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Tigers Eero Elo, links, Torschuetze zum 1:0, und Ville Koistinen, rechts, freuen sich waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den ZSC Lions, am Freitag, 8. September 2017, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Die Finnen Eero Elo (l.) und Ville Koistinen. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Langnaus Schicksal zwischen finnischer Melancholie und Ländler

Die SCL Tigers verlieren eine Partie gegen die ZSC Lions (3:4 n.V.), die sie niemals hätten verlieren dürfen. Eine finnische Depression zieht auf.



Langnaus Trainer Heinz Ehlers ist nach dieser bittereren Niederlage nicht grantig. Obwohl er dazu wahrlich allen Grund hätte. Er hadert nicht einmal mit den Hockey-Göttern. Das ist eines seiner Erfolgsgeheimnisse: Er tritt stets anders auf, als es die Chronisten (und die Spieler) erwarten.

Heinz Ehlers sagt also, dass man gegen eine so talentierte Mannschaft wie die ZSC Lions eben vier Treffer kassieren könne. Dass er im Hinblick auf die zweite Partie (heute Abend in Biel) nichts ändern werde.

Wenn wir eine Erklärung für dieses Drama suchen, dann müssen wir die Lösung im hohen Norden suchen. In Langnau zieht eine finnische Depression herauf.

Dabei hätte er allen Grund gehabt, grantig zu sein. Die Langnauer haben eine Partie verloren, die sie niemals hätten verlieren dürfen. Sie führten bis in die zweitletzte Minute des zweiten Drittels 3:0 und verloren in der Verlängerung 3:4. Zum ersten Mal hat Langnau unter Heinz Ehlers einen Dreitore-Vorsprung aus der Hand gegeben. Unter Heinz Ehlers, diesem Hexenmeister des Defensivspiels, einen Dreitore-Vorsprung herzugeben, ist, wie beim Schieber mit neun Trümpfen den Match zu vergeigen – also eigentlich unmöglich.

Wenn wir eine Erklärung für dieses Drama suchen, dann müssen wir die Lösung im hohen Norden suchen. In Langnau zieht eine finnische Depression auf.

Vor diesem ersten Saisonspiel hat es viel Kritik für die «finnische Mafia» gegeben. Für die drei finnischen Titanen Ville Koistinen, Eero Elo und Antti Erkinjuntti. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte legen die Langnauer ihr Schicksal in die Hände von drei Finnen. Sieben von acht Vorbereitungsspielen hatten sie verloren, viermal sogar «zu null». Die drei Finnen waren offensive Nullnummern.

Tigers Antti Erkinjuntti, Mitte, und Benjamin Neukom, rechts, kaempfen um den Puck, gegen Lions Ronalds Kenins, links, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und den ZSC Lions, am Freitag, 8. September 2017, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Antti Erkinjuntti (m.) und Benjamin Neukomm (r.) kämpfen gegen Lions Ronalds Kenins um den Puck. Bild: KEYSTONE

Diese Kritik löste sich im ersten Ernstkampf in Jubelgesängen auf wie Bodennebel in der aufgehenden Herbstsonne. «Eero Elo, Eero Elo, Eero Elo», echote es bald einmal tausendfach von den Rängen. 3:0 führen die Langnauer, alle drei Treffer hatten die drei Finnen herausgespielt und erzielt, zweimal traf Eero Elo. Nicht ein einziger Skorerpunkt fiel als «Brösmeli» des Ruhmes für die Schweizer und die kanadische Nullnummer Aaron Gagnon vom Tisch der Offensive.

Hatte da irgendjemand gesagt, mit Finnen könne man nicht gewinnen? Schämen sollte sich der Chronist, der diesen dummen Spruch gemacht hat.

Aber am Ende ist es, wie es ist: mit Finnen kann auch Langnau nicht gewinnen. Oder etwas diplomatischer: Trotz Finnen konnte Langnau nicht gewinnen.

