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Fall Rupperswil wirft die Frage auf: Wie leicht lässt sich am Schalter ein grosser Geldbetrag abheben?

Bevor es zum Vierfachmord in ihrem Haus in Rupperswil kam, hob Carla Schauer bei zwei Banken Geld ab. Über die Höhe schweigen Banken ebenso wie Ermittler. Doch sie nennen Grundsätze, wenn jemand einen hohen Betrag abhebt.

Mario Fuchs / Aargauer Zeitung



Kurz bevor sie ermordet wurde, hob Carla Schauer am 21. Dezember Geld ab: an einem Automaten der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil und am Schalter in der Aargauischen Kantonalbank (AKB) in Wildegg. Stellt sich die Frage: Wie einfach ist es, am Schalter einen grossen Betrag abzuheben?

Rupperswil Carla Schauer beim Geld abheben

Ein von der Kantonspolizei im Zeugenaufruf veröffentlichtes Foto zeigt Carla Schauer, wie sie vor dem Schalter in der AKB-Filiale steht. Ihr Gesichtsausdruck lässt Spielraum für Interpretationen – klar erkennbar ist jedoch, dass die 48-Jährige durch etwas bedrückt war.
Bild: Kapo Aargau

AKB-Sprecherin Ursula Diebold sagt, es liege im Auge des Betrachters, was viel Geld sei: «Für den einen sind 1000 Franken ein grosser Betrag, für eine andere Person 10'000 Franken oder mehr.» Bei der AKB gelte die Regel, dass bei grossen Beträgen nach dem Verwendungszweck gefragt werde.

Grundsätzlich könnten Kunden am Schalter aber Barbezüge in beliebiger Höhe tätigen, sofern die Deckung des Kontos gegeben und die Rückzugsbestimmungen (Kündigungsfrist, Maximalbetrag pro Jahr) eingehalten werden.

Auch bei der Neuen Aargauer Bank (NAB) gilt dieser Grundsatz. Sprecher Roland Teuscher: «Jeder Barbezug am Schalter wird vom Bankmitarbeitenden hinsichtlich Berechtigung geprüft.» Falle ein gewünschter Betrag «bezüglich Höhe oder Bezugsverhalten aus dem Rahmen», kläre man im Gespräch den Hintergrund ab.

«Grundsätzlich ist das Schalterpersonal angehalten, in Fällen, wo ihnen etwas Aussergewöhnliches am Kunden auffällt, diesen anzusprechen und zu fragen, ob alles in Ordnung ist.»

AKB-Sprecherin Ursula Diebold

Rolf Bohnenblust, Geschäftsleitungsmitglied der Hypothekarbank Lenzburg, sagt: «Wenn ein Kunde oder eine Kundin einen auffallend höheren Betrag als üblich wünscht, machen wir auf die Risiken im Umgang mit Bargeld aufmerksam.»

Ab einem Betrag von 100'000 Franken – ob Ein- oder Auszahlung – sei das Personal zudem verpflichtet, nach Details zu fragen. Grund dafür sind die gesetzlichen Vorgaben zur Bekämpfung der Geldwäscherei.

Schalterpersonal wird geschult

Ein von der Kantonspolizei im Zeugenaufruf veröffentlichtes Foto zeigt Carla Schauer, wie sie vor dem Schalter in der AKB-Filiale steht. Ihr Gesichtsausdruck lässt Spielraum für Interpretationen – klar erkennbar ist jedoch, dass die 48-Jährige durch etwas bedrückt war. Werden die Mitarbeitenden am Schalter von Regionalbanken darin geschult, wie sie zu reagieren haben, wenn ihnen etwas auffällt?

«Grundsätzlich ist das Schalterpersonal angehalten, in Fällen, wo ihnen etwas Aussergewöhnliches am Kunden auffällt, diesen anzusprechen und zu fragen, ob alles in Ordnung ist», sagt AKB-Sprecherin Ursula Diebold.

Zudem habe man ein spezielles Ausbildungsprogramm für die Vorbereitung auf Situationen, in denen «Drittpersonen Gewalt gegen das Personal oder die Bank» richten. Bei der Hypi Lenzburg und bei der NAB werden ebenfalls solche Schulungen durchgeführt.

Themen sind dabei etwa Überfälle und Geiselnahmen. Übereinstimmend weisen die drei Banken darauf hin, dass man vor allem bei älteren Kundinnen und Kunden aufmerksam sein müsse. Die Idee: Enkeltrickbetrügern soll so möglichst frühzeitig ein Strich durch die Rechnung gemacht werden. Laut Roland Teuscher werde bei Unklarheiten und Auffälligkeiten der «Sachverhalt mit dem Kunden geprüft».

Kader speziell geschützt

Offenbar arbeitete der Partner von Carla Schauer als Filialleiter bei einer Bank in der Region. Deshalb wurde in den letzten Tagen verschiedentlich diskutiert, welche Sicherheitsvorkehrungen es für leitende Bankangestellte gibt. Können sie vor Erpressern oder Geiselnehmern speziell geschützt werden?

Hier erhielt die AZ von den drei Banken die gleiche Antwort: keine. Zwar wird bestätigt, dass Sicherheitsvorkehrungen bestehen und auch bankinterne Instruktionen erteilt werden. Details darüber will hingegen niemand preisgeben – aus Sicherheitsgründen. (Aargauer Zeitung)

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    Alle Leser-Kommentare
  • flugsteig 05.01.2016 12:34
    Highlight Highlight Ich finde das völlig daneben. Es geht niemanden etwas an wieviel und wofür ich Geld abhebe. Auch die neuen Regeln der Raiffeisenbank gehen mir völlig gegen den Strich. Wieso kann ich nicht alles abheben was mir gehört. Ich verstehe das Prinzip der Kapitalflucht und der Folgen, dennoch ist das mein Besitz und ich sollte in der Lage sein darauf zuzugreifen.
    • flugsteig 09.01.2016 08:35
      Highlight Highlight @tschoo

      Kann ich eben nicht mehr ungestraft. Bis 20'000.- pro Quartal. Will ich mehr beziehen muss ich das 3 Monate vorher anmelden. (Kündigungsfrist)
      Will ich das nicht oder brauche das Geld dringend kann ich zwar sofort mehr beziehen, zahle aber 2% Strafe.
      Wenn ich jetzt also dringend ein neues Auto brauche und darum 35'000 abheben will, muss ich entweder 3 Monate Bus fahren oder 700.- Strafe zahlen. Das hat nichts mit illegalen Machenschaften zu tun.
  • pedrinho 05.01.2016 11:44
    Highlight Highlight Grundsaetzlich geht es den bankangestellten am schalter nichts an wieviel ich von meinem geld fuer welchen zweck abhebe. Meine antwort ist jeweils ein freundliches das ist nicht ihr problem oder in ihrem interesse.

    Die frage sollte aber immer erlaubt und gestellt werden duerfen.
  • Typu 05.01.2016 10:27
    Highlight Highlight Wieviel hob sie denn ab? Ohne diese info nützt der artikel wenig.
    • Sveitsi 05.01.2016 10:46
      Highlight Highlight "Über die Höhe schweigen Banken ebenso wie Ermittler." - Da kann die Aargauer Zeitung nichts für.
    • Charlie Brown 05.01.2016 11:05
      Highlight Highlight Der Artikel stellt eine Grundsatzfrage, da ist die Höhe des abgehobenen Betrages in diesem einzelnen Fall doch nicht relevant.

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