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EU schafft jetzt die Roaming-Gebühren ab – darum zahlen Schweizer nun gar mehr



Während die Politik in der Europäischen Union nach langem Ringen die Roaminggebühren für die Benutzung des Handys in der EU und im EWR ab dem 15. Juni 2017 abschafft, sind in der Schweiz alle Bemühungen zur Deckelung der Tarife am Widerstand von Politik und Telekombranche gescheitert.

«Damit bleibt die Schweiz das einzige Land weit und breit, wo die ungeliebten Tarife noch gelten.»

Darum zahlen wir weiter fürs Roaming

Schweizer Handynutzer profitieren von der neuen EU-Regelung nicht. Weil die Schweiz nicht zur EU gehört, erhalten Schweizer Telekomanbieter auch nicht die regulierten Einkaufspreise. Aus diesem Grunde müssen die Schweizer weiterhin Gebühren für die Nutzung des Handys oder Tablets über Mobilfunknetze im Ausland zahlen.

Dabei geht es um eine erkleckliche Summe: Im Jahr 2015 beliefen sich die Roamingumsätze von allen Schweizer Telekomanbietern auf 625 Millionen Franken. Der Grossteil davon entfalle auf die EU und den EWR, hiess es beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom). In der Schweiz sind die Roamingumsätze in letzten Jahren allerdings markant gesunken. 2010 lagen sie noch bei 926 Millionen Franken. Neben den Preissenkungen der Schweizer Telekomanbieter ist dafür auch die zunehmende Beliebtheit von Bündelangeboten verantwortlich, in denen eine gewisse Roamingbenutzung pauschal enthalten ist.

National- und Ständerat sind für Roaming-Gebühren

Die Roamingtarife sind bereits seit langem Stein des Anstosses. Schon 2004 bezeichnete der Preisüberwacher sie als «möglicherweise überhöht». 2007 forderte er dann den Bundesrat auf, ein Roamingabkommen mit der EU zu prüfen, nachdem diese erstmals Obergrenzen für die Nutzung des Handys im Ausland eingeführt hatte. Denn die Schweiz solle nicht zur Hochpreisinsel werden. Mehrere politische Vorstösse scheiterten allesamt im National- und Ständerat.

Der damalige Präsident der Eidg. Kommunikationskommission (Comcom), Marc Furrer, setzte sich wiederholt für einen Anschluss der Schweiz an das EU-Roamingregime ein. Zuletzt hatte er im vergangenen Herbst der «NZZ am Sonntag» gesagt: «Die EU-Kommission war da sehr offen, aber die europäischen Telekomfirmen kämpften dagegen an.»

EU-Telekomfirmen verrechnen Swisscom und Co. höhere Tarife

Ohne bilaterales Abkommen können die EU-Telekomfirmen nicht gezwungen werden, den Schweizer Anbietern die regulierten Grosshandelspreise anzubieten. «Die winden sich jetzt schon sehr stark im Hinblick auf die Abschaffung der Roaminggebühren in der EU», sagt der neue Comcom-Präsident Stephan Netzle.

Laut Salt-Chef Andreas Schönenberger verlangen EU-Anbieter von den Schweizern eher wieder höhere Roaming-Gebühren im Hinblick auf sinkende Einkünfte aus dem Roaming in der EU.

Abkommen mit EU wenig realistisch

Ein bilaterales Roamingabkommen mit der EU steht aber nicht weit oben auf der Agenda der Regierung. Denn einerseits seien die Schweizer Roamingpreise in den letzten Jahren schon markant gesunken.

Andererseits komme eine isolierte bilaterale Vereinbarung zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Frage, sagt Netzle. Im Fernmeldebericht 2014 hatte der Bundesrat ein solches Abkommen zur damaligen Zeit als nicht realistisch beurteilt.

Und bei der laufenden Teilrevision des Fernmeldegesetzes wird gegenwärtig die Botschaft des Bundesrates und eine Gesetzesvorlage mit Massnahmen zur Begrenzung der Roamingpreise ausgearbeitet. Über die genaue Ausgestaltung könnten noch keine Angaben gemacht werden, teilt das Bakom mit.

Wettbewerb funktioniert nicht

Würde die Politik einseitig Höchstpreise für Swisscom, Salt und Sunrise einführen, ginge das voll zu Lasten der Schweizer Anbieter. Denn die ausländischen Telekomkonzerne würden weiterhin ihre Roaminggebühren verlangen.