Eero Elo, der Held der ersten Spielhälfte, der umjubelte Vollstrecker zum 1:0 und zum 2:0, wird zum tragischen Helden der zweiten 30 Minuten. Erst scheitert er beim Stande von 3:2 mit einem Penalty an Niklas Schlegel (54. Minute). Es wäre der Sieg gewesen. Dann bringt er in der Verlängerung den Puck nicht am flinken, starken ZSC-Goalie vorbei und im Gegenzug fällt das 3:4.

Ich nehme in Kauf, mit meiner Analyse über die finnische Depression bereits nach dem ersten von 50 Qualifikationsspielen vorschnell die Sünde des «Hockey-Rassismus» zu begehen.

Die Langnauer haben ja auch vor einem Jahr im ersten Saisonheimspiel gegen die ZSC Lions in den Schlussminuten ein 1:0 aus der Hand gegeben und 1:2 verloren. Sechs Tage später gingen sie gegen Zug im Schlussdrittel sogar nach einer 3:0-Führung noch 3:4 unter. Aber das war in einem anderen Zeitalter, in einer anderen Hockey-Welt. Das war, bevor Heinz Ehlers kam und für Ordnung, System, Disziplin, Schema, Stabilität, Zuordnung, Resistenz, Widerstandfähigkeit und Verlässlichkeit in der Defensive sorgte.

Es gibt sie, die finnische Depression oder Melancholie. Sie ist wissenschaftlich bewiesen. Ein Doktor der Musikwissenschaften hat einmal in Finnland 224 einheimische Hits aus den Jahren 1929 bis 1996 untersucht. Der Aspekt, unter dem er die Songs betrachtete, war: Welche musikalischen Züge haben sie gemeinsam? Gibt es melodische oder strukturelle Gemeinsamkeiten? Welche musikalischen Elemente machen einen finnischen Hit aus?

Tragische Niederlagen gehören zur finnischen Hockeykultur wie im Emmental die Löcher in den Käse.

Es gibt eine Gemeinsamkeit: Achtzig Prozent der finnischen Erfolgssongs sind in Moll geschrieben. Lieder oder Musikstücke in Moll sind traurig oder mindestens melancholisch. Und haben die Filme von Aki Kaurismäki, dem berühmtesten finnischen Regisseur aller Zeiten, nicht fast alle ein Drehbuch wie dieses 3:4 n.V. des tapferen, mutigen Aussenseiters Langnau gegen den Titanen aus der grossen Stadt?

Tragische Niederlagen gehören zur finnischen Hockeykultur wie im Emmental die Löcher in den Käse. Unvergesslich bleibt beispielsweise der 7. Mai 2003. Finnland führte in Helsinki im WM-Viertelfinale gegen den Erzrivalen Schweden 5:1. Und verlor 5:6. Die Kunst, mit stoischer Würde am Eishockey zu leiden, wird im finnischen Eishockey kultiviert. Dazu passt durchaus, dass die Finnen ihre ganz eigene, melancholische Art des Tangos entwickelt haben.

Für die ZSC Lions wird dieses erste Spiel der Saison im Rückblick bloss eine Fussnote sein. Was wirklich zählt, sind die Playoffs im Frühjahr. Aber für die Aussenseiter ist schon im September und Oktober Playoffzeit. Sie haben nur eine Chance auf eine gefreute Saison und auf die Playoffs, wenn sie sofort Punkten. Dazu gehört die Fähigkeit, im Herbst nachlässige Favoriten zu besiegen.

Die SCL Tigers haben nur eine Chance auf die Playoffs, wenn sie die finnische Depression überwinden.

Der verlorene Punkt in Langnau ist für die Zürcher praktisch bedeutungslos. Für die Langnauer hingegen können die zwei verschenkten Punkte am Ende die Playoffs oder den vorzeitigen Ligaerhalt kosten. Immer wieder wird vergessen, dass im September verschenkte Punkte genau gleich viel Zählen wie jene, die in einer dramatischen Schlussphase verloren gehen.

