Schweiz
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Die drei FDP Bundesratskandidaten Ignazio Cassis, Isabelle Moret und Pierre Maudet, von links, anlaesslich der ersten Station der FDP Roadshow zu den Bundesratskandidaten am Montag, 21. August 2017, in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Ignazio Cassis, Isabelle Moret und Pierre Maudet beim Roadshow-Auftritt am Montag in Zug. Bild: KEYSTONE

Cassis, Moret und Maudet on the Road: Das Bundesrats-Trio im watson-Check

Die FDP-Bundesratskandidaten Ignazio Cassis, Pierre Maudet und Isabelle Moret touren durch die Schweiz. Beim Auftritt in Basel hinterliessen sie einen durchzogenen Eindruck. Einer enttäuschte besonders.



Im US-Wahlkampf sind die Fernsehdebatten ein besonderes Highlight. Die Kandidaten schenken sich in der Regel nichts. Ein ähnliches Format führt die FDP Schweiz mit ihren Bewerbern für die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter durch. Der Tessiner Nationalrat Ignazio Cassis, die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret und der Genfer Staatsrat Pierre Maudet touren diese Woche im Rahmen einer Roadshow durch drei Schweizer Städte.

Am Mittwoch machte der «Wanderzirkus» Halt in Basel. Die Intensität einer US-Debatte erreichte das vom Basler FDP-Regierungsrat Baschi Dürr moderierte Podium aber zu keiner Zeit. Das mag daran liegen, dass ein Bundesrat nicht vom Volk, sondern von der Bundesversammlung gewählt wird. Und man in der Schweiz eher den Kompromiss als die Konfrontation pflegt.

Ein wichtiger Grund war auch die drückende Hitze im Saal, die ein lebhaftes Gespräch erschwerte. Aufschlussreich war der Auftritt des Kandidaten-Trios jedoch allemal. So haben sich die drei geschlagen:

Ignazio Cassis

Nationalrat und Chef der FDP Bundeshausfraktion Ignazio Cassis an der Versammlung der Partei am Dienstag, 1. August 2017, in Breggia. Cassis ist der einzige Kandidat der FDP Tessin fuer die Bundesratswahlen im Dezember. Er soll die Nachfolge des abtretenden Didier Burkhalter antreten. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

Cassis hat gut lachen, er ist mehr denn je der Favorit. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Auftritt: Mit seinem Tessin-Pin am Revers sorgt er für einen Farbtupfer im dunklen Business-Einheitslook des Trios. Seinen Auftritt absolviert Cassis mit der Souveränität eines Mannes, der sich seiner Favoritenrolle bewusst ist. Und der kein spezielles Lobbying braucht, weil er als FDP-Fraktionschef in Bundesbern bestens vernetzt ist. Er kokettiert mit seiner Rolle als Quereinsteiger («Ich war jung, aber nicht freisinnig») und bemüht sich in erster Linie, präsidial zu wirken.

Sprache: Für einen Südländer ist die Körpersprache von Ignazio Cassis zurückhaltend. Seine Positionen bringt er auf Deutsch gut herüber. Er formuliert die präzisesten Sätze und erntet als Einziger wenigstens ab und zu einen Lacher («Der Bundesrat berät, er regiert nicht»).

Vision für die Schweiz: Die Schweiz in 20 Jahren soll Wohlstand bieten, frei, sicher und international vernetzt sein.

Bester Spruch:

«Wie schaffen Sie es, Amerika via Twitter zu führen?»

Cassis auf die Zuschauerfrage, worüber er sich mit Donald Trump unterhalten würde

Kurzinterview mit Ignazio Cassis:

Pierre Maudet

Der Genfer FDP-Staatsrat Pierre Maudet auf dem Weg zum

Pierre Maudet ist ein politischer Senkrechtstarter. Bild: KEYSTONE

Auftritt: Mit 39 Jahren verfügt er bereits über zehn Jahre Exekutiverfahrung, was der Genfer gebührend hervorhebt. Seinen Bekanntheitsgrad versucht Maudet aufzupolieren, indem er seit Tagen Kontakte mit Parlamentariern und Journalisten pflegt. Sein Auftritt in Basel aber bleibt hinter den Erwartungen zurück. Pierre Maudet argumentiert unverbindlich und lässt sich nur einmal auf die Äste hinaus, als er sich als Befürworter der von der FDP vehement bekämpften Altersvorsorge 2020 outet. Um anzufügen, dies entspreche der Position der Genfer Kantonsregierung.