Eine Preisobergrenze für Swisscom, Sunrise und Salt sei rechtlich und politisch nicht durchsetzbar, sagt der Comcom-Präsident. Das wäre ein Eingriff in die Vertragsfreiheit. «Wir sind der Meinung, dass Preise das Resultat des Wettbewerbs sind», sagt Netzle.

Dieser funktioniere aber nicht, hatte das Gremium europäischer Telekomregulatoren bereits 2006 festgestellt.

Politiker und Schweizer Telekombranche wollen an Roaming-Gebühren festhalten

Anders sieht dies die Schweizer Telekombranche, die Widerstand leistet gegen eine Abschaffung der für sie lukrativen Roaminggebühren durch eine Regelung wie in der EU. «Eingriffe sind unnötig, die Marktkräfte spielen und die Roamingpreise der Swisscom sinken auch ohne Regulierung seit Jahren massiv», erklärt Swisscom-Sprecher Sepp Huber. Bei vielen Kunden sei Roaming schon in den Pauschalabos enthalten.

Auch politisch ist eine Abschaffung in Bern nicht mehrheitsfähig. Denn diese würde auf den Gewinn der teilstaatlichen Swisscom schlagen, deren Dividende zur Hälfte in die Staatskasse fliesst.

Zudem würde eine Abschaffung Sunrise und Salt härter treffen als die Swisscom. Die kleinen Anbieter hätten das Problem, dass sie im Grosshandelsbereich mehr bezahlen müssen, als sie damit einnehmen, sagt Furrer: «Ihre Kunden benutzen die ausländischen Netze viel öfter als umgekehrt Ausländer die Salt- und Sunrise-Netze.»

Konsumentenschützer für Preisobergrenze

Angesichts der Lage fordern Konsumentenschützer die Schweizer Regierung zu Gegenmassnahmen auf: Sie verlangen, dass der Bundesrat nicht nur Massnahmen zur Senkung der Endkundentarife erlassen kann, sondern dies tun muss, wenn die Preise zu hoch sind.

Da ein Abkommen mit der EU derzeit wenig realistisch sei, solle der Bundesrat auch ohne solche Vereinbarung von sich aus Preisobergrenzen festlegen, schreibt die Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen (SKS, FRC, ACSI) in einem offenen Brief an Kommunikationsministerin Doris Leuthard.

Auf der anderen Seite ist die Abschaffung der EU-Roaminggebühren ein zu harter Einschnitt der Politik in den Markt. Dies zeigt die Vielzahl an Ausnahmeregelungen und Umgehungsmöglichkeiten der neuen Verordnung. «Die ganze EU-Roamingverordnung ist ein Bürokratiemonster», sagt ein Branchenexperte.

Die Kosten für die Benutzung des Handys im Ausland sind trotzdem da und werden jetzt in neuen Tarifplänen verpackt. «Den Nulltarif gibt es nicht», sagt Netzle.

(oli/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Redback 16.06.2017 12:20
    Highlight Highlight tja. Wir sind nicht in der EU und somit können wir nicht davon profitieren. Schade. Aber wenn ich für 2 Wochen nach Italien in den Urlaub gehe mit meiner Familie kann ich auch mal auf das Internet verzichten. Tut auch mal gut zwischen durch.
  • rodolofo 15.06.2017 07:44
    Highlight Highlight Ist doch gut, wenn Telefonieren teuer ist!
    Dann telefonieren wir nicht mehr so viel und reden stattdessen direkt mit den Leuten, in 5D (inklusive Geruch)!
  • Majoras Maske 14.06.2017 18:36
    Highlight Highlight Das ist dann wohl die Souveränität, von der die SVP immer so gerne schwafelt.
  • Wolf2000 14.06.2017 18:11
    Highlight Highlight In den Ferien brauche ich kein Smartphone, fb , usw..... Es ist einfach nicht dabei.
  • Anonymer 14.06.2017 16:36
    Highlight Highlight Der Bund als 51%er Anteilseigner an Swisscom hat natürlich kein Interesse daran, dass die Roaming-Gebühren wegfallen oder gar die Preise für Mobilfunk fallen könnten ;-)
    • SUP_2 14.06.2017 21:41
      Highlight Highlight Genau unsere korrupte Regierung schaut vor allem zu sich selber
  • atomschlaf 14.06.2017 15:43
    Highlight Highlight Schon mal aufgefallen?
    Wenn es um neue Einschränkungen für Arbeitnehmer und Konsumenten geht, dann werden EU-Regulierungen von der Schweiz perfektionistischer als in vielen EU-Ländern und oft in vorauseilendem Gehorsam umgesetzt.
    Wenn es dagegen um Vorteile oder mehr Rechte geht, dann foutiert man sich drum.
    • trio 28.07.2017 22:21
      Highlight Highlight Von unserer bürgerlichen Regierung. Sehr gut beobachtet, atomschlaf 👏
  • Radesch 14.06.2017 15:15
    Highlight Highlight Tja, man hätte ja dem EWR beitreten können, aber nein. Man dachte wohl, dass wir dann "schleichend der EU beitreten"...