Die SCL Tigers haben nur eine Chance auf die Playoffs, wenn sie die finnische Depression überwinden. Wenn die drei Finnen nicht mehr melancholisches Moll-Hockey spielen. Wenn sie, entgegen ihrem Naturell, Ländler-Hockey zelebrieren lernen. Sonst wird die finnische Melancholie der Rost im defensiven Stahlgerüst von Trainer Heinz Ehlers. Der Ländler ist gut strukturierte, geschwinde Musik in gleichmässig hohem Rhythmus mit heiterem, fröhlichem Charakter.

P.S. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Aaron Gagnon so schnell wie möglich ersetzt werden sollte.

Langnaus Leitwolf Pascal Berger fällt aus

Captain Pascal Berger (28) hat sich zu Beginn des zweiten Drittels im Spiel gegen die ZSC Lions durch einen Check von Christian Marti einen Schlüsselbeinbruch zugezogen. Er wird bereits heute Samstag operiert und muss rund sechs Wochen pausieren. Der ehemalige SCB-Stürmer steht in seiner zweiten Saison mit den SCL Tigers und ist inzwischen mit seiner intensiven Spielweise Langnaus Leitwolf und spielt im Team eine ähnliche Rolle wie Andres Ambühl in Davos.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gondeli 10.09.2017 20:24
    Highlight Highlight Zwei Mal waren die Tiger das bessere Team und haben nur knapp und entgegen dem Spielverlauf verloren... Es gibt keine Finnische Krise bei den Tigers!!! 9 Tore in zwei Spielen geschossen... wenn jetzt noch des Hene's Beton langsam trocknet, werden die Tigers locker ein Playoff-Team!!!

    Ho-Ho-Hopp Langnou!!! Plee-Offs mir chöme!!!
  • navigator 09.09.2017 13:08
    Highlight Highlight Mit Finnen kann man nicht gewinnen ??? Chlöisu bringt 1 historische Niederlage (Finnland-Schweden) als Beispiel. Die Erfolge des finnischen Hockeys international, NHL Superstars, Nachwuchsförderung .... alles ausser Acht gelassen ....
    Man könnte auch die historische SCB Niederlage in Nottingham doch dem finnischen Bandengeneral zuschreiben, mit dem kann man in England nicht gewinnen ...
  • StB 09.09.2017 11:47
    Highlight Highlight Was für ein Skandal... 😳😳 Wir schauen Ende Saison wie viele Teams nach einer 3:0 Führung noch verloren haben.
  • peterli90 09.09.2017 11:30
    Highlight Highlight Klar, zu früh, um den Teufel an die Wand zu malen.

    ABER: Chlöisu schreibt einfach immer verdammt gut und unterhaltend. Ich liebe seine Artikel!
  • Tikkanen 09.09.2017 11:08
    Highlight Highlight ...Finnen können nicht gewinnen?😡

    Benutzer Bild
    • Tobiwankenobi [ZH] 09.09.2017 14:35
      Highlight Highlight Ich glaub ich spinne... Ich habe einen Kommentar von Tikkanen gelikt.