Sprache: Von den drei Bewerbern beherrscht Pierre Maudet die deutsche Sprache am besten. Er hat sie unter anderem bei einem Aufenthalt in Basel gelernt. Insgesamt aber ist er auf dem Podium zu defensiv, auch in der Körpersprache. Als Aussenseiter müsste er angriffiger agieren. Im persönlichen Gespräch kommt der Genfer Sicherheitsdirektor deutlich besser an.

Vision für die Schweiz: Eigenverantwortung, Souveränität mit Partnerschaft, Prosperität dank guten Rahmenbedingungen.

Bester Spruch:

«Ich habe nicht verstanden, wer im Bundesrat für die Europapolitik verantwortlich ist.»

Maudets Aussage kann als Seitenhieb an den abtretenden Didier Burkhalter interpretiert werden

Kurzinterview mit Pierre Maudet:

Isabelle Moret

La conseillere nationale Isabelle Moret, gauche, et photographiee par le president du PLR vaudois Frederic Borloz, droite, lors d'une conference de presse du PLR Vaud sur la succession du conseiller federal Didier Burkhalter ce jeudi 10 aout 2017 a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Isabelle Moret will nicht nur dank Frauenbonus gewählt werden. Bild: KEYSTONE

Auftritt: Neben den Alpha-Männchen hat es die einzige Frau nicht leicht. Umso mehr, als die Waadtländerin keinesfalls auf den Frauenbonus festgenagelt werden will. Moret verweist auf ihre Erfahrung und ihren Leistungsausweis als Nationalrätin, auch um die Kritik an ihrer angeblich schwachen Performance zu kontern. In den letzten Tagen ist Isabelle Moret verstärkt unter Druck geraten, auch wegen ihrer dünnhäutigen Reaktion auf kritische Fragen.

Sprache: Zu Beginn ist Moret sichtlich nervös, sie gestikuliert heftiger als ihre Mitbewerber. Die deutsche Sprache fällt ihr schwerer als den beiden Männern. Mit der Zeit legt sich ihre Anspannung, sie wirkt souveräner, was in der Basler Sauna durchaus beachtlich ist.

Vision für die Schweiz: «Wir sind stolz auf unser Land, die direkte Demokratie und unsere Vielsprachigkeit. Darüber hinaus müssen wir für die Zukunft bauen, durch Offenheit. Ich bin klar gegen einen EU-Beitritt, aber die Schweiz liegt mitten in Europa

Bester Spruch:

«Der Bundesrat muss führen. Es ist nicht normal, dass das Parlament die ganze Arbeit gemacht hat.»

Moret zur Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative

Kurzinterview mit Isabelle Moret:

Fazit

Wenn es in Basel einen Sieger gab, dann war es Ignazio Cassis. Der Tessiner hat mit einem staatsmännischen Auftritt seine Favoritenrolle weiter gestärkt. Pierre Maudet besitzt das Format für den Bundesrat. Gemessen an den Vorschusslorbeeren, die er erhalten hat, enttäuschte er jedoch. Isabelle Moret fiel weder positiv noch negativ auf. Das dürfte für den Bundesrat zu wenig sein.

Bundesratswahl

Die FDP-Roadshow gastiert am Freitag im Hôpital des Bourgeois in Fribourg. Eine Woche später wird die Bundeshausfraktion entscheiden, ob sie ein Zweier- oder ein Dreierticket nominiert. Die eigentliche Wahl dürfte am 20. September stattfinden. Noch ist dieses Datum nicht fix.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Griffin 25.08.2017 14:09
    Highlight Highlight Etwas entäuschend wieviel Zeit der Watson-Check auf Oberflächlichkeiten verschwendete, ich erwartete vielmehr ein politisches Profil der Bundesratsanwärter*innen.

    Mit der Wiedergabe von SVP-Propaganda ("fremde Richter") hat sich nun auch Moret, als letzte der drei vorgestellten Kandidat*innen, als unwählbar herausgestellt.

    Danke dafür!

    Hätte mir trotzdem einen anderen Fokus gewünscht.

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