    Ach die Masche zieht heute noch. Wenn wir eine Bürgerlich-liberale mehrheit haben kommen eben solche Deals zustande. Gut für die Wirtschaft, schlecht für meinen Geldbeutel.
    • Froggr 14.06.2017 19:54
      Highlight Highlight Wenn ihr wegen so einem Schwachsinn dem EWR beitreten wollt, dann gued nacht am sächsi!
  • infomann 14.06.2017 14:44
    Highlight Highlight Es ist doch ganz einfach..
    Dual Sim Handy kaufen und im Ausland sich eine SimKarte besorgen, geht ganz einfach und ist super günstig.
    Vom mir kriegen die Schweizer Telekomfirmen keine Rappen Roaming Gebühren.
    Ich bin viel im Ausland und es funktioniert super.
    • Hanjo 14.06.2017 15:02
      Highlight Highlight Braucht nicht mal ein Dual SIM Handy, kaufe mir immer wenn ich im Ausland bin erst mal eine Prepaid-Karte und komme so ziemlich günstig weg.
    • RescueHammer 14.06.2017 20:13
      Highlight Highlight Das mache ich genauso! ....übrigens, es gibt ganz tolle Angebote der D-Telecom für die CH und neuerdings sind Lichtenstein SIM im Trend (EWR). 😉
  • mike2s 14.06.2017 14:06
    Highlight Highlight Ich bin beruflich viel im Ausland. Wenn ich länger irgendwo bin kauf ich mir eine Lokale Simkarte.
  • kobii 14.06.2017 13:51
    Highlight Highlight Ja wir haben ja das nötige Kleingeld..*HAHA
    Wir werden noch in mehreren Dinge den kürzeren ziehen..
  • Nuka Cola 14.06.2017 13:38
    Highlight Highlight War ja klar...
    Wäre wohl zu sozial gewesen...
  • Perwoll 14.06.2017 13:23
    Highlight Highlight Aha, hier könnte der Konsument mal profitieren und oh Wunder, dies Änderung wird nicht übernommen?
    • Oban 14.06.2017 18:09
      Highlight Highlight Mal wieder den Text nicht gelesen?
      Wir können es schon einführen nur interessiert sich dafür niemand im Ausland. Die Telco's im Ausland werden verpflichtet den EU/EWR Kunden Roming zu einem fixen Betrag zur verfügung zu stellen, logischerweise haben die kein Interesse daran dies dann auch drittstaaten zu ermöglichen. Wir können auch den Schweizer Telco's eine obergrenze setzen, nur gibt es dann bald weder Sunrise noch Salt in der Schweiz, Salt existiert derzeit noch weil der Franzose der sie Besitzt denkt das er damit Geld verdienen kann.
  • simzi 14.06.2017 13:21
    Highlight Highlight hangeln wir uns eben weiter von WLan zu WLan im Ausland... oder detoxen digital etwas, wenn wir mal wieder enet der Grenze billiges Fleisch holen müssen
  • Duscholux 14.06.2017 13:20
    Highlight Highlight "Denn die Schweiz solle nicht zur Hochpreisinsel werden."

    Hahahahahhaha.
  • MaxHeiri 14.06.2017 13:18
    Highlight Highlight Wieso legen sich die drei Mobilnetzanbieter der Schweiz nicht zusammen und verkaufen allen EU Mobilnetzanbieter extrem hohe Preise um Druck für bessere Abkommen aufzubauen. Das bewirkt, dass dann die EU Kunden maulen falls sie die Schweiz besuchen.
    • p4trick 14.06.2017 13:57
      Highlight Highlight @MaxHeiri, schlag mal in einem Physikbuch "Hebelgesetz" nach :-)
    • trololo 14.06.2017 14:01
      Highlight Highlight Weil das kartellrechlich nicht möglich wäre, sowohl nach CH und EU - Kartellrecht.
    • beaetel 14.06.2017 14:04
      Highlight Highlight Hätte die Schweiz bei der EWR Abstimmung nicht den EWR mit der EU verwechselt, wäre vieles unkomplizierter. Auch die hier erwähnten Roaminggebühren. Siehe Liechtenstein. "Danke" Herr Blocher ...
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