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Toni Brunner ziert sich noch. Wartet er auf den Anruf von Christoph Blocher?<br data-editable="remove">
Toni Brunner ziert sich noch. Wartet er auf den Anruf von Christoph Blocher?
Bild: THOMAS HODEL/REUTERS

Welche Kandidaten nominiert die SVP? Was für ein Ticket Brand/Brunner spricht

Nach dem Abgang von Eveline Widmer-Schlumpf scheint der Weg frei für einen zweiten SVP-Sitz im Bundesrat. Es gibt einige Anwärter, aber nur wenige heisse Favoriten für die Kandidatur.
29.10.2015, 16:0702.12.2015, 15:00

In der SVP gibt es einen, der würde mit einem Glanzresultat in den Bundesrat gewählt. Er könnte sogar mit Stimmen aus dem linken Lager rechnen. Doch Peter Spuhler will nicht. Oder vielmehr: Er kann nicht. Der frühere Thurgauer Nationalrat ist als Inhaber des Eisenbahnunternehmens Stadler Rail «sehr stark gefordert», wie er dem «Tages Anzeiger» ausrichten liess. Die Frankenstärke und die Krise im wichtigen Markt Russland machen ihm zu schaffen. Und anders als Christoph Blocher 2003 kann er sein Unternehmen nicht den Kindern übertragen. Sie sind zu jung.

Ohne das Schwergewicht aus der Ostschweiz wird die Kandidatensuche schwierig. Dabei sind sich die Medien nach dem Verzicht von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf auf eine erneute Kandidatur weitgehend einig: Der Sitz liegt für die SVP auf dem Silbertablett bereit. Ihr Anspruch wird nach dem Wahlerfolg vom 18. Oktober kaum bestritten. Die Linke bekommt ob dieser Perspektive Panikanfälle, doch die Mitteparteien haben faktisch kapituliert.

Der Topfavorit fällt aus: Peter Spuhler ist bei Stadler Rail «sehr stark gefordert».<br data-editable="remove">
Der Topfavorit fällt aus: Peter Spuhler ist bei Stadler Rail «sehr stark gefordert».
Bild: Melanie Duchene

An Bewerbern fehlt es nicht, doch nur wenige haben das Format für den Job. Sein Interesse angemeldet hat der Walliser Regierungsrat Oskar Freysinger, doch er ist im Parlament nicht mehrheitsfähig. Die anderen «Papabili» halten sich bedeckt, denn die Partei hat gemäss NZZ eine Informationssperre bis zum 13. November verhängt. Bis dann dürfen die Kantonalparteien Vorschläge einreichen. Am 20. November erfolgt die Nominierung durch die Bundeshausfraktion.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die SVP eine Zweierkandidatur präsentieren wird. Wer kommt dafür in Frage? Bei genauer Betrachtung stehen drei Namen im Vordergrund:

Soll die SVP einen zweiten Sitz im Bundesrat erhalten?

Heinz Brand

Der 60-jährige Bündner Nationalrat gilt als Kronfavorit. Die SVP hat im Wahlkampf lautstark das Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) und damit die Oberhoheit über die Ausländer- und Asylpolitik für sich beansprucht. Brand wäre dafür prädestiniert, bis zu seiner Wahl in den Nationalrat 2011 leitete er während 25 Jahren das Amt für Polizeiwesen und Zivilrecht des Kantons Graubünden. In dieser Funktion hatte er sich national als Asyl-Hardliner profiliert.

Auch bei anderen Themen wie der Europapolitik agiert Heinz Brand stramm auf der Parteilinie. Trotzdem spricht einiges für ihn. Er ist kein Mann der lauten Töne und verfügt mit seiner langjährigen Verwaltungserfahrung über gute Voraussetzungen für den schwierigen Job. Man traut ihm eine konstruktive Mitarbeit im Bundesrat zu. Offen bleibt nur, ob Simonetta Sommaruga das EJPD abgeben will. Sie führt das anfangs ungeliebte Departement mit viel Engagement.

Toni Brunner

Die Frohnatur aus den Toggenburg ist der erklärte Favorit von SVP-Vordenker Christoph Blocher. Die «Weltwoche» bezeichnete Brunner letzte Woche auf der Frontseite als «richtige Wahl». Als Parteipräsident seit 2008 macht der 41-jährige Bauer eine durchaus gute Figur. In der Sachpolitik aber gilt Brunner auch nach 20 Jahren im Nationalrat als Leichtgewicht. Auch kann sich niemand daran erinnern, von ihm jemals einen Satz auf Französisch gehört zu haben.

Das sind denkbar schlechte Voraussetzungen für das Amt eines Bundesrats. Toni Brunner selbst schliesst eine Kandidatur bislang kategorisch aus, und vermutlich meint er das sogar ernst. Er dürfte realisiert haben, das der Job für ihn eine Nummer zu gross ist. Falls Übervater Blocher ihm jedoch den Auftrag erteilt, wird Brunner sich wohl in sein Schicksal fügen müssen. Auch Ueli Maurer sagte 2008 ständig Nein, bis er auf einmal Bundesrat war.

Kandidaten für einen zweiten SVP-Bundesratssitz

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Die Top 10 der möglichen Kandidaten für einen zweiten SVP-Bundesratssitz
quelle: keystone / lukas lehmann
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Thomas Hurter

Der Schaffhauser Nationalrat ist eine Art Geheimfavorit. Er gehört nicht zu den Scharfmachern und dürfte bis in die Mitte wählbar sein. Der 52-jährige Linienpilot und ehemalige Berufsmilitärpilot hat sich vor allem in der Sicherheitspolitik einen Namen gemacht. Er dürfte eher als neuer VBS-Chef in Frage kommen. Falls Ueli Maurer einen Departementswechsel anstrebt (ins EJPD oder ins Finanzdepartement), könnte Hurter zum Thema werden.

Hinzu kommen einige Aussenseiter, gegen die es aus verschiedenen Gründen Vorbehalte gibt. Ein dritter Westschweizer in der Landesregierung etwa dürfte ähnlich schwer zu vermitteln sein wie ein dritter Berner oder ein zweiter Vertreter der Zürcher SVP. Auch das spricht für die oben genannten Kandidaten, die regionalpolitisch den Osten des Landes vertreten.

Fazit

Wer eine Wette abschliessen will, sollte sein Geld auf ein Zweierticket mit Heinz Brand und Toni Brunner setzen. Die Konstellation ähnelt jener von 2008, als die SVP Christoph Blocher und Ueli Maurer nominierte. Blocher war unwählbar, befriedigte aber die Befindlichkeiten des SVP-Fussvolks.

Gleiches lässt sich nun über Toni Brunner sagen. Je nach Konstellation könnte auch Thomas Hurter zum Thema werden. Oder die Partei zaubert eine «Geheimwaffe» aus dem Hut, etwa aus den Reihen ihrer Regierungsräte. Vielleicht lässt sich sogar Peter Spuhler doch noch überreden. In zwei Wochen wird man mehr wissen.

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