Schweiz
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Aussicht aus dem Haus Laegern, wo Verwahrte untergebracht sind in der Strafanstalt Poeschwies in Regensdorf am Freitag, 28. Juli 2006. Im letzten Jahr verzeichnete das Amt fuer Justizvollzug in vielen Leistungsbereichen Spitzenwerte. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf (Archivbild). Bild: KEYSTONE

Mehrheit der Schweizer wünscht sich tiefere Hürden für lebenslange Verwahrung



Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung würde gemäss einer repräsentativen Umfrage Sexualdelikte an Kindern und Mord automatisch mit lebenslanger Verwahrung bestrafen. Sie spricht sich dafür aus, dass die Hürden für diese Massnahme gesenkt werden.

67 Prozent der Befragten sind für eine lebenslange Verwahrung ab der ersten Straftat bei Sexualdelikten mit Kindern, 61 Prozent bei Mord. Dies geht aus einer repräsentativen Online-Umfrage des Forschungsinstituts Marketagent.com hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Eine Mehrheit (60 Prozent) fordert entsprechend auch eine Verschärfung der heutigen Gesetzgebung, damit lebenslange Verwahrungen schneller ausgesprochen werden können.

Weiter fällt auf, dass Frauen mit Sexualstraftätern, die sich an Kindern vergehen, noch strenger ins Gericht gehen würden als Männer: Während sich 59 Prozent der befragten Männer dafür aussprechen, solche Straftäter ab der ersten Tat lebenslänglich wegzusperren, sind es bei den Frauen 75 Prozent.

Auch bei Mord zeigen Frauen weniger Gnade: 66 Prozent von ihnen sprechen sich bei dieser Straftat für eine lebenslange Verwahrung aus, und damit zehn Prozentpunkte mehr als bei den Männern (56 Prozent).

Skepsis gegenüber Gutachtern

Im Unterschied zur jetzigen Gesetzgebung scheint das Kriterium der Nichttherapierbarkeit des Täters bei der Bevölkerung eine untergeordnete Rolle zu spielen: Lediglich 16 Prozent der befragten Frauen und Männer sehen darin ein Kriterium für die lebenslange Verwahrung bei Sexualdelikten mit Kindern, im Fall von Mord sind es 18 Prozent.

Damit ein Gericht gegen einen Beschuldigten oder eine Beschuldigte eine lebenslange Verwahrung aussprechen kann, muss die Person nach geltendem Recht zuvor zwingend von zwei unabhängigen Gutachtern als dauerhaft untherapierbar eingestuft worden sein.

Von dieser Vorgehensweise ist die Bevölkerung offenbar nicht restlos überzeugt. Rund ein Drittel der Befragten (38 Prozent) hält es nur «teilweise» für gerechtfertigt, dass über die Frage nach lebenslanger Verwahrung de facto die Gerichtspsychiater entscheiden. Strikt oder eher gegen diese Praxis sind allerdings lediglich 22 Prozent, 42 Prozent sind eher oder entschieden dafür.

Kontext Rupperswil

Für die Umfrage wurden mittels Online-Interviews 1000 Männer und Frauen im Alter zwischen 14 und 65 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz befragt. Die Erhebung wurde Anfang April durchgeführt, im Anschluss an die Urteilsverkündung im Mordprozess von Rupperswil.

Das Bezirksgericht Lenzburg verhängte gegen den vierfachen Mörder eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und ordnete eine ordentliche Verwahrung an. Es sprach den Beschuldigten diverser Verbrechen schuldig, darunter Mord und sexuelle Handlungen mit Kindern.

Für die von der Anklage geforderte lebenslängliche Verwahrung fehlte hingegen eine wichtige Voraussetzung: Der Beschuldigte wurde nicht von zwei unabhängigen Gutachtern als dauerhaft untherapierbar bezeichnet. (vom/sda)

Und was denken Sie?

Umfrage

Sollten Sexualdelikte an Kindern und Mord automatisch mit lebenslanger Verwahrung bestraft werden?

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Reportage aus Rupperswil

Angehöriger Georg M. am 16. März 2018 zum Urteil zum Fall Rupperswil

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Video: watson

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    Alle Leser-Kommentare
  • Magnum44 24.04.2018 18:18
    Highlight Highlight Die gleiche Mehrheit wohl weiss, was eine ordentliche Verwahrung ist und was sie in der Realität bedeutet? Ich bezweifle es stark.
  • mpo 24.04.2018 14:59
    Highlight Highlight (2/2) Eine lebenslange Verwahrung ergibt also gar keinen Sinn, denn eine Massnahme soll ja dann beendet, wenn das Ziel erreicht wurde.

    Fordert man mehr Gerechtigkeit und will einen Täter für scheussliche Taten so lange wie möglich wegsperren, so muss man über ein anderes Strafmass diskutieren, nicht aber über Hürden für eine Massnahme.
    Viel verständlicher wird diese Thematik übrigens in diesem lesenswerten Artikel diskutiert: https://www.republik.ch/2018/03/28/wie-lang-ist-lebenslang
    • Yamamoto 24.04.2018 16:28
      Highlight Highlight Desweiteren werden nur gerade 2% der ordentlich Verwahrten entlassen. Die lebenslängliche Verwahrung ist überflüssig, rechtsstaatlich bedenklich, völkerrechtswidrig und unwissenschaftlich. Es ist aus psychiatrischer Sicht schlichtweg unmöglich, einer Person die Diagnose untherapierbar bis zum Lebensende zu stellen. Die forensischen Psychiater, die es dennoch getan haben, haben sich vermutlich vom öffentlichen Druck beugen lassen oder wollten ihr Ansehen steigern.
    • Madmessie 24.04.2018 17:22
      Highlight Highlight Ich denke, für den Laien ist es völlig egal, ob eine lebenslange Verwahrung eine Massnahme oder eine Strafe ist. Wichtig ist nur, dass diese Person nicht wieder freikommt.
    • H. L. 24.04.2018 18:08
      Highlight Highlight @ Yamamoto: Diese unsinnige Volksinitiative hätte gar nicht erst angenommen werden dürfen.
  • mpo 24.04.2018 14:59
    Highlight Highlight (1/2) Leider versteht damit eine Mehrheit unser Rechtsystem nicht. Ohne urteilen zu wollen, welche Strafe für einen solchen Täter richtig sein soll: Eine lebenslängliche Verwahrung ist eine Massnahme und keine Strafe. Das Streben nach Gerechtigkeit und damit die Forderung nach längerem Straffmass kann ich nachvollziehen. Die in diesem Artikel beschriebene Forderung nach tieferen Hürden für eine Massnahme jedoch nicht.

    Massnahmen beabsichtigen die Heilung einer bspw. psychischen Krankheit. Somit ist eine Massnahme (hier also eine Verwahrung) beendet, wenn dieses Ziel erreicht wurde.
    • Roterriese 24.04.2018 18:39
      Highlight Highlight
      Die Massnahme der ordentlichen resp. lebenslänglichen Verwahrung nach Art. 64 StGB bezwecken den Schutz der Allgemeinheit vor gefährlichen, rückfallgefährdeten Tätern.

      Das was Sie ansprechen, betrifft die therapeutischen Massnahmen nach Art. 59 ff. StGB. Diese Massnahmen beabsichtigen z.B. die Heilung einer psychischen Krankheit.
  • Joe Smith 24.04.2018 13:49
    Highlight Highlight Die «Mehrheit der Schweizer Bevölkerung» hat sich vermutlich noch nie vertieft mit der Materie beschäftigt. Aber Ahnungslosigkeit schützt bekanntlich nicht vor Meinung.

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