ich auf dem Spielplatz sehe wie viele Eltern nur an den Phones hängen und nicht mitbekommen was da die Kiddies machen, will ich mir schon gar nicht vorstellen was da in Sachen Aufklärung über digitale Medien und Umgang mit denen abläuft.
    Natürlich muss auch immer flux fleissig gepostet werden was die Sprösslinge machen, was wiederum den Pädos in die Finger spielt.
  • Sarkasmusdetektor 31.03.2019 12:58
    Highlight Highlight Ich denke, das Problem ist, dass vor allem Eltern aus unteren Bildungsschichten (aber auch vermögendere, denen es einfach egal ist) ihren Kindern mit 10 oder auch 12 einfach ein Handy samt Abo kaufen und hoffen, die lernten dann schon damit umzugehen. Und haben nur ein paar pro Schulklasse unbeschränkten Internetzugriff ohne Kindersicherung, bekommen die übrigen Eltern das Problem gleich mit.
    • sunneblueme 31.03.2019 13:17
      Highlight Highlight Ich denke die Thematik mit den sozialen Medien und Handybesitz in jungem Alter ist bei weitem nicht "vor allem bei Eltern aus unteren Bildungsschichten" ein Problem bzw. eine Herausforderung. Es ist doch recht plakativ eine solche Aussage zu machen und Eltern aus unteren Bildungsschichten zuzuschreiben, sie würden sich nicht kümmern.
  • Walser 31.03.2019 11:42
    Highlight Highlight Viele Eltern verlieren die Kontrolle über ihre Kinder oder hatten sie gar nie. Sie wurden und werden verhätschelt und in ihren Rechten den Erwachsenen gleichgesetzt. Es gibt an vielen Orten keine Hierarchien mehr und wenns welche gibt, akzeptieren die Jungen sie nicht mehr. Und wenn dann diese Kinder Kinder kriegen, wirds ganz gut. Das ist der Preis unserer freien „Zjuhui Gesellschaft“ wo sich alle gern haben und frei entfalten können.
    • Garp 31.03.2019 12:37
      Highlight Highlight Sie haben wohl selber nur Autorität statt Liebe kennengelernt, Walser. Schrecklich, wenn man heute noch für schwarze Pädagogik plädiert.
    • Ohniznachtisbett 31.03.2019 12:38
      Highlight Highlight Es geht nicht um Ohrfeigen. Es geht um Grenzen, darum auch mal etwas machen müssen was man nicht gern tut, etwas nicht dürfen, nicht immer den eigenen Kopf durchstieren zu können. Dafür brauchts keine Gewalt.
  • Macke 31.03.2019 10:51
    Highlight Highlight Pornographie und der Zusammenhang von männlicher Gewalt gegenüber Frauen ist wissenschaftlich überraschend deutlich nachgewiesen. So schätzen Männer nach dem Schauen von Pornos sexuelle Übergriffe auf Frauen sehr viel harmloser ein und helfen später, wenn sie unmittelbar nach dem Schauen sexuelle Übergriffe bei anderen sehen. 88% aller Pornos beinhalten Gewalt gegen Frauen. Dadurch wird sexuelle Lust mit dem Schmerz von Frauen gekoppelt. Für weitere Zahlen und vor allem Hilfestellungen für Eltern kann ich die Homepage von Dr. Gail Dines empfehlen.
    https://www.culturereframed.org
    • Qui-Gon 31.03.2019 12:32
      Highlight Highlight Übergriffe sind nie harmlos(er), Porno hin oder v her. Komische Typen müssen das sein.
  • dave1771 31.03.2019 10:32
    Highlight Highlight da wundert sich jemand bei unserer Entwicklung der Gesellschaft
  • Zeit_Genosse 31.03.2019 10:27
    Highlight Highlight Bilder sind 1000x schneller als Text. Bewegtbilder regen die Emotionen und die Belohnungsregionen im Hirn stärker an. Indirekte Kommunikation über Smartphones steht einer schrumpfenden Fähigkeit persönlich zu kommunizieren entgegen. Die virtuellen Welten werden immer realer dargestellt und massiv verbreitet. Games erfordern neue Fähigkeiten und senken tendenziell die Hemmschwelle zu Gewalt. Es gibt keine Gegenbilder zur Pornografie. Die Eltern verlieren früh den Anschluss der Kinder und delegieren an Schulen.