  • Toastbrot 09.09.2017 10:32
    Highlight Highlight Im Bahnhofbuffet zu Langnau ist ein Platz für Zaugg nun reserviert
  • Scrj1945 09.09.2017 09:37
    Highlight Highlight Meine güte nach einem spiel erreicht zaug bereits seinen "ich male einen teufel an die wand" höhepunkt. Wie kommt man auf solche ideen? Ist dem langweilig. Im schweizer eishockey haben die ausländer eine wichtige position, aber die schweizer spieler sollten auch tore machen und verhindern.
    Übrigends mit "ich würde gagnon sofort austauschen" meint er sicher er würde nochmals einen finnen verpflichten.
  • Blitzableiter 09.09.2017 09:36
    Highlight Highlight Eigentlich wollte ich Gestern noch ein Kommentar abgeben das Langnau unterschätzt wird und das sie die Playoffs dieses Jahr erreichen werden. Als es 3:0 stand fühlte ich mich bestätigt. Dann als es 3:3 stand kam mir wieder in den Sinn.. Oh ja, stimmt. Das ist Typisch Langnau. Letzt Saison passierte ihnen das sehr oft. Haben die Tigers ein Konditionsproblem und geht denen zu früh die Puste aus ? Oder Teilen die sich ihre Kräfte derart schlecht ein und daher ein Taktisches Problem?
  • undduso 09.09.2017 08:59
    Highlight Highlight Stamm sollte sich mal den Hockeygöttern von Zaugg annehmen. Das wird langsam ne Obsession.
  • Quilker 09.09.2017 07:59
    Highlight Highlight Depression nach einem Spiel...??? 😂
    • Mia_san_mia 09.09.2017 09:10
      Highlight Highlight In Langnau hätte ich schon vor dem.ersten Spiel Depressionen.
    • sidthekid 09.09.2017 09:42
      Highlight Highlight Was ist dir denn über die Leber gekrochen Mia? Verstehe ja deine schlechte Laune, aber Bern beginnt ja heute auch mit spielen. Dann gehts stimmungsmässig auch bei dir wieder aufwärts, oder?
    • Ardkev 09.09.2017 12:49
      Highlight Highlight @mia wart mal die Saison ab.. Unglaublich wie man freude haben kann über eine Niederlage nach Verlängerung eines anderen Clubs. Langnau hat gar nicht so Übel gespielt.. Nur ist halt der Z doch eine klasse besser was in den kleinen Szenen zu sehen ist. Übrigens auch dein heissgeliebter SCB muss zuerst mal spielen...ich würde dass Maul nicht zu sehr aufreissen
    Weitere Antworten anzeigen
  • Mia_san_mia 09.09.2017 07:47
    Highlight Highlight Sehr gut, der Erste von vielen kleinen Schritten in Richtung Abstieg ist gemacht. Nur weiter so 👍
    • Patrick59 09.09.2017 09:24
      Highlight Highlight ...woher diese Abneigung?
    • sidthekid 09.09.2017 09:34
      Highlight Highlight Spricht für deine Hockeykompetenz, die Aussage...
    • Mia_san_mia 09.09.2017 17:29
      Highlight Highlight Was hat das mit Schulklasse zu tun? 😂
  • Jein 09.09.2017 07:21
    Highlight Highlight Einen solchen Artikel könnte man wohl gefühlte 10 Mal pro Saison schreiben, das passiert Langnau so oft. Das hat nichts mit Finnen zu tun, der SCL ist schlichtweg nicht fähig Führungen zu verteidigen. Kann sein dass es an der Einstellung liegt und die Spieler zumindest mental nicht auf so eine Führung vorbereitet waren, oder vielleicht war die Batterie zu schnell leer.
    • Mia_san_mia 09.09.2017 07:53
      Highlight Highlight Die sind einfach zu schlecht. So einfach ist das.
    • deere 09.09.2017 08:20
      Highlight Highlight Ich bin überhaupt nicht einverstanden mit ihremir Kommentar. Man kann nicht einfach sagen, dass Langnau zu nichts fähig wäre. Sie haben zwei blöde Tore wegen einer Strafe kassiert. Seien sie doch stolz, dass es in der Schweizweiten noch einen Eishockey Club gibt, der auf andere Eishockeyspieler setzt als nur auf solche aus Nordamerika, die ein riesen Vermögen kosten. Denn Langnau versucht mit Können zu gewinnen und nicht mit Geld!!!
    • Mia_san_mia 09.09.2017 09:09
      Highlight Highlight @Deere: Haha das mit auf andere Spieler setzen ist ja geil 🙈😂
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