Schweiz
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epa05188701 A photograph made available on 01 March 2016 shows medical cannabis in the Tikun Olam (Hebrew for 'Healing the World') nursery in Birya, outside Safed, northern Israel, 29 February 2016. The company is Israel's first and the leader in the medical cannabis field and was established in 2009. For four years they distributed medical cannabis for free to hundreds of patients. Now they have some 8,000 patients who consume 16 different strains of medical cannabis.  EPA/JIM HOLLANDER

Bald legal? Mehrere Schweizer Städte wollen eine regulierte Abgabe von Cannabis aufgleisen. Bild: JIM HOLLANDER/EPA/KEYSTONE

Langnau im Emmental: Wo Cannabis schon heute legal ist

Prävention Bundesrat Berset zeigt sich offen für regulierte Hanf-Abgabe – ein progressiver Apotheker ist skeptisch

antonio fumagalli / Aargauer Zeitung



Im vergangenen Dezember war alt Bundesrätin Ruth Dreifuss zu Besuch bei Alain Berset, ihrem – wenn auch nicht direkten – Nachfolger als Vorsteher des Innenministeriums. Thema der Unterredung: der Umgang der Schweiz mit der illegalen Droge Cannabis.

Der genaue Wortlaut der Unterredung ist nicht überliefert. Die Position von Dreifuss in dieser Hinsicht jedoch ist klar, sie hat sich stets für die kontrollierte Abgabe von Cannabis ausgesprochen. Wie man seit Sonntag weiss, ist sie damit bei ihrem Westschweizer Parteikollegen offenbar auf offene Ohren gestossen. Berset sagte gegenüber der «NZZ am Sonntag», dass er es begrüssen würde, «wenn neue Modelle und Wege ausprobiert werden».

Ausnahmen erlaubt

Worum geht es? Im Jahr 2008 hat die Bevölkerung eine flächendeckende Hanflegalisierung deutlich abgelehnt, gleichzeitig aber das revidierte Betäubungsmittelgesetz angenommen. Dieses verbietet Anbau, Handel und Konsum von Cannabis, sieht aber gleichzeitig Ausnahmen zu wissenschaftlichen Forschungszwecken vor.

Mehrere Schweizer Städte – darunter Zürich, Bern, Genf und Basel – wollen sich diesen Passus nun zunutze machen und haben Projekte für eine regulierte Abgabe von Cannabis aufgegleist. Die einzelnen Vorschläge unterscheiden sich teilweise, so fokussiert Zürich auf junge, straffällige Personen, Genf will Vereine ins Leben rufen, bei denen die Mitglieder das Gras beziehen können, und Bern prüft die Abgabe über Apotheken.

Gemeinsam ist allen Projekten: Sie wollen der teuren Kriminalisierung entgegenwirken und gleichzeitig präventiv wirken. «Unser Ansatz ist ein gesundheitlicher, der sich vor allem an Problemkonsumenten richtet. Sie sollen ihren Konsum stabilisieren und letztlich reduzieren können», sagt der Genfer Soziologieprofessor Sandro Cattacin, der die Projekte koordiniert.

Schmerzpatienten statt Kiffer

Bevor es so weit ist, muss das Bundesamt für Gesundheit (BAG) grünes Licht für die wissenschaftlichen Versuche geben. Wenn sich nun dessen oberster Chef Berset dafür offen zeigt, ist das mehr als nur ein Hinweis darauf, dass die nötigen Bewilligungen auch wirklich erteilt werden. Die ersten Gesuche werden laut Cattacin vermutlich diesen Herbst eingereicht.

ZUR MELDUNG, DASS DIE STADT BERN VERSUCHSWEISE CANNABIS IN APOTHEKEN VERKAUFEN MOECHTE, STELLEN WIR IHNEN AM MONTAG, 14. MAERZ 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  Raucher zuendet sich einen Joint an, aufgenommen in Zuerich am 28. April 2000. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Kiffer bleiben der Langnauer Apotheke mehrheitlich fern.
Bild: KEYSTONE

Manfred Fankhauser, der in Langnau im Emmental eine Apotheke betreibt, verfolgt die drogenpolitischen Entwicklungen mit besonderem Interesse. Denn bei ihm gibt es bereits heute Cannabis zu kaufen – und das völlig legal. Ein Einzelfall in der Schweiz.

Bei Fankhauser gehen allerdings nicht die klassischen Kiffer ein und aus, sondern Patienten, die in der Regel unter chronischen Schmerzen leiden. «Das sind oftmals Personen, die schon mehrere andere Therapien ausprobiert haben. Erst Cannabis konnte ihnen wirklich helfen», so Fankhauser.

Die Schmerzpatienten rauchen aber nicht etwa das Kraut, sondern nehmen eine Hanftinktur oder ein Hanföl zu sich. Der Stoff stammt aus eigener Produktion, Fankhauser lässt die Pflanzen auf einem Feld in der Ostschweiz anbauen. Die Ernte von rund 250 Kilogramm reicht etwa für ein Jahr, rund 600 Patienten beziehen die Produkte vor Ort oder per Post. Je nach Sachlage übernimmt die Krankenkasse die Kosten von täglich fünf bis zwanzig Franken, eine Pflicht besteht jedoch nicht.