    Viel Handlungsbedarf! Doch wir sind ratlos oder zerstritten über die Methoden.
  • Nelson Muntz 31.03.2019 10:25
    Highlight Highlight Also wenn der Rocco der Gina Wild das Füdli wundtäfert, ist er schuld am verzerrtem Frauenbild und den Übergriffen?
    • mostlyharmless 31.03.2019 12:29
      Highlight Highlight Rocco auch, ja ^^
  • Menel 31.03.2019 09:55
    Highlight Highlight Dazu fällt mir der Artikel ein:

    Ähh... wenn die Bienchen die Blümchen bestäuben: Die Verlegenheit der Väter --- https://www.watson.ch/!355730010?utm_source=whatsapp&utm_medium=social-user&utm_campaign=watson-app-ios

    Es wäre die Aufgabe der Väter, sich mit ihren Söhnen über Sexualität zu unterhalten. Pornos liefern kein realistisches Bild von Sexualität ab. Auch üben sie einen Druck auf Jungs aus, da nur das Bild gezeigt wird, dass der Mann immer kann und auch immer die Führung übernimmt. Mit den Bildern im Kopf eine gesunde eigene Sexualität zu entwickeln ist dann schwer.
  • Gender Bender 31.03.2019 09:53
    Highlight Highlight Schlimmer? Verdingkinderschicksale!
    Nur weil mehr gemessen wird heisst das nicht dass mehr geschieht.
  • freundeskreismelona 31.03.2019 09:44
    Highlight Highlight Ich persönlich denke, dass Heute Mädchen oder deren Eltern sich eher gegen eine solche Tat wehren als früher. Sie zeigen schneller jemanden an. Deshalb sind die Zahlen gestiegen. Prävention ist effektiver als Bestrafung.
  • dracului 31.03.2019 09:27
    Highlight Highlight Ich halte zwar die frei verfügbare Pornografie im Internet für eine Seuche der Neuzeit, aber es ist nur ein Symptom. Zu diesem Symptom gibt es keinen Gegenpol: gesellschaftlich ist Sexualität immer noch ein grosses Tabuthema, Eltern sprechen kaum darüber, die Schule auch nicht. Hollywood und das Fernsehen zeigen bestenfalls auch nur ein „verzerrtes“ Bild. Wie sollen sich gerade Jugendliche in diesen Widersprüchen zurechtfinden?
    • Hallosager 31.03.2019 09:57
      Highlight Highlight Während im selben Atemzug Gewalt gefeiert, verherrlicht und verharmlost wird. Nun vielleicht hat unsere heutige Gesellschaft mehr mit dem Mittelalter gemeinsam, als uns wirklich lieb ist. Die Tendenzen sind eindeutig da, lediglich die Möglichkeiten zu damals haben sich geändert.
    • Menel 31.03.2019 10:00
      Highlight Highlight Hollywood zeichnet im Gegenzug eine "pervertierte" Art von Romantik. Diese ganzen "Frauenfilme" geben ja auch kein reales Bild davon ab, wie es zwischen Mann und Frau abläuft. Wie sollen sich Menschen finden, wenn, ganz überspitzt gesagt, die eine Hälfte von Pornos geprägt ist und die andere von ultra Kitsch? Es wird den Jungen die Chance genommen, sich selbst und den Anderen unbefangen kennen zu lernen.
    • KeineSchlafmützeBeimFahren 31.03.2019 11:48
      Highlight Highlight Die Sexualität als Lerninhalt in der Schule zu bearbeiten ist Pflicht im Lehrplan 21. Am besten tut man dies bereits in der 3./4. Klasse und man sollte es dann unbedingt in der 5./6. Klasse behandeln. Es gibt jedoch Lehrpersonen, die sich dabei schämen und ihre Schülerinnen und Schüler unwissend aus der Schule lassen. Das ist dann extrem verantwortungslos! Was bringt es einem Sechstklässler, wenn er beim Übertritt den Hauptort Appenzell Ausserrhodens kennt, aber noch nie eine professionelle, didaktisch aufbereitete Sicht auf Pornographie, sexuelle Orientierung und Prostitution hatte?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Coffeetime 31.03.2019 09:06
    Highlight Highlight Das Thema ist so komplex. Es geht um weit mehr als nur zu wissen, was Sexualität ist und warum die Rollenbilder in der Pornowelt total verzerrt sind. Kinder, die nie ein "Nein" seitens Eltern erlebt haben, werden auch ein Nein des anderen Kindes nicht akzeptieren. Es geht auch um die Beziehung zum eigenen ich, um das Weltbild, welches es vermittelt bekommen hat etc.

