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Die beiden nominierten CVP-Bundesratskandidatinnen Viola Amherd, links, und Heidi Zgraggen, rechts, am Ende einer Medienkonferenz, am Freitag, 16. November 2018 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Viola Amherd oder Heidi Zgraggen: Wer folgt auf Doris Leuthard? Bild: KEYSTONE

Drei Frauen im Bundesrat: die späte Rückkehr

Vor einem Jahr hätte kaum jemand darauf gewettet, dass die nächsten zwei neuen Bundesräte weiblich sein werden. Plötzlich ist es selbstverständlich.

Anna Wanner und Fabian Fellmann / ch media



Ein historischer Tag steht an, wenn heute Mittwoch erstmals in der Geschichte des 170-jährigen Bundesstaats das Parlament zwei Frauen aufs Mal neu in die Regierung wählt. Danach sieht es aus. Herausforderer Hans Wicki (FDP) gelang es in den vergangenen Tagen nicht, die Favoritin noch vom Thron zu stossen.

ARCHIVBILD - ZUM FDP-BUNDESRATSKANDIDATEN HANS WICKI STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Hans Wicki, Staenderat FDP (NW), spricht an der Medienkonferenz des Grimseltunnel-Komitees zum Stand des Projekts, am Donnerstag, 20. September 2018, in Bern. Der Grimseltunnel ist als kombinierte Anlage fuer Schmalspurbahn und Hochspannungsleitung geplant. Er fuehrt vom Berner Oberland ins Walliser Goms. (KEYSTONE/Patrick Huerlimann)

Hans Wicki Bild: KEYSTONE

Vielmehr wird spekuliert, ob Karin Keller-Sutter gar im ersten Wahlgang das absolute Mehr erreicht – eine seltene Ehre, die zuletzt Doris Leuthard 2006 zuteilwurde. Bei der CVP wird unabhängig vom Ausgang am Ende eine Frau als Siegerin dastehen: Viola Amherd oder Heidi Z’graggen.

Trotzdem mag am Tag dieser historischen Wahl niemand mehr über die Frauenfrage sprechen. Lieber wird über «fehlende Visionen» der Kandidatinnen gelästert. Es wird gemäkelt, dass sie sich zu weit rechts oder links positionieren oder in Sachen Umweltschutz nicht überzeugen.

Nico Franzoni an der Nacht der langen Messer:

Video: watson/Angelina Graf

Plötzlich normal

Viele erwarten eine «langweilige Wahl», weil Überraschungen ausbleiben. Auf Sprengkandidaten wettet niemand mehr, auch wenn der eine oder andere Politiker es wohl nicht lassen kann und CVP-Präsident Gerhard Pfister oder Bundeskanzler Walter Thurnherr auf seinen Zettel schreiben wird. Chancen haben sie keine.

Gerhard Pfister, CVP-Parteipraesident, unterhaelt sich anlaesslich einem Podium, am Mittwoch, 31. Oktober 2018, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Gerhard Pfister Bild: KEYSTONE

So wirkt das Szenario, dass bald nur noch eine Frau im Bundesrat vertreten sein wird, aus heutiger Sicht abwegig. Dabei war das vor wenigen Wochen noch ein realer Ausgang. Spekulationen, wie Viola Amherd und Karin Keller-Sutter parteiintern noch ausgebremst werden könnten, machten die Runde. Heute ist das Szenario undenkbar. Die Frauenfrage ist geklärt und bedarf keiner weiteren Diskussion. Sogar bürgerliche Politiker wie FDP-Nationalrat Thierry Burkart freuen sich darüber, dass dies zur «Normalität» geworden ist.

Viola Amherd Bundesrat Kandidatin?

Video: srf

Die besseren Kandidaturen

Aus dem Nichts hat sich die Frauenfrage indes nicht normalisiert. Dazu beigetragen haben erstens die Kandidatinnen selbst, die sich gegen ihre männliche Konkurrenz durchsetzen konnten, weil sie schlicht qualifizierter sind. Da sind zweitens die Parteien, die geschickt agierten, indem sie die besseren Kandidaten nominierten und so Diskussionen ums Geschlecht im Keim erstickten. Stattdessen konnten die Kandidatinnen mit ihren Qualifikationen und politischen Positionen punkten.

Erfolge der Frauenbewegung

Und da ist schliesslich auch der jahrelange Kampf um Gleichberechtigung. Die frühere CVP-Nationalrätin und gescheiterte Bundesratskandidatin Judith Stamm, die sich für die Gleichstellung von Mann und Frau einsetzte, sagt heute: «Für jemanden wie mich, der das Frauenfähnchen hochhält, ist diese Wahl eine Genugtuung.»

ARCHIVE - JUDITH STAMM, SCHWEIZER JURISTIN, CVP-POLITKERIN DER ERSTEN STUNDE UND EHEMALIGE NATIONALRATSPRAESIDENTIN FEIERT AM 25. FEBRUAR 2014 IHREN 80. GEBURTSTAG. DAZU STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Nationalraetin Judith Stamm (CVP) bespricht sich am 31. Mai 1994 waehrend einer Debatte im Nationalratssaal im Bundeshaus mit Bundesrat Otto Stich. (KEYSTONE/Str)

Judith Stamm 1994 mit Altbundesrat Otto Stich Bild: KEYSTONE

Unter dem Strich zeigt das Engagement des Frauenverbands Alliance F Wirkung. Co-Präsidentin Maya Graf (Grüne/BL) forderte vor einem Jahr eine «angemessene» Vertretung der Frauen im Bundesrat. Das tritt nun ein, wenn das Parlament heute die achte und neunte Bundesrätin wählt. Parallel dazu weibelte der Verband für die Einführung eines Vaterschaftsurlaubs, für Lohngleichheit und Geschlechter-Richtwerte in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten von grossen Firmen.

Maya Graf, Co-Praesidentin alliance F und Nationalraetin GPS-BL, spricht an einer Medienkonferenz der Frauendachverbaende fuer die Rentenreform, am Donnerstag, 29. Juni 2017 im Medienzentrum des Bundeshauses in Bern. (KEYSTONE/Thomas Delley)

Maya Graf Bild: KEYSTONE

Vor zwei Tagen bewilligte das bürgerliche Parlament, dass Unternehmen mit mindestens 100 Arbeitnehmern künftig alle vier Jahre eine Lohngleichheitsanalyse durchführen müssen. Für den Vaterschaftsurlaub zeichnet sich eine Mehrheit für einen Gegenvorschlag ab und auch der Kampf gegen die Übervertretung von Männern in Führungsgremien ist auf Erfolgskurs.

Bloss: Ist das nachhaltig?

Ob eine «angemessene» Vertretung der Geschlechter tatsächlich zur Normalität wird, steht auf einem anderen Blatt. Zwar rückt die Schweiz laut dem weltweiten Ranking des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen auf Platz zehn vor, was die Geschlechtervertretung in der Landesregierung betrifft. Maya Graf verweist auf andere staatliche Ebenen, wo der Frauenanteil stagniert oder gar rückläufig ist: «Frauen sind nach wie vor untervertreten in National- und Ständerat und in vielen Kantonsregierungen.» Es gebe Kantone, wo keine einzige Frau mitregiert. Sie sagt: «Die Bundesratswahlen sind erst ein Anfang.»  (aargauerzeitung.ch)

Bundesratskandidatin Karin Keller-Sutter unter der Lupe:

Video: srf

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