Die unerwünschte Vermischung

Der Bund schaut dem Apotheker dabei bei jedem einzelnen Schritt genau auf die Finger. Wer die THC-haltigen Produkte konsumieren will, braucht ein Rezept vom Arzt, der wiederum einen Antrag ans BAG stellen muss. Erst wenn das Bundesamt grünes Licht gibt, kann der Patient das Medikament in Langnau bestellen.

Apotheker Fankhauser begrüsst es, wenn über die Städteinitiativen neue Wege gesucht werden, um den Konsum von Hanf als Droge zu kontrollieren. Gleichzeitig sieht er für sein Geschäftsmodell auch Gefahren: «In den letzten Jahren hat sich Cannabis als Medikament etabliert. Wird Hanf künftig legal abgegeben, besteht die Gefahr, dass Kiffer und Patienten in der öffentlichen Diskussion wieder ‹vermischt› werden – worunter letztlich die Kranken leiden.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 19.04.2016 12:14
    Highlight Highlight Noch eine Bemerkung zu den völlig obsoleten Fahrausweisentzügen, die selbst dann stattfinden, wenn ein Konsument vor etlichen Tagen letztmals C. inhaliert hat. Es ist skandalös, wenn dieser Automatismus umgesetzt wird, nur weil keine EXAKTE Messmethode vorliegt. So wird ganz nebenbei auch schadenfroh das staatliche Drogengesetz durchgesetzt, wobei es NUR relevant sein kann, ob jemand im Augenblick des Fahrens frisch bekifft ist oder nicht. Man müsste daher Betroffene ermuntern, gegen dieses völlig unzulässige Verfahren (mit Topanwalt) vor BG zu ziehen und bei einer Absage den EGMR anzurufen.
    • Fumo 19.04.2016 12:54
      Highlight Highlight Im Moment ist Cannabis illegal. Davon unabhängig ob man fahrtüchtig ist oder nicht, man handelt falsch. Deswegen ist die jetzige Praxis ok so wie sie ist.
      Wird Cannabis je legalisiert muss es natürlich neudefiniert werden.
    • Alex_Steiner 19.04.2016 14:37
      Highlight Highlight @Fumo: Es gibt aussnahmen - wie im Artikel auch beschrieben. Darum muss es jetzt schon neu definiert werden.
    • Fumo 19.04.2016 14:49
      Highlight Highlight Nein denn selbst die Ausnahmen fallen unter gewissen Auflagen, wie andere schon erwähnt haben darf man unter bestimmten Medikamente keine Maschinen führen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Schuhmeister Flaig 19.04.2016 11:25
    Highlight Highlight Wer sagt, dass sich die Schweizer immernoch gegen eine komplette Legalisierung aussprechen würden? Seit 2008 haben viele Staaten den richtigen Weg eingeschlagen und haben damit gute Erfahrungen gemacht. Es bleibt zu hoffen, dass sich bei der nächsten Abstimmung die liberale und vernünftige Schweiz durchsetzten kann.
  • SVARTGARD 19.04.2016 10:31
    Highlight Highlight 🇨🇭
    Benutzer Bild
  • Charlie Brown 19.04.2016 09:16
    Highlight Highlight Nomen est omen? Der Verfasser heist Fumagalli und das Titelbild wurde von Herrn Hollander geschossen...

    Also ich finds lustig.
  • SVARTGARD 19.04.2016 07:28
    Highlight Highlight Zeit wird es aber auch,muss meine Birne wieder frei bekommen.😂
  • SoullessStone 19.04.2016 07:25
    Highlight Highlight Kurze Frage: Wie sieht es rechtlich aus, wenn eine Person, die Cannabis konsumieren darf (siehe Artikel), in einen Unfall verwickelt wird? Kann das THC im Blut dann nicht mehr zur Belastung der Person verwendet werden?
    • Duweisches 19.04.2016 07:57
      Highlight Highlight Ich denke schon, wer Medikamente nimmt kann bei einschränkender Wirlung auch bestraft werden.
      Das heikle am THC ist, dass Abbauprodukte drei Tage lang nachweisbar sind, selbst wenn also Kranke nur alle zwei, drei Tage ihr Medikament nehmen, sind sie komplett "fahruntauglich", dürfen also theoretisch gar nicht fahren...
    • NewsHunter 19.04.2016 08:01
      Highlight Highlight Ist zwar eine Annahme:
      Es gibt einge Medikamente, unter anderem auch Cannabis, die klar verboten sind Einzunehmen und dannach ein Motorfahrzeug zu lenken. Es ist der Auftrag von Ärzten wie auch Apotheker auf dies zuverweisen, zusätzlich wird das auf der Packungsbeilage des jeweiligen Medikament geschrieben sein. Das heisst, deine Frage ist mit Ja zubeantworten, denn man darf nach Gesetz nicht unter betäubenden Mitteln fahren. Dennoch: Bei Cannabis kann man PI mal Handgelenk 12h bis 24h (je nach Person und vorgängiger Konsum) Werte über 1,5mg/l auf finden. Wenn darunter: Keine Drogenfahrt.

    • Fumo 19.04.2016 08:02
      Highlight Highlight Ich schätze wird dann trotzdem als Betäubungsmittel gehandhabt wie Alkohol. Nur weil man Hanf legal konsumieren darf bedeutet ja nicht dass man zurechnungsfähig bleibt.
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