    Zum Glück haben die meisten Jugendlichen in unserem Land aber immer noch einen guten Start ins Leben.
    • Garp 31.03.2019 12:00
      Highlight Highlight Ja, es ist komplex und sie bieten so eine simple Vermutung. Es ist oft genug genau umgekehrt, wer das Nein seiner Kinder nicht akzeptiert, wenn es um emotionale und körperliche Grenzen geht, bringt ihnen bei, dass man ein Nein nicht akzeptieren muss. Bringt den Kindern bei Nein zu sagen und akzeptiert auch ihr nein. Damit mein ich nun nicht das das nein im Trotzalter.
  • Der Rückbauer 31.03.2019 09:00
    Highlight Highlight Kein Wunder, die haben ja die Vorlagen auf den Phones.
  • WID 31.03.2019 07:52
    Highlight Highlight "Ursache dafür bei der Pornografie". Hier sollten neben den Eltern die Provider stärker in die Pflicht genommen werden. Technisch wäre das problemlos möglich.
    • Chrigi-B 31.03.2019 13:56
      Highlight Highlight Klar, Zensur hat schon immer funktioniert.
    • WID 01.04.2019 10:31
      Highlight Highlight @Chrigi-B: Du hast nicht verstenden was Zensur ist. Es geht um Jugendschutz. Jegendliche dürfen keien Alkohol oder Zigis kaufen, ebenso sollten sie vor Pornografie geschützt werden. Als Erwachsener kann man entscheiden, ob man Alkohol, Zigis oder Pornografie konsumieren möchte.
    • Chrigi-B 01.04.2019 11:07
      Highlight Highlight Und trotzdem hatten die Meisten ihre 1te Ziggi und ihren ersten Rausch vor dem 16ten Geburtstag.

      Verbote sind schön und gut, funktionieren aber nicht. Siehe Cannabis...
    Weitere Antworten anzeigen
  • reactor 31.03.2019 07:38
    Highlight Highlight Abgesehen von der Verbreitung von Pornografie, welches an den heutigen Möglichkeiten liegt, glaube ich nicht, dass es ein realer Anstieg an sexueller Gewalt ist. Ich denke vielmehr, es jommt mehr zu Anzeigen, weil auch über die Themen geredet wird. Früher wurde vieles unter den Tisch gekehrt, die Opfer hatten keine Möglichkeiten mit wem zu kommunizieten.
    • mostlyharmless 31.03.2019 12:54
      Highlight Highlight Das denke ich auch, zumal früher auch die Rechtsgrundlage nicht vorhanden war und später noch eine Weile das Bewusstsein für die Straftat resp. Rechte.
      Hier gehts aber um Übergriffe, die von Kindern ausgehen. Ich denke schon, dass da gerade ein Anstieg stattfindet.

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