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Prozess gegen «Bild»: Kachelmann erhält 430'000 Franken Entschädigung

Der Springer-Verlag muss Jörg Kachelmann eine Entschädigung in Höhe von 430'000 Franken zahlen. Laut Kachelmanns Anwalt beläuft sich die Gesamtsumme inklusive Zinsen auf 560'000 Franken.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Jörg Kachelmann erhält vom Springer Verlag eine Entschädigung in Höhe von 395'000 Euro (430'000 Franken). Das hat das Oberlandesgericht Köln am Dienstag verkündet.

epa04636604 German-Swiss weather presenter Joerg Kachelmann enters the courtroom of the regional court in Cologne, Germany, 25 February 2015. The weather presenter is demanding monetary compensation from media organizations that covered his rape trial.  EPA/OLIVER BERG

Sieg gegen «Bild»: Jörg Kachelmann. Bild: EPA/DPA

Laut Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker summiert sich die Zahlung mit Schadensersatz und seit 2010 anfallenden Zinsen insgesamt auf knapp 513'000 Euro (560'000 Franken). Das Oberlandesgericht wollte sich zu den konkreten Zahlen nicht äussern, bestätigte aber, dass seit 2010 Zinsen anfallen.

Was war geschehen? Jörg Kachelmann wirft «Bild», «Bild am Sonntag» und «Bild.de» vor, auf schwerwiegende Weise gegen seine Persönlichkeitsrechte verstossen zu haben. 2010 wurde Kachelmann von einer Ex-Geliebten wegen Vergewaltigung angeklagt – und letztendlich freigesprochen.

Die Springermedien hätten – so der Vorwurf Kachelmanns –, vor, während und nach dem Prozess eine Kampagne gegen ihn gefahren, wobei er sich der Schmähkritik ausgesetzt sah und Details aus seinem Intimleben an die Öffentlichkeit getragen wurden.

Das Landesgericht Köln hatte Kachelmann daraufhin im September 2015 eine Entschädigung in Höhe von 635'000 Euro (694'000 Franken) zugesprochen. Es war die höchste Summe, die bislang in einem solchem Verfahren einem Kläger zugesprochen wurde. Kachelmann und sein Anwalt hatten ursprünglich sogar eine Summe von 2,25 Millionen Euro (2,46 Millionen Franken) gefordert.

epa03453039 Joerg Kachelmann arrives at the Regional Court in Frankfurt am Main, Germany, 31 October 2012. Its the start of the compensation trial against Kachelmann's former mistress Claudia D., who accused him of rape. The TV-presenter had been acquitted due to the lack of evidence and now claims a compensation of more than 13,000 euros.  EPA/ROLAND HOLSCHNEIDER

Kachelmann im Oktober 2012 vor dem Frankfurter Oberlandesgericht: Mehr Entschädigung hat in so einem Fall in Deutschland noch niemand bekommen. Bild: EPA

Das Gericht stellte damals fest, Kachelmann sei «durch die Preisgabe von Informationen über sein Sexualleben, durch die teilweise wörtliche Veröffentlichung seines SMS- und E-Mail-Verkehrs und durch die Veröffentlichung von Fotos, die ihn zum Beispiel beim Hofgang in der Justizvollzugsanstalt zeigten, in seiner Intimsphäre, seinem informellen Selbstbestimmungsrecht und seinem Recht am eigenen Bild verletzt worden».

Der Axel-Springer-Konzern kündigte nach diesem Urteil an, in Berufung zu gehen, mit dem Ziel, die Höhe der Schadensersatzzahlung zu drücken. Auch Kachelmanns Anwalt ging in Berufung -–um die Summe in zweiter Instanz auf 950'000 Euro zu erhöhen. Zu Beginn des Berufungsverfahrens kündigte die vorsitzende Richterin jedoch an, dass Kachelmann sich wohl auf eine geringere Summe als die ursprünglich festgelegte einstellen müsse.

Springer war nicht das einzige Haus, von dem sich Kachelmann nach dem Vergewaltigungsprozess verleumdet sah. Entschädigung forderte er auch von anderen Verlagen. Mit Burda einigte er sich 2015 aussergerichtlich – über die Konditionen wurde Stillschweigen bewahrt. Mit Springer hingegen scheiterten alle Vergleichsverhandlungen.

(gia/dpa)

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